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between the lines.

(© Droemer)

Die Einladung
von Sebastian Fitzek

Bewertung: ★☆☆☆☆

Thriller, 382 Seiten
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2023
Verlag: Droemer Knaur


Inhaltsangabe:
Marla Lindbergs Erinnerungen sind An die seltsame Nachricht, die sie in eine stillgelegte Geburtsklinik lockte. An die Gestalt, die versuchte, sie zu töten. Das seltsam pfeifende Husten des Psychopathen beim Kampf auf Leben und Tod.

Nach Jahren der Psychotherapie hat die hochintelligente junge Frau Das alles sind falsche Erinnerungen. Marla leidet unter Gesichtsblindheit. Ihr Gehirn spielt ihr in Extremsituationen Streiche, wenn es vergeblich versucht, Menschen an ihrem Gesicht zu erkennen.

Als Marla die Einladung zum Klassentreffen in den Alpen bekommt, hofft sie darauf, mit ihren ehemaligen Mitschülern in schönen und echten Erinnerungen schwelgen zu können. Bei ihrer Ankunft in dem verschneiten Berghotel sind alle Zimmer bereits bezogen. Benutztes Geschirr steht auf dem Esstisch, der Kamin flackert, doch es ist niemand da. Marla beginnt die anderen zu suchen. Und dann hört sie es wieder. Wie jemand pfeifend hustet, draußen, in der eisigen Dunkelheit …

Meine Meinung:

Fitzeks Bücher stand ich immer schon ambivalent gegenüber: Sie sind alle keine literarischen Meisterwerke und die Auflösungen am Ende waren jedes Mal zu viel des Guten. Aber, seine Bücher sind meistens richtige Pageturner, die sich, ohne viel nachzudenken, schnell weglesen lassen.

Bei "Die Einladung" habe ich sich aber zum ersten Mal anders erlebt: Hier kam einfach keine Spannung beim Lesen auf. Die Gründe dafür waren vielfältig: Zum einen hat mir dieses Mal ein Plot gefehlt, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Die Geschichte beginnt zwar mit einem schrecklichen Erlebnis, das neugierig macht, aber danach verliert sich die Story in unterschiedliche Szenen, die teilweise wie willkürlich zusammengewürfelt wirkten. Es hat dabei auch nicht geholfen, dass die Erzählung etliche Zeitsprünge macht. Das kann bei einem Thriller zwar für mehr Spannung sorgen, indem sich Vergangenheit und Gegenwart einander annähern und man als Leser:in die einzelnen Puzzlestücke zu einem grossen Ganzen zusammenfügen kann, aber Fitzek ist es gänzlich misslungen, diese Erzählmethode richtig einzusetzen. Statt zunehmender Spannung hat sich durch die Zeitsprünge bei mir eher zunehmende Verwirrung eingestellt. Es war fast so, als wüsste Fitzek selbst nicht, wohin er mit seiner Erzählung eigentlich will.

Aber der Mitte des Buches wird dem Ganzen dann die Krone aufgesetzt, nachdem der Schauplatz des Buches in eine abgeschiedene, verschneite Berghütte verlagert wird. Grund dafür ist ein Klassentreffen, bei dem die Protagonistin teilnimmt, obwohl absolut nicht nachvollziehbar ist, was ihre Beweggründe sind, überhaupt dorthin zu gehen, denn diese Einladung kam aus dem Nichts und hatte absolut keinen Zusammenhang mit den Themen, die in der ersten Buchhälfte präsentiert wurde. Und das war dann auch der Zeitpunkt, an dem mich Fitzek komplett verloren hat. Es hat mich nicht nur gestört, dass die Handlung plötzlich eine komplett neue und willkürlich wirkende Richtung einnimmt, der Schauplatz und die Idee mit der von der Zivilisation abgeschnittenen Berghütte hätte auch nicht ausgelutschter sein können. Einfach alles hat mich an einen 0815-Horrorfilm erinnert, der sich jedem Klischee bedient, dass das Genre zu bieten hat.
Wie man sich denken kann, handelt es sich natürlich nicht um ein einfaches Klassentreffen, denn die ehemaligen Mitschüler:innen und die Protagonistin wurden unter falschen Tatsachen an diesen abgeschiedenen Ort hergelockt und es wird ein Spielchen gespielt, das an "Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast", erinnert. Doch Fitzek wäre nicht Fitzek, wenn er nicht mit jedem Kapitel eine Schippe drauflegen würde, und die Handlung nimmt so absurde Züge an, dass ich den letzten Drittel nur noch genervt quergelesen habe. Die Auflösung war dabei aber einfach nur haarsträubend und absurd. Fitzek versucht zwar einen Bogen zu den Ereignissen aus der ersten Hälfte zu schlagen, aber das wirkt so weit hergeholt und konstruiert, dass sich alles wie ein schlechter Film angefühlt hat, statt einem "Aha"-Erlebnis, wie es eigentlich bei einem guten Thriller sein sollte.

Abgesehen von der aberwitzigen Handlung, fand ich aber auch, dass das Buch viel zu viele verschiedene Charaktere einführt, die in dieser Menge für die eigentliche Story nicht wirklich von Relevanz waren. Sie haben die Story nur unnötig verwirrender gemacht, als ohnehin schon.

Fazit:

Dieses Buch war von vorne bis hinten einfach eine Nullnummer. Es gibt keinen erkennbaren roten Faden und die Ideen wirken wie willkürlich zusammengewürfelte und geklaute Szenen aus bekannten Horrofilmen wie der Saw-Reihe oder "Ich weiss, was du letzten Sommer getan" hast. Die Story ergibt auch nach der Auflösung keinen Sinn und ich frage mich, ob dieses Buch überhaupt lektoriert wurde? Für mich eine Enttäuschung auf ganzer Linie und ich werde vermutlich auch keine weiteren Bücher des Autors mehr lesen.
6 Kommentare
(© cbj)

Firekeeper's Daughter*
von Angeline Boulley

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Mystery, 560 Seiten
Erscheinungsdatum: 21. März 2022
Verlag: cbj


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den cbj Verlag.

Inhaltsangabe:
Die 18-jährige Daunis Fontaine hat nie wirklich dazugehört, weder in ihrer Heimatstadt noch in der nahe gelegenen Ojibwe-Reservation. Denn sie ist halb weiß, halb Native American. Daunis träumt von einem Neustart am College, wo sie Medizin studieren möchte. Doch als sie sich plötzlich um ihre Mutter kümmern muss, beschließt Daunis, die eigenen Pläne vorerst auf Eis zu legen. Der einzige Lichtblick ist Jamie, der neue und sehr charmante Spieler im Eishockeyteam von Daunis‘ Bruder Levi. Daunis genießt seine Aufmerksamkeit und hat sich gerade in ihrem Leben eingerichtet, als sie Zeugin eines schrecklichen Mordes wird. Damit nicht genug, wird sie vom FBI rekrutiert, um undercover zu ermitteln. Widerstrebend willigt Daunis ein und erfährt so Dinge, die ihre Welt vollkommen auseinanderreißen …

Meine Meinung:

Auf dieses Buch bin ich bereits im vergangenen Jahr aufgrund seines Hypes in der englischsprachigen Lesecommunity aufmerksam geworden. Ich habe mich damals gar nicht so sehr mit dem Inhalt beschäftigt und es allein aufgrund der vielen begeisterten Stimmen auf meine Leseliste gesetzt. Etwas, das sich rückblickend als ein Fehler herausgestellt hat.
Ich weiss nicht genau warum, aber aufgrund des Covers bin ich irgendwie davon ausgegangen, dass es sich um ein Fantasy Jugendbuch handelt. Ich war dann ganz überrascht, als ich relativ rasch gemerkt habe, dass dem nicht so ist und eine Gegenwartsgeschichte mit Mysteryelementen erzählt wird.

Im Buch geht es um die 18-jährige Daunis, die von amerikanischen Ureinwohnern abstammt und eigentlich ein typisches Leben einer angehenden jungen Erwachsenen führt, bis sie eines Tages Zeugin eines Mordes wird und dadurch ungewollt in die Ermittlungen eines Falls hineingezogen wird, bei dem es um Drogengeschäfte geht. Und ausgerechnet sie soll nun mithelfen, die Täter zu finden...

Zunächst möchte ich mit den positiven Aspekten anfangen: Ich finde es fantastisch, dass sich das Buch mit der Geschichte und der Kultur der amerikanischen Ureinwohner befasst und sowohl die Protagonistin, als auch die Autorin selbst von amerikanischen Ureinwohnern abstammt. Dadurch verschafft sie nicht nur einer Minderheit Gehör, die so viel Leid erfahren hat, die Geschichte wird durch die eigenen Wurzeln der Autorin authentisch.
Ausserdem finde ich es toll, dass man das wunderschöne Original-Cover auch in der deutschen Übersetzung beibehalten hat, denn es fängt nicht nur das Thema des Buches sehr gut ein, sondern ist auch ein Blickfang, der mich damals auf das Buch aufmerksam gemacht hat.

Leider konnte die Geschichte bei mir dann letztendlich aber dann nicht so punkten, wie ich erhofft hatte, was gleich mehrere Gründe hatte: Zum einen ist das Erzähltempo im Buch sehr träge, was das Lesen bei einem 560 Seiten dicken Buch sehr anstrengend und langwierig gemacht hat. Die Handlung kommt gerade zu Beginn nicht richtig in die Gänge, weil die Autorin zu viel Infodumping mit Erklärungen zu Ritualen der Native Americans reingepackt hat, das nicht nur den Handlungsfluss ständig unterbricht, sondern auch von der Art und Weise sehr künstlich wirkt.  Da das Buch aus der Ich-Perspektive von Daunis erzählt wird, hat es für mich absolut keinen Sinn ergeben, warum sie sich selbst in Gedanken jegliche Rituale ihrer Verwandten erklärt, mit denen sie aufgewachsen sind und für sie selbstverständlich sind. Es war stellenweise so, als würde sie sich selbst Vorträge halten, was einfach unnatürlich gewirkt hat, weil wir Menschen nicht so denken und funktionieren. Wir erklären uns nicht in Gedanken Vorgänge aus dem Alltag, die für uns selbstverständlich sind.
Ausserdem wäre weniger in diesem Fall mehr gewesen, denn die vielen Erklärungen waren für mich in der Masse und in ihrer Ausführlichkeit einfach zu ermüdend und es hat sich stellenweise angefühlt, als würde ich ein Lehrbuch über die amerikanischen Ureinwohner lesen, statt eines Mystery Thrillers.

Nach dem ersten Viertel des Buches, nimmt die Handlung dann endlich Fahrt auf, als der erste Mord vor Daunis Augen geschieht und sie dadurch als zivile Undercover-Agentin vom FBI engagiert wird. Obwohl ich dankbar war, dass endlich mal etwas passiert war, war dieser "Plot Twist" absolut enttäuschend für mich, denn die Idee war einfach eine 1:1 Kopie von 21 Jump Street (den Filmen aus den 2010er Jahren zumindest - die Serie aus den 80ern habe ich nicht gesehen). Bei einem so gehypten Buch, das so viele positive Rezensionen erhält, hätte ich erwartet, dass der Plot innovativer ist, als eine bereits mehrfach erzählte und geklaute Story. Hinzu kommt, dass diese Undercover-Geschichte einfach absolut an den Haaren herbeigezogen ist (und das ist sie auch schon bei 21 Jump Street, aber da handelt es sich immerhin um eine Komödie, die sich selbst nicht ganz ernst nimmt). Hier im Buch soll es sich aber um eine ernstzunehmende Thriller-Story handeln, die ich aber einfach nicht mehr ernst nehmen konnte.

Ich habe dann trotzdem versucht dem Buch noch eine Chance zu geben und die nächsten paar hundert Seiten quer gelesen, aber leider war die Luft dann irgendwann ganz raus bei mir. Diese Ermittlung war einfach unglaubwürdig und es kam mir so vor, als würden viele Nebencharaktere wie die Fliegen sterben (und ermordet werden), was aber niemanden so richtig zu schockieren schien - abgesehen von mir? Ich fand es auch unglaubwürdig, dass ein 22-jähriger bereits ein FBI-Agent sein kann? Von dem total vorhersehbaren und konstruiert wirkenden Liebesplot will ich gar nicht erst anfangen.

Irgendwann war ich nur noch so genervt, dass ich mich nicht länger durch diesen Wälzer quälen wollte und habe das Buch schliesslich im letzten Drittel abgebrochen.

Fazit:

Obwohl das Buch einen so grossen Hype und viele begeisterte Stimmen erfahren hat, war ich über die geklaute 21-Jump-Street Idee so enttäuscht, dass ich mich nicht mehr auf die Handlung einlassen konnte. Ich finde es wichtig und gut, dass die Autorin, die selbst amerikanische Ureinwohnerin ist, dieser Kultur und Geschichte ein Gehör gibt. Aber nächstes Mal bitte mit einem selbst ausgedachten, innovativen Plot und einem weniger lehrbuchartigen Schreibstil, dann gebe ich ihr gern noch einmal eine Chance. Das hier war aber für mich persönlich leider kein Lesevergnügen.
2 Kommentare
(© Blanvalet)

Der Schattenmörder*
von Alex North

Bewertung: ★★☆☆☆

Thriller, 416 Seiten
Erscheinungsdatum: 17. August 2020
Verlag: Blanvalet


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Blanvalet Verlag.

Inhaltsangabe:
Niemals hat Paul den Tag vergessen, an dem er Charlie Crabtree in der Schule zum ersten Mal begegnete. Charlie mit seinem überlegenen Lächeln und den dunklen Fantasien, mit denen er Paul in seinen Bann zog. Sie waren Freunde. Bis zu dem Tag als Charlie den Mord beging und danach spurlos verschwand. Fünfundzwanzig Jahre später kehrt Paul erstmals in seine Heimatstadt zurück. Seine Mutter liegt im Sterben, die Pflegerin hat ihn alarmiert. Gleich nach seiner Ankunft passieren seltsame Dinge. Die Mutter behauptet, jemand sei im Haus gewesen, und als Paul den Dachboden betritt, findet er alles übersät mit blutig-roten Handabdrücken. In der Stadt bemerkt Paul, dass ihn jemand verfolgt, und er beginnt sich zu fragen: Was geschah damals mit Charlie Crabtree am Tag des Mordes?

Meine Meinung:

Ich habe in diesem Jahr nicht viele Thriller gelesen und "Der Schattenmörder" ist nur auf meiner Leseliste gelandet, weil es bei Goodreads in einem Monat auf Platz eins der populärsten Bücher gestanden hatte und ich deshalb sehen wollte, was an dem Hype dran ist. Der Autor war mir bislang völlig unbekannt, scheint sich aber gerade bei englischsprachigen Leser:innen grosser Beliebtheit zu erfreuen.

Der Einstieg ins Buch ist mir noch relativ gut gelungen und North konnte zunächst mein Interesse wecken. Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Eine davon spielt in der Gegenwart und eine 25 Jahre zuvor. Beide Zeitstränge haben gemeinsam, dass es zu einem ähnlichen Mordfall gekommen ist und nun ermittelt werden soll, wie der jüngste Mord mit den Ereignissen und Verdächtigen bzw. potenziellen Tätern aus der Vergangenheit zusammenhängen soll. Das Thema, das sich durch beide Mordfälle zieht und generell im Fokus des Buches steht, ist das luzide Träumen. Die Idee fand ich nicht schlecht, auch wenn ich dem Ganzen eher skeptisch gegenüber stehe, da solche Phänomene in Thrillern leider allzu oft unrealistisch dargestellt werden. Für einen Moment hatte ich auch den Gedanken, dass die Idee auch gut zu Fitzek gepasst hätte und das Buch deshalb von Fans des Autors etwas sein könnte.

Leider enden die Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Thriller-Bestsellerautoren hier bereits, denn Norths Schreibstil konnte mich (im Gegensatz zu Fitzeks) leider nicht wirklich fesseln. Es hat mir zwar gut gefallen, dass sich das Thema luzides Träumen wie ein roter Faden durch die Handlung zieht und der Autor scheinbar klar ein Konzept vor Augen hatte, aber leider wollte bei mir einfach keine Spannung aufkommen. Obwohl nach und nach weitere Details zum früheren Mord, dem Verschwinden des Hauptverdächtigen und den gegenwärtigen Ereignissen enthüllt wurden, war es nicht so, als wäre mir allmählich ein Licht in dem ganzen Dunkeln aufgegangen, ich wurde stattdessen immer verwirrter. Schuld daran waren vor allem die zahlreichen Charaktere, die mit zunehmendem Handlungsfortlauf zutage treten. Es wird mit so vielen Namen um sich geworfen, die auf irgendeiner Art in das Ganze involviert sein sollen, dass ich irgendwann der Überblick verloren habe, wer eigentlich wer ist und wer scheinbar zu den Guten und wer zu den Bösen gehören soll.
Erschwerend kam hinzu, dass ich zum Protagonisten Paul, der den ganzen Ereignissen auf den Grund geht, leider gar keinen Zugang finden konnte, was dazu geführt hat, dass mein Desinteresse für die gesamte Handlung immer grösser geworden ist. Vermutlich hätte es geholfen, wenn man sich neben dem Lesen alle Namen notiert hätte, um sie so besser einordnen zu können. Mir ist das leider zu spät eingefallen. Und so kam es, dass es mir irgendwann ganz egal war zu erfahren, was eigentlich passiert ist und wer denn nun der ominöse Täter hinter den Morden ist. Ich habe das Buch am Ende  nur noch quer gelesen, weil ich einfach wollte, dass es vorbei ist.

Was die Thematik des luziden Träumens angeht, so bin ich absolut keine Expertin, war aber die ganze Zeit sehr skeptisch, dass man rein durch Träumen zu solchen Taten fähig ist und Menschen manipulieren kann. Auf mich hat das Ganze dadurch leider sehr unglaubwürdig und unrealistisch gewirkt, was wiederum mein zunehmendes Desinteresse für die Story und deren Auflösung verstärkt hat.

Insgesamt war leider weder die Handlung, noch der Schreibstil etwas für mich. Ich kann nicht ganz nachvollziehen, warum der Autor so populär ist, meinen Geschmack hat er leider nicht getroffen, dafür hat mir einfach die Spannung gefehlt - und das ist etwas, das mir bei einem Thriller am wichtigsten ist.

Fazit:

"Der Schattenmörder" ist ein Thriller eines Autors, der sich in der englischsprachigen Community grosser Beliebtheit erfreut. Nach dem Lesen dieses Buches kann ich den Hype leider nicht ganz teilen, denn trotz eines deutlichen roten Fadens und dem zentralen Thema des luziden Träumens, konnte ich weder zur Handlung, noch zu den Charakteren einen Zugang aufbauen. Auch der Schreibstil konnte mich nicht richtig fesseln, sodass ich das Buch am Ende aus Desinteresse nur noch quergelesen habe. Meinen Geschmack hat der Autor leider nicht getroffen, da habe ich schon deutlich spannendere Thriller gelesen. Von mir gibt es deshalb 2 Sterne und dieses Mal leider keine Leseempfehlung.
4 Kommentare
(© Droemer HC)

Der Heimweg
von Sebastian Fitzek

Bewertung: ★★☆☆☆

Thriller, 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 21. Oktober 2020
Verlag: Droemer HC


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Droemer HC Verlag.

Inhaltsangabe:
Es ist Samstag, kurz nach 22.00 Uhr. Jules Tannberg sitzt am Begleittelefon. Ein ehrenamtlicher Telefonservice für Frauen, die zu später Stunde auf ihrem Heimweg Angst bekommen und sich einen telefonischen Begleiter wünschen, dessen beruhigende Stimme sie sicher durch die Nacht nach Hause führt - oder im Notfall Hilfe ruft. Noch nie gab es eine wirklich lebensgefährliche Situation. Bis heute, als Jules mit Klara spricht. Die junge Frau hat entsetzliche Angst. Sie glaubt, von einem Mann verfolgt zu werden, der sie schon einmal überfallen hat und der mit Blut ein Datum auf ihre Schlafzimmerwand malte: Klaras Todestag! Und dieser Tag bricht in nicht einmal zwei Stunden an ... 

Meine Meinung:

Sebastian Fitzek ist einer, wenn nicht DER erfolgreichste Thriller-Autor aus Deutschland und haut jedes Jahr zur selben Zeit ein neues Buch auf den Markt, das jedes Mal ganz oben auf den Bestseller-Listen landet und mit Begeisterungsstürmen überschwemmt wird. Ich selbst bin erst vor wenigen Jahren auf den Autor aufmerksam geworden und verbinde mit ihm eine Art Hass-Liebe. Ich mag seine anfänglichen Ideen und seinen packenden Schreibstil, bin aber fast jedes Mal von den Auflösungen seiner Bücher enttäuscht, so dass ich am Ende mit gemischten Gefühlen zurückbleibe. Und trotz meiner Kritik, bin ich doch jedes Mal auf Neue wieder neugierig, was sich Fitzek wohl für sein nächstes Buch ausgedacht hat, und muss es einfach lesen. Und genau das war auch bei "Der Heimweg" der Fall.

Fitzek fokussiert sich in jedem seiner Thriller auf ein anderes zentrales Thema. Und das ist etwas, dass ich ihm zugutehalten muss. In diesem Buch war es ein Begleittelefon, das vor allem für Frauen zur Verfügung steht, die nachts alleine nach Hause laufen müssen und sich durch den telefonischen Kontakt sicherer fühlen wollen. Im Buch ist das die Protagonistin Klara, die dadurch Jules als telefonischen Begleiter kennenlernt. Doch sehr bald stellt sich heraus, dass es Klara nicht nur um einen sicheren Heimweg geht, sondern sie kurz davor steht, einen Suizid begehen - und das bloss, weil sie unter Todesangst leidet. Jules steht deshalb vor der schwierigen Aufgabe, Klara von ihrem Vorhaben abzubringen, was sich allerdings via Telefon als eine Herausforderung herausstellt...
 
Obwohl die Idee anfangs noch vielversprechend war, hat mir in diesem Buch das erste Mal die Spannung gefehlt. Normalerweise kann ich Fitzeks Bücher kaum aus der Hand legen, denn die Kapitel sind immer sehr kurz und enden mit einer Art Cliffhanger, dass ich mir immer denke: "Ach, ein Kapitel mehr noch drin" und schwups, ist das Buch ausgelesen. Hier hat sich dieses Gefühl leider ausnahmsweise nicht eingestellt, was wohl daran lag, dass mich die Handlung nicht so richtig fesseln konnte. Normalerweise bin ich es gewohnt, dass es immer spannender wird, je näher ich an die Auflösung komme, da sich die einzelnen Handlungsstränge immer mehr zu einem grossen Ganzen zusammenfügen. Hier war es aber eher so, dass die Story für mich mit jedem Puzzleteilchen zunehmend verwirrender und unglaubwürdiger geworden ist. Ich habe irgendwie keinen Zugang zu den beiden Protagonisten gefunden und hatte auch Mühe, einen Überblick über die vielen Nebencharaktere zu behalten, die im Laufe der Geschichte auftauchen und irgendeine Rolle in diesem grossen Ganzen spielen. Normalerweise habe ich keine Schwierigkeiten Fitzeks Plots zu folgen, aber hier wollte der Funke leider überhaupt nicht überspringen. 
Es war auch das erste Mal, dass mir nicht nur die Auflösung nicht gefallen hat, sondern mich die ganze Handlung als Ganzes nicht überzeugen konnte. Der "Aha-"Effekt am Ende ist vollständig ausgeblieben und irgendwie hat die ganze Story für mich keinen Sinn ergeben. Hinzu kommt, dass das Buch mit etlichen Szenen sexueller Gewalt gefüllt wird, die aus meiner Sicht nicht nur eine Triggerwarnung zu Beginn des Buches verlangt hätten, sondern leider auch für die eigentliche Story völlig unnötig gewesen sind.

Insgesamt lässt sich sagen, dass diesem Buch die typischen Zutaten fehlen, die Fitzeks Bücher sonst lesenswert machen. Das hier war für mich leider das enttäuschendste Buch, das ich bisher von dem Autor gelesen habe.

Positiv bleibt aber zum Abschluss zu erwähnen, dass Fitzek im Nachwort Bezug zur Kritik nimmt, dass seine Bücher zu unglaubwürdig und unrealistisch sein sollen. Und da bezieht er klar die Position, dass er auch gar nicht will, dass seine Bücher realistisch sind, weil die Realität an sich bereits grausam genug sein kann. Ich rechne es ihm hoch an, dass er zumindest dazu stehen kann, dass seine Bücher unrealistisch sind.

Fazit:

"Der Heimweg" ist natürlich für jeden Fitzek-Fan ein Muss. Der Autor befasst sich in seinem neusten Thriller mit dem Thema eines telefonischen Begleitdienstes, das Frauen zur Verfügung steht, die nachts alleine nach Hause laufen müssen. Dieses Mal wollte bei mir aber leider keine richtige Spannung aufkommen, was vielleicht daran lag, dass die Story bereits relativ früh mit jedem weiteren Puzzleteil zunehmend verwirrender geworden ist und bei mir viele Fragezeichen verursacht hat. Mich konnte der Bestseller-Autor dieses Mal leider nicht überzeugen, und für mich war es bisher sein enttäuschendstes Werk. Von mir gibt es deshalb dieses Mal nur 2 Sterne. Das kann Fitzek definitiv besser!
4 Kommentare
(© Piper Verlag)

Ein Wort, um dich zu retten*
von Guillaume Musso

Bewertung: ★★★☆☆

Thriller, 336 Seiten
Erscheinungsdatum: 02. Juni 2020
Verlag: Piper


*Danke für das digitale Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Seit er vor zwanzig Jahren von einem Tag auf den anderen aufhörte zu schreiben, lebt der einst gefeierte Schriftsteller Nathan Fawles abgeschieden auf der kleinen Île Beaumont. Doch die Journalistin Mathilde Monney ist fest entschlossen herauszufinden, warum der Schriftsteller sich damals aus der Öffentlichkeit zurückzog. Kurz nach ihrer Ankunft erschüttert ein grausamer Mord die Insel, die daraufhin abgeriegelt wird. Während eine fieberhafte Jagd nach dem Täter beginnt, entspinnt sich zwischen Mathilde und Nathan eine hitzige Unterredung, in der Stück für Stück die ganze Wahrheit über seine Vergangenheit ans Licht kommt und Mathilde entdeckt, dass ein grausames Geheimnis sie beide verbindet ... (© Piper Verlag)

Meine Meinung:

Mussos Bücher zähle ich ein bisschen zu meinen "Guilty Pleasures". Seine Plots laufen fast immer nach dem fast gleichen Schema ab und beinhalten jedes Mal ähnliche Charaktere - und doch lese ich seine Geschichten aufgrund seines packenden Schreibstils zwischendurch immer wieder sehr gerne. Als ich gesehen habe, dass ein neues Buch aus der Feder des Autors erschienen ist, war das deshalb schon Grund genug, dass ich es lesen wollte.

Ich habe dieses Mal gar nicht so genau gelesen, um was es eigentlich geht, sondern mich einfach von der Geschichte überraschen lassen. Und überrascht war ich tatsächlich, denn die Story spielt man nicht in New York und Paris, sondern auf einer charmanten, kleinen französischen Insel mit dem schönen Namen Beaumont.
Auf der Insel lebt seit einigen Jahren ein ehemals berühmter Bestsellerautor, der sich Ende der 90er Jahre, in der Blüte seiner Karriere, ganz plötzlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Seither hält er sich bedeckt. Aber natürlich interessiert es immer noch den einen oder andere Fan, warum der Autor seine Karriere so abrupt beendet hat. Dieses Geheimnis will auch eine Schweizer Journalistin lösen, die auf die kleine Insel reist, um den Autor kennenzulernen. Doch bevor sie mit ihren Recherchen auf Erfolg stösst, wird auf der Insel plötzlich eine Leiche gefunden und bringt damit eine Reihe von Ereignissen ins Rollen, deren Zusammenhänge erst nach und nach ans Licht kommen...

Was sich anfangs fast schon wie ein idyllischer Urlaubsroman liest, entpuppt sich nach einer Weile als eine Mischung aus Fiktion und Thriller. Und damit bleibt Musso seinem Schema treu, auch wenn er sich hier zumindest mit einem Zehen aus seiner Comfort Zone heraus gewagt hat, indem er den Schauplatz auf eine abgeschiedene Insel verlegt hat.
Dadurch, dass das Buch nur 336 Seiten umfasst, rast man richtiggehend durch die Handlung, denn ein Ereignis jagt das nächste und mir fiel es schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Natürlich werden auch in diesem Buch nach und nach die Verstrickungen der einzelnen Handlungsstränge untereinander aufgedeckt, die schliesslich in einer (für mich mal wieder) weit hergeholten Auflösung zusammengeführt werden.
Insgesamt wurde die Geschichte mit zunehmendem Fortlauf immer komplexer und unglaubwürdiger. Die Story will zu viel auf einmal und dadurch wird Musso nicht allen Themen, die er bis zum Schluss anschneidet, auf diesen doch eher wenigen Seiten gerecht. Weniger wäre in diesem Fall vielleicht mehr gewesen. Doch das muss man bei Musso wohl inzwischen einfach in Kauf nehmen.

Fazit:

Mit einem gewohnt packenden Schreibstil, entführt Musso uns Leser*innen dieses Mal auf eine kleine, französische Insel, die schon bald Teil einer kleinen Verschwörung wird, deren Anfänge sich bis in die 90er Jahre zurückverfolgen lassen. Der Autor bleibt seinem Schema treu und erzählt eine Art Thriller, der gegen Ende hin jedoch immer absurder wird und in einer Auflösung endet, die auf mich schon sehr weit hergeholt und unglaubwürdig gewirkt hat. Nichtsdestotrotz hat mir Musso wieder ein paar spannende, kurzweilige Lesestunden beschert und mit durchschnittlichen 3 Sternen kann ich auch dieses Buch als Urlaubslektüre - und vor allem für Fans von Musso - empfehlen.
Keine Kommentare
(© Limes Verlag)

Weil niemand sie sah*
von Lisa Jewell

Bewertung: ★★★☆☆

Mystery Thriller, 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 10. Februar 2020
Verlag: Limes


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Limes Verlag.

Inhaltsangabe:
Ellie Mack war fünfzehn. Klug, gewitzt, der Liebling ihrer Mutter. Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich. Bis sie von einem Tag auf den anderen spurlos verschwand. Zehn Jahre sind seitdem vergangen, doch insgeheim hat Laurel nie die Hoffnung aufgegeben, ihre Tochter irgendwann wiederzufinden. Ihr eigenes Glück ist nebensächlich geworden. Dann lernt sie einen Mann kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Was ihr jedoch wirklich den Atem raubt, ist die Begegnung mit seiner neunjährigen Tochter – denn diese ist Ellie wie aus dem Gesicht geschnitten. All die unbeantworteten Fragen sind mit einem Mal wieder da: Was geschah damals mit Ellie? Und gibt es jemanden, der endlich Licht ins Dunkel bringen kann? (© Limes Verlag)

Meine Meinung:

"Weil niemand sie sah" hat meine Aufmerksamkeit erregt, weil es auf vielen Bestsellerlisten angepriesen wurde. Das Buch war so kurzweilig, dass ich es innerhalb eines Wochenendes gelesen habe. Und trotzdem konnte ich ihm nicht mehr als drei Sterne vergeben, weil die Story insgesamt irgendwie absurd war.

Das Buch ist in verschiedene Teile unterteilt und jeder Handlungsteil schliesst einen Abschnitt der Geschichte ab und enthüllt den Leser*innen gleichzeitig weitere Indizien, was tatsächlich passiert ist. Der Anfang des Buches hat mir mit dem Verschwinden der 15-jährigen Ellie Mack sehr gut gefallen und spannende Grundbausteine für einen Mystery Thriller gelegt. Ich hatte erwartet, dass man während des gesamten Buches miträtseln würde, was an besagtem Tag mit Ellie passiert ist und wer für ihr Verschwinden verantwortlich war.  Zu meiner Überraschung hat die Autorin allerdings einen ganz anderen Weg eingeschlagen, denn bereits am Ende des ersten Teils wird Ellie Macks Schicksal enthüllt und viele Hinweise eingestreut, die eigentlich leicht erraten lassen, wer für ihr Verschwinden verantwortlich sein könnte. Das hat mir nicht nur einen Teil der Spannung genommen, sondern das Buch leider auch vorhersehbar gemacht.

Trotzdem konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, denn bis zuletzt hatte ich mitgefiebert und gehofft, dass die Ereignisse sich vielleicht doch anders zugetragen haben, als es bereits so früh in der Geschichte angedeutet wurde.
Man begleitet Ellies Mutter Laurel dabei, wie sie auf eigene Faust Detektivarbeit leistet und rausfinden will, wer am Verschwinden ihrer Tochter beteiligt gewesen war und was für ein Motiv diese Person hatte. Während dieser Suche tritt gleichzeitig ein neuer Mann in ihr Leben, der selbst Vater zweier Töchter ist und eine davon sieht der verschwundenen Ellie zum Verwechseln ähnlich. Erst nach und nach wird aufgedeckt, wie dieser Zufall doch kein Zufall ist, sondern eine Verstrickung einer Reihe von Ereignissen darstellt, die mit Ellies Verschwinden zusammenhängt.
An dieser Stelle möchte ich nicht mehr verraten, denn sich von den Geschehnissen im Buch überraschen zu lassen, hat für mich den ganzen Lesespass ausgemacht. Jewells sehr simpel gehaltener Schreibstil führt dazu, dass man beim Lesen schnell vorankommt und sich regelrecht durch die Handlung treiben kann, ohne viel Mitdenken zu müssen, um den Überblick zu behalten. Und das fand ich sehr angenehm.

Dennoch muss ich an dieser Stelle auch die grösste Kritik am Buch erwähnen, denn die "Auflösung", sowie viele Ereignisse im Fortlauf der Geschichte haben auf mich wie an den Haaren herbeigezogen gewirkt. Am Schluss sass ich trotz unterhaltsamer Lesestunden da und dachte mir: Was zur Hölle habe ich das eigentlich gerade gelesen? :D Auch wenn man den oder die Täter*in bereits früh erahnen kann, fand ich die Umstände vor und nach Ellies Verschwinden absurd und unglaubwürdig.

Obwohl das Buch Spass gemacht hat, ist jetzt - rund eine Woche später - nicht viel vom Inhalt hängen geblieben. Und das bestätigt mir noch einmal die durchschnittliche Bewertung von drei Sternen. Man kann und soll sich von der Handlung einfach berieseln lassen und die tatsächlichen Geschehnisse nicht zu sehr hinterfragen, dann wird man ein paar tolle, kurzweilige Lesestunden haben.

Fazit:

"Weil niemand sie sah" war mein erster Mystery Thriller von Lisa Jewell. Ihr simpler Schreibstil lässt die Seiten nur so dahinfliegen und man kann das Buch in einem Zug lesen, ohne viel Mitdenken zu müssen. Das macht das Buch sehr kurzweilig. Leider ist ein Teil der Auflösung am Ende sehr vorhersehbar und der andere Teil an den Haaren herbeigezogen. Wenn man darüber aber hinwegsehen kann, dann beschert dieser Thriller einem ein paar unterhaltsame Lesestunden. Die Story wird mir jedoch inhaltlich nicht lange in Erinnerung bleiben. Deshalb gibt es von mir durchschnittliche drei Sterne.
Keine Kommentare
(© dtv Verlag)

Verity*
von Colleen Hoover

Bewertung: ★★★☆☆

Thriller, 368 Seiten
Erscheinungsdatum: 13. März 2020
Verlag: dtv


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den dtv Verlag.

Inhaltsangabe:
Die Jungautorin Lowen Ashleigh bekommt ein Angebot, das sie unmöglich ablehnen kann: Sie soll die gefeierten Psychothriller von Starautorin Verity Crawford zu Ende schreiben. Diese liegt seit einem Unfall, der unmittelbar auf den gewaltsamen Tod ihrer beiden Töchter folgte, im Koma.
Lowen akzeptiert – auch, weil sie sich zu Veritys Ehemann Jeremy hingezogen fühlt. Während ihrer Recherchen im Haus der Crawfords findet sie Veritys Tagebuch und darin offenbart sich Lowen Schreckliches ...
(© dtv Verlag)

Meine Meinung:

Im Gegensatz zu vielen ihrer bekannten Contemporary Romane, ist "Verity", das neuste Werk der Bestsellerautorin Colleen Hoover - unter Fans CoHo genannt - im Self-Publishing erschienen. Und ich finde, dass man merkt man dem Buch an. Zum einen muss man CoHo lassen, dass sie erneut einen Abstecher ins Thriller-Gerne gemacht hat und sich damit aus ihrer Comfort Zone heraus gewagt hat, was ich ihr hoch anrechne. Auf der anderen Seite wirkte die Geschichte als Ganzes aber dann nicht so ausgereift, wie ich es mir erhofft hatte - eher wie ein erster Entwurf, der mehr oder weniger unbearbeitet veröffentlicht wurde. (Und damit meine ich jetzt nicht die Grammatik- und Rechtschreibkorrektur, sondern eine inhaltliche Überarbeitung). Das deutsche Cover gefällt mir optisch sehr gut, ich muss aber gestehen, dass diese verträumten rosa und babyblauen Farben und das Wolken Sujet für mich so gar nicht zur düsteren Geschichte passt. Im Regal sieht es dafür gut aus ;-)

Doch beginnen wir ganz von vorne: Die offizielle Inhaltsangabe verrät eigentlich schon, worum es geht. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die Protagonistin Lowen, die das unschlagbare Angebot erhält, eine Bestseller-Bücherreihe einer bekannten Autorin fortzusetzen, die leider aufgrund eines tragischen Unfalls in einer Art Wachkoma liegt. Damit Lowen sich intensiv mit Veritys Entwürfen und Ideen zu ihrer Bücherreihe auseinandersetzen kann, lädt Veritys Ehemann sie dazu ein, eine Weile bei ihnen zu wohnen, um in Veritys Notizen stöbern zu können. Dieses Angebot nimmt Lowen dankend an, denn aufgrund eines Räumungsbescheids wäre sie vorübergehend ohnehin obdachlos gewesen. Bei ihren Recherchen stösst Lowen allerdings nicht etwa nur auf Unterlagen zu Veritys Bücherreihe, sondern auf eine Autobiografie der Bestsellerautorin, die ihr die Haare sprichwörtlich zu Berge stehen lassen. Mit jedem weiteren Kapitel, das Lowen aus reiner Neugierde liest, erhält sie tieferen Einblick in die Abgründe von Veritys verstörender Psyche - genauso, wie wir Leser*innen auch.

Fangen wir mit dem Positiven an: CoHos angenehmer, flüssiger Schreibstil hat die Seiten nur so dahinfliegen lassen und das Lesen für mich sehr kurzweilig erscheinen lassen. Die Autorin erzählt die Handlung auf zwei Zeitebenen. In der Gegenwart begleiten wir Lowen bei ihren Buchrecherchen, und auch wie sie Veritys Ehemann allmählich näher kommt. Die Kapitel werden gelegentlich durch Tagebuch-artige Einträge aus Veritys unveröffentlichter Autobiografie unterbrochen, durch die ihre Vergangenheit näher beleuchtet wird und man nach und nach erfährt, welche tragischen Schicksale die Familie durch die Tode zweier Töchter erleben musste. Und zu allem Übel wird bekannt, welche Rolle Verity in Wahrheit bei dem ganzen Drama gespielt hat. Dadurch, dass sowohl Lowen, als auch wir Leser*innen nur häppchenweise Informationen über die Geschehnisse aus der Vergangenheit erhalten, gelingt es CoHo die Spannung über die gesamte Geschichte hinweg aufrechtzuerhalten und die Leser bei der Stange zu halten.

Doch obwohl die Ansätze eines Thrillers da waren, gab es für mich einfach zu viele Aspekte in der Geschichte, die auf mich konstruiert gewirkt haben. Allein die ganzen "zufälligen" Begebenheiten, die dazu führen, dass Lowen bei Veritys Ehemann einzieht, damit die eigentliche Story ins Rollen kommen kann, haben auf mich in der Summe sehr unglaubwürdig gewirkt. Unglaubwürdig im Sinne davon, dass ich nicht den Eindruck hatte, dass so etwas tatsächlich im echten Leben passieren würde. Allein schon der Umstand, dass Lowen überhaupt bei einer fremden Familie einzieht, fand ich schon etwas seltsam und weit hergeholt. Man hätte ihr die Notizen ja auch einfach übergeben können.
Aber ich denke, man darf diese Begebenheiten einfach nicht zu sehr hinterfragen, sondern sollte sich einfach von der Story berieseln lassen, dann wird man auch Freude an ihr finden. Mir ging es zumindest so, nachdem ich mich entschieden hatte, über die vielen kleinen Ungereimtheiten hinwegzusehen. Ich habe mich dann vor allem auf das Rätsel um Veritys Vergangenheit und die Abgründe ihrer Psyche fokussiert. Mit jedem weiteren Kapitel wird man überrascht, wie bösartig und niederträchtig ein Mensch eigentlich sein kann. Leider waren in Veritys Autobiografie auch massenhaft Sexszenen dabei, die sie selbst in aller Ausführlichkeit beschreibt. Für mich hat sich auch hier der Sinn nicht ganz erschlossen, denn Veritys ausgeprägten Sextrieb hätte man auch einfach auf andere Art andeuten können. Das erschien mir so, als hätte CoHo gedacht: Ich tue meinen hartgesottenen Fans was Gutes und streue noch ein bisschen New Adult rein. Und das hat sich für mich in diesem Thriller ein bisschen fremd angefühlt. Ich muss aber auch zugeben, dass ich absolut kein Fan (mehr) vom New Adult Genre bin und bin schnell einmal von übermässigen Sexszenen genervt, weil sie für mich einer Story nicht wirklich mehr Substanz geben.
Wie dem auch sei. Neben Veritys Geheimnissen, kommt im Buch die Romantik natürlich auch nicht zu kurz. Hier fand ich das aber eher verstörend, denn Lowen und Veritys Ehemann Jeremy nähern sich einander durch die Umstände ihrer Zweisamkeit an, was auf mich wiederum erneut konstruiert und irgendwie deplatziert gewirkt hat. Die Story hätte in meinen Augen auch gut ohne diesen Aspekt funktioniert. Aber vielleicht wollte CoHo ja damit uns Leser*innen auch verstören. Dann ist ihr das in meinem Fall gelungen.

Ich muss gestehen, dass ich während des Lesens bereits früh einen Verdacht hatte, wie das Buch enden könnte. Und tatsächlich haben sich meine Vorhersagen zum Schluss teilweise bewahrheitet, was den Handlungsverlauf für mich ein bisschen vorhersehbar gemacht hat. Überraschen konnte mich die Autorin dann aber doch noch mit dem letzten Kapitel, in dem CoHo mit einem unerwarteten Plot Twist aufwartet, der ein ganz anderes Licht auf die ganze Handlung wirft und mir wirklich gut gefallen hat. Trotzdem war das Ende des Buches für mich leider etwas zu glatt und zu abrupt, auch wenn mir die Idee hinter der Auflösung insgesamt gefallen hätte.

Das waren jetzt viele Kritikpunkte, und dennoch möchte ich zum Schluss anfügen, dass mich das Buch gut unterhalten konnte. Für einen Thriller wirkt der ganze Plot auf mich aber zu unausgereift - eben wie ein erster Entwurf, der noch viel besser hätte werden können. Aber CoHos toller Schreibstil hat dazu geführt, dass ich das Buch trotzdem gern gelesen habe, auch wenn ich über viele kleine Kritikpunkte hinwegsehen musste.

Fazit:

"Verity" ist ein selbst publizierter Thriller aus der Feder von Bestsellerautorin CoHo, die sonst eher für ihre Contemporary Romane bekannt ist. Hier wagt sie sich einmal aus ihrer Comfort Zone heraus, was ich als grossen Pluspunkt werte. Die Idee an sich wäre ganz interessant gewesen, die Umsetzung wirkte aber auf mich eher wie ein erster Entwurf, der noch nicht ganz ausgereift ist und viele Aspekte enthält, die die Handlung konstruiert erscheinen lassen. Doch wenn man über die Ungereimtheiten hinwegsehen kann, dann kann der Thriller durch CoHos angenehmen und flüssigen Schreibstil unterhalten. Ein kurzweiliges Lesevergnügen, das von mir 3,5 Sterne erhält.
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(© Droemer Knaur Verlag)

Das Geschenk*
von Sebastian Fitzek

Bewertung: ★★★☆☆

Thriller, 368 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2019
Verlag: Droemer HC


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Droemer Knaur Verlag.

Inhaltsangabe:
Milan Berg steht an einer Ampel, als ein Wagen neben ihm hält. Auf dem Rücksitz ein völlig verängstigtes Mädchen. Verzweifelt presst sie einen Zettel gegen die Scheibe. Ein Hilferuf? Milan kann es nicht lesen – denn er ist Analphabet! Einer von über sechs Millionen in Deutschland. Doch er spürt: Das Mädchen ist in tödlicher Gefahr. Als er die Suche nach ihr aufnimmt, beginnt für ihn eine albtraumhafte Irrfahrt, an deren Ende eine grausame Erkenntnis steht: Manchmal ist die Wahrheit zu entsetzlich, um mit ihr weiter zu leben - und Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden. (© Droemer Knaur Verlag)

Meine Meinung:

Wie eigentlich jedes Jahr (und jedem hartgesottenen Fitzek-Fan bekannt sein sollte), ist auch dieses Jahr im Oktober der lang ersehnte neue Thriller der Bestsellerautors erschienen. Fitzek bleibt seinem altbekannten Schema treu und fokussiert mit Analphabetismus und Psychopathie zwei Themen, die er in seine Story miteinfliessen lässt.

Dieses Mal begleiten wir den Protagonisten Milan auf einer gefährlichen - ja eigentlich tödlichen - Katz-und-Maus-Jagd gegen die Zeit. Milan begegnet eines Tages auf dem Nachhauseweg einem Auto, in dem ein junges Mädchen einen Zettel gegen die Scheibe drückt und ihm dadurch etwas mitteilen will. Das Problem dabei? Milan ist Analphabet und kann nicht lesen, was ihm das Mädchen mitzuteilen versucht. Dennoch schafft er es, sich die Buchstaben zu merken, die für ihn nichts weiter als Hieroglyphen darstellen und sie später mit Hilfe seiner Freundin zu entziffern. Und damit nimmt das Spiel seinen Lauf: Milan wird in einen Entführungsfall verwickelt und vom Entführer erpresst: Wenn er ihm nicht bis zum Ablauf eines bestimmten Zeitpunktes eine bestimmte Menge Geld überweist, dann stirbt das Mädchen. Milan, der diese Summe nicht bezahlen kann, sieht keinen anderen Ausweg, als sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem Entführer und dem Mädchen zu machen. Doch je näher ihn seine Spur bringt, desto tödlicher agiert der Entführer. Ausserdem muss Milan auf der Jagd nach dem Entführer feststellen, dass es gar kein Zufall war, dass ausgerechnet er in diesen gefährlichen Fall verwickelt wurde. Milan ist tiefer in den Fall verstrickt, als er es zunächst angenommen hatte. Und je näher er dem Mädchen kommt, desto mehr muss er über seine eigene Vergangenheit erfahren...

Die Story beginnt wie immer sehr vielversprechend und konnte relativ rasch mein Interesse wecken. Fitzek hat wie gewohnt einen sehr fesselnden Schreibstil, der es mir jedes Mal schwierig macht, seine Bücher wieder aus der Hand zu legen. Es gibt einige, die bemängelt haben, dass jedes Kapitel mit einem Cliffhanger endet. Aber genau das ist doch Fitzeks Ding; und genau das macht seine Bücher so spannend. Mal will dadurch unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Trotz des packenden Erzählstils gibt es aber auch beim neusten Thriller der Autors einen grosses Aber, das ich bei fast all seinen anderen Büchern bisher anmerken musste: Je näher man der Auflösung des Falles kommt, desto unglaubwürdiger wird es. Fitzek folgt wie immer seinem gewohnten Muster: Es bleibt nicht bei einer ersten Auflösung, sondern es muss mit jedem weiteren Kapitel noch eine Schippe darauf gelegt werden. Die Verstrickungen werden immer komplexer und die Erklärungen immer absurder, bis das Buch schliesslich mit einem fast haarsträubenden Ende abgeschlossen wird. Ich musste auch hier mehrmals meinen Kopf schütteln, weil der Schlussteil in meinen Augen leider nicht sonderlich gut gelungen ist. Es war fast so, als hätte Fitzek sich mit jedem weiteren Kapitel noch einmal selbst übertrumpfen wollen - und das war schlussendlich einfach too much. Für das Ende hätte ich mir erhofft, dass es schlüssiger wirkt. Nach dem spannenden Aufbau der Story, wirkte der Schlussteil aber stattdessen leider wieder einmal total hanebüchen.

Nichtsdestotrotz lässt sich abschliessend sagen, dass es sich um einen typischen Thriller von Fitzek handelt, bei dem er seinem gewohnten Schema treu bleibt. Das kann man natürlich ganz getreu dem Motto "Never change a winning horse" machen, ich würde mir aber nach wie vor mal wünschen, dass sich der Autor aus seiner Comfort Zone wagt und mich mit einer ganz neuen, innovativen Idee überraschen würde. Hier ist ihm das leider nicht gelungen. Dafür erinnert sein Ablauf zu sehr an seine früheren Werke. Und ich denke, es ist auch das, was viele seiner Thriller für eingefleischte Fans vorhersehbar macht.

Fazit:

In "Das Geschenk" liefert uns Fitzek einen neuen Thriller, in denen er die Themen Analphabetismus und Psychopathie in die Story einfliessen lässt. Der Schreibstil des Autors ist wie gewohnt sehr packend und macht es einem schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Leider verläuft das Buch - wie eigentlich alle Bücher des Autors - nach seinem gewohnten Schema und der Schlussteil ist, wie so oft, sehr unglaubwürdig, was auch der Grund für den Sterneabzug meiner Bewertung ist. "Das Geschenk" ist ein typischer Fitzek, der sehr kurzweilig ist und sich dadurch schnell lesen lässt, aber vermutlich schnell wieder in Vergessenheit gerät. Kann man lesen - man verpasst aber auch nichts, wenn man es sein lässt. Von mir gibt's durchschnittliche 3 Sterne.
2 Kommentare
(© Amazon / Knaur Verlag)

Amokspiel
von Sebastian Fitzek

Bewertung: ★★☆☆☆

Thriller, 449 Seiten
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009
Verlag: Knaur


Inhaltsangabe:
Dieser Tag soll ihr letzter sein. Die renommierte Kriminalpsychologin Ira Samin hat ihren Selbstmord sorgfältig vorbereitet. Zu schwer lastet der Tod ihrer ältesten Tochter auf ihrem Gewissen. Doch dann wird sie zu einem brutalen Geiseldrama in einem Radiosender gerufen. Ein Psychopath spielt ein makabres Spiel: Bei laufender Sendung ruft er wahllos Menschen an. Melden die sich am Telefon mit einer bestimmten Parole, wird eine Geisel freigelassen. Wenn nicht, wird eine erschossen. Der Mann droht, so lange weiterzuspielen, bis seine Verlobte zu ihm ins Studio kommt. Doch die ist seit Monaten tot. Ira beginnt mit einer aussichtslosen Verhandlung, bei der ihr Millionen Menschen zuhören ... (© Amazon / Knaur Verlag)

Meine Meinung:

Gerade jetzt, nachdem Fitzeks neuster Thriller "Das Geschenk" pünktlich zur Abstimmung des Leserpreises erschienen ist (ein Schelm, wer Böses dabei denkt 😉) und jeder darüber spricht, habe ich ganz bewusst zu einem seiner älteren Bücher gegriffen. "Amokspiel" ist vor rund zehn Jahren erschienen und dreht sich um eine Geiselnahme in einer Radiostation. Der Täter - ausgerechnet mal wieder ein Psychologe, was sich in Fitzeks Werken wohl nie ändern wird - spielt mit seiner Zuhörerschaft ein perfides Spiel: Während jeder Stunde wird er einen x-beliebigen Haushalt in Berlin anrufen. Wenn die Person, die das Telefon abnimmt, nicht als erstes einen ganz spezifischen Satz nennt, dann stirbt eine der Geiseln. Sagt die Person jedoch den richtigen Satz, dann überleben alle Personen in seiner Gefangenschaft für eine weitere Stunde. Was man anfangs noch nicht weiss, ist die tragische Hintergrundgeschichte, hinter diesem bösen Spiel des Täters. Denn er macht das Ganze nicht etwa zu seiner eigenen Belustigung, sondern aus Verzweiflung: Er hofft so, seine Verlobte wiederzusehen. Der Haken an der Sache? Die Verlobte ist bereits vor einiger Zeit bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen. Und damit werden die Ermittler vor ein kniffliges Rätsel gestellt...

Ich muss gestehen, dass dies der erste Thriller von Fitzek war, der mich nicht richtig packen konnte. Ich habe ziemlich lange gebraucht, um überhaupt zu verstehen, um was es eigentlich geht und wer wer ist. Denn neben der Perspektive des Täters, dessen Situation man immer wieder hautnah aus seiner Sicht erlebt, werden abwechselnd einige Kapitel aus Sicht der Ermittlerin Ira beschrieben, die eher unabsichtlich in den Fall hineingerät. Ira ist selbst psychisch angeschlagen und hat ihre Tochter auf eine tragischer Art und Weise verloren, die sichtbare Spuren bei ihr hinterlassen haben. Dennoch ist sie es, die telefonischen Kontakt zum Täter aufnimmt und versucht, die Geiseln zu retten. Dabei muss sie jedoch über ihre eigene Vergangenheit sprechen und einige alte Wunden wieder aufreissen.

Wie man es von Fitzek gewohnt ist, werden die Leser*innen nach und nach auf die richtige Fährte gelotst, indem häppchenweise neue Informationen enthüllt werden, die zum Verständnis der übergeordneten Plots dienen. Doch je mehr man in dieser Geschichte erfährt, desto absurder wird das Ganze. Das führt soweit, dass ich im letzten Viertel beinahe komplett mein Interesse für die Auflösung der Geschichte verloren habe, denn die Erklärung hinter dem Ganzen war einfach total hanebüchen. Jedes Mal, wenn man denkt, die Story könnte nicht mehr absurder werden, passiert irgendein Deus Ex Machina, der den Plot als total unglaubwürdig erscheinen lässt. Insgesamt gab es mir zu viele verschiedene Charaktere (die allesamt nur mit ihrem Nachnamen erwähnt wurden, was meinem Verständnis nicht unbedingt geholfen hat) und zu viele Verstrickungen und Verschwörungen. Fitzek hat wohl einfach mal alles in sein Buch gepackt, das ihm eingefallen ist. Die Verschwörung in "Noah" hat mir zum Beispiel viel besser gefallen. Hier wäre weniger definitiv mehr gewesen.

Fazit:

Amokspiel ist, so leid es mir tut, in meinen Augen der schlechteste Thriller, den ich bisher von Fitzek gelesen habe. Der Plot wirkt viel zu konstruiert und strotz nur so von unglaubwürdigen Plot Twists, die keinen Sinn ergeben und sich letztendlich jeweils als Deus Ex Machina entpuppen. Obwohl mich der Autor bisher mit seinem Schreibstil immer packen konnte, war es das erste Mal, dass bei mir so gar keine Spannung aufkam und mich regelrecht zum Weiterlesen zwingen musste. Die Auflösung ist erwartungsgemäss total hanebüchen und hat mich enttäuscht zurückgelassen. Das kann Fitzek eindeutig besser. Dieses Buch des Autors kann ich leider nicht weiterempfehlen.
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(© Goldmann Verlag)

Suche mich nicht*
von Harlan Coben

Bewertung: ★★★☆☆

Thriller, 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. Juni 2019
Verlag: Goldmann


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Goldmann Verlag.

Inhaltsangabe:
Für Simon wird ein Alptraum wahr, als seine Tochter Paige von einem Tag auf den anderen verschwindet. Hinterlassen hat sie eine Botschaft, in der sie klar macht, dass sie nicht gefunden werden will. Panisch begibt sich Simon auf die Suche, und als er Paige im Central Park tatsächlich entdeckt, erkennt er seine Tochter nicht wieder. Denn diese junge Frau ist völlig verstört und voller Angst. Sie flieht vor ihm, und Simon hat nur eine Chance, wenn er sie retten will: Er muss ihr in die dunkle und gefährliche Welt folgen, in deren Sog sie verloren ging. Und was er dort entdeckt, reißt ihn und seine gesamte Familie in einen Abgrund … (© Goldmann Verlag)

Meine Meinung:

"Suche mich nicht" war mein erstes Buch von Harlan Coben und ich habe mich ganz unvoreingenommen darauf eingelassen. Die Geschichte beginnt sehr spannend, was unter anderem daran liegt, dass man anfänglich als Leser*in kaum Informationen über die Begebenheiten hat, abgesehen von dem Wissen, dass Simon sich auf die Suche nach seiner drogenabhängigen Tochter macht. Es dauert auch gar nicht lange, bis er sie nach einem Hinweis im Central Park aufspüren kann, doch als er auf sie trifft, kommt es zu einer gewaltvollen Auseinandersetzung mit Aaron, Paiges festem Freund. Die Schlägerei zieht so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass Simon in der Presse landet und als böser Täter hingestellt wird, der arme, obdachlose Menschen verprügelt. Doch Simon lässt sich von dieser negativen Presse nicht beirren. Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid sucht er weiter nach seiner Tochter, und begibt sich dabei in Lebensgefahr. Dabei deckt er nach und nach auf, dass die Sache hinter Paiges Verschwinden viel grösser ist, als er anfangs angenommen hat. Mit den Recherchen für die Suche nach seiner Tochter wirbelt Simon viel Staub auf, das von einigen Personen nicht gerne gesehen wird. Doch Simon gibt nicht auf – selbst wenn es bedeutet, dass er sein Leben aufs Spiel setzt.

Der Schreibstil von Coben war wirklich sehr flüssig und angenehm zu lesen. Die Seiten sind nur so dahin geflogen und das Vorgehen, dass man als Leser*in erst nach und nach das ominöse Rätsel um Paiges Verschwinden gemeinsam mit dem Protagonisten löst, sorgt dafür, dass die Spannung während des ganzen Buches über aufrecht erhalten wird. Mit zunehmenden Offenbarungen, die etwas Licht ins Dunkel bringen, wird die Geschichte aber leider auch immer ein bisschen absurder und verstrickter - ähnlich wie man es auch von Sebastian Fitzek kennt. Die Auflösung am Ende ist schliesslich anders als gedacht. Ich hätte die Hintergründe niemals erahnen können, doch irgendwie fand ich sie etwas weit hergeholt und nicht ganz so befriedigend, wie ich es bei einem guten Thriller eigentlich erwarte. Was mich etwas frustriert hat ist auch der Umstand, dass es die ganze Zeit um Paiges Verschwinden geht und die Suche nach ihr sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Doch am Ende spielt ihr Verschwinden für die Auflösung nicht direkt eine Rolle. Hier hätte man die Fäden sicher etwas geschickter zu einem Ganzen zusammenlaufen lassen können.

Was mich jedoch positiv überrascht hat, war ein Geheimnis, dass erst auf den letzten Seiten gelüftet wurde und bei mir ein sehr beklemmendes Gefühl hinterlassen hat. Das fand ich sehr gelungen, denn solche Gefühle bleiben mir bei Büchern meistens noch sehr lange in Erinnerung. Davon hätte ich aber bei der eigentlichen Geschichte gerne mehr davon gehabt.

Fazit:

Ein solider Thriller, der durchgehend Spannung aufbaut und durch den flüssigen Schreibstil angenehm zum Lesen ist. Das Rätsel um Paiges Verschwinden fand ich sehr fesselnd, gerade weil man erst nach und nach weitere Details über die Hintergründe erfährt. Leider konnte mich die Auflösung am Ende nicht so richtig überzeugen. Ich hätte mir gewünscht, dass sie mehr Bezug zum Ursprung des eigentlichen Plots gehabt hätte. Das hätte man sicher geschickter lösen können. Alles in allem aber ein spannender Thriller, der man zwischendurch mal lesen kann und von mir 3 Sterne bekommt.
4 Kommentare
(© Amazon / Droemer Verlag)

Das Kind
von Sebastian Fitzek

Bewertung: ★★☆☆☆

Thriller, 402 Seiten
Erscheinungsdatum: 02. Oktober 2009
Verlag: Droemer


Inhaltsangabe:
Als Robert Stern diesem ungewöhnlichen Treffen zugestimmt hatte, wusste er nicht, dass er damit eine Verabredung mit dem Tod einging. Noch weniger ahnte er, dass der Tod etwa 1,43 m messen, Turnschuhe tragen und lächelnd auf einem gottverlassenen Industriegelände in sein Leben treten würde. Strafverteidiger Robert Stern ist wie vor den Kopf geschlagen, als er sieht, wer der geheimnisvolle Mandant ist, mit dem er sich auf einem abgelegenen und heruntergekommenen Industriegelände treffen soll: Simon, ein zehnjähriger Junge, zerbrechlich, todkrank - und fest überzeugt, in einem früheren Leben ein Mörder gewesen zu sein. Doch Robert Sterns Verblüffung wandelt sich in Entsetzen und Verwirrung, als er in jenem Keller, den Simon beschrieben hat, tatsächlich menschliche Überreste findet: ein Skelett, der Schädel mit einer Axt gespalten. Und dies ist erst der Anfang. Denn nicht nur berichtet Simon von weiteren, vor Jahren hingerichteten Opfern, schon bald wird auch die Gegenwart mörderisch... (© Amazon / Droemer Verlag)

Meine Meinung:

Ich hatte wieder mal Lust nach einem packenden Thriller für zwischendurch und habe deshalb nach einem älteren Werk von Fitzek gegriffen, das schon länger auf meinem SuB darauf gewartet hatte, gelesen zu werden.

Das Buch verfolgt ein ähnliches Schema, wie man es auch von neueren Büchern des Autors kennt. Man lernt den Anwalt Robert Stern kennen, der als Protagonist in der Geschichte fungiert. Er wird zu Beginn des Buches von seiner Ex-Freundin zu einem vermeintlichen Tatort gerufen, an dem sich eine Leiche befinden soll. Das Absurde daran? Sie wird von einem 10-jährigen, an Krebs erkrankten, Jungen begleitet, der behauptet, dass er den Fundort einer Leiche kennen würde, weil er selbst der Täter gewesen sein soll - allerdings in seinem vorherigen Leben. Und trotz anfänglicher Zweifel an der Geschichte scheinen Simons Angaben zum Tod des Opfers alle wahr zu sein. Etwas, das gar nicht möglich sein sollte, denn zum Zeitpunkt des Mordes wäre Simon noch gar nicht geboren gewesen. Und das ist noch nicht alles: Es handelt sich nicht um den einzigen Toten, für den Simon verantwortlich sein soll. Nach und nach führt er Robert zu weiteren Leichen, die der erst 10-jährige auf dem Gewissen haben soll. Robert, der eigentlich nicht an Reinkarnation glaubt, beginnt allmählich an seinem Verstand zu zweifeln. Und als er von einer Stimme via Telefon erpresst wird, der ihm Informationen über seinen verstorbenen Sohn liefern will, setzt er alles daran, das Geheimnis um die ominösen Todesfälle zu lösen.

Es ist ja unlängst bekannt, dass Fitzek immer mal wieder aussergewöhnliche (meist psychologische) Phänomene in seine Bücher miteinfliessen lässt und dieses Mal handelt es sich um das Thema "Wiedergeburt", das sich durch die gesamte Geschichte zieht. Doch Kenner des Autors wissen natürlich, dass nichts so ist, wie es anfangs scheint und deshalb habe ich mich einfach auf die Geschichte eingelassen und war gespannt darauf, wie die Auflösung für all das am Ende ausfallen würde.
Ich muss allerdings gestehen, dass mich Fitzek in diesem Thriller nicht so richtig fesseln konnte, wie es bei vielen seiner anderen Bücher der Fall war. Für meinen Geschmack wurden in dem Buch zu viele verschiedene Themen aufgegriffen, die als lose Fäden in die Erzählung eingeflochten wurden und am Ende dann leider durch eine eher verwirrende und sehr weit hergeholte Erklärung zu einem Ganzen zusammengefügt wurden. Aus spoilertechnischen Gründen muss ich hier sehr vage bleiben, allerdings kann ich so viel sagen: Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen. Irgendwann waren so viele verschiedene Charaktere im Spiel, die in der Geschichte mit drin hingen, dass ich stellenweise Mühe damit hatte den Überblick darüber zu behalten, worum es eigentlich geht. Irgendwie wollte dieses Mal nicht so richtig ein Gefühl von Spannung aufkommen und mir waren die ganzen Verschwörungen und wer jetzt mit wem zusammenarbeitet und zu den Bösen gehört zu verwirrend. Selbst die Auflösung über die Identität des Täters wirkte irgendwie konstruiert. Sie hat mich zwar überrascht, aber ehrlich gesagt hätte auch genauso gut ein anderer Charakter dahinterstecken können. Ich hatte nicht den Eindruck, dass die ganze Handlung darauf aufbaut, dass ausgerechnet eine Person als Täter in Frage kommt und es am Ende ein grosses "Aha"-Erlebnis gibt. Insbesondere im zweiten Teil hat mich der Plot dann irgendwie verloren und ich war am Ende einfach froh, als er vorbei war.

Fazit:

"Das Kind" war für mich bisher der schwächste Fitzek. Anders als bei seinen anderen Werken, wollte bei mir nicht wirklich Spannung aufkommen und der Plot wirkte irgendwie zu gewollt und dadurch unnötig verwirrend. Es gibt deutlich bessere Bücher des Autors. Dieses hier würde ich bislang vermutlich als letztes empfehlen. Deshalb kann ich nur 2 Sterne vergeben und hoffen, dass mich der nächste Fitzek wieder mehr begeistern kann.
2 Kommentare
(© Amazon / Knaur Verlag)

Abgeschnitten
von Sebastian Fitzek & Michael Tsokos

Bewertung: ★★★★☆

Thriller, 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. September 2012
Verlag: Knaur eBook


Inhaltsangabe:
Rechtsmediziner Paul Herzfeld findet im Kopf einer monströs zugerichteten Leiche die Telefonnummer seiner Tochter. Hannah wurde verschleppt – und für Herzfeld beginnt eine perverse Schnitzeljagd. Denn der psychopathische Entführer hat eine weitere Leiche auf Helgoland mit Hinweisen präpariert.

Herzfeld hat jedoch keine Chance, an die Informationen zu kommen. Die Hochseeinsel ist durch einen Orkan vom Festland abgeschnitten, die Bevölkerung bereits evakuiert. Unter den wenigen Menschen, die geblieben sind, ist die Comiczeichnerin Linda, die den Toten am Strand gefunden hat. Verzweifelt versucht Herzfeld sie zu überreden, die Obduktion nach seinen telefonischen Anweisungen durchzuführen. Doch Linda hat noch nie ein Skalpell berührt. Geschweige denn einen Menschen seziert … (© Amazon / Knaur Verlag)

Meine Meinung:

Mein zweiter Fitzek innerhalb weniger Tage, den ich hauptsächlich wegen meiner Teilnahme an der Knaur-Challenge gelesen habe. "Abgeschnitten" lag schon ewig auf meinem SuB und wie schon beim letzten Thriller von Fitzek, habe ich auch dieses Buch wieder innerhalb eines Tages gelesen, weil ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte. Fitzek hat das Buch zusammen mit dem Rechtsmediziner Tsokos geschrieben, dessen Einfluss auf Handlung während dem Lesen deutlich spürbar ist. Es wird detailgetreu geschildert, wie Leichen obduziert werden, so dass ich das Buch keinem mit schwachen Nerven empfehlen würde. Nicht nur Linda, einer der Charaktere im Buch, die die Obduktionen durchführen musste, sondern auch mir wurde beim Lesen ein klein wenig übel, denn die Beschreibungen waren so ausführlich, dass man es gar nicht verhindern kann, sich alles bildlich vorzustellen - und schön ist das nicht.

Der Fall an sich, mit der abartigen Schnitzeljagd, für die Hinweise in Leichen platziert wurde, fand ich sehr packend geschrieben - halt so, wie man es von Fitzek gewohnt ist. Im Gegensatz zu seinen neueren Werken, ist Abgeschnitten sehr viel realitätsnaher, was den Plot nicht nur glaubhafter, sondern auch grausamer macht. Dadurch, dass man den Rechtsmediziner Herzfeld auf der Suche nach seiner Tochter begleitet, kann man als Leser*in laufend mit dem Protagonisten miträtseln. Etwas schade fand ich, dass ungefähr in der Hälfte des Buches schon klar ist, wer der Täter ist bzw. was das Motiv hinter der Entführung von Herzfelds Tochter ist. Zwar ist es mit dieser Enthüllung noch lang nicht getan, denn es offenbaren sich natürlich auch noch in der zweiten Hälfte durch kleinere überraschende Wendungen Verstrickungen mit weiteren Personen, die involviert sind, aber dennoch hätte es mir besser gefallen, wenn der Rätselspass erst später aufgelöst worden wäre.

Fazit:

"Abgeschnitten" ist ein packender Thriller, der eine Zusammenarbeit mit dem Autor Sebastian Fitzek und dem Rechtsmediziner Michael Tsokos entstanden ist. Tsokos Erfahrungen als Rechtsmediziner merkt man beim Lesen deutlich heraus. Dadurch ist das Buch viel näher an der Realität, als so manche neueren Werke von Fitzek, was mir sehr gut gefallen hat. Ein packender, aber grausamer Thriller, der aufgrund des hohen Ekelfaktors durch die detailgetreuen Ausführungen von Leichenobduktionen nichts für schwache Nerven ist. Einzig die Auflösung des Tätersmotivs kam für meinen Geschmack ein bisschen zu früh, ansonsten konnte mich der Thriller sehr packen. 4 Sterne gibt es dafür.
2 Kommentare
(© Amazon / Droemer Verlag)

Der Insasse
von Sebastian Fitzek

Bewertung: ★★★★☆

Thriller, 371 Seiten
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2018
Verlag: Droemer eBook


Inhaltsangabe:
Ein vermisstes Kind - ein verzweifelter Vater - ein Höllentrip ins Innere der Psychiatrie

​Zwei entsetzliche Kindermorde hat er bereits gestanden und die Berliner Polizei zu den grausam entstellten Leichen geführt. Doch jetzt schweigt der psychisch kranke Häftling Guido T. auf Anraten seiner Anwältin. Die Polizei ist sicher: Er ist auch der Entführer des sechsjährigen Max, der seit drei Monaten spurlos verschwunden ist. Die Ermittler haben jedoch keine belastbaren Beweise, nur Indizien. Und ohne die Aussage des Häftlings werden Max' Eltern keine Gewissheit haben und niemals Abschied von ihrem Sohn nehmen können.

Drei Monate nach dem Verschwinden von Max macht ein Ermittler der Mordkommission dem verzweifelten Vater ein unglaubliches Angebot: Er schleust ihn in das psychiatrische Gefängniskrankenhaus ein, in dessen Hochsicherheitstrakt Guido T. eingesperrt ist. Als falscher Patient, ausgestattet mit einer fingierten Krankenakte. Damit er dem Kindermörder so nahe wie nur irgend möglich ist und ihn zu einem Geständnis zwingen kann.

Denn nichts ist schlimmer als die Ungewissheit.
Dachte er.
Bis er als Insasse die grausame Wahrheit erfährt ...  (© Amazon / Droemer Verlag)

Meine Meinung:

Sebastian Fitzek bleibt sich auch in seinem neusten Werk treu, das im vergangenen Herbst erschienen ist, und wählt als Schauplatz seines neuen Psychothrillers eine geschlossene psychiatrische Anstalt, in der sich straffällige Patienten befinden. Protagonist in "Der Insasse" ist Till, ein Familienvater, dessen Sohn vor einem Jahr verschwunden ist. Nachdem der vermeintliche Täter Guido T. gefasst werden konnte, Max Leiche aber nach wie vor nicht gefunden wurde, macht Till es sich zur Aufgabe, Guido T. zu einem Geständnis an der Entführung seines Sohnes zu bringen, um so endlich Gewissheit zu bekommen, was mit Max geschehen ist.
Sein Plan sieht vor, dass sein Schwager - ein Polizist - ihn durch die Übernahme einer anderen Identität in die Psychiatrie einweist. Doch der Plan weist von Anfang an viele Stolperfallen auf: Ist Till erst einmal in der Psychiatrie drin, dann ist er auf sich alleine gestellt. Dennoch lässt er sich nicht von seiner Idee abbringen und als er, getarnt als Patrick Winter, tatsächlich erfolgreich in die Psychiatrie eingeschleust werden kann, muss er bald feststellen, dass er keine Ahnung hat, wie er an Guido T. herankommen soll, sondern auch, dass seine gefälschte Identität nicht das ist, was anfangs geglaubt hatte.

Wenn ihr jetzt denkt: Dieser Plot ist doch total hanebüchen! Dann liegt ihr damit richtig, denn das ist er auch. Man darf die Story keinesfalls zu sehr hinterfragen, denn man wird bestimmt zig Ungereimtheiten und Logiklöcher finden. Und obwohl die Handlung haarsträubend und absurd ist, hat es Fitzek doch einmal mehr geschafft, mich mit seinem Schreibstil zu packen. Ich kann es einfach nur bei jedem seiner Bücher wiederholen: Der Mann kann schreiben und weiss, wie man einen guten Spannungsbogen aufbaut. Jedes Mal, wenn ich eines seiner Bücher lese, kann ich es gar nicht mehr aus der Hand legen. Jedes Kapitel endet so spannend, dass man einfach umblättern und weiterlesen muss. Die Story ist da für mich nur zweitrangig. Ich habe mich inzwischen an Fitzeks teilweise sehr weit hergeholte Plots gewöhnt und habe mich dadurch ganz einfach von der Handlung berieseln lassen, ohne sie diesmal zu sehr in Frage zu stellen.
Nachdem ich nun einige Thriller des Autors gelesen habe, fiel es mir bei "Der Insasse" überraschenderweise leichter, mich in Fitzeks Denkweise hineinzuversetzen. Während dem Lesen habe ich mir natürlich Gedanken darum gemacht, was eigentlich genau vor sich geht und habe mit meinen Vermutungen gar nicht mal so falsch gelegen. Natürlich hat es geholfen, dass ich das Buch sehr aufmerksam gelesen habe und mir dadurch Fitzeks Hinweise auf die Auflösung, die er immer wieder miteinfliessen lässt, nicht entgangen sind.
Das Buch endet, wie gewohnt in einem spannenden Finale und wird - wie nicht anders zu erwarten - mit einer sehr weit hergeholten Erklärung aufgelöst, die aber ganz und gar dem typisch Fitzek ist.

Fazit:

Wo Fitzek draufsteht, ist Fitzek drin. Auch in "Der Insasse" bleibt der Autor seinem gewohnten Schema und Erfolgsrezept treu und liefert uns einen fesselnden Psychothriller, der dieses Mal in einer psychiatrischen Institution für straffällige Patient*innen spielt. Der Plot ist, wie man es von Fitzek kennt, stellenweise haarsträubend und absurd, doch der packende Schreibstil des Autors macht es einem schwer, das Buch aus der Hand zu legen, so dass ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen habe. Den Plot darf man nicht zu sehr hinterfragen, denn sonst wird man auf viele Ungereimtheiten stossen, die einem den Lesespass nehmen. Am besten lässt man sich einfach von dem spannenden Thriller berieseln, ohne grosse Fragen zu stellen. Von mir gibt es für dieses Buch 3.5 Sterne.
6 Kommentare
(© Netgalley / Bastei Lübbe)

Quicksand: Im Traum kannst du nicht lügen*
von Malin Persson Giolito

Bewertung: ★★★☆☆

Fiction, 465 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2017
Verlag: Bastei Lübbe


*Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Stockholm: Nach einem Blutbad an einem Gymnasium steht die achtzehnjährige Maja vor Gericht. Sie hat geschossen, und unter den Toten sind ihre beste Freundin Amanda, ihr Freund Sebastian und der Lehrer Christer. Wie konnte es dazu kommen, dass dieses einstmals so beliebte Mädchen zur meistgehassten Person Schwedens wurde? Und ist sie überhaupt eine Mörderin? (© Netgalley / Bastei Lübbe)

Meine Meinung:

Auf "Quicksand" bin ich nur aufmerksam geworden, weil ich mitbekommen hatte, dass aus dem Buch eine Netflix Serie gemacht wurde. Ich hatte mich vorgängig überhaupt nicht über den Inhalt des Buches informiert und mich völlig voreingenommen auf die Geschichte eingelassen. Und was soll ich sagen? Eine solche ernste Thematik hätte ich ehrlicherweise nicht erwartet und hat mich positiv überrascht. Erst vor kurzem habe ich die Verfilmung von "We need to talk about Kevin" gesehen, die sich ebenfalls mit dem Thema Amoklauf beschäftigt und vor allem die Folgen für die Angehörige(n) hervorhebt. Quicksand versucht einen ähnlichen Zugang und schildert die Gerichtsverhandlung der 18-jährigen Maja Norberg, die an einem Amoklauf in ihrer Schule beteiligt gewesen sein soll. Fokus der Handlung ist dabei nicht der Amoklauf an sich, sondern die Auseinandersetzung mit der Frage nach dem "Warum"? Viele Fragen sind zu Beginn des Buches noch ungeklärt und werden erst nach und nach enthüllt.
Die Handlung wird durch zwei Zeitstränge erzählt. Die Gegenwart schildert die Gerichtsverhandlung, durch die man als Leser*in sehr schnell erfährt, was Maja vorgeworfen wird. Der andere Zeitstrang beschäftigt sich mit der Vergangenheit von Maja, insbesondere durch den Zusammenhang mit Sebastian, der der Haupttäter im Amoklauf gewesen sein soll. Besonders die Schilderung von Majas Vergangenheit soll dazu beitragen, zu verstehen, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass ihr Freund Sebastian in der Schule um sich geschossen hat und Maja ihn dabei angeblich sogar unterstützt hat. Da Maja diejenige war, die Sebastian schliesslich erschossen hat, ist ihre Rolle in dem ganzen Amoklauf zu Beginn noch klärungsbedürftig und lässt viel Raum für Spekulationen offen.

Diese Ausgangslage fand ich sehr spannend und ich war sehr neugierig, mehr über die Motive hinter der Tat zu erfahren. Auch die Idee mit den verschiedenen Zeitsträngen fand ich sehr geschickt, um die Spannung aufrecht zu erhalten und den Leser*innen nur häppchenweise Informationen zu liefern, ohne die Schuldfrage vorab zu verraten. Doch so vielversprechend das alles zu Beginn noch war, im Mittelteil hatte das Buch allmählich einen Durchhänger und ich hatte sogar den Eindruck, dass der rote Faden abhandengekommen war. Man erfährt zwar, wie Maja Sebastian kennengelernt hat und dass er sie alles andere als gut behandelt hat, aber trotzdem hat mir bis zuletzt eine Verbindung zur Tat gefehlt. Es war nicht so, als hatte ich zu irgendeinem Zeitpunkt den Eindruck, als würde sich ein Motiv oder der Plan für den Amoklauf abzeichnen und als der Zeitpunkt der Tat schliesslich erreicht wurde, wusste ich nicht mehr als vorher - abgesehen davon, dass Sebastian (wer hätte es gedacht) psychische Probleme hatte und er Maja wie den letzten Dreck behandelt hat. Trotz all dem was er ihr angetan hat, blieb sie an seiner Seite, weil sie den impliziten Druck von aussen gespürt hat, dass sie ihn nicht verlassen und mit seinen Problemen allein lassen dürfe. Dieser Druck war für mich als Leserin aber überhaupt nicht spürbar. Es kommt ab und zu vor, dass sich in solchen dysfunktionalen Beziehungen eine Abhängigkeit des Opfers gegenüber dem Täter entwickelt, aber selbst die war für mich von Seiten von Maja zu keinem Zeitpunkt spürbar. Vielleicht lag das aber insgesamt auch einfach daran, dass der Schreibstil der Autorin wenig Emotionen rübergebracht hat und mir der Tiefgang der Charaktere gefehlt hat. Gerade bei Maja hatte ich das Gefühl, dass sie die ganze Zeit über gesichtslos geblieben ist. Sie hat innerhalb weniger Tage so viel durchgemacht, das doch bestimmt mal irgendeine Emotion hätte auslösen sollen: Ärger, Wut, Trauer, Schock, Angst... Aber davon kam absolut gar nichts bei mir an und die Erzählweise wirkte sehr nüchtern und gefühllos.
Insgesamt wirkte auf mich die Story am Ende nicht rund und teilweise sehr konstruiert. Nicht jedes Verbrechen lässt sich mit einem logischen Motiv erklären, aber hier hat mir die Verbindung der beiden Zeitebenen fast gänzlich gefehlt. Es ging sogar soweit, dass mich die Schilderungen aus Majas Vergangenheit stellenweise fast schon ein wenig gelangweilt haben, da für mich vieles nicht relevant für das eigentliche Thema des Buches war: Den Amoklauf.

Fazit:

Das Buch behandelt das sehr ernste Thema eines Amoklaufs, das sich unter anderem der Frage nach dem Warum widmet. Um dies zu erklären, taucht man als Leser*in in die Vergangenheit der Protagonistin ein und erfährt, was sie vor der Tat alles erlebt hat und wie es dazu gekommen ist, dass sie nun vor Gericht steht. Was eine vielversprechende Grundlage für einen spannenden Thriller darstellt, wurde letztendlich aber leider nicht gut umgesetzt. Die Charaktere blieben bis zuletzt sehr emotionslos und blass und die Verknüpfung der beiden Zeitebenen zu einem logischen Ganzen ist in meinen Augen nicht gelungen. Daraus hätte man sicher viel mehr machen können, deshalb kann ich nur durchschnittliche 3 Sterne vergeben.
2 Kommentare
(© Amazon / Goldmann Verlag)

Die schwarze Frau*
von Simone St. James

Bewertung: ★★★★☆

Mystery, 448 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. Februar 2019
Verlag: Goldmann


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Goldmann Verlag.

Inhaltsangabe:
Vermont 1950. Idlewild Hall ist ein Ort für Mädchen, die keinen anderen Platz in der Gesellschaft haben. Abends erzählen sich die Schülerinnen Schauergeschichten von der »schwarzen Mary«. Doch als eines Nachts eine von ihnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird der Schrecken real. 2014 ist das Internat eine Ruine, aber die Journalistin Fiona Sheridan kann nicht von Idlewild Hall lassen: Hier wurde vor 20 Jahren ihre Schwester ermordet. Als man bei Renovierungsarbeiten eine weitere Mädchenleiche findet, beginnt Fiona zu recherchieren. Dabei rührt sie an dunkle Geheimnisse, die besser für immer verborgen geblieben wären … (© Amazon / Goldmann Verlag)

Meine Meinung:

Dieses Buch ist auf meiner Wunschliste gelandet, weil es auf Goodreads auf einer Liste der populärsten Neuerscheinungen im Jahr 2018 gestanden hatte. Ich habe das Buch relativ unvoreingenommen begonnen und bin ursprünglich davon ausgegangen, dass es sich um einen Thriller handelt. Dass es sich vielmehr um eine Mischung aus Mystery und Historischer Fiktion handelt, habe ich erst während dem Lesen gemerkt. Aber das war gut so, denn sonst hätte ich vielleicht gar nicht erst zum Buch gegriffen (und dadurch eine sehr packende Geschichte verpasst).

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der eine beklemmende Szene von einem Mädchen schildert, die sich 1950 ereignet hat und durch einen Cliffhanger direkt mein Interesse wecken konnte. Gleich anschliessend, gibt es einen Zeitsprung ins Jahr 2014, wo wir uns in der Gegenwart befinden und die Journalistin Fiona kennenlernen. Sie selbst berichtet nicht nur über erschütternde Ereignisse, sondern wurde vor Jahren selbst Teil eines solches Ereignisses, als ihre Schwester Debbie auf brutale Weise ermordet und auf einem Feld abgelegt wurde. Als Täter wurde Debbies damaliger fester Freund verhaftet, der sich seither im Gefängnis befindet. Doch nicht nur Fiona, sondern auch andere Bewohner Vermonts haben Zweifel daran, ob tatsächlich der richtige Täter gefasst wurde, da es zum damaligen Zeitpunkt einige Unstimmigkeiten gab, die Tim als Täter in Frage stellen.

Fionas Aufmerksamkeit wird zu Beginn der Geschichte auf Idlewild Hall gelenkt, das in den 1950er Jahren als Mädcheninternat genutzt wurde, in der Gegenwart allerdings nur noch aus Ruinen besteht. Vor kurzem hat eine betagte, reiche Frau das Internat gekauft, die keinerlei Verbindung zu dem Internat aufzuweisen scheint. Diese fehlende Verbindung weckt bei Fiona das Interesse daran, mehr über die Käuferin und das Internat zu erfahren. Bei ihren Recherchen stösst sie nach und nach auf Enthüllungen, die aufzeigen, was sich damals alles in Idlewild Hall abgespielt hat. Die Kapitel aus der Gegenwart werden immer wieder mit Zeitsprüngen in die 50er Jahre abgewechselt, in denen man einige ausgewählte Schülerinnen aus der damaligen Zeit näher kennenlernt und erfährt, welches Schicksal sie damals in nach Idlewild Hall gebracht hat. Beide Zeitstränge konnten mich gleichermassen fesseln und die Autorin hat es geschafft, die Erzählweise so aufeinander abzustimmen, dass man die Geschichte fliessend lesen kann, ohne dass man durch die Zeitsprünge verwirrt wird. Viel mehr noch: Durch die Informationen, die man aus der Vergangenheit und der Gegenwart erfährt, gelingt es St. James einen Spannungsbogen zu konstruieren, der dazu geführt hat, dass ich das Buch nur schwer aus der Hand legen konnte. Dabei wird immer nur gerade so viel verraten, dass man als Leser*in miträtseln kann, die Spannung aber durchweg aufrechterhalten werden kann. Ergänzt wird das ganze durch einen sehr angenehmen und packenden Schreibstil.

Gegen Ende hin werden die verschiedenen Handlungsstränge allmählich zu einem Ganzen zusammengefügt. Das ist für mich in Mystery Romanen oder Thrillern immer ein sehr heikler Zeitpunkt, denn manchmal geschieht dies auf sehr weit hergeholte Weise, damit alles, was zuvor berichtet wurde, irgendwie Sinn macht. In diesem Buch ist das zum Glück nicht der Fall gewesen, doch ich muss dennoch sagen, dass mich die Auflösung nicht ganz zufriedengestellt hat. Sie wirkt zwar in sich schlüssig, aber irgendwie auch ein bisschen konstruiert auf mich.

Ein weiterer Kritikpunkt an das Buch ist die Bedeutung des Titels. "Die schwarze Frau" bezieht sich auf den Mysteryaspekt in der Geschichte, der aber in meinen Augen nicht unbedingt relevant für das gesamte Geschehen gewesen wäre. Die schwarze Frau hätte auch gut weggelassen werden können und der Verlauf des Plots wäre trotzdem auf die gleiche Weise möglich gewesen, was diese ominöse schwarze Frau irgendwie überflüssig macht. Ich finde den Titel deshalb etwas ungünstig gewählt, denn damit wird der Fokus auf ein Aspekt gelegt, der rückblickend aus meiner Sicht den vernachlässigbarsten Teil des gesamten Buches ausmacht. Die schwarze Frau spielt als Nebenerzählung eine Rolle, der Fokus des Buches liegt aber ganz woanders. Vielleicht hätte man sich beim Titel mehr auf Idlewild Hall fokussieren sollen, da dies der Ankerpunkt für den gesamten Plot darstellt.

Fazit:

Eine packende Mischung aus Mystery und Historical Fiction, die auf zwei verschiedenen Zeitebenen das Mysterium um das Mädcheninternat Idlewill Hall schrittweise aufklärt. Die Autorin schafft es mit einem fesselnden Schreibstil, die Spannung während des gesamten Plots ausfrecht zu erhalten und die verschiedenen Handlungsstränge zu einer flüssigen Story zu verpacken. Einzig die Aufklärung am Ende und der für den Plot eher überflüssige Mysteryanteil sind zwei Kritikpunkte, für die ich einen Stern abziehen muss. Ansonsten handelt es sich um eine kurzweilige, spannende Geschichte, die mich gut unterhalten konnte.
6 Kommentare

(© Heyne Verlag)
Am Ende der Zeit*
von Thomas Carl Sweterlitsch

Bewertung: ★★☆☆☆

science-Fiction, 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 11. März 2019
Verlag: Heyne


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Heyne Verlag.

Inhaltsangabe:
Shannon Moss ist Spezialagentin und Sonderermittlerin. Als sie zum Tatort gerufen wird, an dem die Familie eines Ex-Navy-SEALs ermordet wurde, entdeckt sie schon bald, dass der Exsoldat mit einem streng geheimen Raumfahrtprogramm in Verbindung stand. Aber was war so geheim an Bord des Raumschiffs, dass Moss durch die Zeit reisen muss, um der Spur des Mörders nachzugehen? Wohin ist der Exsoldat verschwunden? Und welches Grauen wartet an den Grenzen der Zeit selbst? (© Heyne Verlag)

Meine Meinung:

Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau, wie "Am Ende der Zeit" auf meiner Wunschliste gelandet ist. Aber da ich schon länger kein Buch aus dem Science-Fiction Bereich mehr gelesen hatte, war es nun an der Zeit, das mal wieder nachzuholen, selbst wenn ich Zeitreise-Thematiken immer ein bisschen skeptisch gegenüber stehe. Die wenigsten Zeitreiseromane haben es bisher geschafft, mich vollends zu überzeugen, denn meistens sind sie gespickt mit zahlreichen Logikfehlern, die meiner Meinung nach in einem solchen Genre besser durchdacht hätten sein müssen. Aus diesem Grund habe ich das Buch mit einer gewissen Skepsis, aber auch sehr neugierig begonnen. Neugierig hat mich vor allem der Umstand gemacht, dass es sich bei diesem Buch nicht um einen "reinen" Sci-Fi Roman handelt, sondern dass der Autor einen interessanten Genre-Mix wagt und dem Ganzen eine Thriller-Note verleiht.

Das Buch beginnt sehr vielversprechend. Man lernt die Protagonistin Shannon Moss kennen, die keine 0815-Ermittlerin ist, wie man sie aus anderen Thriller-Romanen kennt. Der Grund ist dafür ist einfach: Moss arbeitet für eine Sondereinheit, der es möglich ist, durch die Zeit zu reisen, um Kriminalfälle aufzulösen. Und genau das erwartet sie auch zu Beginn dieses Buches. Moss gelangt zu einem Mordfall, dessen Hauptverdächtiger eigentlich gar nicht der Täter sein kann, weil er eigentlich bei einem Raumfahrtprogramm in der Vergangenheit ums Leben gekommen sein sollte. Verständlicherweise wirft diese Enthüllung viele Fragen auf und Moss erhält den Auftrag, den Fall aufzulösen. Dazu ermittelt sie über verschiedene Zeitreisen hinweg und springt von der Vergangenheit in die Zukunft und wieder zurück.

Schon früh in der Geschichte wird erläutert, dass die Zukunft keine gradlinige, stabile Tatsache darstellt. Stattdessen gibt es verschiedene Alternativen, die eine mögliche Zukunft darstellen könnten, sich jedoch durch die Ereignisse in der Vergangenheit flexibel verändern können. Was anfangs für mich noch einleuchtend und verständlich geklungen hatte, stellte für mein Verständnis mit jeder weiteren Zeitreise, die Moss unternahm, eine grosse Herausforderung dar. Aus einer anfänglich noch verständlichen Ermittlung wurde irgendwann ein so hochkomplexes Zusammenspiel verschiedener Zeitebenen, Charaktere und Handlungsstränge, dass ich Mühe hatte, der Handlung noch folgen zu können oder überhaupt zu verstehen, was eigentlich gerade passiert. Und das ist der grosse Kritikpunkt von mir an das Buch: Es ist leider furchtbar kompliziert.
Das Buch wurde in verschiedene Teile unterteilt, wobei jeder Teil eine bestimmte Jahreszahl darstellt, in der Moss sich gerade befindet und ihre Ermittlungen vorantreibt. In jedem Abschnitt kommen gefühlt immer mehr verschiedene Charaktere bzw. Namen hinzu, die das Verständnis für mich nicht gerade erleichtert hatten. Irgendwann hatte ich keine Ahnung mehr, wer eigentlich genau mit wem zu tun hat und vor allem, wer eigentlich zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Bei einem Thriller bin ich mir gewöhnt, nach und nach mehr zu erfahren, das der Aufklärung eines Falles dient. Hier war es genau umgekehrt: Je länger das Buch gedauert hat, desto mehr Fragezeichen sind bei mir aufgetaucht, bis ich irgendwann gänzlich den Überblick über ... alles verloren habe. Das hat dann leider dazu geführt, dass ich das Interesse für den Fall verloren hatte, bis ich das Buch schliesslich im letzten Drittel nur noch quer gelesen habe. (Und ja, ich bin mir bewusst, dass das nicht gerade förderlich für das Verständnis der Handlung war, aber ich hatte einfach keine Lust mehr, mich weiter aufmerksam durch ein Buch zu quälen, das viel zu komplex für mein Verständnis war.)

Zu den Charakteren kann ich gar nicht so viel sagen, denn obwohl man als Leser*in die ganze Zeit die Protagonistin begleitet, blieb sie bis zuletzt sehr blass.

Fazit:

Die Idee eines Sci-Fi-Thriller-Genremixes wäre sehr vielversprechend gewesen, doch leider wird das Buch durch die Ermittlung in einem Kriminalfall über mehrere Zeitebenen hinweg mit jeder weiteren Zeireise immer komplexer, so dass ich irgendwann den Überblick verloren habe, worum es eigentlich geht. Vielleicht war die Lektüre einfach zu anspruchsvoll für mich - wer weiss - aber mich konnte dieses Buch leider nicht überzeugen und ich fand es insgesamt einfach furchtbar kompliziert. Für Fans von komplexen Sci-Fi Romanen sicher ein empfehlenswertes Buch, für mich war es trotz des vielversprechenden Anfangs leider nichts. Deshalb kann ich dem Buch nur 2 Sterne vergeben.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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