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between the lines.

(© Bloomsbury YA)

Cinderella Is Dead
von Kalynn Bayron

Bewertung: ★★★☆☆

YA Fantasy, 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 07. Juli 2020
Verlag: Bloomsbury YA


Inhaltsangabe:
Es sind 200 Jahre vergangen, seitdem Cinderella ihren Prinzen gefunden und das Märchen sein Ende gefunden hat. Seither ist viel geschehen. Teenager Mädchen müssen nun jährlich auf einem Ball erscheinen, auf dem sich ein Mann für sie entscheiden muss - andernfalls verschwinden sie für immer von der Bildfläche.

Der 16-jährigen Sophia steht dieses Schicksal auch bevor, obwohl sie lieber Erin, ihre beste Freundin aus Kindertagen, heiraten möchte, mit der sie eine geheime Liebschaft pflegt. Aus diesem Grund beschliesst Sophia auf dem Ball die Flucht zu ergreifen, um so ihrem Schicksal zu entfliehen. Auf ihrer Flucht trifft sie auf Constance, die letzte bekannte Nachfahrin von Cinderella und ihren Stiefschwestern. Gemeinsam schwören die beiden, dass sie den König ein für alle Mal stürzen möchten, der für all das verantwortlich ist - und dabei erfahren sie, dass es rund um Cinderellas Geschichte mehr Geheimnisse gibt, als sie jemals hätte erahnen können...

Meine Meinung:

Auf dieses Buch war ich sehr gespannt. Nicht nur, dass es sich um ein Retelling von Cinderella handelt (und ich liebe Retellings!), es ist auch noch gleich eine diverse Adaption mit einer POC als Protagonistin, die lesbisch ist. Mit Diversity und einer Märchenadaption also beides Zutaten, die bei mir hohe Erwartungen ausgelöst haben.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir gut gelungen, denn der Schreibstil der Autorin ist sehr einfach gehalten, was das Lesen sehr angenehm gemacht hat. Man wird direkt in die Welt von Sophia geworfen, in der man sich relativ rasch zurechtfindet. Überraschenderweise hat sich der Plot  schnell in eine ganz andere Richtung entwickelt, die ich erwartet hätte, denn wie man aus der offiziellen Inhaltsangabe entnehmen kann, verweilt Sophia nicht sehr lange im Schloss, sondern kann bereits zu Beginn der Geschichte flüchten und schmiedet dann mit ihrer neu gewonnenen Verbündeten Constance den grossen Plan, den König zu stürzen.

Die Idee hinter dem Ganzen fand ich sehr vielversprechend, nur wird die Handlung in so einem rasanten Tempo vorangetrieben, dass leider viele wichtige Aspekte zu kurz kommen. Zum einen betrifft es das Worldbuilding, das quasi nicht existent ist. Ja, wir erfahren, dass die Geschichte um Cinderella scheinbar einen solchen Eindruck hinterlassen hat, dass sie noch 200 Jahre später einen Einfluss darauf hat, dass Frauen sich auf einem jährlichen Ball möglichst hübsch präsentieren müssen, um von Männern auserwählt zu werden. Doch das war es dann. Alle weiteren Hintergründe oder wie die Welt neben diesem Ball funktioniert, erfährt man nicht.

Auch die Ausarbeitung der Charaktere bleibt komplett auf der Strecke. Man lernt anfänglich Nebencharaktere wie Erin (als Sophias grosse Liebe) oder Luke kennen (der sich mit ihr auf dem Ball verbünden will, indem sie eine "Scheinehe" vorgaukeln), die kurz darauf wieder komplett in der Versenkung verschwinden, als wären sie nie da gewesen. Da musste ich mich unweigerlich fragen, wieso die Autorin diese Charaktere überhaupt eingebaut hat, wenn sie wenig später nicht mehr erwähnt werden - und das, obwohl gerade Erin für Sophia ja angeblich eine wichtige Rolle gespielt hat.
Leider bleibt auch Sophia selbst als Protagonistin komplett blass und man erfährt bis zum Schluss rein gar nichts darüber, wer und wie sie eigentlich ist. Und weil sie als Charakter so wenig fassbar ist, macht es leider auch ihre Handlungen schwer nachvollziehbar. Mal abgesehen davon, dass ihr alles einfach gelingt, was sie sich vornimmt und sie auf mich dadurch wie eine Mary Sue gewirkt hat.

Schade fand ich auch, dass die angekündigte Diversity fast gar keine Rolle im Buch gespielt hat. Anfangs hat es so ausgesehen, dass die Liebe zwischen Erin und Sophia sehr wichtig sein wird (sie war ja unter anderem auch Grund dafür, dass Sophia überhaupt erst von ihrem eigentlichen Schicksal, einen Mann zu heiraten, weggelaufen ist), aber dieser Handlungsfaden verliert sich relativ schnell und zu allem Überdruss wird Sophia schliesslich noch eine total konstruierte Instaliebe aufgedrückt, die dazu führt, dass sie Erin so schnell vergisst, als hätte es sie nie gegeben - was auf mich einfach nicht glaubhaft gewirkt hat.

Alles in allem wirkte der Plot leider überhaupt nicht ausgereift und wies zahlreiche Logiklücken auf. Der Einstieg in das Buch hätte so viel Potenzial gehabt, das die Autorin leider mehr oder weniger in den Sand gesetzt hat. Positiv war einzig der angenehme Schreibstil und das Erzähltempo, dass das Buch sehr kurzweilig hat erscheinen lassen.

Fazit:

"Cinderella is Dead" wird als diverse Märchenadaption mit einer lesbischen POC als Protagonistin angekündigt, das grosse Erwartungen schürt, die das Buch letztendlich nicht halten kann. Positiv waren der flüssige, angenehme Schreibstil und der rasante, plotorientierte Erzählstil, der das Lesen sehr kurzweilig gemacht hat. Leider ist aber die Ausarbeitung der Charaktere sowie das Worldbuilding misslungen, was die Handlungen der Protagonistin teilweise schwer nachvollziehbar machen. Insgesamt ein Buch, das viel Potenzial gehabt hätte, das aber leider nicht genutzt wurde. Von mir gibt es deshalb 3 durchschnittliche Sterne.
6 Kommentare
(© Heyne)

Herz aus Blut und Asche* (Blood Heir Trilogy #1)
von Amélie Wen Zhao

Bewertung: ★★★★☆

YA Fantasy, 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 10. August 2020
Verlag: Heyne


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Heyne Verlag.

Inhaltsangabe:
Im Kyrillischen Kaiserreich ist Magie verboten, Zauberer werden ausgestoßen und gejagt. Deswegen darf nie jemand erfahren, dass Anastacya Mikhailov, die Kronprinzessin, das Blut der Lebewesen um sie herum beeinflussen kann. Doch dann wird ihr Vater umgebracht und Ana verraten und des Mordes beschuldigt. Sie kann fliehen und ist fortan nur von einem Gedanken besessen: den wahren Mörder ihres Vaters zu finden. Wenn sie ihren Namen und ihre Ehre wiederherstellen und die Verschwörer, die die Macht an sich gerissen haben, zu Fall bringen will, braucht sie einen mächtigen Verbündeten, und es gibt nur einen, der so verrückt ist, sich mit ihr einzulassen: Ramson Schnellzunge, der Anführer der Unterwelt. Er verfolgt zwar seine eigenen Pläne, aber er hat die Rechnung ohne die kluge Ana gemacht …

Meine Meinung:

Bei diesem Buch muss ich gestehen, dass mir der Einstieg wahrscheinlich nicht so leicht gefallen wäre, wenn ich nicht zuvor den Klappentext gelesen hätte. Im Buch selbst werden die Ereignisse, die zu Anas Flucht geführt haben, nämlich erst sehr spät in der Handlung erwähnt, so dass ich ohne diese Vorabinformationen Mühe gehabt hätte, zu verstehen, um was es eigentlich geht. Die Handlung soll zudem scheinbar eine lose Nacherzählung von "Antastasia" sein, was mir aber vor und während dem Lesen ehrlich gesagt weder bewusst war, noch aufgefallen wäre.

Die Geschichte wird aus den zwei Perspektiven der beiden Protagonisten Ana und Ramson erzählt, die aus unterschiedlichen Beweggründen miteinander einen Deal eingehen, bei dem sie auf die Hilfe des jeweils anderen angewiesen sind, um ihr jeweiliges Ziel zu erreichen. Besonders dabei, ist der Umstand, dass Ramson nicht weiss, dass er mit Ana die kyrillische Kronprinzessin vor sich hat, denn sie verschleiert ihre wahre Identität, um sich selbst zu schützen. Ihr Ziel ist es, den Mörder ihres Vaters ausfindig zu machen.
Insgesamt kann ich sagen, dass dieser Debütroman sehr gelungen ist! Zhao hat sich ein sehr interessantes Worldbuilding ausgedacht, das ein raffiniertes Magiesystem beinhaltet. Anders als man es in anderen Fantasyromanen vielleicht gewohnt ist, sind die Menschen mit magischen Fähigkeiten in diesem Buch nicht mächtig und geachtet, sondern werden gerade aufgrund ihrer Magie unterdrückt und versklavt. Und gerade das Thema Sklaverei war Auslöser dafür, dass das Buch bereits vor seinem Erscheinen jede Menge Kritik einheimsen musste, die nach ein wenig Recherche in meinen Augen letztendlich nicht wirklich gerechtfertigt ist. Anders als es angeprangert wurde, bezieht sich die Sklaverei hier nicht - wie befürchtet - auf die Hautfarbe der Charaktere, sondern auf ihre magischen Fähigkeiten, unabhängig ihrer Hautfarbe.
Obwohl die Autorin viel Detailreichtum besitzt, hatte ich zu keinem Zeitpunkt Mühe, mich in Anas und Ramsons Welt zurechtzufinden, denn die Informationen, die für das Verständnis notwendig waren, wurden sehr gut in die Handlung eingeflochten. Und die hatte es in sich! Der Plot ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend, abwechslungsreich und voller interessanter Wendungen. Man hat gemerkt, dass sich Zhao vorgängig viel Gedanken um ihr Worldbuilding und den Handlungsverlauf gemacht hat, denn es gab einen deutlichen roten Faden, der sich durch das ganze Buch zieht. Einzig der Schlussteil konnte mich nicht vollends überzeugen. Zwar sorgt die Autorin für einen spannenden, fulminanten Showdown, aber mir war es insgesamt irgendwie zu viel des Guten und ich musste aufpassen, vor lauter Wendungen, Enthüllungen, Verrat und überraschenden Verbündeten, nicht den Überblick zu verlieren.

Neben dem spannenden Plot, kann auch Zhaos Schreibstil überzeugen, der sich sehr flüssig lesen lässt. Man hat gemerkt, dass in ihre Charaktere viel Herzblut geflossen ist und sowohl Ana, als auch Ramson sind vielschichtiger, als man es anfangs vermuten würde. Trotzdem hätte ich mir gerade bei den beiden Protagonisten zu Beginn etwas mehr Umschreibungen über ihr Aussehen gewünscht, denn während bei einigen Nebencharaktere typische Merkmale wie etwa rote Haare, mehrfach erwähnt wurden, wusste ich bis zuletzt eigentlich gar nicht so richtig, wie ich mir Ana eigentlich vorstellen musste.

Positiv bleibt schliesslich auch noch zu erwähnen, dass es in diesem Band überraschend wenig Romantik gab, was ich für ein Young Adult Fantasy Roman herrlich erfrischend fand. Es standen vielmehr neue Bündnisse und Freundschaften, sowie auch familiäre Verbindungen im Vordergrund. Und trotzdem ist es Zhao gelungen, dass zwischen ihren Protagonisten eine Chemie und auch eine subtile Anziehung zu spüren war. Eine tolle Abwechslung nach den vielen Insta-Lieben, die ich sonst in YA Romanen oft vorgesetzt bekommen habe.

Fazit:

"Herz aus Blut und Asche" ist ein wirklich gelungener Debütroman aus dem Young Adult Fantasy Genre, das mit einem interessanten Worldbuilding und Magiesystem, vielschichtigen und sympathischen Charakteren, einem spannenden Plot und einem angenehmen Schreibstil überzeugen kann. Einzig der fulminante Showdown am Schluss des Buches, konnte mich nicht vollends überzeugen, ansonsten hat mir das Buch aber sehr tolle Lesestunden beschert. Ich hoffe sehr, dass die weiteren Bände ebenfalls übersetzt werden (sobald das englische Original erschienen ist) und kann für dieses Debüt 4 Sterne vergeben und eine Leseempfehlung aussprechen!
8 Kommentare
(© Baumhaus Verlag)

Beastly
von Alex Flinn
Gelesen von Simon Jäger

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 4 Stunden und 58 Minuten
Erscheinungsdatum: 20. April 2011

Verlag: Baumhaus Verlag

Inhaltsangabe:
Früher war ich die Sorte Typ, die jeder gerne wäre: jede Menge Geld, perfektes Aussehen – einfach ein perfektes Leben. Doch dann wurde ich verflucht. Und jetzt – jetzt bin ich eine Bestie. Kein Wolf oder Bär, nein, eine entsetzliche Kreatur mit aufrechtem Gang – ein Wesen mit Reißzähnen und Klauen. Aus jeder Pore sprießen mir Haare. Ich bin ein Monster. Du glaubst, ich erzähle Märchen? Falsch. Ich lebe in New York. In der Gegenwart. Ich bin keine Missbildung, bin nicht krank. Aber ich werde für immer so bleiben. Es sei denn, es gelingt mir, den Fluch zu brechen…

Meine Meinung:

Auf dieses Hörbuch bin ich zufälligerweise auf Spotify gestossen. Da es vor Jahren mal auf meiner Leseliste gestanden hatte, habe ich mich dazu entschlossen, die Gelegenheit beim Schopf zu packen und es mir endlich anzuhören. 

Bei der Geschichte handelt es sich um eine moderne Adaption von "Die Schöne und das Biest", die auf jugendliche Leser:innen als Zielgruppe zugeschnitten wurde. Die Handlung wird aus Sicht des Protagonisten Kyle erzählt, der nicht klischeehafter hätte ausgearbeitet werden können: Er ist schön, reich und beliebt und behandelt seine Mitmenschen wie den letzten Dreck. Um ihm eine Lektion zu erteilen, wird er deshalb von einer Hexe in ein Biest verwandelt und er kann den Fluch erst brechen, wenn sich ein Mädchen - trotz seines Aussehens - in ihn verliebt.
Der Anfang hätte mir noch ganz gut gefallen, aber leider entwickelt sich die ganze Geschichte nach Kyles Verwandlung so vorhersehbar weiter, dass sich die komplette Handlung sehr konstruiert angefühlt hat. Hinzu kamen noch etliche Logikfehler, die einfach mit riesigen Zeitsprüngen übergangen wurden und dazu geführt haben, dass sich die Story noch unglaubwürdiger angefühlt hat, als sie es ohnehin schon war. 
Normalerweise finde ich es sehr schön, wenn in einem Buch subtil eine Botschaft mitschwingt, aber hier hat die Autorin die Moralkeule so offensichtlich und plakativ geschwungen, dass ich nur noch genervt war und sich bei mir auch eine Art Widerstand entwickelt hat. Das Ganze hatte einen sehr belehrenden Unterton und auch so gewirkt, als würde Flinn ihren Leser:innen nicht den kleinsten bisschen Grips zutrauen würde.

Die Charaktere im Buch sind alle total eindimensional und stereotyp. Das fängt beim beliebten Schönling als Protagonisten an, geht weiter mit dem bösen, strengen und reichen Vater, hin zum schüchternen, nicht ganz so hübschen Mädchen als Love Interest und zuletzt gibt es auch noch die "armen" Bedientesten, die von Kyle "gerettet" werden müssen. 

Simon Jäger ist eigentlich ein Sprecher, den ich normalerweise mag, aber hier fand ich seine Erzählweise vermutlich in Verbindung mit dem Charakter, den er repräsentiert hat, einfach unsympathisch.

Fazit:

"Beastly" ist eine moderne Adaption von "Die Schöne und das Biest", die hier für Jugendliche zugeschnitten wurde. Obwohl die ursprüngliche Handlung und ihre Botschaft den meisten bekannt sein dürfte, traut die Autorin ihren Leser:innen kaum etwas zu und schwingt so plakativ die Moralkeule, dass ich nur noch genervt war. Leider ist die Story im Buch sehr platt und vorhersehbar und kann auch nicht mit den Charakteren punkten, da diese leider allesamt sehr eindimensional und stereotyp gestaltet wurden. Es gibt definitiv bessere Retellings dieses Märchens. Beastly muss man aus meiner Sicht nicht gelesen (oder gehört) haben. Von mir gibt es deshalb nur 2 Sterne.
10 Kommentare
(© Viking Books for Young Readers)

If I'm Being Honest
von Emily Wibberley & Austin Siegemund-Broka

Bewertung: ★★★★★

YA Contemporary, 370 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. April 2019
Verlag: Viking Books for Young Readers 



Inhalt:
Obwohl Cameron Bright zu den beliebtesten Schülerinnen an einer privaten Highschool in Los Angeles gehört, lässt sich ihr Ruf mit einem Wort zusammenfassen: Bitch. Grund dafür ist ihre brutale Ehrlichkeit. Doch trotz ihrer Popularität gelingt es ihr nicht, ihren Schwarm Andrew für sich zu gewinnen - noch viel schlimmer: Durch ein Missgeschick bringt sie ihn sogar gegen sich auf. Um ihren Fehler rückgängig zu machen, beschliesst Cameron sich zu "zähmen", analog zur widerspenstigen Katherine aus Shakespeares Stück "Der Widerspenstigen Zähmung", das sie gerade für die Schule lesen muss. Camerons Ziel ist es, bei allen, denen sie jemals Unrecht getan hat, Wiedergutmachung zu leisten, um so Andrew wieder für sich gewinnen zu können. Ihre Entschuldigungstour beginnt bei Brendan, dem Jungen, dessen gesellschaftliches Leben sie im Alleingang zerstört hat. Anfangs verzeiht Brendan ihr nicht so schnell, doch ein Computerspiel sorgt schliesslich dafür, dass sie sich immer besser verstehen. Zu Camerons Erstaunen geniesst sie es sogar, mit Brendan zusammen zu sein; er schätzt ihre Ehrlichkeit auf eine Art und Weise, wie es Andrew nie getan hat, und sie fragt sich: Vielleicht sollte man für die Art von Liebe, die man verdient, nicht kompromittieren müssen, wer man ist.

Meine Meinung:

Dieses Buch war das erste, das ich für meine "4*+ Rating Challenge" gelesen habe und es hat sich direkt als Volltreffer entpuppt. Die Story wird als eine Mischung zwischen "Mean Girls" und "Der Widerspenstigen Zähmung" von Shakespeare bezeichnet, wobei die meisten Rezensent*innen eher eine Ähnlichkeit zu "10 Dinge, die ich an dir hasse" sehen. So oder so, konnte das Autorenduo mich mit der Handlung absolut für sich gewinnen.

Im Fokus der Geschichte steht die Highschool Schülerin Cameron Bright, die aus meiner Sicht in der Inhaltsangabe unsympathischer dargestellt wird, als sie es eigentlich ist. Cameron ist zwar brutal ehrlich, hat aber auch eine sehr liebenswerte Seite, die vor allem ihre besten Freundinnen zu Gesicht bekommen. Ihre Ehrlichkeit ist per se eigentlich nichts Schlechtes, führt aber dazu, dass sie Paige, ein Mädchen aus ihrer Schule, beleidigt, die ausgerechnet mit ihrem Schwarm Andrew befreundet ist. Andrew geht daraufhin verständlicherweise auf Distanz, weshalb Cameron sich entschliesst, Wiedergutmachung zu leisten. Anfangen will sie damit bei Paige, doch die gibt ihr unmissverständlich zu verstehen, dass sie nicht gewillt ist, ihr zu verzeihen. Cameron will es deshalb auf Umwegen versuchen, indem sie Paiges Bruder Brendan zu mehr Beliebtheit an der Schule verhilft. Brendan ist ein nerdiger Einzelgänger, der ausgerechnet aufgrund von Cameron seit einigen Jahren zu den Aussenseitern gehört. Sie war es nämlich, die ihm einen fiesen Spitznamen verpasst hatte, der ihn zur Lachnummer der ganzen Schule gemacht hat. Und genau das will sie nun wieder gut machen. Obwohl sich Brendan anfangs noch abweisend zeigt, gelingt es Cameron, einen Draht zu ihm zu finden, als sie sich für ein Computerspiel interessiert, das Brendan programmiert. Während die beiden immer mehr Zeit miteinander verbringen, muss Cameron feststellen, dass Brendan ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt hätte. Und aus einer ursprünglichen Wiedergutmachung entwickelt sich schliesslich mehr...

Natürlich darf man bei einem Young Adult Contemporary Roman nicht mit einem literarischen Meisterwerk rechnen, das vor Tiefgründigkeit nur so strotzt, aber hier wird eine wirklich unterhaltsame Jugendbuchgeschichte erzählt, die ich kaum mehr aus der Hand legen konnte. Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm und lässt die Seiten beim Lesen nur so dahin fliegen.
Was mich sehr positiv überrascht hat, waren die vielen Nebencharaktere, die alles andere als eindimensional waren. Jeder Charakter bekommt seine Eigenheiten, Stärken und Schwächen und hat damit einen individuellen Wiedererkennungswert. Schön fand ich auch, dass sich die Autoren bei ihren Charakteren nicht an 0815 Klischees bedienen, was man zum Beispiel an Cameron und ihren besten Freundinnen sieht (wovon die eine eine Youtube Make-Up Artistin mit Millionen von Followern ist und die andere eine aufstrebende Hollywoodschauspielerin), die zu den beliebtesten Schülerinnen gehören. Alle drei sind nicht die typischen arroganten Oberzicken, die man in vielen anderen Young Adult Romanen antrifft, sondern sind trotz ihrer Beliebtheit und ihres Erfolgs bodenständig geblieben. Obwohl alle Charaktere ihre Fehler und Schwächen haben, gab es keinen einzigen, den ich nicht in mein Herz geschlossen habe.

Besonders an diesem Buch ist auch der Bezug zu Shakespeares Werk "Der Widerspenstigen Zähmung". Ich kannte dieses Theaterstück bislang nicht, doch im Buch wird immer wieder Bezug darauf genommen und die notwendigen Hintergrundinformationen geliefert, indem Cameron das Theaterstück in der Schule mit ihren Mitschüler*innen im Unterricht diskutiert. Dieses Werk ist es auch, das Cameron dazu inspiriert, sich verändern zu wollen und Wiedergutmachung zu leisten. Damit ist das Buch eine Art moderne Nacherzählung des Shakespeare-Klassikers.

Fazit:

"If I'm Being Honest" ist eine unterhaltsame, liebenswerte Young Adult Contemporary Geschichte aus der Feder eines verheirateten Autorenduos. Es handelt sich dabei um eine moderne und lose Nacherzählung eines Shakespeare-Stückes, das sich die Protagonistin zum Vorbild nimmt, um Wiedergutmachung zu leisten. Das Buch handelt von Familie, Freundschaft, Liebe und Veränderung und hat mir einige tolle Lesestunden beschert. Die Geschichte kann ich besonders Fans von "Cinder & Ella" und "10 Dinge, dich ich an dir hasse" empfehlen. Von mir gibt es für dieses zauberhafte Buch volle 5 Sterne.
Keine Kommentare
(© HarperTeen)

My Lady Jane (The Lady Janies #1)
von Cynthia Hand, Brodi Ashton & Jodi Meadows

Bewertung: ★★★☆☆

YA Historical Fiction, 491 Seiten
Erscheinungsdatum: 07. Juni 2016
Verlag: HarperTeen


Inhalt:
Lady Jane Grey ist die Cousine von König Edward VI von England, der seit längerem an einer ominösen Krankheit leidet und bald sterben wird. Aus diesem Grund soll Jane möglichst bald mit Gifford Dudley vermählt werden, da sie nach Edwards Tod den englischen Thron besteigen soll.
Zunächst scheint alles nach Plan zu laufen, doch bereits in der Hochzeitsnacht muss Jane feststellen, dass ich frisch angetrauter Ehemann nicht das ist, was er vorgegeben hat zu sein. Denn er verwandelt sich im Morgengrauen in ein Pferd. Und damit ist klar, dass Gifford - der sich lieber G nennt - zu den Eðians gehört: Eine Gruppe von Menschen, die sich in Tiere verwandeln können. Und während sich Jane an diesen Umstand gewöhnen muss, gerät Edward zeitgleich in eine Verschwörung, durch die das Schicksal des Königreichs auf dem Spiel steht. Wie sich herausstellt, wird sein Leben nicht durch eine Krankheit, sondern durch eine Person bedroht, die ihm seinen Thron streitig machen will. Um dies zu verhindern, müssen sich die drei Helden auf eine gefährliche Mission begeben...

Meine Meinung:

Ich bin zwar kein grosser Fan von historischer Fiktion, doch dieses Buch hat mich dennoch neugierig gemacht, weil es sich um eine Mischung aus einer historischen Nacherzählung und Young Adult Fantasyelementen handelt. Das Autorentrio schreibt bereits in der Einleitung, dass sie die wahren historischen Ereignisse um Lady Jane, die neun Tage nach ihrer Hochzeit exekutiert wurde, nicht so toll fanden und sie deshalb beschlossen haben, die englische Geschichte umzuschreiben. Diese erfrischende, humorvolle Ehrlichkeit der drei Autorinnen fand ich sehr sympathisch und hat mich neugierig auf ihr Retelling rund um Lady Jane und König Edward gemacht.

Gleich zu Beginn fällt der locker-flockige Schreibstil auf, der mich durch seine humorvolle Art immer wieder zum Schmunzeln gebracht hat. Man merkt gleich, dass die Autorinnen weder die Handlung, noch die Charaktere so richtig ernst nehmen, was sie auch immer wieder durch Klammerbemerkungen durchscheinen lassen. Der Erzählstil ist sehr einfach und leicht verständlich und gerade auch für Englischanfänger*innen zu empfehlen.
Hand und Co. verlieren beim Handlungsfortlauf keine Zeit und die Erzählung rast nur so dahin. Man wird von einer Szene in die nächste katapultiert, wobei die Kapitel jeweils abwechselnd von den drei Protagonistin Jane, Edward und Gifford - der sich lieber G nennt - erzählt werden. Dadurch wird man als Leser*in direkt in die Handlung hineingeworfen und es dauert nicht lange, bis Jane und Edward verheiratet sind und sie hinter sein Geheimnis kommt.
Durch das flotte Erzähltempo wird die Geschichte zwar nie langweilig, doch mich haben nach einer gewissen Zeit die Handlungssprünge gestört, die besonders zwischen den Kapiteln vorkommen. Dadurch wurde jedes Mal der Erzählfluss unterbrochen und ich konnte nie so richtig in die Geschichte eintauchen. Es war fast so, als würde man bei jedem Kapitel eine neue Szene präsentiert bekommen, wie bei einem Theaterstück. Doch gerade dadurch bleibt die Handlung leider die meiste Zeit über sehr oberflächlich.
Die Story verläuft zudem ein bisschen so wie in einem Märchen, denn unsere Helden schaffen es jedes Mal sehr schnell aus glimpflichen Situationen heraus, so dass man nie wirklich um ihr Schicksal bangen muss (wie es bei den wahren Begebenheiten damals der Fall gewesen wäre). Auch die Ausarbeitung der Charaktere bleibt zugunsten des rasanten Tempos und des humorvollen Schreibstils auf der Strecke und man erfährt bis zuletzt nicht wirklich viel über unsere Protagonisten, abgesehen davon, dass Edward endlich ein Mädchen küssen will, Jane ihre Nase gerne in Bücher steckt und G Poesie mag. Aber da es sich augenscheinlich um eine Komödie handelt, die sich selbst nicht so ernst nimmt, wären tiefgründigere Charaktere wohl fehl am Platz gewesen. Das gleiche gilt auch für eine Liebesgeschichte, die sich zwischen einem Protagonisten und einem Nebencharaktere entwickelt, die nichts anderes als Insta-Love war.
Der Fantasieaspekt mit den sogenannten Eðians - also Menschen, die sich in Tiere verwandeln können - fand ich sehr interessant und er wurde gut in die eigentliche Handlung eingearbeitet und hat dem Buch das gewisse Etwas verliehen.

Fazit:

Bei "My Lady Jane" handelt es sich um eine kurzweilige, humorvolle Nacherzählung der englischen Geschichte, die leider nur an der Oberfläche bleibt. Wer ein lustiges Buch ohne viele Ansprüche für zwischendurch sucht, ist hier richtig. Mir war die Erzählweise leider zu sprunghaft und die Handlung ist mir zu glatt verlaufen. Aber wenn man darüber hinwegsehen kann, wird man durch das Buch gut unterhalten. Von mir gibt's durchschnittliche drei Sterne.
Keine Kommentare
(© Bloomsbury YA)

A Heart So Fierce and Broken (Cursebreakers #2)
von Brigid Kemmerer

Bewertung: ★★★☆☆

YA Fantasy, 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 07. Januar 2020
Verlag: Bloomsbury YA


Inhaltsangabe:
Der Fluch ist endlich gebrochen, aber Prinz Rhen von Emberfall steht noch vor mehr Schwierigkeiten. Es kursieren Gerüchte, dass er nicht der wahre Erbe ist und dass in Emberfall verbotene Magie eingesetzt wurde. Obwohl Harper an Rhens Seite steht, wird sein Gardist Grey vermisst und sein Verschwinden hinterlässt mehr Fragen als Antworten...

Grey mag der wahre Erbe von Emberfall sein, aber er will nicht, dass jemand sein Geheimnis erfährt. Nachdem er Lilith vernichtet hat und heimlich aus Emberfall geflüchtet ist, hat er keine Absicht, Rhens Anspruch auf den Thron anzufechten - bis Karis Luran erneut droht, Emberfall mit Gewalt einzunehmen. Ihre eigene Tochter Lia Mara sieht jedoch Schwachstellen im gewalttätigen Vorhaben ihrer Mutter und versucht Grey auf anderem Wege zu überzeugen, ihr zu helfen. Doch wird sich Grey zum Wohle von Emberfall gegen seinen Rhen stellen?

Meine Meinung:

! Achtung, enthält Spoiler zu Band 1 und 2! 
 
Nachdem der vorgängige Band "A Curse So Dark and Lonely" mein letztjähriges Jahreshighlight gewesen war, konnte ich das Erscheinen dieser Fortsetzung der Cursebreakers Reihe kaum abwarten. Am Ende des letzten Bandes wurde enthüllt, dass Rhen nicht der rechtmässige Erbe von Emberfall ist und er irgendwo einen Bruder hat, der magische Fähigkeiten besitzt. Was Rhen nicht weiss: Es handelt sich um seinen Gefährten und Gardisten Grey, der ihm jahrelang loyal zur Seite gestanden hat. Grey hat sich am Ende des letzten Bandes aus dem Staub gemacht und befindet sich zu Beginn dieses Buch auf der Flucht. Er hat sich eine neue Identität zugelegt und hofft so, dass sein Geheimnis bei ihm für immer sicher ist. Doch Rhen hat längst von den Gerüchten um den wahren Erben gehört und schickt seine Soldaten raus, um seinen noch unbekannten Bruder zu finden. Dabei geht er alles andere als zimperlich vor und verbreitet in der ganzen Gegend von Emberfall Angst und Schrecken.

Wie man vielleicht erahnen kann, liegt der Fokus dieses zweiten Bandes voll und ganz auf Grey und seiner Charakterentwicklung. Das ergibt natürlich Sinn, denn nachdem seine wahre Identität enthüllt wurde, muss er sich darüber klar werden, ob er sich seinem Schicksal beugen wird und sich damit gegen Rhen stellt. Diese Entscheidung ist sehr komplex und deshalb muss dem Weg zur Entscheidung verständlicherweise viel Zeit eingeräumt werden. Leider geht das in diesem Buch komplett auf Kosten der vielen liebgewonnenen Charaktere aus dem ersten Band. Während der Vorgänger aus der Perspektive von Harper und Rhen erzählt wurde, entfallen diese beiden Perspektiven im zweiten Band (bis auf das erste und letzte Kapitel) fast gänzlich.
Neben Grey als neuen Protagonisten, wird mit Lia Mara - der Tochter von Karis Luran - ein neuer Hauptcharakter eingeführt, der gleichzeitig scheinbar auch als Love Interest für Grey dienen soll - und das, obwohl dieser eigentlich seit dem ersten Band heimlich Gefühle für Harper hegt. Die gesamte Handlung dieses Buches wird aus den Perspektiven dieser beiden Charaktere erzählt und anders als in seinem Vorgänger, verzichtet die Autorin dieses Mal komplett auf jegliche Art von Humor. Und das ist das, was mir am allermeisten gefehlt hat und somit auch mein Hauptkritikpunkt an diesem Buch. Während ich im ersten Band ständig durch Rhens und Harpers Dialoge schmunzeln musste und ich insbesondere Harper durch ihre kecke und selbstbewusste Art ins Herz geschlossen habe, verstehen Grey und Lia Mara scheinbar keinen Humor. Und das fand ich so schade, denn der Humor war genau das, was die Geschichte für mich ausgemacht hat. Man kann sich also vorstellen, dass ich gerade deshalb Harper und Rhen in diesem Buch extrem vermisst habe.

Und damit kommen wir zum nächsten Punkt, den ich sehr schade fand: Rhen hat scheinbar eine 180 Grad Wendung durchgemacht und herrscht in diesem zweiten Band plötzlich mit eiserner Faust. Es ist nichts mehr von dem sensiblen, gutmütigen Prinzen aus dem ersten Band übrig geblieben und die Autorin hat sich alle Mühe gegeben, Rhen möglichst bösartig und unsympathisch darzustellen. Das Ganze erreicht seinen tragischen Höhepunkt, als es Rhen tatsächlich kurzzeitig gelingt, Grey in seine Gewalt zu bringen. Als sein langjähriger Freund ihm nicht mitteilen will, wer der wahre Prinz von Emberfall ist, entschliesst sich Rhen zu einem mir unverständlichen drastischen Mittel, für das er meinen Respekt verloren hat. Es hat mich so traurig gemacht, was die Autorin aus diesem ehemals liebenswerten Charakter gemacht hat. Nach einer Weile hatte ich aber eine Hypothese, was möglicherweise die Erklärung für Rhens Verhalten sein könnte und das hat sich am Ende - Gott sei Dank! - bewahrheitet und mich wieder milder gestimmt. Gleichzeitig heisst das aber auch, dass die Entwicklung sehr vorhersehbar war, weil ich sie schon früh voraussehen konnte.

Greys Charakterentwicklung in diesem Buch war gut ausgearbeitet und nachvollziehbar aufgebaut. Lia Mara wäre an sich ein interessanter Charakter, aber es war mir insgesamt etwas zu konstruiert, dass sie so offensichtlich als neues Love Interest für Grey eingeführt wurde und die Liebe zwischen den beiden hat sich für meinen Geschmack zu Instalove-mässig entwickelt. Aber vielleicht war das auch einfach nur meine Missgunst darüber, dass ich Grey lieber mit Harper sehen würde - erst recht, nachdem Rhen in diesem Buch als ein unsympathischer Bösewicht dargestellt wird. Die paar wenigen Szenen, in denen Harper mit Grey interagiert hat, fand ich herzallerliebst. Davon hätte ich gerne mehr gehabt.
Ansonsten hat sich die Story für mich stellenweise sehr gezogen. Grey befindet sich ziemlich lange auf Reisen, zuerst auf der Flucht vor Rhen und danach auf dem Weg in Lia Maras Königreich. Für mich hat die Action gefehlt und der Showdown am Ende hätte meiner Meinung nach auch etwas ausführlicher sein können.

Hätte ich das Buch bis zu diesem Punkt bewerten müssen, dann hätte es von mir vermutlich nur 2 Sterne gekriegt, mit dem Epilog hat es die Autorin dann aber doch noch geschafft, mich etwas versöhnlicher zu stimmen. Schade aber, dass mich ein einziges, letztes Kapitel fast mehr begeistern konnte, als das ganze restliche Buch. Aber das war vermutlich wiederum meinen falschen Erwartungen geschuldet. Ich hätte es einfach besser gefunden, wenn wir nicht fast komplett auf Harpers und Rhens Perspektive (und den Humor!) hätten verzichten müssen. Der Epilog verspricht aber, dass der dritte Band sehr spannend werden könnte und ich hoffentlich wieder mehr von meinen liebgewonnen Charakteren aus dem ersten Band zu lesen bekommen werde.

Fazit:

"A Heart So Fierce and Broken" ist der zweite Teil der Cursebreaker-Reihe, deren erster Band mein letztjähriges Jahreshighlight war. Leider konnte mich diese Fortsetzung aber nicht vom Hocker hauen, was vermutlich meinen (falschen) Erwartungen an das Buch geschuldet war. Dieser zweite Band dreht sich mit Grey und Lia Mara um zwei neue Protagonisten und man muss fast ganz ohne die liebgewonnen Charaktere aus dem Vorgänger auskommen, die nur indirekt erwähnt werden. Leider hat die Autorin in diesem Buch auch vollends auf jeglichen Humor verzichtet und das war der Aspekt, der mir am ersten Band am besten gefallen hat. Der Epilog hat mich dann aber etwas versöhnlicher gestimmt und verspricht zumindest, dass der finale Band spannend werden wird. Jetzt heisst es aber erst einmal abwarten bis im Winter 2021, wenn der Abschlussband erscheinen soll.
Keine Kommentare
(© Audioteka / Silberfisch)

Wie Schnee so weiss* (Die Luna-Chroniken #4)
von Marissa Meyer
Gelesen von Vanida Karun

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 27 Stunden 27 Minuten
Erscheinungsdatum: 22. Dezember 2017
Verlag: Silberfisch


* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Das kann Königin Levana, Herrscherin des Mondes, nicht dulden: Ihre Stieftochter, Prinzessin Winter, wird täglich schöner und ihr Zauber immer mächtiger! Wütend zwingt die böse Königin sie dazu, sich das Gesicht mit Schnitten zu verunstalten – doch die Narben können Winters Schönheit nichts anhaben. Schließlich versucht Levana sogar, sie umbringen zu lassen. Da fasst Winter einen verzweifelten Plan: Sie muss die rechtmäßige Thronfolgerin Selene finden, um gemeinsam mit ihr die böse Königin zu stürzen …   (© Audioteka / Silberfisch)

Meine Meinung:

Endlich ist es geschafft. Endlich habe ich die Luna-Chroniken beendet. Ich hatte es bereits 2016 mit diesem Abschlussband versucht (damals noch mit dem Ebook), habe es aber abgebrochen, weil ich das Buch als zu langatmig und zäh empfunden hatte und ich mich nicht durch über 800 Seiten quälen wollte. Da damals aber einige Zeit zwischen dem Lesen des dritten und vierten Bandes vergangen war, war meine Vermutung, dass diese längere Pause schuld daran war, dass ich keinen Zugang mehr zur Story und den Charakteren gefunden hatte.

Aus diesem Grund habe ich in den letzten Monaten noch einmal ein "Reread" der ersten drei Bände gemacht und die Reihe diesmal als Hörbücher gehört. Während mir der Einstieg in die Luna Chroniken genauso gut gefallen hat, wie beim ersten Lesen, hat meine Begeisterung aber mit jedem weiteren Band etwas nachgelassen. Grund dafür war vermutlich die wachsende Anzahl der Protagonistinnen und ihrer jeweiligen Pairing-Partner, die durch die ständigen Perspektivenwechsel dazu beitragen, dass das Erzähltempo mit jedem weiteren Charakter gedrosselt wird und die Handlung nicht mehr so richtig vorankommt. Und genau das ist und bleibt auch leider nach diesem zweiten Versuch mein Hauptkritikpunkt an diesen finalen Band, der mich leider auch als Hörbuch nicht überzeugen konnte.

Der Anfang hat mir noch ganz gut gefallen. Wir lernen als neue und letzte Protagonistin Winter kennen, die lose dem Märchen "Schneewittchen" nachempfunden ist. Doch nach dieser Einführung sind die ganzen Protagonistinnen (und ihre Love Interests) in verschiedenen Konstellationen aufgeteilt und verfolgen unterschiedliche Handlungsstränge. Das Tempo wird durch die vielen unterschiedliche Perspektiven, wie schon im letzten Band, unerträglich langsam und die Handlung verläuft sehr schleppend. Der Fokus des Abschlussbandes liegt darauf, die Revolution gegen Königin Levana zu planen. Doch das zieht sich unglaublich in die Länge, dass ich nach etwa einem Drittel allmählich mein Interesse für die Handlung verloren habe und ungefähr ab der Hälfte des Hörbuches nur noch mit halbem Ohr zugehört habe. Ich könnte deshalb nicht im Detail zusammenfassen, was die einzelnen Charaktere genau erlebt haben, denn es war mir irgendwann auch schlichtweg egal.

Meyer hat sich mit der steigenden Anzahl ihrer Charaktere in meinen Augen keinen Gefallen getan. Dadurch werden die Folgebände leider unnötig aufgebläht, was das Zuhören (oder Lesen) für mich sehr quälend gemacht hat. Für mich passiert in diesen über 800 Seiten (oder über 27 Stunden Hörzeit) einfach VIEL zu wenig, als dass ein solcher Wälzer gerechtfertigt werden könnte. Das Buch ist in meinen Augen nur so lang geworden, weil es zu viele Protagonistinnen gibt. Dadurch verliert die Story seinen roten Faden und verliert sich in irgendwelchen konstruierten Beziehungskonstellationen, um auch jeder Märchenfigur/Protagonistin ihr Happy End zu schenken.

Vermutlich hätte die ganze Reihe für mich besser funktioniert, wenn Cinder im Fokus der Handlung geblieben wäre und alle anderen Charaktere bloss als Nebenfiguren gedient hätten. Aber so war das Buch für mich leider unglaublich langweilig und ein enttäuschender Abschluss, für eine Idee, die ursprünglich sehr vielversprechend gewesen wäre.

Fazit:

"Wie Schnee so weiss" ist der Abschlussband der Luna-Chroniken, der mit Winter, eine vierte Protagonistin hinzugewinnt. Obwohl ich Winter als Charakter mochte, verliert die Reihe durch die grosse Anzahl an Hauptcharakteren, ihren jeweiligen Love Interests und den vielen unterschiedlichen Perspektiven und Handlungssträngen ihren roten Faden. Das Resultat daraus ist, dass das Buch unnötig aufgebläht wird, die Handlung nicht voran kommt und das Hörbuch für mich unerträglich langatmig und zäh war. Für mich leider ein enttäuschender, vor sich hin plätschernder  Abschlussband, der meine Erwartungen an ein spannendes Finale mit einem actionreichen Showdown nicht annähernd erfüllen konnte. Mehr als zwei enttäuschte Sterne kann ich deshalb nicht vergeben.
2 Kommentare
(© Audioteka / Silberfisch)

Wie Sterne so golden* (Die Luna-Chroniken #3)
von Marissa Meyer
Gelesen von Vanida Karun

Bewertung: ★★★☆☆

YA Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 16 Stunden 9 Minuten 
Erscheinungsdatum: 26. September 2014
Verlag: Silberfisch


* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Seit ihrer Kindheit hat Cress die Erde nur aus der Ferne betrachten können. Unter strenger Aufsicht der bösen Königin Levana führt sie in ihrem Satelliten ein wenig abwechslungsreiches Leben. Doch immerhin hat sie sich mit den Jahren zu einer begnadeten Hackerin entwickelt und verschafft sich so Zugang zu Levanas geheimen Plänen. Da taucht plötzlich das Raumschiff von Cinder bei ihr auf, die ihr zur Flucht verhilft. Doch wird sie auf der Erde den Ritter in der glänzenden Rüstung finden, von dem sie immer geträumt hat?   (© Audioteka / Silberfisch)

Meine Meinung:

Auch bei diesem dritten und vorletzten Band der "Luna-Chroniken" handelt es sich um ein Reread, bevor ich endlich zum ersten Mal den finalen Band vollständig hören kann. Wie bereits bei den Vorgängern, bleibt die Autorin ihrem Muster treu und fokussiert auch in "Wie Sterne so golden" auf ein weiteres Märchen, das allseits bekannt sein sollte: Rapunzel. Anders als beim berühmten Märchen, ist die Protagonistin - die hier Cress genannt wurde - aber nicht etwa in einem Turm eingesperrt, sondern ganz modern in einer Raumschiffkapsel, die durch das Weltall schwirrt. Die Ähnlichkeit zu Rapuzel besteht darin, dass auch Cress aufgrund ihrer Gefangenschaft über die Jahre eine lange Haarpracht entwickelt hat. Ganz abgeschottet war sie jedoch nicht, denn Cress hatte eine ganz bestimmte Aufgabe, die sie durch den Zugang zu moderner Technik erfüllen musste. Sie konnte dadurch auch immer wieder Ereignisse mitverfolgen und ist schon vor langer Zeit auf den Kapitän Thorne aufmerksam geworden, der vor kurzem erst mit dem Cyborg Cinder aus einem Gefängnis aus New Peking ausgebrochen ist.

Zu Beginn dieses dritten Bandes sind Cinder, Thorne, Scarlet und Wolf gemeinsam unterwegs - also all die Protagonisten, die wir bereits aus den Vorgängern kennen. Ihre Mission kreuzt ausgerechnet Cress' Kommunikationswege und Cinder & Co machen es sich zur Aufgabe, Cress aus der Raumschiffkapsel zu befreien. Bei der Befreiungsaktion geht jedoch einiges schief und unsere Protagonisten werden durch unterschiedliche Gründe getrennt.
Und dabei sind wir schon beim ersten Kritikpunkt: Ich muss leider gestehen, dass ich die Charakterkonstellationen in diesem Buch nicht so überzeugend fand, wie in den Vorgängern. Während ich die Dynamik zwischen Cinder und Thorne sehr unterhaltsam gefunden hatte, wird hier die Handlung in diesem Band nun auf Thorne und Cress fokussiert, die bei ihrem Fluchtversuch getrennt von den anderen auf der Erde landen. Das allein wäre ja noch okay gewesen, aber leider hat mich Cress Art während den ersten drei Vierteln des Buches einfach nur genervt. Ich fand sie sehr kindisch und naiv und dadurch beinahe unerträglich. Ausserdem hat sie von Anfang an wie ein präpubertärer Teenager von Thorne geschwärmt, obwohl sie ihn vorher noch gar nicht richtig gekannt hat und sie somit eigentlich nur in die Vorstellung, die sie von ihm hat, verliebt ist. Da die Autorin auch schon in den vorgängigen Bänden eine Beziehung zwischen den jeweiligen Protagonisten konstruiert hatte, war von Anfang an klar, wo die Beziehung zwischen Thorne und Cress hinführen soll. Anders als bei den Vorgängern, war ich diesmal allerdings kein Fan des Pairings und ich hatte das Gefühl, dass es zwischen den beiden keine Chemie gab.
Etwas Versöhnliches muss ich aberdennoch erwähnen. Ich finde, dass Cress eine Charakterentwicklung in diesem Buch durchmacht und am Ende etwas reifer wird, so dass ich sie am Schluss etwas mehr mochte, als noch zu Beginn. Dennoch wird sie wohl nie mein Lieblingscharakter werden. (Das sind und bleiben Cinder und Thorne ♥)

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Menge an Protagonisten, die mit jedem Band zugenommen hat. Ich fand, dass in diesem Buch meine persönliche Schmerzgrenze an unterschiedlichen Charakteren erreicht wurde, denn dadurch, dass es so viele Protagonisten gibt, die jeweils zu zweit getrennte Handlungsstränge verfolgen, habe ich das Erzähltempo als unglaublich träge empfunden. Immer wieder wechseln die Erzählperspektiven, ohne dass die Story richtig vorangebracht wird. Erst im Schlussteil beginnt es dann endlich spannend zu werden, doch das war für mich leider zu spät. Die Handlung dieses Bandes hat sich dadurch zum grossen Teil leider wie ein (etwas zu) langer Lückenfüller zum finalen Band angefühlt.

Insgesamt kann ich sagen, dass dieser 3. Band in meinen Augen bisher der schwächte Teil der Luna-Chroniken ist.

Fazit:

In "Wie Sterne so golden" lernen wir neben unseren altbekannten Gesichtern mit Cress eine neue Protagonistin kennen, deren Hintergrundgeschichte lose an das Märchen Rapunzel erinnert. Durch einen Vorfall zu Beginn des Buches werden unsere Hauptcharaktere in Zweiergruppen getrennt, in denen sie jeweils unterschiedliche Handlungsstränge verfolgen. Die Handlung verläuft durch die ständigen Perspektivenwechsel leider sehr träge und es passiert bis auf den Schluss kaum etwas Nennenswertes, das mich bei der Stange gehalten hätte. Dieser dritte Band hat sich für mich wie ein Lückenfüller hin zum Finale angefühlt und war dadurch leider bislang auch für mich persönlich der schwächste Teil der Reihe. Von mir gibt es deshalb dieses Mal nur 3.5 Sterne.
Keine Kommentare
(© Audioteka / Silberfisch)

Wie Blut so rot* (Die Luna-Chroniken #2)
von Marissa Meyer
Gelesen von Vanida Karun

Bewertung: ★★★★★

YA Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 11 Stunden 44 Minuten
Erscheinungsdatum: 24. Januar 2014
Verlag: Silberfisch


* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Zwei ganze Wochen ist Scarlets Großmutter nun schon verschwunden. Entführt? Tot? Die Leute im Dorf sagen, sie sei sicher abgehauen. Sie sei ja sowieso verrückt. Aber für Scarlet ist Grandmere alles – von ihr hat sie gelernt, wie man ein Raumschiff fliegt, Bio-Tomaten anbaut und seinen Willen durchsetzt. Dann trifft Scarlet einen mysteriösen Straßenkämpfer – Wolf. Er fasziniert sie; doch kann sie ihm trauen? Immerhin: Die reißerischen Berichte über Cinder und das Attentat auf Prinz Kai hält Wolf ebenso wie sie für Quatsch. Aber irgendein Geheimnis verbirgt der Fremde …  (© Audioteka / Silberfisch)

Meine Meinung:

Weiter geht es mit dem Reread. Während im ersten Buch lose das Mädchen von Cinderella nacherzählt wurde, kommt im zweiten Band eine neue Protagonistin zu den bereits bekannten Charakteren dazu: Scarlet. Auch hier handelt es sich wieder um eine moderne Märchenadaption, diesmal steht das Märchen 'Rotkäppchen' im Vordergrund.

Das Buch besteht aus zwei Erzählsträngen. Auf der einen Seite erfahren wir, wie es mit Cinder weitergeht, nachdem sie im Vorgänger gefangen genommen wurde. Sie befindet sich auch im zweiten Band nach wie vor in Gefangenschaft, schmiedet jedoch einen Fluchtplan. Damit dieser Plan gelingen kann, verbündet sie sich mit ihrem Mitinsassen - Thorne - der Kapitän eines Luftraumschiffes ist und ihr dadurch auf ihrer Flucht behilflich sein kann.
Auf der anderen Seite lernen wir Scarlet näher kennen, die in Frankreich lebt und deren Grossmutter vor kurzem spurlos verschwunden ist. Scarlet macht sich umgehend auf die Suche nach ihr, und erfährt kurze Zeit später, dass ihre Grossmutter entführt wurde. Bei ihren Nachforschungen lernt sie einen jungen Mann kennen, Wolf, der ihr - trotz anfänglichem Misstrauen - auf der Suche nach ihrer Grossmutter helfen will. Und da Scarlet ohne Hilfe nicht weiterkommt, muss sie Wolf wohl oder übel vertrauen.

Anfangs laufen beide Erzählstränge parallel und getrennt nebeneinander her. Während ich damals von Scarlet und Wolfs Geschichte gefesselt habe und die beiden von Anfang an geshippt habe, hat mir erstaunlicherweise dieses Mal die Storyline von Cinder und Thorne besser gefallen. Das lag vermutlich daran, dass ich Thorne durch seine freche, direkte Art, direkt in mein Herz geschlossen habe. Ich fand die Zusammenarbeit mit Cinder sehr toll konzipiert, denn beide Charaktere könnten nicht unterschiedlicher sein. Und trotzdem haben sie einen Weg gefunden, miteinander auszukommen.
Scarlet und Wolf waren mir dieses Mal leider nicht mehr so sympathisch, wie ich sie in Erinnerung hatte. Ich weiss nicht, ob es daran lag, dass ich bereits grob in Erinnerung hatte, wie sich ihr Erzählungsstrang entwickeln würde und damit der Zauber des ersten Lesens verflogen war. Ich habe beim Zuhören gemerkt, dass ich mich immer ein bisschen mehr danach gesehnt habe, zu erfahren, wie es mit Cinder und Thorne weitergehen wird.
Gegen Ende des Buches gelingt es die Autorin die beiden separaten Erzählstränge zu einem Ganzen zu verknüpfen. Inwiefern eine Verbindung zwischen Scarlet und Cinder besteht, wurde schon relativ früh mit Hinweisen in den Plot eingestreut, so dass das Zusammentreffen am Ende Sinn ergibt.
Nichtsdestotrotz habe ich im Schlussteil ein bisschen das Interesse verloren, als sich die Ereignisse für das grosse Showdown überschlagen. Gerade die Story mit Scarlet und dem Wolfsclan war es wieder, die mich aus irgendeinem Grund nicht so richtig packen konnte.

Die Erzählerin macht ihre Sache weiterhin fantastisch und ich höre ihr einfach sehr gerne zu, wie sie jedem einzelnen Charakter durch ihre ganz eigene Interpretation Leben einhaucht. Gerade Iko hätte sie in meinen Augen nicht besser treffen können. Durch Vadina Karun sind die Hörbücher wirklich sehr zu empfehlen.

Fazit:

Auch in "Wie Blut so rot" gelingt es Marissa Meyer wieder eine fesselnde, moderne Märchenadaption zu erzählen. Neben altbekannten Gesichtern, stossen in diesem zweiten Teil neue Charaktere zur Geschichte hinzu - mit Thorne befindet sich darunter sogar mein neuer Lieblingscharakter. Es werden zunächst zwei verschiedene Handlungsstränge erzählt, die am Ende des Buches zu einem Ganzen verknüpft werden. Cinders Storyline konnte mich dieses Mal einen Tick mehr begeistern, als Scarlets. Das hat sich auch daran bemerkbar gemacht, dass mich der actionreiche Schlussteil von Scarlets Handlungsstrang stellenweise etwas gelangweilt hat. Nichtsdestotrotz eine tolle Fortsetzung, der ich aufgrund einiger Kritikpunkte, wieder 4.5 Sterne vergebe.
Keine Kommentare
(© Audioteka / Silberfisch)

Wie Monde so silbern* (Die Luna-Chroniken #1)
von Marissa Meyer
Gelesen von Vanida Karun

Bewertung: ★★★★★

YA Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 10 Stunden 56 Minuten
Erscheinungsdatum: 20. Dezember 2013
Verlag: Silberfisch


* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Cinder lebt bei ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefschwestern, arbeitet als Mechanikerin und versucht gegen alle Widerstände, sich nicht unterkriegen zu lassen. Als eines Tages in unauffälliger Kleidung niemand anderes als Prinz Kai an ihrem Marktstand auftaucht, wirft das unzählige Fragen auf: Warum braucht der Prinz ihre Hilfe? Und was hat es mit dem plötzlichen Besuch der Königin von Luna auf sich, die Prinz Kai unbedingt heiraten will? Die Ereignisse überschlagen sich, bis sie in dem großen Ball, auf dem Cinder sich einschmuggelt, ihren Höhepunkt finden. Und diesmal wird Cinder mehr verlieren als nur ihren Schuh …  (© Audioteka / Silberfisch)

Meine Meinung:

Bevor ich diese Rezension schreibe, möchte ich vorgängig erwähnen, dass es sich um ein Reread (bzw. Rehear 😄) gehandelt hat. Ich habe die ersten drei Bände der Luna-Chroniken schon einmal vor ungefähr fünf Jahren gelesen. Als der letzte Band auf Deutsch erschienen ist und ich endlich dazu gekommen bin, ihn zu lesen, war leider so viel Zeit vergangen, dass ich komplett raus aus der Geschichte war und ich überhaupt nicht mehr mit dem Abschlussband zurechtgekommen bin. Mein Ziel ist es deshalb als Auffrischung alle drei Hörbücher als Vorbereitung für das Finale noch einmal zu hören, damit es mir dieses Mal hoffentlich besser gelingt, einen Überblick über die vielen verschiedenen Charaktere zu behalten und die Reihe so endlich beenden kann.

"Wie Monde so silbern" hat mir damals schon als Buch ausserordentlich gut gefallen. Anfangs hatte ich zwar Mühe, mich auf die Science-Fiction angehauchte Welt einzulassen, aber nachdem mir das im Laufe der Geschichte gelungen war, konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Dieses Mal ist es mir beim Hörbuch natürlich leicht gefallen, einen Zugang zum Worldbuilding und den Charakteren zu finden, die in diesem ersten Band eine Rolle spielen. Vor allem auch deshalb, weil die Charakteranzahl im Reihenauftakt noch sehr überschaubar ist.

Erzählt wird die Geschichte von Cinder, einem Cyborg, die Mechanikerin in einem asiatischen Staatenbund ist. Durch Zufall lernt sie den Prinzen Kai kennen, der ihre Dienste in Anspruch nehmen will. Cinder sagt zu, dem Prinzen zu helfen, und manövriert sich dabei nichtsahnend in Verstrickungen mit der Königin Levana, der Herrscherin des Mondes ein, die beabsichtigt ihr Reich mit dem von Prinz Kai zu verbinden. Ihr spielt dabei in die Hände, dass sich in Kais Reich derzeit eine Pest ausbreitet, die sich ausgerechnet durch das Blut von Lunariern heilen lässt. Ein Zufall?
Auch Cinder hat ein grosses Interesse daran, ein Heilmittel zu finden, denn ihre Schwester Peony erkrankt ebenfalls an der Pest. Zu allem Übel macht Cinders Stiefmutter ausgerechnet Cinder dafür verantwortlich und lässt sie in ein medizinisches Untersuchungszentrum einweisen, bei der Cinder einige Dinge über sich und ihre Vergangenheit in Erfahrung bringt, die sie niemals erwartet hätte.

Wie man am Namen der Protagonistin erkennen kann, wird hier sehr lose die Geschichte von Cinderella nacherzählt. Die Autorin beweist aber ein gutes Händchen dafür, etwas ganz eigenes aus dem Märchen zu machen. Nach und nach werden überraschende Enthüllungen preisgegeben, die mich beim ersten Lesen damals sehr gefesselt haben. Dieses Mal waren mir die Plot Twists bzw. Geheimnisse bereits bekannt, doch das erneute Hören von Cinders Geschichte hat trotzdem Spass gemacht. Die Sprecherin macht ihre Sache wirklich sehr gut und sie erzählt die Geschichte mit viel Leidenschaft und haucht insbesondere dem Doktor, der Cinder untersucht, mit einer ganz eigenen Interpretation Leben ein, die auf jeden Fall Wiedererkennungswert hat. Das hätte sie gerne mit allen Charakteren machen dürfen.
Der Spannungsbogen im Buch ist sehr gelungen. Er steigert sich immer mehr, bis er schliesslich in einem überzeugenden Finale endet, der grosse Lust darauf macht, Cinders Story weiterzuverfolgen. Damit hat Meyer (fast) alles richtig gemacht.

Fazit:

"Wie Monde so silbern" ist eine moderne Adaption des Märchens "Cinderella", die aufgrund von den enthaltenen Science Fiction Elementen etwas ganz eigenes aus der Geschichte macht. Die Charaktere sind sehr liebevoll und vielschichtig gezeichnet und der Plot so spannend aufgebaut, dass er den*die Leser*in mit überraschenden Wendungen und Enthüllungen fesseln kann. Von mir gibt es für diesen Reihenauftakt 4.5 Sterne - Die volle Punktzahl gibt es nur nicht, weil ich weiss, dass mir Band 2 noch einen Tick besser gefallen hat. 😄
6 Kommentare
(© Amazon / Bloomsbury YA)

A Curse So Dark and Lonely (Cursebreakers #1)
von Brigid Kemmerer

Bewertung: ★★★★★

YA Fantasy, 489 Seiten
Erscheinungsdatum: 29. Januar 2019
Verlag: Bloomsbury YA


Inhalt:

Prinz Rhen, der Erbe von Emberfall, wurde vor langer Zeit von einer mächtigen Hexe verflucht: Seit über 300 Jahren ist er dazu verdammt, den Herbst seines 18. Lebensjahres immer und immer wieder erleben zu müssen, ohne jemals älter zu werden. Der Fluch kann nur gebrochen werden, wenn sich ein Mädchen ehrlich und wahrhaftig in ihn verlieben würde. Verzweifelt versucht er deshalb jedes Jahr aufs neue, dieses eine Mädchen zu finden. Doch bisher ist es ihm nicht gelungen, die wahre Liebe zu finden. Am Ende eines jeden erfolglosen Herbstes verwandelt er sich zur Strafe in ein bösartiges Monster, dass alles um ihn herum zerstört und tötet. Mit jedem gescheiterten Versuch hat er nicht nur seine Familie und alle Schlossbewohner, sondern auch seine Hoffnung auf Rettung verloren.
Der einzige Begleiter, der ihm noch geblieben ist, ist der treu ergebene Befehlshaber Grey, der die Macht hat, aus Emberfall in die moderne Welt zu reisen und so zu Beginn jeden Herbstes ein neues Mädchen in das Schloss von Rhen bringt, in der Hoffnung, dass sie den Fluch brechen kann.
Während Grey sich wieder einmal auf die Suche nach einem passenden Mädchen macht, kommt ihm dieses Mal Harper in die Quere, die dadurch unabsichtlich in Rhens Welt hineingezogen wird. Harper hat selbst kein einfaches Leben hinter sich: Ihr Vater ist abgehauen, ihre Mutter liegt im Sterben und ihr Bruder steckt in Schwierigkeiten, die sein Leben gefährden. Und jetzt muss sie sich ausgerechnet noch in einer neuen Welt zurechtfinden.
Ein Prinz? Ein Monster? Ein Fluch? Harper weiss nicht, wo sie ist oder was sie glauben soll. Aber als sie mit Rhen in diesem verzauberten Land Zeit verbringt, beginnt sie zu verstehen, was auf dem Spiel steht. Und als Rhen erkennt, dass Harper nicht nur ein weiteres Mädchen ist, das seinem Charme erliegt, kommt seine Hoffnung zurück, den Fluch endlich brechen zu können...

Meine Meinung:

Das Buch habe ich ohne grosse Vorkenntnisse und Erwartungen im Zuge einer Leserunde gelesen, mit dem vordergründigen Ziel, wieder mehr englische Bücher zu lesen. Und was soll ich sagen? Das Buch war ein Volltreffer! "A Curse So Dark and Lonely" ist ein Retelling des berühmten Märchens "Das Schöne und das Biest", wobei die Gemeinsamkeiten teilweise sehr subtil sind. Während mir das Biest in Disneys Märchenadaption anfangs eher unsympathisch war, ist Rhen im Buch ganz anders. Trotz seines Schicksals, begegnet er nicht nur Harper, sondern auch den wenigen übriggebliebenen Leuten seines Volkes jeweils mit Höflichkeit und Respekt. Harper im Gegenzug hat Mühe, sich auf ihr neues Dasein in Emberfall einzulassen - was man ihr nicht verdenken kann. Dadurch, dass ihre Mutter an Krebs erkrankt ist und vermutlich in Kürze sterben wird und das Leben ihres Bruders durch kriminelle Machenschaften bedroht wird, die noch auf ihren Vater zurückgehen, ist sie mit ihren Gedanken ständig bei ihrer Familie. Hinzu kommt, dass sie alles andere als freiwillig in Emberfall gelandet ist und aus diesem Grund Rhen jeweils mit einem grossen Misstrauen begegnet. Egal, was er tut, um auf ehrliche Weise ihr Vertrauen zu gewinnen, Harper vermutet ständig irgendeine List dahinter. Nachdem Rhen ihr allerdings immer wieder durch kleinere oder grössere Gesten vermittelt, dass sie von ihm nichts zu befürchten hat, beginnt ihre harte Schale allmählich zu bröckeln und sie merkt, wie sehr Rhen unter dem Fluch und seinen Folgen leidet - ohne zu wissen, dass er selbst das Monster ist, das in seinem Königreich für Angst und Schrecken sorgt.

Neben dem interessanten Plot, konnte mich die Autorin auch mit den verschiedenen Charakteren überzeugen, die bis zuletzt sehr überschaubar geblieben sind. Harper fand ich (zumindest die meiste Zeit) nicht nur durch ihre kecke Art und ihre Dickköpfigkeit bewundernswert, sondern auch dadurch, dass sie an zerebraler Kinderlähmung leidet, sich aber von der Krankheit nicht unterkriegen lässt. Die Krankheit wird von der Autorin mit der nötigen Sorgfalt thematisiert und geschickt in die Handlung eingeflochten.
Zu Rhen kann ich gar nicht so viel mehr sagen ausser: Ich liebe ihn! Er tat mir ja ein bisschen leid, weil Harper ihn lange Zeit stellenweise echt unfair behandelt, aber er hat ihr gegenüber viel Geduld aufgebracht und mit seiner Schlagfertigkeit gekonnt auf ihre verbalen Angriffe reagiert. Die Autorin hat vor allem bei den Dialogen zwischen den beiden Protagonisten viel Humor bewiesen und mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht.
Erwähnenswert ist auch der oberste Befehlshaber Grey, der als einziger die schlimmen Attacken des Monsters überlebt hat und Rhen jeden Herbst aufs Neue zur Seite steht. Trotz seiner starken Loyalität, die er Rhen gegenüber immer wieder beweist, hat er seine Ehrlichkeit nicht verloren. Seine ehrlichen Rückmeldungen nutzt Grey vor allem dafür, um die anfangs noch zerbrechliche und von Misstrauen geprägte Beziehung zwischen Harper und Rhen zu verbessern.

Zum Schreibstil kann ich nur Positives berichten. Kemmerer schreibt sehr angenehm und das Englisch war leicht zu verstehen. Besonders gut haben mir - wie bereits erwähnt - die vielen humorvollen Dialoge gefallen, die die Story sehr unterhaltsam gemacht haben. Der Plot war insgesamt sehr fesselnd (wenn auch etwas vorhersehbar, wie es halt bei einem Märchen auch der Fall ist), wartet aber am Ende dann noch mit einer überraschenden Enthüllung über einen Charakter auf, die ich so niemals erwartet hätte und den Grundstein für den weiteren Verlauf der Reihe legt. Die Story weist ein, zwei kleinere Ungereimtheiten auf, die man sicher besser hätte lösen können, wobei ich darüber gerne hinwegsehen kann. Das Worldbuilding ist in meinen Augen gut gelungen, es ist aber auch eher simpel gehalten und dadurch leicht verständlich.

Fazit:

"A Curse So Dark and Lonely" ist ein sehr unterhaltsamer, fesselnder Reihenauftakt, der lose an das Märchen "Die Schöne und das Biest" angelehnt ist. Nicht nur der fesselnde Plot, sondern auch der humorvolle Schreibstil und die liebenswerten Charaktere (samt ihrer Schwächen) haben dazu geführt, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte. Für mich mein bisheriges Jahreshighlight, das auch auf Englisch leicht verständlich ist. Wenn ich über ein, zwei kleinere Schwächen hinwegsehe, dann kann ich dem Buch 5 Sterne vergeben. Eine absolute Leseempfehlung für Fans des Young Adult Fantasy Genres!
Keine Kommentare
(© cbj Verlag)

Das kalte Reich des Silbers*
von Naomi Novik

Bewertung: ★★☆☆☆

Fantasy, 576 Seiten
Erscheinungsdatum: 04. März 2019
Verlag: cbj


*Rezensionsexemplar.

Inhaltsangabe:
Mirjem ist die Tochter eines gutherzigen Pfandleihers, der es nicht über sich bringt, Schulden einzutreiben. Als die Familie deshalb bittere Armut leidet, tritt Mirjem an die Stelle ihres Vaters. Unnachgiebig fordert sie zurück, was ihr zusteht. Sie ist erfolgreich, und bald heißt es, sie könne Silber zu Gold machen. Die Kunde davon dringt bis tief in die Wälder, zum gefürchteten Volk der Staryk – magische Wesen, die mehr aus Eis bestehen als aus Fleisch und Blut. Der König der Staryk entführt sie in sein Reich. Dort soll sie für ihn Silber zu Gold machen. Tut sie das nicht, wird der Staryk sie töten. Doch gleichzeitig versinkt die Menschheit nun in Kälte … (© cbj Verlag)

Meine Meinung:

"Das kalte Reich des Silbers" war mein erstes Buch der Autorin und aufgrund der zahlreichen positiven Bewertungen und Rezensionen, war ich sehr gespannt auf das Buch. Lustigerweise muss ich zugeben, dass ich zu Beginn gar nicht wusste, dass es sich um eine lose Nacherzählung des Märchens "Rumpelstilzchen" handelt. Vermutlich einfach deshalb, weil ich das Märchen nie gelesen habe. Die Ähnlichkeiten sind mir erst nach und nach aufgefallen. Da mir das Märchen also nur grob durch Anspielungen aus Filmen und Serien bekannt ist, kann ich gar nicht sagen, inwiefern Ähnlichkeiten zum Märchen der Gebrüder Grimm bestehen (bis auf den Umstand, dass Mirjem Silber zu Gold machen sollte).

Der Anfang des Buches fand ich noch sehr vielversprechend. Der Beginn fokussiert sich vor allem auf die Einführung von Mirjem, die als Tochter eines Pfandleihers den Job ihres Vaters übernimmt, und in ihrem Dorf Geld eintreibt. Schnell einmal kreuzen sich die Wege mit der zweiten Protagonistin Wanda, die für Mirjems Familie arbeiten soll, um die Schulden ihres Vaters nach und nach abzubezahlen. Was für viele wie eine Strafe klingt, war für Wanda eine willkommene Abwechslung, um ihrem schwierigen Vater entfliehen zu können. Während ich diese beiden Handlungsstränge anfangs noch sehr interessiert verfolgt habe, konnte mich die Erzählung um die dritte Protagonistin, Irina, leider nicht wirklich packen - und ich kann gar nicht genau benennen, woran es lag. Irina wird durch eine Hochzeit mit einem Zar zur Zarin, muss aber kurze Zeit später feststellen, dass ihr Ehegatte von einem Dämon besessen ist. Vielleicht hatte ich Mühe mit Irinas Perspektive, weil sie im ersten Drittel fast gar nichts mit den beiden anderen Protagonistinnen zu tun hat und mir deshalb die Verbindung zu Irina gefehlt hat. Das ändert sich zwar im Mittelteil, aber dann begann leider insgesamt mein Interesse für alle drei Handlungsstränge zu schwinden. Das lag vor allem daran, dass Noviks Schreibstil sehr detailliert und ausführlich ist und die Handlung nur schleppend vorangetrieben wird. Ich bin für solche Bücher, die extrem langgezogen sind, einfach nicht gemacht und habe das Buch ab der Hälfte sehr zäh und langatmig gefunden. Zu diesem Zeitpunkt habe ich begonnen, einzelne Abschnitte nur noch quer zu lesen, um wenigstens ein bisschen schneller voranzukommen. Aber selbst so habe ich es nicht zum Ende des Buches geschafft und es im letzten Drittel schliesslich ganz abgebrochen. Mich konnte die Story im Verlauf leider überhaupt nicht mehr packen und ich hätte das Buch vermutlich besser gefunden, wenn es 200 Seiten kürzer, dafür deutlich temporeicher gewesen wäre. Mit fast 600 Seiten braucht man aber viel Geduld, bis endlich mal etwas Nennenswertes passiert. Und die hat mir leider gefehlt und hat für mich deshalb das Lesen, je länger es gedauert hat, fast unerträglich gemacht.

Das Worldbuilding wäre an und für sich sehr interessant gewesen und ich hätte gerne mehr über das Wintervolk der Staryk erfahren. Aber leider erfährt man zumindest in der ersten Hälfte zu wenig, als dass mein Interesse aufrechterhalten hätte werden können.
Ein weiterer Kritikpunkt, der mir grosse Schwierigkeiten bereitet hat, am Ball zu bleiben, war der ständige Perspektivenwechsel. Die verschiedenen Abschnitte oder Kapitel werden nicht durch die Namen der Charaktere eingeleitet, so dass man selbst herausfinden muss, aus welcher Sicht man die Story gerade verfolgt. Das wird mit der Zeit zwar einfacher, aber hat gerade am Anfang dazu geführt, dass ich sehr lange gar nicht gemerkt habe, dass Irina als neue Protagonistin hinzugekommen ist und ich sie zunächst mit Mirjem verwechselt hatte. (Die ebenfalls zu einer Eheschliessung gezwungen wird). Man muss also schon sehr aufmerksam lesen, damit einem nichts entgeht. Und der Perspektivenwechsel hat das Lesen für mich unnötig kompliziert gemacht. Hinzu kommt natürlich auch noch, dass solche Wechsel natürlich ungünstig ist, wenn man nicht alle Handlungsstränge gleichermassen interessant findet.

Fazit:

Ich kann verstehen, warum "Das kalte Reich des Silbers" von vielen gelobt wird, denn Noviks eigene Interpretation eines Märchens der Gebrüder Grimm und das daraus resultierende Worldbuilding bieten viel Potential. Leider hat der Schreibstil der Autorin so gar nicht meinem Geschmack entsprochen und die vielen Details und die ständigen Perspektivenwechsel haben das Lesen für mich sehr zäh und langatmig gemacht. Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und musste das Buch aus Desinteresse abbrechen. Es ist keineswegs schlecht, aber hat mit seinem sehr gemächlichen Erzähltempo leider überhaupt nicht meinen Lesegeschmack getroffen. Ich kann deshalb nur 2 Sterne vergeben.
2 Kommentare
(© Netgalley / One Verlag)

Cinder & Ella* (Cinder & Ella #1)
von Kelly Oram

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Contemporary Romance, 448 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. September 2018
Verlag: one


*Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Nach einem schweren Autounfall hat Ella ein Jahr voller OPs und Rehas hinter sich. Und nun muss sie auch noch zu ihrem Vater und dessen neuer Familie ziehen, die sie überhaupt nicht kennt. Ella will nur eins: ihr altes Leben zurück. Deshalb beschließt sie, sich nach langer Zeit wieder bei ihrem Chatfreund Cinder zu melden. Er ist der Einzige, der sie wirklich versteht, und obwohl sie ihn noch nie getroffen hat, ist Ella ist schon eine halbe Ewigkeit heimlich in ihn verliebt. Was sie nicht weiß: Auch Cinder hat Gefühle für sie. Und er ist der angesagteste Schauspieler in ganz Hollywood. (© Netgalley / One Verlag)

Meine Meinung:

Ich kann mir vorstellen, dass viele am liebsten laut aufschreien würden, wenn sie die niedrige Bewertung sehen, die ich "Cinder & Ella" vergeben haben. Das Buch hat sich kurz nach seinem Erscheinungstermin grosser Beliebtheit erfreut und es ist eines der Bücher, durch deren Hype ich überhaupt erst auf das Buch aufmerksam geworden bin. Ich mag (moderne) Retellings von Märchen sehr, deshalb bin ich eigentlich davon ausgegangen, dass mich diese Geschichte verzaubern würde. Das tat sie leider überhaupt nicht.

Zum Inhalt kann ich eigentlich gar nicht so viel mehr verraten, als in der offiziellen Inhaltsangabe steht. Denn that's it. Mehr passiert nicht. Während der Anfang noch hochemotional ist und Ellas Leidensweg nach ihrem Unfall in groben Zügen erläutert wird, konnte ich nach diesen Ereignissen keinen emotionalen Zugang zum weiteren Handlungsverlauf finden. Hinzu kommt, dass der moderne Cinderella Plot schon zigfach auf ähnliche Weise erzählt wurde und "Cinder & Ella" kaum Neues bietet - na ja, vielleicht bis auf den Umstand, dass es sich in diesem Buch um "Rich Kids" handelt, mit denen ich mich als Leserin überhaupt nicht identifizieren kann. Während Ella nach ihrem Autounfall und dem Tod ihrer Mutter nichts dafür kann, dass sie zu ihrem reichen Vater, dessen neue Ehefrau und den zwei gemeinsamen Stieftöchtern in die Hollywood Hills ziehen muss, konnte ich demgegenüber Brians Gejammer leider überhaupt nicht nachvollziehen. Brian ist der Schauspieler, der hinter dem Pseudonym von Cinder steckt. Zu Beginn der Geschichte beschwert er sich beispielsweise über sein achso schlimmes Schicksal, gut auszusehen, was bei mir statt Mitleid, nur ein Augenrollen verursacht hat.

Die Chatverläufe zwischen Ella und Cinder konnten mich leider auch überhaupt nicht begeistern, denn meistens unterhalten sie sich bloss über eine fiktive Fantasy-Reihe, die (ausgerechnet mit Brian in der Hauptrolle) verfilmt werden soll. Das mag für die beiden Charaktere, die grosse Fans der Reihe sind, interessant sein, aber mich hat das Gerede leider nur gelangweilt, denn dadurch, dass die Bücher nicht in der Realität existieren, konnte ich mit den Debatten, die Ella und Cinder über die Buchcharaktere geführt haben, überhaupt nichts anfangen.

Natürlich hofft man, wie in jedem anderen, ähnlichen Cinderella-Retelling, dass sich die beiden Charaktere irgendwann in Echt sehen. Bei "Cinder & Ella" muss man dafür aber erst einmal zwei Drittel des Buches lesen, damit es endlich zu einem richtigen Treffen kommt. Das hat mir einfach zu lange gedauert, besonders deshalb, weil zuvor eigentlich gar nicht so viel passiert, dass mich bei der Stange hätte halten können.

Während Ella durch ihre Erlebnisse einige Sympathiepunkte und vor allem mein Mitgefühl für sich gewinnen konnte, blieb mir Brian bis zuletzt unsympathisch. Das lag aber nicht unbedingt an seinem Charakter, sondern vor allem an der Situation, in der er sich befunden hat. Er wird von seiner Schauspielkollegin Kaylee mit einer total absurden Begründung erpresst und muss der Welt deshalb vorgaukeln, dass er eine Beziehung mit ihr führt. Ansonsten droht sie ihm damit, seinen Ruf zu zerstören. Dieses Drama fand ich so künstlich und unglaubwürdig, dass ich Brians Kapitel nur noch überflogen habe.

Bis zum Ende war ich so genervt, dass ich den Schlussteil nur noch quer gelesen habe. Es war ja ohnehin von Seite 1 klar, wie es ausgehen wird.

Fazit:

Eine moderne Adaption von Cinderella, die auf ähnliche Weise in anderen Büchern und Filme bereits zigfach erzählt wurde. Leider bietet "Cinder & Ella" hierbei nichts Neues, vielleicht abgesehen davon, dass die Handlung in einem reichen Milieu spielt, mit dem ich mich überhaupt nicht identifizieren konnte. Vielleicht habe ich ein Herz aus Stein, aber ich habe mir von der Geschichte nach all dem Hype deutlich mehr erhofft. Mich konnten weder die vorhersehbare klischeehafte Handlung, noch die Charaktere emotional erreichen. Für mich leider eine grosse Enttäuschung. Mehr als 2 Sterne kann ich dafür nicht vergeben.
4 Kommentare
(© Amazon / ONE)

Das Mädchen aus Feuer und Sturm* (Flame in the Mist #1)
von Renee Ahdieh

Bewertung: ★★★★☆

YA Fantasy, 416 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. September 2018
Verlag: ONE


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den ONE Verlag und Danke auch für das beigelegte Goodie :)

Inhaltsangabe:
Mariko ist die Tochter eines mächtigen Samurai und kennt ihren Platz im Leben. So klug und erfinderisch sie auch sein mag - über ihre Zukunft entscheiden andere. Als sie erfährt, dass sie den Sohn des Kaisers heiraten soll, nimmt sie ihr Schicksal hin. Doch auf dem Weg zu ihrer Hochzeit entkommt sie nur knapp einem blutigen Überfall - und nutzt ihre Chance, die Freiheit zu kosten: Als Junge verkleidet schmuggelt sie sich unter die Banditen und lernt eine ganz neue Welt kennen. Und sie verliert ihr Herz ... ausgerechnet an den Feind. (© Amazon / ONE)

Meine Meinung:

Auf dieses Buch habe ich mich schon monatelang gefreut, nachdem ich den Hype auf Goodreads mitgekriegt hatte. Das deutsche Cover ist im Vergleich zum englischen Original deutlich "mädchenhafter" ausgefallen, was eigentlich ein bisschen der Botschaft des Buches widerspricht. Wenn man das Buch dann in den Händen hält, ist es aber sehr schön anzusehen.

Das Buch beginnt sehr vielversprechend und konnte mich bereits ab dem Zeitpunkt, an dem Mariko und ihre Begleiter überfallen und - bis auf Mariko -  getötet werden bereits packen. Statt sich hilflos und verletzt ihrem Schicksal hinzugeben, beschliesst Mariko für diesen Überfall Rache zu nehmen. Dieses Nahtoderlebnis entfacht in ihr eine unglaubliche Stärke und Kraft, der sie auf ihrem weiteren Weg stetig begleitet. Um sich von ihrem alten Ich zu verabschieden, entschliesst sich Mariko als Junge zu verkleiden und, ohne zu Zögern, säbelt sie sich dafür ihre lange Haarpracht ab.
Und? Klingelt es da bei wem? Bei mir war es nämlich so, denn die Handlung erinnert bis dahin sehr an den Disneyfilm "Mulan" - nicht nur, weil er im asiatschen Raum spielt und ein POC als starke Protagonistin aufweist, sondern weil auch Mulan sich im Film als junger Mann verkleidet (und anstelle ihres Vaters in den Krieg zieht). Ich weiss nicht, ob diese Ähnlichkeit von der Autorin gewollt war und es sich tatsächlich um ein Retelling von "Mulan" handelt, aber da ich den Film als Kind geliebt habe, hat die Autorin damit noch mehr Pluspunkte bei mir eingehandelt.

Die Handlung geht dann etwas anders als im Film weiter und Mariko schafft es sehr bald, die vermeintlichen Übeltäter ausfindig zu machen: Der Schwarze Clan. Dabei handelt es sich um eine Gruppierung von jungen Männern, die in Marikos Augen allesamt Diebe und Mörder sind. Und sie überzeugt davon, dass sie auch für den Überfall verantwortlich sind. Als Junge verkleidet, gelingt es ihr, sich in die Reihen des Schwarzen Clans zu schleichen. Dabei lernt sie einen der jungen Männer näher kennen und es kommt wie es kommen muss: Aus Hass entwickelt sich allmählich Liebe. Und genau durch diesen Umstand gerät ihr ursprünglicher Plan, Rache am Schwarzen Clan zu üben, immer mehr ins Wanken. Zusätzlich wird die Sache auch noch dadurch verkompliziert, dass Mariko nach und nach Dinge über ihren Zwillingsbruder und ihren Vater erfährt, die sie so niemals geahnt hätte. Und sie gerät immer mehr in Zweifel, ob sie sich nicht doch geirrt hatte, als sie den Schwarzen Clan als ihren Feind angesehen hat.

Obwohl ich das Buch am Anfang nicht aus der Hand legen konnte, ging dieses Gefühl im Mittelteil etwas verloren. Die Story weist darin ein paar Längen auf, die meiner Meinung nach etwas gekürzt hätten werden können.
Wie oben erwähnt, bin ich ein grosser Fan von Büchern mit einer starken, weiblichen Protagonistin, doch in diesem Fall ging das etwas verloren, als die obligatorische Liebesgeschichte eingebaut werden musste. Die Romantik nimmt zwar nicht den Grossteil der Geschichte ein, doch auf mich wirkte das Ganze sehr plötzlich und dadurch auch etwas konstruiert, obwohl ich die beiden Liebenden als potentielles Pärchen sehr niedlich fand. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden hätte aber etwas glaubhafter gewirkt, wenn sich die Autorin dafür etwas mehr Zeit genommen hätte.

Der Schreibstil lässt sich zum grossen Teil flüssig lesen, aber ich hatte stellenweise Mühe, die asiatischen Fremdwörter zu verstehen, die immer wieder verwendet wurden. Ich habe leider erst am Schluss gesehen, dass am Ende des Buches ein Glossar mit allen Begriffserklärungen vorhanden wäre. Das hätte das Lesen vermutlich um einiges erleichtert.
Was mich zudem manchmal gestört hat, waren die Konversationen zwischen Mariko und Ōkami. Ich nehme an, dass die Autorin damit Romantik erzeugen wollte, doch auf mich wirkten die Aussagen, die die beiden ausgetauscht haben, manchmal wie Glückskekssprüche und dadurch sehr konstruiert. Da sind mir weniger pseudo-poetische Gespräche lieber, denn sie wirken zwar nicht so romantisch, dafür aber deutlich glaubhafter. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass zwei so junge Menschen tatsächlich so miteinander sprechen, selbst wenn das Buch in einer anderen Zeit spielt.

Der Schlussteil hatte es dann noch einmal in sich und endet in einem actiongeladenen Ende, der mich sehr neugierig auf Teil 2 gemacht hat. Trotzdem bleiben noch viele Fragen ungeklärt und ich hoffe, dass diese im weiteren Verlauf noch beantwortet werden.

Fazit:

Eine Geschichte über eine starke, asiatische Protagonistin, die durch einen Überfall zu unerwarteter Stärke gelangt. Das Buch beginnt sehr packend, weist im Mittelteil einige Längen auf, endet dann aber wieder in einem actiongeladenen, spannenden Schluss, so dass man den zweiten Band kaum abwarten kann. Für Fans des Disneyfilms "Mulan" kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Aufgrund einiger Schwächen kriegt "Das Mädchen aus Feuer und Sturm" von mir 4 Sterne und ich freue mich bereits auf die Fortsetzung.
8 Kommentare
(© dtv)

Elian und Lira – Das wilde Herz der See*
von Alexandra Christo

Bewertung: ★★★★★

YA Fantasy, 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 20. Juli 2018
Verlag: dtv


*Rezensionsexemplar. Vielen lieben Dank an den Verlag!

Inhaltsangabe:
Eine Fantasywelt, so betörend wie ein Sirenenlied - düster, romantisch und voller Sogkraft
 
Lira ist die Tochter der Meereskönigin. Jahr für Jahr ist sie dazu verdammt, einem Prinzen das Herz zu rauben. Doch dann begeht sie einen Fehler und ihre Mutter verwandelt sie zur Strafe in die Kreatur, die sie am meisten verabscheut – einen Menschen. Und sie stellt Lira ein Ultimatum: Bring mir das Herz von Prinz Elian oder bleib für immer ein Mensch. Elian ist der Thronerbe eines mächtigen Königreichs. Doch das Meer ist der einzige Ort, an dem er sich wirklich zu Hause fühlt. Er macht Jagd auf Sirenen, vor allem auf die eine, die so vielen Prinzen bereits das Leben genommen hat. Als er eines Tages eine junge Frau aus dem Ozean fischt, ahnt er zunächst nicht, wen er da an Bord geholt hat. Bald wird aus Misstrauen jedoch Leidenschaft und das Unerwartete geschieht – die beiden verlieben sich ineinander. (© dtv)

Meine Meinung:

"Elian und Lira - Das wilde Herz der See" war mir bereits aufgrund des Hypes in der englischsprachigen Lesercommunity bekannt. Die deutsche Übersetzung ist nur wenige Monate nach dem Original erschienen und sticht besonders durch das ausserordentlich hübsche und ansprechende Cover heraus (das meiner Meinung nach das Originalcover um Längen übertrifft!). Doch ein schönes Cover bedeutet natürlich noch nicht, dass die Geschichte dahinter genauso toll ist, deshalb war ich gespannt, ob ich mich in die Lobgesänge einreihen würde. Und so viel darf ich schon mal verraten: Das tue ich!

Das Buch wird aus zwei Perspektiven erzählt. Wer diese beiden Personen sind, verrät bereits der Titel: Auf der einen Seite haben wir Lira, die nicht nur eine Sirene, sondern auch die Tochter der Meeresgöttin ist und sich in der Menschenwelt mit dem Titel „der Fluch des Prinzen“ einen abschreckenden Namen gemacht hat. Auf der anderen Seite haben wir Elian, Kronprinz und Thronerbe des Reichs Midas, der sich seine Zeit aber lieber als Pirat und Sirenenjäger (und –killer) vertreibt. Wie man den beiden sehr gegensätzlichen Beschreibungen bereits entnehmen kann, stehen die beiden Protagonisten auf ganz unterschiedlichen Seiten und der eine will jeweils den Tod des anderen. Ein Aufeinandertreffen der beiden verspricht deshalb spannend zu werden. Zur Unterscheidung der beiden Perspektiven sind die Kapitel jeweils in unterschiedlichen Schriftarten geschrieben, je nachdem ob gerade Lira oder Elian zu Wort kommt. Das fand ich unglaublich hilfreich, vor allem, wenn man mitten im Kapitel einen kleinen Unterbruch macht, musste ich nicht jedes Mal an den Anfang des Kapitels springen, um zu schauen, aus wessen Augen man gerade die Handlung verfolgt. Eine wirklich tolle Idee!

Die Story beginnt direkt mitten im Geschehen. Ohne langes Vorgeplänkel begleiten wir zuerst Lira dabei, wie sie ihrem Titel alle Ehre macht und auf skrupellose und bösartige Weise einen unschuldigen Prinzen mit ihrem Sirenengesang in die Tiefe des Meeres zieht, um ihm dann sein Herz aus der Brust zu reissen. An dieser Stelle wurde mir zum ersten Mal bewusst: mit der Disneyvorlage „Die kleine Meerjungfrau“, mit der das Buch oft verglichen wird, hat die Handlung nur wenig gemeinsam. Hier begegnen wir keinen fröhlich singenden Meeresbewohnern, die auf irgendwelchen Muscheln Melodien klimpern, sondern blutrünstigen Sirenen, die Jagd auf Menschen machen und zu allem Überfluss noch Spass daran haben. Diese Erkenntnis hat mich positiv überrascht und dazu geführt, dass mich die Story sehr schnell in ihren Bann gezogen hat. Besonders erfrischend fand ich den Umstand, dass es sich bei Lira nicht um die typische „Heldin“ handelt, sondern um jemand, der (zumindest zu Beginn) auf der „bösen Seite“ steht. Das ist ein mutiger Ansatz der Autorin und etwas, das sich ganz klar von vielen anderen Büchern aus dem Fantasy-Genre unterscheidet. Ein weiterer Pluspunkt also!
Die Story geht schliesslich damit weiter, dass Liras Mutter – die Meeresgöttin – über die spontane Prinzenjagd ihrer Tochter, von der sie erst im Nachhinein erfährt, nicht erfreut ist. Da die Meeresgöttin nicht für ihre Barmherzigkeit bekannt ist, möchte sie ihrer Tochter eine Lektion erteilen. Sie belegt Lira mit einem Fluch, den sie in eine menschliche Gestalt verwandelt. Um diesem Fluch zu entkommen, soll Lira ihrer Mutter Prinz Elian liefern. Falls sie das nicht schafft, wird sie für immer zum Menschsein verdammt sein.

An diesem Punkt wechselt die Perspektive zum ersten Mal zu Elian. Sein Handlungsstrang beginnt damit, dass er von einem magischen Kristall erfährt, der ihm die Macht verleihen soll, die Sirenen ein für alle Mal auszulöschen. Ohne zu zögern und mit den treusten Mitgliedern seiner Schiffscrew macht er sich deshalb auf der Suche nach dem Kristall. Auf seiner Reise stösst er auf eine junge Frau, die ganz alleine auf dem Meer treibt. In einer heldenhaften Aktion beschliesst er das Mädchen zu retten, ohne zu wissen, dass es sich um Lira, also ausgerechnet um eine Sirene handelt, auf die er bereits sein Leben lang Jagd gemacht hat. An Bord angekommen, erfährt Lira von Elians Plan und beschliesst, sich der Crew anzuschliessen. Auch sie möchte den Kristall in ihre Hände bekommen, allerdings aus einem ganz anderen Grund, den sie Elian nicht verrät.

Wie es dann genau weitergeht, möchte ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Anders als der etwas irreführende Klappentext es vermuten lässt, steht aber nicht eine potentielle Liebesgeschichte zwischen Lira und Elian im Vordergrund, sondern viel mehr die Suche nach dem Kristall. Auf dieser Suche lauern immer wieder lebensgefährliche Situationen, in denen die Schiffscrew – und auch die beiden Protagonisten – um ihr Leben bangen müssen. Liras und Elians Kennenlernen ist nicht etwa als „Liebe auf den ersten Blick“ zu bezeichnen, sondern anfänglich durch Misstrauen und gegenseitige Abneigung geprägt. Die Gespräche der beiden sind herrlich amüsant, denn die beiden sind nicht auf den Mund gefallen. Statt vor dem ehrfürchtigen Prinzen Elian vor Demut niederzuknien, scheut Lira sich nicht, ihm Widerworte zu geben und ihre Klappe aufzureissen, was zu sehr unterhaltsamen Zankereien führt. Die angedeutete Liebesgeschichte entwickelt sich nur sehr subtil am Rande und spielt im Buch eine eher nebensächliche Rolle. Und genau das möchte ich positiv hervorheben und gilt in meinen Augen als ein weiterer Pluspunkt.

Ein kleiner Kritikpunkt ist dem Schlussteil gewidmet. Die Ereignisse überschlagen sich am Ende und führen zu einem blutrünstigen, actiongeladenen finalen Kampf zwischen Menschen und Sirenen. Trotzdem gab es das eine oder andere Ereignis, das ich in diesem Zusammenhang als etwas vorhersehbar und zu konstruiert empfunden habe. Der Grund dafür war der, dass meiner Meinung nach Einiges zu glatt und schnell verlaufen ist. Einerseits ist dafür das Buch nicht unnötig aufgebläht und weist zum Glück keine Längen auf, andererseits macht es das Finale stellenweise auch etwas unglaubwürdig und fühlt sich etwas zu sehr auf „Happy End“ getrimmt an. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Fazit:

Liras und Elians schlagfertige Wortgefechte, gepackt mit einem actiongeladenen Plot voller Gefahren, Kämpfen und Blutvergiessen haben das Abenteuer für mich als Leser nahezu perfekt gemacht. Etwas schade finde ich aber, dass in der offiziellen Inhaltsangabe darauf hingewiesen wird, dass die gegenseitigen Gefühle von Lira und Elian einen grossen Teil einnehmen würde. Denn eigentlich entwickelt sich das Ganze nur sehr subtil am Rande und spielt im Buch nur eine nebensächliche Rolle, was ich aber gleichzeitig Positiv hervorheben möchte.
Insgesamt ein sehr spannendes Fantasyabenteuer, für dessen etwas zu glatt verlaufender Schlussteil ich aber einen halben Stern abziehen muss. Trotzdem eine ganz klare Leseempfehlung für Fantasyfans! 4.5 Sterne gibt es davon von mir.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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