Der Märchenerzähler

by - August 21, 2017

(© Amazon / Igel Records)

Der Märchenerzähler
von Antonia Michaelis

Bewertung: ★★★☆☆

YA Mystery, Audiobook,
Erscheinungsdatum: 18. April 2012
Verlag: Igel Records


Meine Meinung:

-- Achtung enthält Spoiler --

Leider kann ich die nachfolgende Rezension nicht ohne einen wichtigen Spoiler schreiben, da gerade dieses Ereignis Grund dafür war, das ich überhaupt eine Rezi schreiben wollte und meine Meinung nicht einfach in einer Kurzmeinung kundtun konnte. Wer das Buch noch lesen möchte, sollte deshalb an dieser Stelle nicht weiterlesen.

Das Buch wurde mir im Rahmen einer SuB-Abbau Challenge ausgewählt und ich wurde bereits vorgewarnt, dass es sehr umstritten sein soll. Lange wusste ich nicht, weshalb dem so war, erst als es zu diesem einen, bestimmten und vor allem erschreckenden Schlüsselszene kam, konnte ich nachvollziehen, wieso die Geschichte den Unmut einiger Leser auf sich gezogen hat. Mich selbst hatte es auch etwas zwiegespalten zurückgelassen. Würde es nur nach dem Schreibstil oder der sehr originellen Idee gehen, ein scheinbares Märchen mit der Realität zu verknüpfen, hätte ich gut und gerne 4 bis 4.5 Sterne vergeben können. Aber so musste ich meine Bewertung leider nach unten korrigieren.

Aber um was geht es überhaupt? Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die beiden Teenager Anna und Abel. Obwohl Abel ein zwielichtiger Typ zu sein scheint, verliebt sich Anna relativ schnell in diesen Jungen, nichtsahnend, dass diese Liebe eine grosse Gefahr für sie bedeutet. Die Geschichte wird von einem wunderschönen, tragischen Märchen begleitet, das Abel seiner kleinen Schwester erzählt. Schon bald merkt Anna allerdings, dass das Märchen nicht bloss reine Fiktion ist, sondern dass die Erzählung mit eine Reihe von realen Ereignissen in Zusammenhang steht, bei dem immer wieder Leute, die verdächtigerweise mit Abel in Kontakt getreten sind, tot aufgefunden oder vermisst werden. Ob Abel etwas damit zu tun hat?

Ich muss zugeben, dass ich die Zusammenhänge zwischen dem Märchen und der Realität nicht immer ganz verstanden habe und ich bis zuletzt Mühe hatte, zu unterscheiden, welche Märchenfigur nun welcher realen Person aus Abels Umfeld entspricht. Dennoch fand ich die Idee sehr innovativ und einer der grossen Pluspunkte, die ich der Geschichte zugute halten möchte.

Die Story ist zudem durchgängig spannend, nicht zuletzt durch den Umstand, dass man nie genau weiss, ob man Abel vertrauen kann oder ob er doch hinter der ominösen Morden steckt. Ich habe noch nie so oft in einem Buch meine Meinung zwischen: "Doch er war es ganz bestimmt!" und "Nein, er kann es nicht gewesen sein", gewechselt. Erst ganz zum Schluss wird dieses Rätsel aufgeklärt, wie es sich für einen richtigen Thriller gehört. Auch das ist ein weiterer Pluspunkt.

Was mir leider überhaupt nicht gefallen hat, ist die Message, die die Autorin mit der Geschichte vermittelt. Im Mittelteil der Geschichte kommt es nämlich überraschenderweise zu einer Vergewaltigung, bei der Abel seine Freundin Anna gegen ihren Willen missbraucht. Und als wäre dieses Ereignis nicht erschreckend genug, verzeiht Anna ihrem Vergewaltiger sehr schnell, ohne dass die Autorin weiter auf die Thematik eingeht. Wenn man bedenkt, an welche Zielgruppe dieses Buch gerichtet ist, finde ich dieses Vorgehen sehr fragwürdig. Ich bin zwar absolut kein Fan davon, wenn ein Autor total offensichtlich mit der Moralkeule schwingt und versucht, den Leser mit einem erhobenen Zeigefinger zu belehren, aber ein wenig mehr Sensibilität hätte ich im Umgang mit dem Thema Vergewaltigung dennoch erwartet. Die Autorin versucht im Anschluss zwar aus Abels Sicht zu erläutern, wieso es soweit gekommen ist, aber das kam für mich wiederum so rüber, als wollte sie einem weiss machen, dass die Vergewaltigung in diesem Fall entschuldbar oder sogar berechtigt gewesen ist. Man könnte zwar argumentieren, dass Anna einfach naiv und/oder blind vor Liebe war, aber für mich war es nicht so, als hätte sie unter dieser traumatischen Erfahrung sonderlich gelitten. Und das fand ich schlichtweg unglaubwürdig.

Fazit:
Insgesamt war die Idee und der Schreibstil sehr gut, aber die Message fand ich äusserst fragwürdig und erweckte auf mich den Eindruck, dass es der Autorin an Sensibilität für die Thematik gefehlt hat.

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