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between the lines.

(© AmazonCrossing)

600 Stunden aus Edwards Leben (Edward #1)
von Craig Lancaster

Bewertung: ★★★★☆

Contemporary Fiction, 313 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. April 2013
Verlag: AmazonCrossing


Inhaltsangabe:
Edward Stanton, ein 39-jähriger Mann mit zwanghafter Persönlichkeitsstörung und Asperger-Syndrom, lebt allein und nach strengem Zeitplan in der Stadt seiner Kindheit in Montana. Zu seinen sorgsam ausgearbeiteten Routineabläufen gehört es, dass er täglich seine Aufwachzeit notiert, um die häufigste zu ermitteln (7:38 Uhr), seine Therapiesitzung niemals auch nur eine Sekunde vor dem vereinbarten Termin beginnt (10:00 Uhr) und jeden Abend um Punkt 22:00 Uhr eine Folge der alten Fernsehserie „Polizeibericht“ ansieht. Doch als eine alleinerziehende Mutter und ihr neunjähriger Sohn im Haus gegenüber einziehen, gerät nicht nur sein Zeitplan aus den Fugen. Im Verlauf der beschriebenen 600 Stunden freundet er sich mit den neuen Nachbarn an und rebelliert gegen die Einschränkungen durch seine Eltern und die Entfremdung von ihnen, insbesondere aber gegen die Demütigungen seines Vaters. Er erfährt durch die neue Freundschaft nicht nur Freude, sondern auch Leid, und muss entscheiden, ob er sich dennoch in die Welt vor seiner Tür hinauswagt oder sich wieder in die Einsamkeit zurückzieht.

Meine Meinung:

Dieses Buch lag seit 2015 auf meinem Ebook Reader und war somit das älteste Buch auf meinem SuB. Im Zuge meiner "SuB-Senioren"-Challenge, bin ich nun endlich dazu gekommen es zu lesen und war positiv überrascht, wie gut es mir gefallen hat.

Es wird die Geschichte von Edward Stanton erzählt, der unter einer Autismus-Spektrum-Störung leidet und dadurch einer akribisch genauen Tagesstruktur folgt, in der er trotz seiner Diagnose gut funktioniert. Diese Struktur wird jedoch eines Tages auf den Kopf gestellt, als er neue Nachbarn bekommt und eines Nachts in einer Heldenaktion in das Leben seiner neuen Nachbarn tritt. Dieses Ereignis soll jedoch nicht das einzige bleiben, das nicht nach "Plan" verläuft, denn kurze Zeit später ereilt Edward einen weiteren Schicksalsschlag, der eine grosse Veränderung bedeutet und ihn dadurch vor weitere Herausforderungen stellt...

Ich mag Bücher mit Protagonist:innen, die Ecken und Kanten haben und genau das ist bei Edward der Fall. Dadurch, dass die Geschichte aus seinen Augen erzählt wird und wir Einblicke in seine Gedankengänge bekommen, kann man nicht nur Edwards Beweggründe für seine Verhaltensweisen besser nachvollziehen, sondern erhält auch ein besseres Verständnis, wie seine Denkweise im Rahmen seiner ASS-Diagnose funktioniert.
Was mir auch gut gefallen hat, war der Umstand, dass Edward schon langjährig eine Therapie besucht und er dadurch einige Coping-Mechanismen erlernt hat, die ihm helfen, durch sein ASS nicht ständig in sozialen Situationen anzuecken. Er schreibt zum Beispiel jeden Abend "Beschwerdebriefe" an Personen aus seinem Umfeld, von denen er sich missverstanden oder ungerecht behandelt gefühlt hat und heftet diese in einem Ordner ab, was ihm letztendlich hilft, die vielen schwierigen sozialen Situationen in seinem Alltag zu bewältigen.
Die meisten Beschwerdebriefe waren an Edwards Vater adressiert, dessen Beziehung eine ganz besondere Rolle in der Geschichte einnimmt. Auch hier hat es mir besonders gut gefallen, wie vielschichtig und unperfekt Edwards Vater dargestellt wurde. Viele seiner Verhaltensweisen wirken im Laufe der Geschichte herzlos, doch wenn man genauer hinschaut, spürt man trotz allem immer eine Fürsorge und Liebe für seinen Sohn heraus, die er leider nur sehr ungeschickt zum Ausdruck bringt.

Was mir etwas weniger gut gefallen hat, war das Erzähltempo des Buches. Ich hatte den Eindruck, dass sich der Autor in den ersten beiden Dritteln des Buches viel Zeit für die Charakterisierung des Protagonisten und der wichtigsten Nebencharaktere nimmt und wir Edward nach und nach besser kennenlernen konnten. Dann passiert plötzlich ein unerwarteter Schicksalsschlag, der eine Reihe an Ereignissen ins Rollen bringt, die sehr gehetzt und konstruiert gewirkt haben. Edward konnte plötzlich viele seiner ASS-typischen Denk- und Verhaltensweise kritisch hinterfragen und ablegen, obschon sie so lange Teil seines Lebens waren. Und Auslöser dafür war eine äusserst kitschige Erkenntnis-Szene in seiner Therapie, in dem Edward plötzlich so vieles klar geworden ist. Tut mir leid, aber so funktioniert ASS nicht. Natürlich sind ASS-Betroffene lernfähig, aber nicht aufgrund eines einzelnen "Aha"-Momentes. Es hat sich so angefühlt, als hätte der Autor nach zwei Dritteln seines Plots das Gefühl gehabt, dass er nun möglichst rasch zu einem Ende kommen muss.
Ein weiterer Kritikpunkt war für mich die Fernsehserie "Polizeibericht", die in Edwards Leben eine wichtige Rolle spielt. Edward ist ein grosser Fan dieser Serie und schaut sich jeden Abend eine Folge an. Für uns Leser:innen bedeutet das, dass jedes Kapitel (das jeweils einen Tag in Edwards Leben abbildet) mit einer ausführlichen Beschreibung der Handlung einer Folge endet, die er sich gerade angesehen hat. Obschon ich die Intention dahinter verstehen kann (und am Ende auch erläutert wird, warum die Serie für Edward vermutlich eine so grosse Bedeutung hat), fand ich es für mich als Leserin äusserst ermüdend, redundant und schlichtweg langweilig, mir die Handlungen dieser fiktiven Serie jedes Mal durchlesen zu müssen, sodass ich sie irgendwann einfach übersprungen habe.

Das Ende war aber insgesamt zufriedenstellen und bringt Edwards Geschichte zu einem runden Abschluss (selbst wenn man über einige konstruierte Veränderungen hinwegsehen muss). Ich habe jedoch erst im Nachhinein gesehen, dass es sich nicht um ein Einzelbuch, sondern um einen Reihenauftakt einer Trilogie handelt. Da mein SuB bereits jetzt schon so gross ist und sich dieses Buch für mich in sich abgeschlossen anfühlt (und der dritte Band ohnehin nicht mehr ins Deutsche übersetzt wurde), werde ich die Fortsetzungen aber nicht mehr lesen.

Fazit:

Dieses Buch erzählt die Geschichte eines liebenswerten Protagonisten, der unter einer Autismus-Spektrum-Störung leidet und dadurch immer wieder vor schwierige Situationen gestellt wird. Dem Autor ist es (bis auf den letzten Drittel) gut gelungen, dieses Diagnosebild authentisch abzubilden, sodass ich Edward schnell in mein Herz geschlossen habe. Das Buch empfiehlt sich zum Beispiel für Fans, die auch "Ich, Eleanor Oliphant" mochten.
2 Kommentare
(© Argon)

Mein Herz und andere schwarze Löcher
von Jasmine Warga
Gelesen von  Inka Löwendorf

Bewertung: ★★★★☆

YA Contemporary, Audiobook 
Spieldauer:  7 Stunden und 17 Minuten
Erscheinungsdatum: 23. April 2015

Verlag: Argon Audio

Inhaltsangabe:
Wenn dein Herz sich anfühlt wie ein gähnendes schwarzes Loch, das alles verschlingt, welchen Sinn hat es dann noch, jeden Morgen aufzustehen? Aysel will nicht mehr leben – sie wartet nur noch auf den richtigen Zeitpunkt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Als sie im Internet Roman kennenlernt, scheint er der perfekte Komplize für ihr Vorhaben zu sein. Doch während die beiden ihren gemeinsamen Tod planen, spürt Aysel plötzlich, wie sehr sich auf die Treffen mit Roman freut, wie hell und leicht ihr Herz sein kann. Und plötzlich ist der Gedanke, das alles könnte plötzlich ein Ende haben, vollkommen unerträglich. Aysel beginnt zu kämpfen. Um ihr Leben. Um sein Leben. Und um ihre gemeinsame Liebe.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist mir seit dem Erscheinungstermin vor einigen Jahren immer wieder aufgefallen und als ich es vor kurzem auf Spotify als Hörbuch entdeckt habe, habe ich mich spontan dazu entschieden, mir die Geschichte anzuhören. Ich habe mich vorgängig gar nicht so richtig mit dem Inhalt des Buches auseinander gesetzt und war dann überrascht zu erfahren, worum es geht. An dieser Stelle ist eine Triggerwarnung angebracht, denn im Buch (und in der nachfolgenden Rezension) wird das Thema Suizid(alität) behandelt. 

Und damit wären wir auch direkt beim Einstieg in die Geschichte, die aus Sicht von Protagonistin Aysel erzählt wird. Man erfährt, dass Aysels Vater etwas Schlimmes angerichtet hat, wofür er im Gefängnis gelandet ist. Dieses Ereignis war für Aysel so prägend, dass sie seither (stellvertretend für ihren Vater) an Schuldgefühlen leidet und sie aufgrund ihres Leidensdrucks einen Suizidwunsch entwickelt hat. Auf ihrer Arbeit entdeckt sie bei einer Googlerecherche eines Tages eine Seite für "Suizidpartner:innen". Grob erklärt, kann man auf dieser Seite eine Kontaktanzeige schalten, um gemeinsam mit einem anderen Menschen aus dem Leben zu scheiden. Aysel wird sehr rasch fündig und lernt so den gleichaltrigen Teenager Roman kennen, der auch Suizid begehen will - ebenfalls aus Schuldgefühlen nach dem Tod eines Familienmitglieds. Gemeinsam vereinbaren die beiden einen Termin in nicht allzu langer Zukunft, an dem sie sich gemeinsam suizidieren wollen.

Ich muss gestehen, dass ich am Anfang etwas überrascht war, wie ungeschönt die Autorin mit dem Thema Suizid umgeht. Man wird relativ unvorbereitet mit der Thematik konfrontiert und erfährt sehr detailliert von Aysels Suizidplänen. Es ist auf der einen Seite zwar sehr lobenswert, wie ehrlich und direkt das Thema Suizid hier behandelt wird, auf der anderen Seite kann das Thema aber leider gerade dadurch sehr triggernd sein, vor allem wenn die Zielgruppe Jugendliche sind (von denen einige womöglich selbst an einer Depression leiden). Problematisch fand ich aus psychologischer Sicht, dass es zu Beginn ein bisschen so wirkt, als würden Aysels Ansichten zum Thema Suizid glorifiziert werden und es kann dadurch fälschlicherweise die Botschaft übermittelt werden, dass Suizid tatsächlich eine Lösung ist, um das eigene Leiden und die eigenen Schuldgefühle loszuwerden. Leider ging mir persönlich ein bisschen der Aspekt unter, dass Suizid endgültig ist, und es dadurch eben KEINE Lösung für Probeme darstellt. Vielmehr sollte man sich (professionelle) Hilfe holen, um einen Umgang mit den schwierigen Gefühlen, den Suizidgedanken, den Problemen oder ganz generell mit der depressiven Erkrankung zu finden. Doch das geht hier im Buch leider völlig unter.
Mir war klar (oder ich hatte es zumindest gehofft), dass es nicht die Intention der Autorin ist, Suizid zu glorifizieren und das Buch im weiteren Verlauf (hoffentlich) eine Richtung einnehmen wird, die Hoffnung vermittelt, aber bis zu diesem Punkt im Buch muss man es erst mal schaffen.

Der weitere Verlauf des Buches fokussiert sich auf die neue Freundschaft zwischen Aysel und Roman. Die beiden verbringen bis zu ihrem geplanten Todestag viel Zeit gemeinsam und dadurch erfährt man als Leser:in auch mehr über ihre jeweiligen Hintergrundgeschichten und was dazu geführt hat, dass sie gegenwärtig an einer Depression mit Suizidgedanken leiden. Die gemeinsamen Treffen sorgen dafür, dass etwas mehr Lockerheit und jugendliche Unbeschwertheit Einzug in die Geschichte hält und man kann beobachten, wie sich Aysel und Roman allmählich näher kommen.
Ich möchte nicht spoilern, aber ihr könnt euch denken, wie sich die Geschichte zwischen den beiden weiterentwickelt. Ich fand es zwar schön zu sehen, wie sich sie sich gegenseitig Halt geben und einander besser kennenlernen, aber gleichzeitig hatte das bei mir auch einen faden Beigeschmack, denn vor allem Aysel scheint es gut zu tun, Zeit mit Roman zu verbringen und nach und nach verschwinden ihre depressiven Gedanken und sie gewinnt an mehr Lebensfreude. Es kann zwar durchaus sein, dass eine neue Beziehung oder sich neu zu verlieben einen positiven Einfluss auf die eigene Stimmung haben kann, aber hier scheint es fast so, als müsste man sich einfach verlieben, und dann sind alle Probleme wie weggeblasen. Leider funktioniert das bei einer Depression in den meisten Fällen nicht einfach so, was bei mir die Vermutung aufkommen lässt, dass Aysel gar nicht an einer Depression gelitten hat, sondern sie eher in Selbstmitleid versunken ist und ihre Suizidpläne einen eher appellativen Charakter hatten und sie ernsthaft vor hatte, sich das Leben zu nehmen. Im Gegenzug dazu, sieht die Situation bei Roman dagegen ganz anders aus. Ich fand, dass es hier der Autorin sehr gut gelungen ist, eine depressive Symptomatik abzubilden und Romans Leidensdruck realitätsgetreu zum Ausdruck zu bringen. Das zeigt sich dann auch darin, dass er zwar auch Gefühle für Aysel entwickelt, dies aber nicht dazu führt, dass sich seine Stimmung radikal verbessert und er plötzlich von seinem Suizidplan abkommt. Und genau das zeigt auf, wie wichtig es ist, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn man an Suizidgedanken und/oder einer depressiven Stimmung leidet. 

Alles in allem hat mich die Geschichte aber dennoch emotional berührt und mich gut unterhalten. Ich fand es wunderschön und auch tragisch, die beiden Jugendlichen mit ihrem Schmerz zu begleiten und fand es schön, dass sich der Autorin einem so wichtigen Thema in ihrem Buch widmet und es sich eben nicht um einen platten Young Adult Plot handelt, sondern die Story tatsächlich Tiefgang hat. Meine Kritikpunkte sind eher auf hohem Niveau und aus fachlicher Sicht einer Psychologin zu verstehen. Ich fand es nur schade, dass die Autorin den Aspekt von professioneller Hilfe bei Depressionen und Suizidgedanken nahezu völlig ausser Acht gelassen hat und beide Teenager mit ihrem Schmerz alleine gelassen wurden. Es wurde nur die Option Suizid oder kein Suizid thematisiert. Es gibt aber durchaus noch weitere Optionen, die hätten erwähnt werden sollen - und eine davon, die wissenschaftlich nachweisslich erfolgsversprechend ist, ist es sich psychiatrische oder psychotherapeutische Unterstützung zu holen.

Fazit:

"Mein Herz und andere schwarze Löcher" erzählt die Geschichte zweier Jugendlicher, die aufgrund eines jeweils tragischen Erlebnisses in ihrer Vergangenheit mit Suizidgedanken zu kämpfen haben. Die Autorin widmet sich damit einem sehr wichtigen, und auch emotional berührenden Thema. Aus fachlicher Sicht, hatte ich beim Hören manchmal die Befürchtung, dass die Botschaft falsch interpretiert werden könnte, sodass es an der einen oder anderen Stelle sicher etwas Verbesserungspotenzial gegeben hätte, um diese Missverständnisse zu vermeiden. Aber alles in allem hat mir das Buch gerade aufgrund der Thematik gut gefallen. Nur eines ist abschliessend wichtig zu erwähnen: Holt euch unbedingt professionelle Hilfe, wenn ihr unter Depressionen leidet! Denn das geht hier im Buch leider ein bisschen unter.
8 Kommentare
(© cbj Verlag)

Es muss ja nicht perfekt sein*
von Krystal Sutherland

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Contemporary, 350 Seiten
Erscheinungsdatum: 22. April 2019
Verlag: cbj


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den cbj Verlag.

Inhaltsangabe:
Esthers Familie ist ungewöhnlich. Das ist das Mindeste, was man sagen kann. Ihr Vater wagt sich nicht mehr aus dem Keller, der Bruder kann nur bei Licht schlafen und die Mutter hat panische Angst vor allem, was Unglück bringen könnte. Was Esthers größte Angst ist, weiß sie nicht. Aber vorsichtshalber notiert sie alles, was infrage kommen könnte, in einer Liste. Und die gerät ausgerechnet in die Hände von Jonah Smallwood – ihrem Schwarm aus der Grundschule. Doch statt sie auszulachen, hilft Jonah ihr, sich ihren Ängsten zu stellen. Gemeinsam arbeiten sie die Liste ab und kommen sich immer näher. Bis Esther erfährt, was Jonah getan hat. (© cbj Verlag)

Meine Meinung:

Das neue Buch von Krystal Sutherland ist eher spontan auf meiner Wunschliste gelandet, nachdem ich eines ihrer anderen Bücher gelesen und für gut befunden habe. Ohne grosses Vorwissen über das Buch und mit dementsprechend einer neutralen Erwartungshaltung, habe ich "Es muss ja nicht perfekt sein" schliesslich begonnen, das durch ein besonders ansprechendes und sommerliches Cover besticht.
Im Fokus der Geschichte steht Esther, deren gesamte Familie an schweren psychischen Störungen leidet. Die meisten davon sind Angststörungen. Was für viele andere Betroffene sehr belastend und eine Einschränkung in ihrem Leben darstellt, wird in Sutherlands Buch allerdings auf die Spitze getrieben. Esthers Vater leidet zum Beispiel an einer so starken Agoraphobie, dass er sich seit Jahren im Keller verschanzt und nur sporadisch Kontakt zu seiner Familie hat. Die Diagnose der Mutter konnte ich auf Anhieb nicht so ganz erfassen - sie wirkte aber tatsächlich so, als hätte sie nicht mehr alle Tassen im Schrank. (Anm.: Und das ist als Kritik an die Autorin, nicht am Charakter zu verstehen). Sie trägt beispielsweise ständig ein lebendiges Huhn mit sich herum und nimmt jeden Aberglauben, der existiert, beim Wort. Esther selbst ist in ihrer Familie wohl diejenige, die ihr Leben noch halbwegs im Griff hat - aber das nur, weil sie selbst davon ausgeht, ihre ganz spezifische Angst (die jeder in ihrer Familie hat) noch nicht entdeckt zu haben. Und da kommt ihr Kindheitsfreund Jonah Smallwood ins Spiel: Er bestiehlt Esther und findet dadurch eine Liste von Dingen, von denen sie womöglich eine spezifische Phobie haben könnte (ohne es bislang zu wissen). Statt Esther in ihrem quälenden Unwissen zu lassen, beschliesst er eine Art Expositionstherapie zu machen und arbeitet mit Esther gemeinsam die Liste durch, um so herauszufinden, wovor sie nun tatsächlich Angst haben könnte. Dabei kommt Esther nicht nur ihren Ängsten, sondern auch Jonah näher...

Was soll ich sagen? Die Story klingt nicht nur verrückt, sie ist es auch. Ich bin ein grosser Fan von Büchern, die sich mit psychischen Erkrankungen befassen und diese auf eine möglichst authentische Weise beschreiben, so dass auch Laien sich vorstellen können, wie belastend eine solche Krankheit sein kann. Hier fand ich die Darstellung von Angststörungen aber sehr übertrieben und damit auch eher unglaubhaft. So wie Esthers Familie geschildert wird, hätte (zumindest hier in der Schweiz) schon längst eine Erwachsenen- und Kinderschutzbehörde eingegriffen und die Familienverhältnisse genauer unter die Lupe genommen, um den entsprechenden Familienmitgliedern eine absolut notwendige Therapie zukommen lassen. Was mir hier nämlich gefehlt hat, ist der Umstand, dass sich Angststörungen in der Regel sehr gut therapieren lassen und sie sogar die grössten Erfolgschancen für eine Behandlung aufweisen. Im Buch wird zwar noch versucht, die übertriebene Darstellung der Angststörungen durch eine Art Mythos über einen "Familienfluch" zu erklären, aber das hat für mich das Ganze nicht viel glaubhafter gemacht.
Dadurch, dass die betroffenen Familienmitglieder untherapiert unter ihren Symptomen leiden, fand ich die gesamte Familiensituation sehr tragisch mit anzusehen. An einer Stelle geht Esther beispielsweise endlich mal in den Keller zu ihrem Vater herunter und man erfährt, dass dieser vor ein paar Jahren einen Schlaganfall hatte und nun halbseitig gelähmt ist.
Die ganze Zeit über habe ich mich gefragt, ob es denn niemanden gibt, der von diesen Vorkommnissen Wind bekommen hat und dieser Familie bei ihren Problemen helfen will - denn wie gesagt: Die Erfolgschancen, dass ihr Leidensdruck mit Hilfe von Therapie oder wenigstens Medikamenten gelindert oder ganz aus der Welt geschaffen werden kann, wäre sehr gross. Zumal die Ausprägungsgrade der jeweiligen Angsterkrankungen so überspitzt dargestellt wurden, dass ich nur den Kopf schütteln konnte.

Neben dem seltsamen Plot, ist auch der Schreibstil sehr gewöhnungsbedürftig. Er ist sehr umgangssprachlich und einfach gehalten, was der Geschichte nicht unbedingt zu mehr Ernsthaftigkeit verholfen hat - im Gegenteil.

Als ich bei der Hälfte des Buches angekommen war, habe ich es dann nicht mehr länger ausgehalten und musste das Buch abbrechen. Während Esthers Storyverlauf sehr vorhersehbar war, hätte es mich zwar interessiert, was mit ihren Eltern am Ende des Buches passieren würde, aber das allein hat nicht ausgereicht, um mich weiter durch das Buch zu quälen. Die Idee wäre sicher gut gewesen, aber die Darstellung der Angsterkrankungen war so dermassen übertrieben und unrealistisch beschrieben, dass ich nur noch genervt war. Entstigmatisierung funktioniert anders.

Fazit:

Ein Buch das sich mit dem Thema psychische Erkrankungen befasst, diese aber so überspitzt darstellt, dass es einfach unglaubhaft wirkt. Anders als im Buch dargestellt, lassen sich Angststörungen sehr gut behandeln und Betroffene sind nicht so verrückt, wie die Autorin es einem im Buch weissmachen will. Für mich leider eine grosse Enttäuschung. Der Storyverlauf und der Schreibstil haben mich irgendwann so genervt, dass ich das Buch schliesslich abbrechen musste. Eine Leseempfehlung kann ich dieses Mal leider nicht abgeben.
2 Kommentare
(© Netgalley / Carlsen Verlag)

Jeder von uns ist ein Rätsel*
von A.J. Steiger

Bewertung: ★★★★☆

YA Contemporary, 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. November 2018
Verlag: Carlsen


*Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Andere Menschen zu verstehen ist für Alvie eine Herausforderung. Ihr Lieblingsbuch ist die Kaninchensaga »Unten am Fluss« und richtig wohl fühlt sie sich nur in ihrem Job im Zoo, bei den Tieren. Doch als sie Stanley kennenlernt, ist alles anders: Er interessiert sich nicht nur für Quantenphysik wie sie, sondern ist auch unendlich geduldig. Aber auch Stanley fällt es schwer, sich zu öffnen. Und es ist ein langer, zum Teil sehr komischer, manchmal trauriger und wunderschöner Weg, der sie am Ende zusammenbringt – zu so etwas Ähnlichem wie Glück. (© Netgalley / Carlsen Verlag)

Meine Meinung:

Auf "Jeder von uns ist ein Rätsel" bin ich in erster Linie aufgrund des auffälligen Covers aufmerksam geworden. Das Cover stellt ein Labyrinth dar, das im Laufe der Handlung seine Erwähnung findet und einen direkten Zusammenhang mit der Protagonistin Alvie aufweist, die unter dem Asperger Syndrom - also einer Form von Autismus - leidet. Als Leser hat man nicht direkt von Anfang an Kenntnis von dieser Diagnose und man wird zuerst einmal mit den teilweise sonderbaren Verhaltensauffälligkeiten und Eigenheiten von Alvie vertraut gemacht. Wenn man das Buch sehr aufmerksam liest und sich ein Stück weit mit Autismus auskennt, dann wird man vermutlich sehr bald einmal auf die Verdachtsdiagnose Autismus oder Asperger kommen - zumindest erging es mir so. Das erwähne ich deshalb besonders, weil dieser Umstand dafür spricht, dass es der Autorin gelungen ist, die Krankheit sehr authentisch und realistisch darzustellen, ohne das Kind direkt beim Namen zu nennen. Dafür gibt es einen grossen Pluspunkt von mir. Man kann sich selbst als Nicht-Autist/in sehr gut in die Gedanken- und Gefühlswelt von Alvie einfühlen und ein Stück weit erleben, wie herausfordernd für sie ganz alltägliche Situationen mit sozialem Kontakt sein können.

A. J. Steiger ist es gelungen, mit Alvie eine sehr tiefgründige, vielschichtige und vor allem liebenswerte Protagonistin zu schaffen, ohne ihre psychische Erkrankung beschönigend darzustellen. Jedes Mal wenn Alvie an die Grenzen ihres Aspergers Syndroms gelangt ist, habe ich mit ihr mitgefühlt. Was Alvies Schicksal doppelt so traurig macht, ist ausserdem der Umstand, dass sie sich mit gerade mal 17 Jahren alleine durchs Leben kämpfen muss, da ihre Mutter, die ihre einzige Bezugsperson gewesen war, vor ein paar Jahren verstorben ist. Wie es dazu gekommen ist, erfährt man auch erst nach und nach und ich will nur so viel verraten: Auch dieser Schicksalsschlag hat mich sehr berührt und mitgenommen.

Neben all den bedrückenden Thematiken, die besonders Alvies Autismus und ihre Vergangenheit betreffen, gibt es aber auch viele amüsante und wunderschöne Szenen im Buch, die einen immer wieder über die traurigen Erinnerungen hinwegtrösten. Grund dafür ist unter anderem Stanley, ein 19-jähriger junger Mann, den Alvie eher durch Zufall in einem Chat kennenlernt, nachdem sie sein Handy aus einem Teich im Park gefischt hat. Sehr bald entsteht zwischen den beiden eine enge Bindung, und das trotz Alvies auffälligem und teilweise sonderbarem Verhalten, das auch Stanley nicht entgangen ist und immer wieder zu ulkigen Situationen führt. Trotz, oder gerade wegen Alvies Eigenheiten scheint Stanley ein besonderes Interesse für sie zu entwickeln und die beiden verlieben sich ineinander, was sie immer wieder vor neue Herausforderungen stellt - denn was Alvie anfangs nicht weiss: Nicht nur sie, sondern auch Stanley hat eine Krankheit, die sein Leben beeinträchtigt. Auch seine Charakterisierung ist der Autorin sehr gelungen, was Alvie und Stanley zu einem aussergewöhnlichen und tollen Pärchen macht.

Die Geschichte wird eher in einem gemächlichen Tempo erzählt, so dass zwischenzeitlich manchmal für kurze Momenten ein paar Längen entstanden sind, die aber durch meist darauffolgende berührende Szenen wieder wett gemacht werden. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und flüssig zu lesen und passt perfekt zu einer Geschichte aus den Augen einer 17-jährigen.

Fazit:

Das Buch hat mich mit seinen Themen wie Erwachsenwerden, erste Liebe, schwierige Familiengeschichten und Schicksale und psychische und körperliche Erkrankungen sehr bewegt. Es war sehr berührend, die 17-jährige Alvie, die unter Asperger leidet, ein Stück weit auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Es gelingt der Autorin sehr gut, die täglichen Herausforderung von Betroffenen mit Autismus realistisch darzustellen, so dass man als Leser ein Stück weit nachempfinden kann, wie schwierig selbst alltägliche soziale Situationen für Betroffene sein können. Insgesamt ein wunderschönes Buch, das zwischenzeitlich ein paar Längen aufweist, aber sehr empfehlenswert ist. Von mir gibt es deshalb 4,5 Sterne.
6 Kommentare
(© Amazon / Hanser Verlag)

Kompass ohne Norden*
von Neal Shusterman

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Contemporary, 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 20. August 2018
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG 


*Rezensionsexemplar.

Inhaltsangabe:
Caden hält sich für einen normalen Jungen. Doch sein Verstand ist ein krankhafter Lügner, der sich auf fantastische Reisen begibt. Manchmal befindet Caden sich auf dem Weg zum tiefsten Punkt der Erde im Marianengraben, auf einem Schiff, auf dem die Zeit seitlich läuft wie eine Krabbe, verwittert von Millionen Fahrten, die bis in die finstere Vergangenheit zurückreichen. Und in der Realität lässt Cadens Verstand harmlose Dinge wie einen Gartenschlauch zur tödlichen Gefahr werden. Als die Grenze zwischen realer und fantastischer Welt verschwimmt, begreift Caden: In den Tagen der Bibel hätte er vermutlich als Prophet gegolten, doch heute lautet die Diagnose: Schizophrenie.(© Amazon / Hanser Verlag)

Meine Meinung:

Auf dieses Buch bin ich aus den folgenden Gründen aufmerksam geworden: Der Autor, das Cover und die Thematik – und zwar in genau dieser Reihenfolge.
Neal Shusterman hat sich mit seiner „Vollendet“-Reihe und später auch mit „Scythe“ einen Platz in der Riege meiner Lieblingsautoren geschaffen. Das Cover hat mich nicht nur neugierig gemacht, weil es aussergewöhnlich schön und ansprechend gestaltet ist, sondern weil es sich auch sehr von den bisherigen Büchern unterscheidet, die ich bisher von dem Autor gelesen hatte. Der Grund dafür hat sich dann spätestens aus der Inhaltsangabe ergeben: Statt einer weiteren Dystopie, hat sich Shusterman dieses Mal in ein neues Genre gewagt und schreibt über Schizophrenie. Mir wurde erst nach dem Vorwort bewusst, dass sein Sohn an einer psychischen Erkrankung leidet und er dadurch persönliche Erfahrungsberichte im Umgang mit einem Schizophrenen miteinfliessen lässt. Diese drei Komponenten konnten eigentlich nur eines bedeuten: Das Buch muss einfach gut werden.

Voller Neugierde und Tatendrang habe ich das Ebook begonnen, musste aber sehr bald feststellen, dass meine anfängliche Euphorie schnell nachliess. Shusterman hat für dieses Buch einen ganz eigenen Erzähl- und Schreibstil gewählt, der dem Thema vermutlich mehr Authentizität verleihen sollte und den ich leider auch nicht genau in Worte fassen kann. Bei mir hat er leider nur zwei Sachen ausgelöst: Verwirrung und allmähliches Desinteresse.
Das Buch lässt sich in zwei Handlungsstränge einteilen. Die eine handelt von Cadens Realität, in der er durch seine Erkrankung immer wieder an seine Grenzen gerät und die andere spielt in einer Art Fantasiewelt, in der Caden ein Kapitän auf einem Schiff ist. Mit letzterem konnte ich leider überhaupt nichts anfangen, denn mir war nicht ganz klar, worauf Shusterman damit hinaus wollte. Ging es darum, die teilweise wirren Gedankengänge eines Schizophren-Erkrankten mit bildhaften Metaphern zu beschreiben oder verfolgte er damit irgendeinen anderen tieferen Sinn? Ich fand Cadens Fantasiereise als Kapitän einfach nur verwirrend, nichtssagend und dadurch leider auch gähnend langweilig. Irgendwann habe ich diese Kapitel eher übersprungen und mein Fokus auf das reale Erleben gelegt – denn das hätte in meinen Augen durchaus Potential für ein spannendes Buch gehabt. Shusterman gelingt es durch wenige Szenen zu beschreiben, wie der paranoide Verfolgungswahn eines Schizophrenie-Erkrankten aussehen kann. Caden hat nämlich das Gefühl, dass ihn ein Mitschüler umbringen will und wird deshalb in eine Therapie geschickt. Was für uns vermutlich absurd klingt ist für Patienten mit paranoider Schizophrenie leider eine (scheinbare) Realität. Leider hat dieser Umstand allein aber nicht ausgereicht, um mich bei Stange zu halten. Durch die ständigen Unterbrechungen der Kapitäns-Story und dem gewöhnungsbedürftigen Schreibstil wurde ich immer wieder in meinem Lesefluss gestört. Ich musste mich sogar regelrecht zwingen, weiterzulesen… und als ich bei der Hälfte des Buches angekommen bin, habe ich mich entschieden, der Qual ein Ende zu setzen und das Buch abzubrechen. Vielleicht habe ich mir dadurch die Chance genommen, dass Shusterman am Ende eine Verbindung zwischen den beiden Handlungssträngen aufzeigt, die dem Ganzen etwas mehr Sinn verliehen hätten. Trotzdem hätte selbst das nicht mehr für eine bessere Bewertung meinerseits ausgereicht, denn dafür hat mir einfach der Zugang zu Caden und seiner Geschichte gefehlt.

Fazit:

Die Thematik ‚Schizophrenie‘ wäre interessant und wer sich für einen Schreib- und Erzählstil der etwas anderen Art begeistern kann, dem könnte dieses Buch durchaus gefallen. Meinen Geschmack hat Shusterman damit diesmal aber leider nicht getroffen, deshalb kann ich – so Leid es mir tut – auch nicht mehr als 2 Sterne vergeben. Die abgedroschene Phrase „Es liegt nicht an dir, sondern an mir“ beschreibt meine Bewertung aber abschliessend vermutlich am besten. Wer sich auf ein Buch der besonderen Art einlassen kann, dem kann ich „Kompass ohne Norden“ trotz meiner eher schlechten Bewertung empfehlen. Macht euch in diesem Fall einfach selbst ein Bild davon.
3 Kommentare
(© Amazon / cbt)

Der ungewöhnliche Held aus Zimmer 13B
von Teresa Toten

Bewertung: ★★★★☆

YA Realistic Fiction, Mental Illness, 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 1. September 2014
Verlag: cbt


Inhaltsangabe:
Als Adam das Mädchen Robyn trifft, weiß er nach einer Sekunde, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Ihre kohlschwarzen Wimpern und himmelblauen Augen hauen ihn einfach aus seinen farbabgestimmten Socken. Doch wie soll er je eine „normale“ Beziehung mit Robyn haben, wenn sein Leben alles andere als normal verläuft? Zum einen gibt es seine geschiedenen Eltern und den kleinen Halbbruder, der wie eine Klette an Adam klebt – zum anderen kämpft Adam mit dem Ungeheuer namens Zwangsneurose. Noch dazu bekommt seine Mutter seit kurzem Drohbriefe. Doch Adam will Robyns Batman sein – und gemeinsam können sie vielleicht alles Böse der Welt besiegen … (© Amazon / cbt)

Meine Meinung:
-- Achtung enthält Spoiler --

Ich weiss nicht so richtig, was ich von diesem Buch halten soll.
Am Anfang hat mich der sehr einfache und fast schon umgangssprachliche Schreibstil gestört, doch mit der Zeit fand ich ihn dem Alter der Charaktere entsprechend sehr passend. Das Buch liest sich schnell weg und die Geschichte um Adam ist sehr kurweilig. Es werden verschiedene ernstzunehmende psychische Erkrankungen (speziell Zwangsstörungen und paranoide Schizophrenie thematisiert und deren Symptomatik realistisch geschildert. Auch wie sich psychische Erkrankungen auf Familiendynamiken auswirken können und welche Bürde teilweise auf Kindern von psychisch erkrankten Eltern lastet, wird sehr deutlich gemacht.
Und trotz allem hatte ich immer das Gefühl, dass das gewisse Etwas fehlt und die Story nicht so viel Substanz hat, wie sie vorzugeben scheint.
Man erhält einen kurzen Einblick in das Leben von Adam und wie er versucht, mit seiner Zwangsstörung umzugehen und gleichzeitig mit typischen Teenagerthemen, wie der ersten Liebe, zu kämpfen hat. Am Ende des Buches hatte ich allerdings immer noch nicht wirklich eine Ahnung davon, was die eigentliche Message sein sollte. Hinzu kam, dass mich die scheinbar grosse Enthüllung, dass Adams Mutter vermutlich unter einer paranoiden Schizophrenie mit Verfolgungswahn leidet und die "Drohbriefe" selbst geschrieben hat, überhaupt nicht überrascht hat. Im Gegenteil, mir was das sogar von Anfang an klar. Aber vielleicht sollte das auch genauso sein. Wer weiss.

Alles in allem eine nette Geschichte über das Älterwerden, Teenagerprobleme, psychische Erkrankungen, Patchwork-Familien, Freundschaft und die erste Liebe. Eine kurzweilige Unterhaltung, die aber vermutlich bei mir nicht so lange in Erinnerung bleiben wird. Dafür war mir die Geschichte letztendlich dann doch zu unspektakulär. 3.5 Sterne gibt es dafür von mir.
Keine Kommentare
(© Amazon / Fischer Kinder- und Jugendtaschenbuch)

Was fehlt wenn ich verschwunden bin
von Lilly Lindner

Bewertung: ★★★★☆

Young Adult, 400 Seiten,
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2015
Verlag:
Fischer Kinder- und Jugendtaschenbuch

Inhaltsangabe:
April ist fort. Seit Wochen kämpft sie in einer Klinik gegen ihre Magersucht an. Und seit Wochen antwortet sie nicht auf die Briefe, die ihre Schwester Phoebe ihr schreibt. Wann wird April endlich wieder nach Hause kommen? Warum antwortet sie ihr nicht? Phoebe hat tausend Fragen. Doch ihre Eltern schweigen hilflos und geben Phoebe keine Möglichkeit, zu begreifen, was ihrer Schwester fehlt. Aber sie versteht, wie unendlich traurig April ist. Und so schreibt sie ihr Briefe. Wort für Wort in die Stille hinein, die April hinterlassen hat. (© Amazon / Fischer Kinder- und Jugendtaschenbuch)

Meine Meinung:
Das Buch erzählt von zwei Schwestern, die trotz räumlicher Distanz, durch Briefe die Nähe zueinander finden und so versuchen, füreinander da zu sein.

Es fängt alles damit an, dass die 16-Jährige April aufgrund einer Essstörung in eine Klinik gebracht wird. Ihre jüngere Schwester Phoebe, die erst 9 Jahre alt ist, beginnt deshalb, ihr regelmässig Briefe zu schreiben. Obwohl sie noch ein Kind ist, strotzen die Briefe regelrecht vor wunderschönen Metaphern und tiefgründigen Weisheiten, auch wenn sich Phoebe dessen nicht immer bewusst ist. Und genau das treibt auch ihre Eltern hin und wieder zur Weissglut. Und obwohl Phoebe als hochbegabt und überaus intelligent beschrieben wird, fehlt ihr noch das Verständnis für die Erkrankung von April. Ihre Eltern sind dabei leider kaum eine Hilfe, denn alles was sie tun, ist das Thema unter den Teppich zu kehren.
In der zweiten Hälfte des Buches wechselt die Perspektive von Phoebe zu April. Wir erfahren mehr über ihre Sicht der Dinge und auch über die Ursprünge und Einflüsse, die zu ihrer Erkrankung geführt haben. Was da alles an Tageslicht kommt, hat mich erschüttert und fassunglos gemacht. Hinzu kommt das ignorante und absolut kontraproduktive Verhalten ihrer Eltern, das sicher als ein aufrechterhaltender Faktor betrachtet werden kann.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, denn die Geschichte kann man nur schwer zusammenfassen oder in eigenen Worten beschreiben. Man muss sie selbst lesen und in die Welt von Phoebe und April eintauchen. Lilly Lindner hat einen unverwechselbaren Erzählungsstil und weiss definitiv mit Worten umzugehen. Ihre teilweise sehr philosophischen und tiefgründigen Gedankengänge regen einen selbst zum Nachdenken an und haben mich immer wieder dazu gebracht, einige angesprochene Dinge zu hinterfragen. Ausserdem schafft sie es, dass man als Leser so berührt von Aprils Schicksal ist, dass man am liebsten in das Geschehen eingreifen und ihr helfen würde.
Der einzige Kritikpunkt der mich gestört hat, ist der, dass bei den Charakteren sehr stark die Autorin durchscheint. Sowohl Phoebe, als auch April sind sich sehr ähnlich und der einzige Unterschied bestand oft darin, dass April in ihren Briefen etwas weniger kindlich gewirkt hat. Die Wortwahl und die Metaphern haben sich aber zum Teil kaum unterschieden. Das alles hat für mich für ein 9-Jähriges Kind (trotz Hochbegabung) einfach nicht authentisch gewirkt. Einerseits wirkt Phoebe sehr weise und reif für ihr Alter und hat ein Repertoire an schwierigen Wörtern, auf das einige Erwachsene neidisch sein können, andererseits ist sie in Bezug auf Aprils Krankheit wieder sehr kindlich und kann die Hintergründe für Aprils Erkrankung weder erahnen, noch wirklich verstehen.

Alles in allem ist "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" aber ein emotional berührendes, unverwechselbares und erschütterndes Buch, das ich jedem ans Herz legen kann.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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