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between the lines.

(© Argon)

Between my Worlds* (Kalima und Nói, #1)
von Basma Hallak
Gelesen von Leonie Landa & Louis Friedemann Thiele 

Bewertung: ★★☆☆☆

NA Romance, Audiobook,
Spieldauer: 15 Stunden und 11 Minuten
Erscheinungsdatum: 02. September 2024
Verlag: Argon


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Argon Verlag.

Inhaltsangabe:
Nachdem die erste Ausstellung der Berliner Fotografin Kalima in einem gigantischen Shitstorm endet, flieht sie nach Island. Mit sich im Gepäck: ihre Verlorenheit, ihre panische Angst vor Ablehnung, die sie seit einer Ewigkeit quält, und ihr Island-Bildband, den sie schon ein halbes Leben lang mit sich herumträgt. Als sie auf Nói trifft, den Jungen mit dem Faible für Blumen, spürt sie sofort eine tiefe Verbundenheit. Nói führt vorübergehend das Lokal seiner Eltern, und Kalima überredet ihn, sie einzustellen. Er bezahlt sie mit Touren zu Islands Naturwundern, bei denen die beiden sich näherkommen. Doch zwischen den Seiten von Kalimas Bildband lauern die Dämonen ihrer Vergangenheit. Und die stehen nicht nur ihrer Liebe im Weg, sondern auch ihrem Leben.

Meine Meinung:

Ich habe mich spontan für dieses Buch entschieden, weil es in Island spielt und mir das Land für meine Weltreise-Challenge noch fehlte. Der Klappentext klang vielversprechend, auch wenn mir nicht bewusst war, dass es sich um eine reine Liebesgeschichte handelt.

Der Inhalt des Buches lässt sich mit nur einem Satz zusammenfassen: Die Protagonistin Kalima reist nach Island, lernt dort Nói kennen und die beiden verlieben sich ineinander, was allerdings keiner der beiden wirklich zugeben will. Und das war's. Mehr passiert nicht.
Und dadurch könnt ihr vielleicht bereits erahnen, dass sich bei mir relativ schnell beim Zuhören ein Desinteresse eingestellt hat, weil es diesem Buch an einem Plot fehlt. Und ein "Will they - won't they" reicht für mich einfach nicht (mehr) aus, um mich bei der Stange zu halten, vor allem, wenn es - wie in diesem Buch hier - keine wirkliche Begründung dafür gibt, weshalb die Charaktere ihre Gefühle voreinander verbergen. Es hat den Anschein erweckt, dass dies allein deshalb der Fall war, damit die Autorin ein ganzes Buch füllen konnte.

Es handelt sich um einen Debütroman, und leider merkt man das dem Schreibstil an. Ich habe normalerweise nichts gegen die Ich-Perspektive im Präsens, aber hier hat diese Erzählperspektive einfach nicht funktioniert. Besonders Limas Kapitel haben mich nicht überzeugt. Der Erzählstil wirkte unglaublich aufgesetzt und die Sätze wirkten stellenweise so, als wären einfache Formulierungen mehrfach durch den Thesaurus gejagt worden, was sich beim Lesen befremdlich angefühlt hat. Limas innerer Monolog erinnerte eher an ein modernes Shakespeare-Stück, als einen Contemporary Romance Roman. Das wäre weniger störend gewesen, wenn sich Hallak für eine auktoriale Erzählperspektive entschieden hätte, aber für die Ich-Perspektive einer jungen Frau in den 20ern wirkten die Gedankengänge einfach nicht authentisch.

Da das Buch keinen wirklichen Plot hat, besteht die Handlung hauptsächlich aus Aufeinandertreffen der beiden Protagonist:innen und sehr dialoglastigen Szenen, die oftmals jedoch so belanglos waren, dass ich mich zum Weiterhören zwingen musste. Ich bin allerdings grundsätzlich kein Fan von Büchern oder Filmen, die rein charakterbasiert sind, wie es hier der Fall ist.
Die Dialoge habe ich oft als unfreiwillig komisch empfunden, besonders wenn Ausdrücke wie "cringe" oder "Chill mal" eingebaut wurden. Das passte nicht zu Limas gekünstelten inneren Monologen und hat eher so gewirkt, als hätte man im Nachhinein versucht, noch einige altersentsprechende Äusserungen einzufügen.

Leider haben mich auch die Figuren nicht überzeugt. Einerseits fand ich es schön, dass die Autorin ihre Erfahrungen mit (Alltags-)Rassismus eingeflochten hat, diese Passagen waren berührend. Andererseits ging mir Lima zunehmend auf die Nerven. Ich bin kein Fan von schwachen Charakteren, die ständig jammern und sich in der Opferposition sehen. Und genauso hat die Protagonistin zunehmend auf mich gewirkt. Sie musste immer wieder vom männlichen Protagonisten gerettet werden, was sie eher bemitleidenswert als bewundernswert erscheinen lässt. Nói hingegen verdient Respekt für seine Engelsgeduld mit Lima, die ihn oft an seine Grenzen bringt.
Die Liebesgeschichte war niedlich, aber vorhersehbar und wirkte konstruiert. Man wusste von Anfang an, wie es ausgeht, und es bot kaum genug Stoff, um ein Buch zu füllen – umso erstaunlicher, dass die Autorin daraus gleich eine ganze Reihe macht.

Island als Kulisse hat mir gefallen, wohl auch, weil das Land ganz oben auf meiner Reise-Wunschliste steht. Allerdings merkt man, dass die Autorin nicht selbst von Island stammt, sondern Deutsche ist. Manche Beschreibungen wirkten wie "Fun Facts", die aus Wikipedia-Artikeln übernommen wurden, zum Beispiel wenn sich die beiden Protagonst:innen in einer Szene darüber unterhalten, dass es in Island keine Mücken gibt.

Die beiden Sprecher:innen haben ihre Arbeit gut gemacht, und durch die unterschiedliche Besetzung für Nói und Lima konnte man den Perspektivenwechsel gut folgen.

Fazit:

Das Buch konnte mich leider nicht überzeugen. Die Handlung war vorhersehbar und bot kaum genug Stoff, um ein ganzes Buch zu füllen. Limas ständige Opferrolle und die aufgesetzte Sprache haben es mir schwierig gemacht, eine Verbindung zu den Charakteren aufzubauen. Trotz der berührenden Passagen zu (Alltags-)Rassismus und der schönen Kulisse Islands wirkte vieles unauthentisch und konstruiert. Von mir gibt es 2 Sterne und die Fortsetzung werde ich nicht mehr lesen.
6 Kommentare
(© Argon Verlag)

Book Lovers - Die Liebe steckt zwischen den Zeilen*
von Emily Henry
Gelesen von Christiane Marx

Bewertung: ★★★☆☆

Contemporary Romance, Audiobook
Spieldauer: 13 Stunden und 19 Minuten
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2023
Verlag: Argon


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Argon Verlag.

Inhaltsangabe:
Die New Yorker Literaturagentin Nora Stephens ist das Gegenteil jeder romantischen Romanheldin. Sie ist tough, scharfzüngig und nicht auf der Suche nach der großen Liebe. Einzig für ihre Schwester Libby würde sie alles tun – sogar einen Sommer in der idyllischen Kleinstadt Sunshine Falls verbringen, dem Schauplatz von Libbys Lieblingsromanen. Von Picknicks auf Blumenwiesen und Dates mit attraktiven Landärzten jedoch keine Spur! Ausgerechnet dem arroganten und unnahbaren New Yorker Lektor Charlie Lastra begegnet Nora in Sunshine Falls wieder. Nach und nach muss sie jedoch erkennen, dass nicht nur in Büchern, sondern auch im wahren Leben manches anders ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Meine Meinung:

Vorweg muss ich zugeben, dass ich fast gar keine Contemporary Romance bzw. Chick-Lit mehr lese und ich deshalb so überhaupt nicht zur Zielgruppe des Buches gehöre. Aber, Emily Henrys Bücher erhalten auf meiner meistgenutzten Lesecommunity jedes Mal so überdurchschnittliche gute Bewertungen, dass ich der Autorin noch einmal eine Chance geben musste, weil mich der Hype um ihre Bücher so neugierig gemacht hatte. Eine zweite Chance deshalb, weil ich schon einmal ein Hörbuch der Autorin gehört habe, das hochgelobt wurde und mich dann sehr enttäuscht zurückgelassen hat, weil es nichts anderes, als eine seichte, vorhersehbare Chick-Lit war. Ich wollte jedoch herausfinden, ob es sich bloss um einen Fehlgriff gehandelt hatte, oder ich den Hype tatsächlich nicht teilen/nachvollziehen kann.

Doch beginnen wir von vorne: Book Lovers erzählt die Geschichte von Nora Stephens, die auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Schwester, gemeinsam mit ihr nach Sunshine Falls reist - einem abgeschiedenen Örtchen, das so gar nicht mit New York City vergleichbar ist, wo Nora eigentlich lebt.
Dort angekommen, trifft Nora einige der Kleinstadtbewohner, die sich näher kennenlernt. Darunter befindet sich auch ein junger, gutaussehender Mann, der Nora nicht ganz unbekannt ist und es schafft, ihr Interesse zu wecken...

Die Inhaltsbeschreibung klingt sehr unspektakulär, und das ist so, weil auch die Handlung im Buch sehr überschaubar bleibt und nicht sehr viel mehr Spannung hergibt. Es gibt im Buch keinen grossen Aufhänger, der mich beim Lesen regelrecht gefesselt hätte und es hat auch etwas gedauert, bis ich mit Nora und der Story warmgeworden bin, die vor allem durch ihre Charaktere lebt.
So richtig wollte der Funke nicht überspringen, aber gerade Charlie Lastra, Noras Love Interest, hat mich irgendwann dann doch neugierig gemacht, sodass ich bis zum Schluss doch noch ein wenig mit den beiden Turteltäubchen mitgefiebert habe und gehofft habe, dass sie ihr Happy End bekommen - was bei einer Chick-Lit ja ohnehin zu erwarten ist.
Abgesehen davon, versucht die Autorin noch das Interesse ihrer Leser:innen zu wecken, indem Noras Schwester irgendetwas verheimlicht, das erst am Ende enthüllt wird. Doch so richtig vom Hocker gehauen, hat mich diese Enthüllung nicht.

Der Schreibstil, sowie auch die Charaktere sind eher einfach gehalten, sodass man das Hörbuch gut nebenbei hören kann. Die Sprecherin Christiane Marx hat eine sehr angenehme Erzählstimme, die für mich sehr gut zum Inhalt des Buches gepasst hat, und das Zuhören sehr kurzweilig gestaltet hat.

Fazit:

Alles in allem war das Buch nicht schlecht, aber den Hype um Henrys Bücher kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen, denn bei ihren Büchern bekommt man genau das, was versprochen wird: Eine kitschige, vorhersehbare, romantische Chick-Lit.
Wer dieses Genre mag, der wird an den Büchern der Autorin Freude finden, aber für mich sind solche Bücher einfach zu seicht und konstruiert, als dass ich mehr als 3 Sterne vergeben könnte.
Ein nettes Buch für zwischendurch, aber für mich wird es wohl das letzte Buch der Autorin bleiben, da ich die überaus hohen Bewertungen nicht gerechtfertigt finde. "Book Lovers" liest sich wie fast jedes andere Buch aus dem Chick-Lit Genre und sticht für mich nicht mit einem besonderen Merkmal heraus, das erklären würde, weshalb gerade die Bücher dieser Autorin sich solcher Beliebtheit erfreuen.
2 Kommentare
(© Argon Verlag)

It happened one Summer* (Die Bellinger-Schwestern #1)
von Tessa Bailey
Gelesen von Dagmar Bittner

Bewertung: ★★☆☆☆

Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer: 12 Stunden und 56 Minuten
Erscheinungsdatum: 18. April 2023

Verlag: Argon Verlag

*Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Piper Bellinger ist ein Hollywood-It-Girl. Doch als sie wegen einer außer Kontrolle geratenen Party (und möglicherweise einem klitzekleinen Einbruch in einen Hotel-Pool) im Gefängnis landet, reißt ihrem Stiefvater der Geduldsfaden. Er dreht ihr den Geldhahn ab und schickt sie in den kleinen Küstenort Westport, wo ihr leiblicher Vater aufgewachsen ist – um sich dort um die heruntergekommene Bar der Familie zu kümmern.

Piper ist noch keine fünf Minuten in Westport, als ihr der grummelige muskelbepackte Fischer Brendan in die Quere kommt. Er glaubt, dass sie keinen einzigen Tag durchhält. Aber Piper hat es satt, von allen für ein dummes Blondchen gehalten zu werden. Und nur weil sie bei ihrem ersten Versuch zu kochen beinahe die Bar niederbrennt, heißt das noch lange nicht, dass sie aufgibt. Sie wird es allen beweisen. Vor allem diesem ärgerlich attraktiven Fischer …

Meine Meinung:

Eigentlich lese ich ja nur sehr selten Chick-Lit, weil mir die Stories meistens zu seicht und vorhersehbar sind - es sei denn, sie sind humorvoll geschrieben und nehmen sich nicht ganz so ernst. Und da auf dem Cover versprochen wird, dass es sich um eine "Rom-Com" handelt, und das Buch auf Goodreads so viele gute Bewertungen erhalten, hatte ich mal wieder Lust auf eine leichte Lektüre, die mich im besten Fall zum Lachen bringt.

Die Prämisse im Buch ist alles andere als neu und obwohl ich nur noch selten Chick-Lit lese, hatte ich den Eindruck, dass ich die Story schon mehrfach in ähnlicher Weise gelesen habe: Eine verwöhnte, reiche Protagonistin landet in einem einfachen, kleinen Dorf und trifft dabei auf einen kauzigen Bewohner. Obwohl beide nicht unterschiedlicher sein könnte und sie sich anfangs nicht ausstehen können, kommen sie sich im Laufe der Geschichte näher ... und den Rest könnt ihr euch wohl denken.

Die Handlung ist genauso vorhersehbar, wie sie klingt und beinhaltet zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Überraschungen. Am Anfang hat man den Eindruck, dass es sich um einen Enemies-to-Lovers-Plot handelt, aber der vermeintliche "Enemy"-Part wird so schnell abgehakt, dass ich es nicht wirklich als solches einordnen würde. Abgesehen davon beinhaltet die Story nahezu alle bereits bekannten Tropes, die das Genre zu bieten hat.

Die erste Hälfte des Buches konnte mich noch eher überzeugen, denn die zweite Hälfte besteht bedauerlicherweise nur noch auch erotischen Szenen, die absolutes Fremdscham-Potential hatten. Das Vokabular hatte dabei Groschenroman-Niveau und die Sexszenen waren dabei so fern jeglicher Realität, dass ich nur meine Augen verdrehen konnte. Ich musste sogar überprüfen, ob dieses Buch nicht von einem männlichen Autor geschrieben wurde, denn die Szenen und auch die Protagonistin wurden dabei so klischeehaft nach dem "Male Gaze" Prinzip geschildert, dass ich es eine richtige Schande finde, dass eine weibliche Autorin solche Szenen schreibt.
Eine Stelle ist mir dabei besonders negativ in Erinnerung geblieben: Beim ersten Geschlechtsverkehr der beiden Hauptcharaktere beglückt unsere Protagonistin ihren Liebhaber, der sich daraufhin dafür revanchiert und sie denkt dann ernsthaft sowas wie (frei zitiert): Er sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch grosszügig! WHAT?! Nur weil ein Mann sich beim Geschlechtsakt nicht nur mit der eigenen Befriedigung zufriedengibt und dafür sorgt, dass beide auf ihre Kosten kommen, gilt er gleich als grosszügig? Und bei der Frau wird eine solche (Gegen-)Leistung als selbstverständlich angesehen, oder wie? Das ist eine richtig veraltete und peinliche Denkweise und hat mich richtig wütend gemacht.

Zu den Charakteren kann ich gar nicht so viel sagen, denn sie stechen nicht wirklich durch irgendwelche tiefergehenden Charakterzüge heraus. Die Protagonistin ist durch ihre verwöhnte Art nicht unbedingt ein Sympathieträger, da mochte ich den Protagonisten schon lieber. Schön war zumindest zu sehen, dass er wenigstens kein Bad Boy war und er respektvoll und wertschätzend mit der Protagonistin umgegangen ist.

Der Schreibstil war okay und kurzweilig, passend zum Genre, aber leider war die Versprechung einer "Rom-Com", die andeutet, dass es sich um eine humorvolle Erzählung handelt, ein Etikettenschwindel, denn ich habe die Geschichte zu keinem Zeitpunkt als amüsant empfunden.

Die Sprecherin passt zum Inhalt und hat eine lockere Erzählweise, aber ihre Interpretation der Protagonistin fand ich schrecklich, denn jedes Mal, wenn sie eine direkte Rede spricht, verstellt sie ihre Stimme und spricht so hoch, dass ich das Gesagte nicht mehr ernst nehmen konnte, weil sie dadurch etwas dümmlich und kindisch gewirkt hat. Wenn Bittner den inneren Dialog bzw. die Gedankengänge der Protagonistin gesprochen hat, hat sie das mit ihrer normalen Stimme gemacht, was viel angenehmer war, aber bei mir letztendlich ein Fragezeichen hinterlassen hat, warum sie ihre echte Stimme verstellt?

Fazit:

Alles in allem ist dieses Buch eine typische 0815 Chick-Lit nach Schema F, dass sich allen bereits bekannten Tropes aus dem Genre bedient und die Geschichte dadurch total vorhersehbar macht. Ich verstehe die vielen tollen Bewertungen nicht ganz, weil die Handlung rein gar nichts Neues bietet und aus feministischer Sicht eine Schande ist. Ausserdem fehlt es der Story am versprochenen Humor. Das Buch ist meiner Meinung nach für eingefleischte Chick-Lit-Fans okay, aber ich fand es enttäuschend.
3 Kommentare
(© Argon Verlag)

Frühlingsfunkeln (Das kleine Bücherdorf #2) *
von Katharina Herzog
Gelesen von Elena Wilms

Bewertung: ★★★☆☆

Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer: 7 Stunden und 8 Minuten
Erscheinungsdatum: 22. Februar 2022*

Verlag: Argon Verlag

* Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Niemand würde vermuten, dass die toughe Shona nicht nur ein Café in Swinton führt und fantasievolle Cupcakes backt, sondern auch einen Blog betreibt, in dem sie nie abgeschickte Briefe veröffentlicht. Einer dieser Briefe ist von ihr selbst. Sie hat ihn an Alfie, ihren verstorbenen Freund, geschrieben, an dessen Tod sie sich schuldig fühlt. Womit sie allerdings nicht gerechnet hätte: Eines Tages bekommt sie eine Antwort darauf, und der unbekannte Schreiber scheint sie besser zu kennen, als ihr lieb ist.

Nathan Wood, Bestsellerautor und das Enfant terrible von Swinton, hat den Ort vor Jahren verlassen, nach dem Tod seines besten Freundes Alfie. Shona, Nathan und Alfie waren von Kindheit an unzertrennlich, doch irgendwann wurden die Dinge kompliziert – und schmerzhaft. Als Nathan nach einigen wilden Jahren in Edinburgh nun unerwartet nach Swinton zurückkehrt, möchte er Shona endlich seine Gefühle gestehen. Doch dafür müsste er enthüllen, was er damals getan hat …

Meine Meinung:

Obwohl mich der erste Teil der Reihe nicht so richtig vom Hocker gehauen hatte, habe ich mich trotzdem dazu entschieden, mir die Fortsetzung der "Das kleine Bücherdorf"-Reihe anzuhören. Der Hauptgrund dafür war ehrlicherweise das Cover, das mich mit seiner wunderschönen Farbkombination angesprochen hat.

Man muss den Vorgänger nicht gelesen (oder gehört) haben, damit man die Handlung des zweiten Buches versteht, denn die Bücher beinhalten jeweils andere Protagonst:innen und Plots, die unabhängig voneinander erzählt werden, sodass man keinerlei Vorwissen mitbringen muss. Der gemeinsame Faktor stellt eigentlich nur der Schauplatz Swinton dar, ein kleines, beschauliches schottisches Dorf.

In diesem zweiten Band geht es um Shona, die mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen hat und zu Beginn des Buches eine Pension kaufen möchte, für die ihr jedoch die Geldmittel fehlen. Und als wäre das nicht genug, kehrt mit Nathan ein altbekannter Freund in Swinton auf, der ihre Gefühlswelt gehörig auf den Kopf stellt...

Auch bei diesem zweiten Band handelt es sich um eine typische Chick-Lit, die sehr vorhersehbar verläuft und ein bisschen seicht gewirkt hat. Obwohl ich Shonda als Protagonistin mochte, habe ich den Eindruck, dass die offizielle Inhaltsgabe interessanter klingt, als es die eigentliche Geschichte letztendlich war. Für mich hat stellenweise ein roter Faden gefehlt und der Plot hat sich manchmal etwas planlos angefühlt.
Am Anfang hat die Autorin den Anschein gemacht, dass es um die Pension geht, die Shona unbedingt haben will. So sehr, dass man eine ziemlich absurde Szene zu lesen bekommt, in denen sie mögliche Interessentinnen abschrecken will, indem sie eine Horde von Spinnen im Haus platzieren.
Doch nach diesem Ereignis verliert sich dieser Handlungsstrang irgendwie und plötzlich steht vielmehr Shonas Vergangenheit mit Nathan im Vordergrund, die eng mit ihrem damaligen und inzwischen verstorbenen Freund Alfie zusammenhängt. Sowohl Shona, als auch Nathan haben den Tod bis heute nicht richtig verarbeitet und ich konnte ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen wieso. Alfies Tod war überraschend und traurig, aber dass die Trauer nach zehn Jahren bei beiden noch stark präsent war, hat für sich für mich irgendwie unglaubwürdig angefühlt. Und das nicht, weil es so unvorstellbar ist, dass jemand wirklich zehn Jahre einem verstorbenen Menschen nachtrauert, sondern vielmehr, weil mir die Gründe gefehlt haben, die vor allem bei Shona eine so lange Trauerzeit für mich nachvollziehbar gemacht hätten. Für mich hat sich das alles irgendwie künstlich angefühlt, so als ob es einfach für den Plot zweckdienlich war.
Die Sache mit den Briefen nimmt im Buch einen relativ kleinen Teil ein und bekommt eher am Ende eine Bedeutung, als enthüllt wird, welche Person aus welchem Grund hinter diesen Briefen steckt. Aber ganz ehrlich: Das konnte man sich die ganze Zeit über bereits denken.
Das Ende war schliesslich überaus kitschig, sodass alle ihr glückliches Happy End bekommen, das nicht konstruierter sein könnte, aber wohl zu Chick-Lits dazugehört. Und obwohl sich zum Schluss doch irgendwie alles rund anfühlt, hat sich der Weg dahin sehr zusammengewürfelt angefühlt.

Was mich in diesem zweiten Band erneut gestört hat, war auch schon ein Kritikpunkt, den ich beim ersten Band erwähnt hatte: Obschon die Buchtitel jeweils einer Jahreszeit gewidmet sind, kam für mich das Frühlingsgefühl kaum rüber und die Geschichte hätte genauso gut zu jeder anderen Jahreszeit spielen können. Dadurch wirkt die Wahl des Buchtitels willkürlich und unbedeutend, so als ob die Autorin einfach keine bessere Idee gehabt hätte.
Das Gleiche gilt auch für den Titelzusatz "Das kleine Bücherdorf". Während diese Bezeichnung im ersten Band aufgrund der Thematik mit der Buchhandlung und dem wertvollen Buch, um das es darin ging, noch Sinn ergeben hatte, hat dieser zweite Band absolut gar nichts mehr mit Büchern zu tun, was die ganze Buchtitelwahl erst recht ab absurdum führt.
Vielleicht bin ich hier zu kleinlich, aber mir fehlt einfach etwas, das wirklich heraussticht. Die Story könnte genauso gut zu jeder Jahreszeit in jedem anderen Dorf eines europäischen Landes spielen.

Positiv hervorzuheben ist aber erneut die Sprecherin Elena Wilms, die ihre Sache nach wie vor gut macht. Sie erzählt die Story trotz ihrer Schwächen mit einer Lebendigkeit, die das Zuhören sehr angenehm gemacht hat.

Fazit:

Der zweite Band der "das kleine Bücherdorf" Reihe konnte mich leider abermals nicht so richtig vom Hocker hauen. Für mich wirkte der Plot teilweise zusammengewürfelt und planlos, und am Ende auch sehr vorhersehbar. Da die Sprecherin aber eine sehr lebhafte und angenehme Erzählerinnenstimme hat, kann man sich diese seichte Chick-Lit Geschichte gut nebenbei beim Putzen anhören. Für mehr würde ich das Buch jedoch nicht empfehlen, dafür haben die Handlung und auch die Charaktere leider kaum Wiedererkennungswert. Von mir gibt es deshalb 2.5 Sterne.
2 Kommentare
(© Carl Hanser)

Fangirl
von Rainbow Rowell

Bewertung: ★★★★☆

YA Contemporary Romance, 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 24. Juli 2017
Verlag: Carl Hanser Verlag


Inhaltsangabe:
Die Zwillinge Cath und Wren sind unzertrennlich, bis Wren beschließt, dass ihr Jungen und Partys wichtiger sind als das gemeinsame Collegezimmer. Ein harter Schlag für Cath, die sich immer weiter in ihre Traumwelt zurückzieht: Beim Lesen und Schreiben von Fanfiction lebt sie ihre Vorstellungen von Liebesbeziehungen aus. Mit Erfolg – Tausende Leser folgen ihr. Doch als Cath dann Nick und Levi näher kennenlernt, muss sie sich fragen, ob sie nicht langsam bereit ist, ihr Herz echten Menschen zu öffnen und über Erfahrungen zu schreiben, die größer sind als ihre Fantasien.

Meine Meinung:

Ja, ich weiss, I'm late to the Party. Dieses Buch ist bereits vor fünf Jahren erschienen und seither ist es auf meinem SuB verstaubt. Nun ist der grosse Hype vorbei und ich bin dank einer SuB-Abbau Lesechallenge endlich dazu gekommen, das Buch zu lesen und bereue es ein bisschen, dass ich es erst jetzt gelesen habe.

Das Buch dreht sich um die 18-jährige Cath, die gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester Wren von Zuhause ausgezogen ist, um ihr Studium an einer Universität zu beginnen. Der Start verläuft jedoch nicht so, wie Cath sich das alles ausgemalt hat, denn ihre Zwillingsschwester hat ihr kurz vor Studiumsbeginn eröffnet, dass sie mehr Abstand zu Cath wünscht und sie nicht wie vereinbart ein Zimmer mit ihr teilen möchte. Das hat zur Folge, dass die äusserst zurückhaltende, introvertierte und unsichere Cath jetzt ohne ihre selbstbewusste Schwester auskommen muss, an die sie sich bislang immer geklammert hat. Ihr einziger Zufluchtsort in dieser neuen, ungewohnten Situation sind Caths Fanfictions zur berühmten Simon Snow Buchreihe, die sich im Internet äusserster Beliebtheit erfreuen. Erst als Cath Levi, den Freund ihrer Mitbewohnerin Reagen, näher kennenlernt, traut sie sich allmählich ein wenig aus ihrem Schneckenhaus heraus und entwickelt plötzlich ungeahnte Gefühle...

Ich kann eigentlich gar nicht genau sagen, woran es lag, aber es hat nicht lange gedauert, bis mich die Geschichte in ihren Sog gezogen hat. Die Autorin lässt sich sehr viel Zeit, damit wir Leser:innen Cath und ihre Eigenheiten besser kennenlernen und uns in ihrer Welt voller Angst und Unsicherheiten zurechtfinden können. Rowell besticht dabei vor allem durch einen ruhigen, aber gefühlvollen Schreibstil, durch den sie einige Szenen aus Caths Leben als Teenagerin so authentisch beschreibt, dass mich einiges davon an meine eigene Erfahrung als Jugendliche erinnert haben.

Positiv hervorzuheben ist auch die Charakterisierung der Protagonistin, die so so einige Ecken und Schwächen aufweist, die sie nicht immer sympathisch erscheinen lassen, dafür aber menschlich. Cath ist sehr introvertiert, verschlossen und unsicher, dafür aber auch nerdig, kreativ und sehr loyal, wenn sie jemanden einmal in Herz geschlossen hat. Ihre Zwillingsschwester Wren ist demgegenüber das komplette Gegenteil: Sie ist selbstbewusst, extrovertiert und kostet ihre neu gewonnene Freiheit an der Uni mit Jungs, Partys und jede Menge Alkohol aus.
Natürlich darf hier auch Levi, Caths Love Interest im Buch, nicht unerwähnt bleiben, denn er war wohl mit Abstand das Beste am ganzen Buch und hat mich mit seiner Engelsgeduld immer wieder überrascht, die er Cath entgegengebracht hat. Levi ist ein junger Mann, der durch seine offene, humorvolle, aufgestellte Art äusserst liebenswert erscheint und Cath mit so viel Verständnis und Respekt begegnet, dass er definitiv ein toller Book-Boyfriend abgibt.

Neben Caths Uni-Leben spielt auch die fiktive Simon Snow Bücherreihe eine grosse Rolle, auf der Caths beliebte Fanfictions beruhen. Die Autorin hat zwischen den einzelnen Kapiteln jeweils Ausschnitte aus den Simon Snow Büchern oder Caths Fanfictions eingepflegt, was an und für sich eine nette Idee ist, deren Intention mir aber nicht ganz klar war. Viele der Auszüge aus den Büchern waren total nichtssagend, ohne tiefere Botschaft und hatten schon gar nichts mit den vorangegangenen oder nachfolgenden Erlebnissen aus Caths Leben zu tun, sodass man sie genauso gut hätte weglassen können.

Bei all der Lobeshymne gab es aber auch einige Punkte, die mich nicht vollends überzeugen konnten. Zum einen enthält die Geschichte keinen wirklichen Spannungsbogen, was durch das sehr langsame Erzähltempo stellenweise dazu geführt hat, dass der Plot manchmal seine Längen aufweist.
Zudem hat sich für mich das Ende des Buches nicht nach einem runden Abschluss angefühlt, denn ich hatte den Eindruck, dass viele Handlungsstränge nicht zu Ende erzählt wurden - wie zum Beispiel die Story mit der Mutter der Zwillinge.
Ausserdem konnte ich Caths Vermeidungsverhalten in für sie schwierigen Situationen nicht immer nachvollziehen und teilweise habe ich ihre Verschlossenheit und die Weigerung, selbstständiger zu werden fast schon als ein bisschen trotzig und kindisch empfunden. Ich hätte mir hier eine stärkere Entwicklung gewünscht, stattdessen hat sich Caths Abhängigkeit von Wren eigentlich nur auf Levi übertragen, der plötzlich sein ganzes Leben danach gerichtet hat, sie überall hinzubegleiten, wo sie sich alleine nicht hintraut. Das hat vermutlich erst recht zur Aufrechterhaltung von Caths problematischen Verhaltensweisen beigetragen, auch wenn es nett gemeint war.
Hier hat es die Autorin leider versäumt tiefere Einblicke darin zu geben, Caths Verhalten besser nachvollziehen zu können, weshalb mir manchmal auch das Verständnis und die Geduld für sie gefehlt haben.

Fazit:

Fangirl ist ein zauberhaftes Buch über eine 18-jährige, introvertierte und Fanfiction-liebende Protagonistin, die sich nach dem Auseinanderleben mit ihrer Zwillingsschwester vielen herausfordernden Situationen und Ängsten stellen muss. Das Buch punktet durch einen einfühlsamen Schreibstil, weist jedoch durch das sehr langsame Erzähltempo stellenweise ein bisschen seine Längen auf. Insgesamt handelte es sich jedoch um einen empfehlenswerten Coming of Age Roman, den ich auch als Erwachsene gern gelesen habe, weil mich viele Szenen an meine eigene Jugend erinnert haben.
6 Kommentare
(© Argon Verlag)

Winterglitzern (Das kleine Bücherdorf #1) *
von Katharina Herzog
Gelesen von Elena Wilms

Bewertung: ★★★☆☆

Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer: 7 Stunden und 8 Minuten
Erscheinungsdatum: 26. Oktober 2022

Verlag: Argon Verlag

* Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Die junge Kunsthändlerin Vicky gerät durch Zufall an einen ungewöhnlichen Brief: Der 10jährige Finlay aus Swinton in Schottland hat ihn an seine verstorbene Mutter geschrieben. Vicky ist berührt – aber auch neugierig, denn dem Brief liegt ein Foto bei, auf dem im Hintergrund eine seltene Ausgabe von Alice im Wunderland zu sehen ist. Sie reist nach Schottland – und entdeckt mit Swinton einen ganz und gar außergewöhnlichen Ort. Ein uriges Dorf voller Buchläden und Bücherwürmer, und dazu eine Schar mitunter sehr eigenwilliger Einwohnerinnen und Einwohner. Vicky gerät unversehens mitten in die Geschichte um Finlay, seinen Vater Graham – einen attraktiven Buchhändler und Witwer – und ein sehr wertvolles Buch ...

Meine Meinung:

Auf dieses Hörbuch habe ich spontan Lust bekommen, weil ich gerade in Weihnachts- bzw. Winterstimmung bin und ich dementsprechend Lust auf eine herzerwärmende Geschichte im Schnee hatte. Ich habe zuvor noch nie ein Buch der Autorin gelesen oder gehört und habe vernommen, dass es sich bei diesem Hörbuch um einen Reihenauftakt handeln soll. Auch die weiteren Fortsetzungen sollen im beschaulichen, schottischen Dorf Swinton in Schottland spielen, die Protagonisten wechseln dabei jedoch jeweils.

Die offizielle Inhaltsangabe fasst die Handlung eigentlich so gut zusammen, dass ich gar nicht so viel mehr dazu sagen kann: Vicky ist eine Kunsthändlerin, die ihren entfremdeten Vater beeindrucken will und deshalb in ein kleines Dörfchen in Schottland fliegt, um in den Besitz einer besonders wertvollen Ausgabe von "Alice im Wunderland" zu kommen. Um an das Buch heranzukommen, muss sie jedoch eine List anwenden, um das Vertrauen von Graham - dem Buchbesitzer - zu gewinnen. Und weil gerade eine Stelle in Grahams Buchhandlung frei ist, gibt sich Vicky als eine andere Person aus, die diese Stelle übernimmt und versucht so hoffentlich das Buch in ihre Hände zu kriegen.

Wie bei Chick-Lit so üblich, kann man bereits aus der Inhaltsangabe erahnen, wie der weitere Verlauf der Handlung sein wird, was den Plot ganz genretypisch ziemlich vorhersehbar gemacht hat. Zu Beginn habe ich eine ganze Weile gebraucht, um einen Zugang zur Story und der Protagonistin zu finden, aber als mir das endlich gelungen war, konnte mir besonders der Charme der teilweise etwas kauzigen schottischen Dorfbewohner bei mir punkten. Vicky selbst blieb mir bis zuletzt etwas distanziert und erst ganz am Schluss, als ihre Beziehung zu ihrem Vater näher beleuchtet, aber gleichzeitig auch ziemlich schnell abgehandelt wird, hat sie für mich etwas mehr Tiefe bekommen.
Ihr Beziehungsaufbau zu Graham war auch nachvollziehbar geschildert, selbst wenn man meilenweit voraussehen kann, was zwischen den beiden passieren wird und welches Drama ausgelöst wird, sobald Graham erfährt, wer Vicky wirklich ist - aber das gehört zum Genre auch einfach dazu.

Der Plot ist eher seicht, war aber genau das, was ich zu dieser Jahreszeit gesucht habe. Die Stimme der Sprecherin ist angenehm und passt in meinen Augen perfekt zu einer Chick-Lit. Ich hatte beim Zuhören ständig das Gefühl, dass sich die Geschichte auch wunderbar als Verfilmung eignen würde.

Was ich etwas schade fand, war das ausbleibende Winterfeeling. Bei einem Buch, dass als Untertitel "Winterglitzern" heisst, hätte ich erwartet, dass die winterliche Atmosphäre mehr zum Tragen kommt. Bis auf einige wenige Szenen, hätte das Buch aber ehrlicherweise auch zu jeder anderen Jahreszeit spielen können.

Fazit:

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine zauberhafte, herzerwärmende Liebesgeschichte, die Chick-Lit-Genre entsprechend aber auch etwas seicht und vorhersehbar ist. Als Hörbuch fand ich die Handlung insgesamt sehr kurzweilig und liebenswert, sodass ich mich dennoch gut unterhalten gefühlt habe. Von mir gibt es deshalb durchschnittliche 3 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die cozy Liebesgeschichten in einem verschneiten Dörfchen mögen.
4 Kommentare
(© Argon Hörbuch)

Nick and Charlie: Eine Liebesgeschichte - definitiv*
von Alice Oseman
Gelesen von Tom Radczko & Nicolas Rathod

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer: 1 Stunde und 53 Minuten
Erscheinungsdatum: 14. September 2022

Verlag: Argon Hörbuch

* Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Jeder weiß, dass Nick und Charlie das perfekte Paar sind – dass sie unzertrennlich sind. Aber jetzt wird Nick an einer weit entfernten Uni studieren und Charlie wird zurück bleiben. Alle fragen, ob sie weiterhin ein Paar sein möchten. Was für eine dumme Frage! – Sie sind schließlich Nick und Charlie! Doch als der Zeitpunkt des Abschieds unweigerlich näher rückt, fragen sich sowohl Nick als auch Charlie, ob ihre Liebe stark genug ist, um die Trennung zu überstehen. Oder verzögern sie nur das Unvermeidliche? Denn jeder weiß, dass die erste Liebe selten ewig hält ...

Meine Meinung:

Alice Oseman hat sich inzwischen in der queeren Young Adult Literatur einen Namen gemacht und ich habe bereits einige ihrer Romane gelesen. Ihre berühmte Heartstopper Graphic Novel Reihe habe ich erst in diesem Jahr entdeckt und obwohl ich normalerweise keine Graphic Novels lese, fand ich Nick und Charlie (zumindest die meiste Zeit über) zuckersüss.
Über das Hörbuch zum Roman der gleichnamigen Reihe bin ich eher durch Zufall gestossen und ich war neugierig, wie sich die Beziehung der beiden Teenager weiterentwickelt hat.

Das Hörbuch wird sehr angenehm von zwei männlichen Sprechern vorgelesen, die die inzwischen älter gewordenen Hauptcharaktere verkörpern. Der Fokus der Geschichte liegt darauf, dass Nick bald auf die Uni gehen möchte und sich durch die Entfernung zwangsläufig etwas an der Beziehung zwischen ihm und Charlie ändern wird. Charlie, von dem wir wissen, dass er schon vorher psychisch belastet gewesen ist, scheint mit dieser Veränderung nur schwer umgehen zu können, was die noch junge Beziehung auf eine harte Probe stellt.

Ich hatte ja bereits in den Graphic Novels manchmal etwas Mühe mit Charlies Verhalten (und den immer mehr werdenden Diagnosen, die ihm Oseman mit gefühlt jedem weiteren Band aufgedrückt hat), aber dieser Roman lässt ihn leider in keinem guten Licht erscheinen. Obwohl die Charaktere nun älter sind, benimmt sich Charlie nach wie vor ziemlich kindisch und dieser ganze Roman liest sich wie ein künstlich erzeugtes Drama, das auf einem Konflikt basiert, der einzig und allein daher rührt, dass Charlie seinen Mund nicht auf bekommt und nicht das Gespräch mit Nick sucht.
Ich muss gestehen, dass ich sehr mit Nick mitgefühlt habe und ihn für seine unglaubliche Geduld bewundere, diese ganzen Hochs - aber vor allem Tiefs - mit Charlie durchzumachen. In diesem Buch hätte ich es Nick ehrlich gesagt nicht verdenken können, wenn er sich entschieden hätte, sich von Charlie zu trennen, denn er hat die Situation - wieder einmal - unnötig kompliziert gemacht.

Ein weiterer Kritikpunkt besteht auch in der Kürze des Buches. Ich hatte zu Beginn gar nicht gesehen, dass das Hörbuch nur knapp zwei Stunden dauert und verstehe nicht ganz, warum sich Oseman entschieden hat, dieses Buch zu schreiben? Die Heartstopper-Reihe funktioniert in meinen Augen als Graphic Novel gut, aber für einen alleinstehenden Roman hatte mir der Plot definitiv zu wenig Fleisch am Knochen. Abgesehen von diesem einen, unnötigen Konflikt passiert gefühlt gar nichts in diesem Buch. Das hätte man doch genauso gut, oder sogar besser, in einen Graphic Novel packen können, der den doch sehr dünnen Plot durch seine Bilder wenigstens hätte aufwerten können?

Fazit:

"Nick und Charlie" ist ein Roman zur Heartstopper Graphic Novel Reihe von Alice Oseman, das eine Momentaufnahme aus dem Leben der beiden Protagonisten schildert, die in diesem Buch nun älter geworden sind. Leider ist aber Charlie gleichzeitig nicht reifer geworden und verhält sich in diesem Band total kindisch und erzeugt ein unnötig konstruiertes Drama, das bei mir auf wenig Verständnis gestossen ist. Mir ist der Sinn dieses Romans nicht ganz klar, denn der Plot besteht nur aus einem unnötigen Konflikt und liefert ansonsten wenig neue Erkenntnisse, die man auch in einen Graphic Novel hätte packen können. Für mich hätte es diesen Roman nicht gebraucht. Daher kann ich nur zwei Sterne vergeben.

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(© Argon Verlag)

Kein Sommer ohne dich*
von Emily Henry
Gelesen von Nora Jokhosha

Bewertung: ★★☆☆☆

Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer: 12 Stunden, 8 Minuten
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2022

Verlag: Argon Verlag

* Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Eigentlich hat die abenteuerlustige Poppy in New York alles, was sie sich schon immer gewünscht hat. Wirklich glücklich war sie trotzdem seit jenem Sommer-Urlaub vor zwei Jahren nicht mehr, als sie zum letzten Mal mit ihrem besten Freund Alex verreist ist. Seitdem haben sie nicht mal mehr miteinander gesprochen. Also fasst Poppy sich ein Herz und bittet Alex, noch einmal mit ihr in Urlaub zu fahren, um über alles zu reden. Wie durch ein Wunder sagt er zu. Jetzt darf nur diese eine Wahrheit nicht zur Sprache kommen, die seit zehn Jahren still und heimlich im Zentrum ihrer scheinbar perfekten Freundschaft steht.

Meine Meinung:

Auf "Kein Sommer ohne dich" war ich sehr gespannt und letztendlich war das Buch wohl ein Fall von zu hohen Erwartungen. Bereits das englische Leseexemplar stand schon seit Ewigkeiten auf meiner Wunschliste, weil das Buch bereits im letzten Sommer in der englischsprachigen Community einen grossen Hype ausgelöst hat. Und als mir dann das deutsche Hörbuch begegnet ist, musste ich einfach herausfinden, was an diesem Buch so toll ist.

Im Buch wird die Geschichte von Poppy erzählt, die Jahr für Jahr mit ihrem besten Freund Alex in den Urlaub fährt - zumindest bis vor einigen Jahren. Denn irgendetwas ist zwischen den beiden ehemals besten Freunden vorgefallen, das dazu geführt hat, dass diese Tradition nicht mehr weitergeführt wurde. Und genau das will Poppy wieder ändern und sie lädt Alex erneut zu einem Urlaub ein, um die ungeklärten Ereignisse aus der Vergangenheit aus der Welt zu schaffen.

Diese Inhaltsangabe klingt eigentlich ziemlich vielversprechend, auch wenn sie natürlich von vorne bis hinten vorhersehbar ist. Aber das gehört bei Chick-Lit vermutlich dazu und war auch nicht das, was mich an dem am meisten Buch gestört hat. Enttäuschend fand ich eher, dass die Handlung zu keinem Zeitpunkt so richtig in Gang kommen wollte.
Ein Grund dafür lag unter anderem darin, dass die Story auf zwei Zeitebenen erzählt wird, was dem Buch aus meiner Sicht keinen Gefallen getan hat. Dieses Hin- und Herspringen von der Gegenwart (dem aktuellen Urlaub) und früheren Urlaubsreisen fand ich nicht nur ermüdend, sondern teilweise in der Hörbuchfassung auch etwas verwirrend, weil man schnell einmal die Orientierung verliert, an welchem Zeitpunkt sich die Handlung gerade befindet. Zudem hatte ich durch die verschiedenen Zeitebenen den Eindruck, dass das Tempo unerträglich langsam ist und der Plot dadurch stellenweise zäh wie Kaugummi gewirkt hat. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis sich die beiden Handlungsstränge bzw. Zeitebenen einander annähern und endlich das Ereignis beschrieben wird, das zum damaligen Bruch der beiden Freunde geführt hat - und das war nicht etwa spannend, weil man es von Anfang an vorhersehen konnte.

Ein weiterer Kritikpunkt bestand für mich auch in der Protagonistin, die für mich nicht gerade eine Sympathieträgerin war. Ausserdem habe ich lange Zeit die vermeintlichen Gefühle zwischen Poppy und Alex nicht wirklich gespürt und für mich hat sich die ganze Sache bis fast zum Schluss wie eine einseitige Schwärmerei angefühlt.

Was mich auch enttäuscht hat, war der Umstand, dass die Idee des Buches keineswegs neu ist. Für mich hat sich die Geschichte wie ein Abklatsch von "Zwei an einem Tag" (weil die Szenen mit Alex und Poppy fast immer auf einen Urlaub im Jahr begrenzt waren) und "Love, Rosie - Für immer vielleicht" angefühlt (weil auch da der Friends-to-Lovers Plot bis ins Unermessliche herausgezögert wird). Ähnlichkeiten sind im Grunde nichts Schlechtes, aber gerade weil Henrys Buch so einen Hype ausgelöst hat, habe ich tatsächlich etwas Innovativeres erwartet.

Was ich auch etwas bedauert hatte, war zudem, dass ich aufgrund des Klappentextes und des Covers irgendwie eine locker-flockige Geschichte im Stile einer Rom-Com erwartet hatte. Das Buch ist aber überraschend unlustig und nimmt sich selbst etwas zu ernst, dafür dass es bloss Chick-Lit ist. Mit ein bisschen mehr Humor hätte Henry mich sicher schnell abgeholt.

Ein letzter Kritikpunkt, der gleichzeitig auch der Grund dafür war, dass ich meine Bewertung schlussendlich definitiv von 3 auf 2 Sterne reduziert hatte, war das Ende nach dem Ende. Um Spoiler zu vermeiden, kann ich an dieser Stelle keine inhaltlichen Details verraten, aber es ist so, dass unsere Protagonist:innen irgendwann ENDLICH das langersehnte Happy End bekommen und die Autorin dann wohl gedacht hat: HALT, das reicht noch nicht! Und im Sebastian Fitzek Stil noch eine Schippe drauflegen musste, mit einer Entwicklung, die das Liebespärchen vor eine letzte Hürde stellen soll, was aber grundsätzlich nichts anderes war, als ein letztes total konstruiertes und unnötiges Drama. Henry hätte das Buch beim Happy End beenden sollen. Was dieser Schluss nach dem Schluss noch sollte, ist mir schleierhaft und hat nichts Nennenswertes mehr zum Plot beigetragen.

Die Hörbuchsprecherin macht ihre Sache ganz okay, wobei mir ihre Stimme nicht so richtig sympathisch geworden ist, was aber vermutlich einfach an der Protagonstin lag.

Fazit:

"Kein Sommer ohne dich" hat als romantische Sommerlektüre einen regelrechten Hype ausgelöst, der bei mir zu Erwartungen geführt hat, die letztendlich nicht erfüllt werden konnte. Der Plot will nicht richtig in Gang kommen und wirkt durch ständige Zeitsprünge unnötig in die Länge gezogen und auch die Chemie zwischen den beiden Protagonist:innen war für mich bis kurz vor Schluss kaum spürbar. Hinzu kommt, dass die Idee des Buches keineswegs neu ist und sich wie eine Mischung aus "Zwei an einem Tag" und "Love, Rosie" angefühlt hat. Alles in allem leider war es für mich leider ein überwertetes Buch, dessen Hype nicht nachvollziehen kann. 2 Sterne gibt es von mir.
2 Kommentare
(© Argon Verlag)

I Kissed Shara Wheeler*
von Casey McQuiston
Gelesen von Corinna Dorenkamp

Bewertung: ★☆☆☆☆

YA Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer: 10 Stunden, 16 Minuten
Erscheinungsdatum: 01. Juni 2022

Verlag: Argon Verlag

* Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Chloe Green ist fast am Ziel: Bald hat die queere Schülerin die Highschool in der engstirnigen Kleinstadt in Alabama endlich hinter sich. Und zwar als Jahrgangsbeste! Wenn ihr nicht Ballkönigin Shara Wheeler, die rundum perfekte Tochter des Schuldirektors, noch einen Strich durch die Rechnung macht …

Doch mit einem einzigen Kuss bringt Shara Chloes Welt ins Wanken – nur, um anschliessend wie vom Erdboden verschluckt zu verschwinden. Statt Antworten findet Chloe lediglich kryptische Nachrichten von Shara, die sie auf eine atemlose Suche schicken. Als Chloe Sharas Geheimnissen auf die Spur kommt, beginnt sie zu ahnen, dass hinter dieser kleinen Stadt mehr stecken könnte, als sie dachte. Und vielleicht auch hinter Shara?

Meine Meinung:

In letzter Zeit habe ich echt kein glückliches Händchen bei meiner Bücherwahl. Dieses Hörbuch habe ich spontan im Netgalley Katalog entdeckt und mich für ein Hörexemplar beworben, nachdem die Hörprobe interessant geklungen hat und ich davon ausgegangen bin, dass man bei einem romantischen, queeren YA Roman ja nicht so viel falsch machen kann.
Diese Annahme hat sich leider als falsch herausgestellt, denn ich habe das Buch kurz vor der Hälfte abgebrochen. Und dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Das Erste, das mir bereits nach kurzer Hörzeit negativ aufgefallen ist und mich mit zunehmender Hördauer immer mehr verärgert hat, war die Tatsache, dass der Plot eine Kopie von John Greens bekanntem (und verfilmten) Werk "Paper Towns" (bzw. "Margos Spuren") darstellt - nur diesmal mit queeren Hauptcharakteren. Und bereits Greens Buch hat mich nicht vom Hocker gehauen, was ein Plagiat mit der gleichen geklauten Idee nur noch schlechter machen kann.
Auch in Greens Werk verschwindet die titelgebende Protagonistin und wird dann von einem weiteren Hauptcharakter gesucht, der sich in sie verliebt hat und nach und nach auf Hinweise stösst, die Aufschluss über ihren Aufenthaltsort gibt. Und exakt das Gleiche passiert auch in diesem Buch, ausser dass die Protagonistin diesmal Shara Wheeler, statt Margo heisst.

Ein weiterer Kritikpunkt stellt die Protagonistin Chloe dar, die leider alles andere als sympathisch wirkt. Ihre Obsession mit Shara Wheeler, deren Leben und ihrem Verschwinden wirkt keineswegs romantisch, sondern eher wie eine pathologische Besessenheit. Dabei betont Chloe immer wieder, dass ihre Obsession für die verschwundene Shara daher rührt, dass sie die einzige war, die ihr das Wasser reichen konnte, was Chloe unglaublich arrogant wirken lässt. Ausser Chloe scheint sich ansonsten aber ohnehin kaum jemand für Sharas Verschwinden zu interessieren, was mich irgendwie irritiert hat.
Chloe kann das Buch als Hauptcharakter in meinen Augen nicht tragen, denn sie wirkt einfach unglaublich selbstüberzeugt und nervig, sodass ich nicht wirklich mitgefiebert habe, ob sie ihr vermeintliches Happy-End mit Shara bekommt oder nicht. Und ihre Besessenheit hat so weit geführt, dass der Name "Shara Wheeler" im Buch so oft wiederholt wird, dass ich es irgendwann nicht mehr hören konnte und wohl laut aufschreie, wenn ich nach Beendigung dieser Rezension jemals wieder diesen Namen hören muss.

Der dritte und letzte Kritikpunkt betrifft leider auch die Sprecherin, deren Stimme ich mit zunehmender Hördauer fast nicht mehr ertragen konnte. Ich weiss nicht, ob es am schlechten Schreibstil oder der nervigen Protagonistin lag, aber die Sprecherin hat es tatsächlich geschafft, Chloe noch anstrengender wirken zu lassen, als sie es ohnehin schon war. Es kann aber auch gut sein, dass sie gar nichts dafür kann, und einfach meine zunehmende Antipathie für Chloe der Grund dafür war, dass ich auch eine Abneigung gegen die Sprecherin entwickelt habe, die mit ihrer Stimme die Protagonistin repräsentiert.

Fazit:

Alles in allem war das Buch eine Enttäuschung auf ganzer Linie, das noch dazu eine dreist geklaute Idee enthält, für die ich nicht mehr als ein Stern vergeben kann. Aus diesem Grund habe ich das Hörbuch nach der Hälfte abgebrochen und kann das Buch auch nicht weiterempfehlen. Lest lieber das Original von John Green. ;-)
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(© Loewe)

Heartstopper: Boy trifft Boy* (Volume 1)
von Alice Oseman

Bewertung: ★★★★☆

Graphic Novels, 288 Seiten
Erscheinungsdatum: 12. Januar 2022
Verlag: Loewe


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Dass Charlie schwul ist, weiß die ganze Schule. Dagegen ist Nick, der Star der Rugbymannschaft, so straight wie eine Goalline. Glaubt Charlie. Aber dann entwickelt sich eine intensive Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Jungen. Charlie weiß sofort, dass er in Nick verknallt ist. Nick braucht ein bisschen länger, bis ihm klar wird, dass er Jungen genauso heiß findet wie Mädchen – besonders Charlie. (© Loewe)

Meine Meinung:

Gleich zu Beginn muss ich zugeben, dass Heartstopper mein allererster Graphic Novel ist, den ich je gelesen habe. Der Titel ist mir schon desöfteren auf Goodreads über den Weg gelaufen und viele meiner dortigen Buchfreund:innen haben sich ganz begeistert dazu geäussert. Als ich entdeckt habe, dass die Geschichte auf Netflix als Serie verfilmt wurde und das digitale Leseexemplar gerade auf Netgalley verfügbar ist, musste ich es mit dem Buch auch endlich mal versuchen - und ich wurde nicht enttäuscht.

Inhaltlich geht es um den 14-jährigen Charlie, der in eine neue Lerngruppe eingeteilt wird und dadurch den knapp ein Jahr älteren Nick kennengelernt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb sehr gut miteinander und Nick überredet Charlie schliesslich, der Rubymannschaft beizutreten, bei der auch Nick selbst Mitglied ist. Durch die Lerngruppe und das neue gemeinsame Hobby verbringen die beiden Jungs viel Zeit miteinander und Charlie beginnt allmählich Gefühle für Nick zu entwickeln, obwohl er davon ausgeht, dass Nick hetero ist. Doch dieser ist sich da gar nicht mehr so sicher...

Die Grafiken und die Dialoge im Buch sind sehr simpel gehalten und anfangs hat es eine Weile gedauert, bis ich mich an den Stil gewöhnt habe. Trotz der Einfachheit der Geschichte, sind mir Charlie und Nick dann doch überraschend schnell ans Herz gewachsen und ich fand es ganz zauberhaft, wie die Liebesgeschichte zwischen den beiden dargestellt wurde. Sie wirkt altersentsprechend und authentisch und ich bin nicht überrascht, dass die Geschichte verfilmt wurde, denn beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, dass die Story perfekt zu einem queeren RomCom Film passen würde. Und nachdem ich gestern die ersten beiden Folgen der Netflix-Serie geschaut habe, kann ich bestätigen, dass sie sich wirklich sehr stark an die Graphic Novel Vorlage hält und der Zauber der vielen liebenswerten Szenen nicht verloren gegangen ist.

Fazit:

Dieser Graphic Novel erzählt die queere Liebesgeschichte zweier Teenagerjungs, die sich in der Schule kennenlernen. Obwohl die Zeichnungen und die Dialoge eher simpel gehalten sind, gelingt es Oseman trotzdem, die Story authentisch und mit Gefühlen zu erzählen. Die Geschichte ist wirklich herzallerliebst. Ich bevorzuge zwar nach wie vor Bücher in Textform, aber Charlie und Nick lassen einen für einen Augenblick aus dem Alltag entfliehen und ich bin gespannt, wie ihre Geschichte weitergeht.
8 Kommentare
(© Lyx)

Felix Ever After*
von Kacen Callender

Bewertung: ★★★★★

YA Contemporary Romance, 353 Seiten
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2021
Verlag: Lyx


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Lyx Verlag.

Inhaltsangabe:
Der siebzehnjährige Felix Love war noch nie verliebt - die Ironie daran geht ihm selbst ziemlich auf die Nerven! Seine größte Angst ist es, dass sich niemand in ihn verlieben wird, weil er einfach zu viele Ausschlusskriterien erfüllt. Braune Haut, queer und trans - die Vorstellung, dass er deshalb nicht liebenswert ist, lässt ihn in Schockstarre verweilen. Doch als Felix transfeindliche Instagram-Nachrichten bekommt, nachdem sein Deadname zusammen mit Fotos von ihm vor seiner Transition in der Schule veröffentlicht wurde, wird es für ihn endlich Zeit zu handeln. Felix schreibt seinem vermeintlichen Peiniger zurück, um herauszufinden, wer ihm das angetan hat, und verstrickt sich dabei in einem Netz aus ungeahnten Gefühlen, Identitätssuche und wahrer Freundschaft ...

Meine Meinung:

Eine kurze Anmerkung vorweg: Ich werde für den Autor Kacen Callender in meiner Rezension die Pronomen "er/ihm" verwenden, da es für "they/them" leider noch kein deutsches Äquivalent gibt, das sich etabliert hat und Callender in der Danksagung seines Buches selbst schreibt, dass er neben "they/them" auch die Pronomen "er/ihm" verwendet.

Dieses Buch wollte ich ursprünglich schon in der englischen Originalfassung lesen, nachdem es auf Goodreads so herausragende Bewertungen bekommen hat, doch leider habe ich nie die Zeit dafür gefunden. Als vor kurzem schliesslich die deutsche Übersetzung erschienen ist, konnte ich nicht länger widerstehen!

Bei dem Buch handelt es sich um einen Own Voice Roman, indem der Autor Kaden Callender, der selbst transgender und nonbinär ist, seine eigenen Erfahrungen miteinfliessen lässt. Im Mittelpunkt des Buches steht der 17-jährige Felix, der sich im Abschlussjahr an der High School befindet und in Kürze aufs College gehen möchte. Neben seinen Zukunftsplänen, befindet sich Felix auch auf Identitätssuche. Bislang hat er als geouteter transgender Mann gelebt, doch er merkt nach und nach, dass er sich nicht ganz als trans Mann identifizieren kann. Und als wäre das nicht schon schwierig genug, wird er noch dazu von einer unbekannten Person aus seiner Schule gemobbt. Der:die offensichtlich transphobe Mobber:in stellt Felix bloss, indem er:sie Fotos vor seiner Transition und seinen Deadname in der Schule für alle zur Schau stellt und beleidigt ihn anschliessend aufs Übelste anonym auf Social Media aufgrund seines Genders.
Irgendwann hat Felix genug und er meint in Dylan, einem seiner Mitschüler, den vermeintlichen Übeltäter zu kennen. Felix schmiedet einen Racheplan und erstellt einen anonymen Social Media Account, um so mit Dylan in Kontakt zu treten, und sich an ihm zu rächen, sobald er die Bestätigung dafür erhalten hat, dass es sich tatsächlich um den Mobber handelt. Doch je länger Felix mit ihm schreibt, desto mehr muss er feststellen, dass er sich in Dylan getäuscht hat. Und zwischen den beiden entwickelt sich plötzlich etwas, das Felix niemals erwartet hätte...

Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mich das Buch aufgrund der Thematik sehr angesprochen hat, ich aber niemals eine so wahnsinnig einnehmende, emotionale Geschichte erwartet hätte. Ich fand es eine vortreffliche Wahl von Callender, die Handlung aus der Ich-Perspektive zu erzählen, denn dadurch konnte ich zu jedem Zeitpunkt nachempfinden, wie Felix die entsprechenden Situationen gerade erlebt. Die Ich-Erzählperspektive hat es ermöglicht, dass die komplexe Auseinandersetzung und die vielen Gefühle, Ängste und Sorgen, die damit einhergehen, auch für aussenstehende Leser:innen erlebbar gemacht wurden.
Die Handlung an und für sich ist an vielen Stellen sehr typisch für das Young Adult Genre und gerade der Anfang, mit dem anonymen Chat mit Dylan, hat mich zunächst sehr an "Love, Simon" erinnert. Zum Glück schlägt der Autor aber nach einiger Zeit einen ganz anderen Weg ein, und es tritt eine Person aus Felix Leben in den Vordergrund, die plötzlich eine ganz andere Rolle einnimmt, als Felix - und auch ich - erwartet hätten. Ein schöner Twist, der mir Gänsehaut beschert hat!

Neben Felix treten im Buch auch einige Nebencharaktere auf, wovon die meisten Mitschüler:innen oder Freund:innen des Protagonisten sind. Leider zeigen die meisten Nebencharaktere im Laufe der Handlung problematische Seiten auf, sodass es sehr wenige Personen gab, die mir wirklich sympathisch waren. Die Krone setzt dem ganzen wohl Marisol auf, die so woke ist, dass sie Felix vorwirft, sein Outing als transgender Mann und seine Entscheidung für eine Transition als Frau zu einem Mann, sei als frauenfeindlicher Akt zu verstehen, da es scheinbar nichts Frauenfeindlicheres gäbe, als sich zu entscheiden, ein (trans) Mann zu sein. Ich wusste nicht, ob ich darüber lachen soll, weil dieser Vorwurf so lächerlich und absurd ist oder ob ich wütend über so viel Dummheit sein sollte. Aber vermutlich gibt es da draussen tatsächlich Menschen, die so woke sein wollen, dass sie den Bezug zur Realität verlieren und dann solche absurden Vorwürfe vom Stapel lassen.

Das Buch punktet insgesamt definitiv damit, dass es ein Own Voice Roman ist, denn Callender ist es wirklich unglaublich gut gelungen, mich als Leserin mitfühlen zu lassen und einen Einblick in das innere Erleben einer Person zu geben, die nonbinär ist. Das ist nämlich ein Thema, mit dem ich bisher wenig Berührungspunkte hatte und ich fand es schön, dass der Autor ein solches Thema in den Vordergrund stellt. Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele junge Menschen einen Halt sein kann, die sich in Felix und seinen Erlebnissen wiedererkennen. Callender selbst berichtet in der Danksagung ebenfalls, dass ihm damals erst durch eine Serie so richtig klar geworden ist, dass er sich nicht als das biologische Geschlecht fühlt, mit dem er geboren wurde. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass die Repräsentation von Diversität in Literatur und Film und Fernsehen sehr wichtig sind. Und das ist hier auf allen Ebenen gelungen.

Zuletzt bleibt noch kurz zu erwähnen, dass "Felix Ever After" das erste Buch war, das ich gelesen habe, das durchgängig eine genderneutrale Sprache verwendet. Das ist ja etwas, das ich meinen Rezensionen schon lange mache. Zu Beginn war es natürlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach wenigen Seiten fällt es kaum mehr auf, sodass auch andere Verlage und Autor:innen zukünftig den Mut haben, eine inklusive Sprache zu wählen. Und ich hoffe, dass sich vielleicht bald noch ein deutsches Äquivalent für they/them finden lässt, das sich etabliert.

Fazit:

"Felix Ever After" ist ein Own Voice Roman von Kacen Callender, der sich mit der Auseinandersetzung der eigenen Geschlechtsidentität befasst und die Geschichte eines transgender Mannes erzählt, der herausfindet, dass er wahrscheinlich nonbinär ist. Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive erzählt und ist damit absolut einnehmend, weil man Felix Gefühle in jeder Situation miterleben kann. Callender greift in seinem Buch viele wichtige Themen auf und setzt sie (vermutlich aufgrund seiner eigenen Erfahrung) sehr authentisch um - dazu gehören leider auch Erfahrungen mit Transphobie und Mobbing. Alles in allem aber ein wichtiger, absolut empfehlenswerter Own Voice Roman, der absolut verdient Diversität repräsentiert. Von mir gibt es 5 Sterne und eine  Leseempfehlung!
2 Kommentare
(© Argon)

Mein Herz wird dich finden
von Jessi Kirby
Gelesen von  Annina Braunmiller-Jest

Bewertung: ★☆☆☆☆

YA Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer:  6 Stunden und 29 Minuten
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2016

Verlag: Argon Audio

Inhaltsangabe:
Als Mia und Noah sich zum ersten Mal begegnen, spüren beide, dass sie füreinander bestimmt sind. Es ist, als wäre plötzlich alles wieder in Ordnung. Als wäre Mia nicht der traurigste Mensch auf der Welt. Als wäre ihre große Liebe nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Und als hätte sie Noah nicht verschwiegen, dass sie einander nur begegnet sind, weil sie wissen wollte, wer das Spenderherz ihres Freundes bekommen hat. Doch wie glücklich darf sie eigentlich sein? Und wann wird aus Schweigen Verrat?

Meine Meinung:

Bereits die Ausgangslage der Geschichte hat bei mir zu einem Augenrollen geführt, da sie total unglaubhaft und absurd ist: Der feste Freund eines Teenagermädchens stirbt und statt dass sie sich mit ihrer Trauer beschäftigt, verdrängt sie ihre Gefühle einfach, indem sie Kontakt zu denjenigen Personen aufnimmt, die ein Organ ihres verstorbenen Freundes erhalten haben. Bis auf eine Person. Denn ausgerechnet der Junge, der das Herz des Verstorbenen erhalten hat (haaach das Herz, wie romantisch!!111 das muss doch etwas bedeuten!!!), reagiert nicht auf ihren Brief, indem sie sich ein Treffen wünscht. Eine legitime Reaktion, wie ich finde. Nur gibt sich das Teenagermädchen damit nicht zufrieden und spürt den Jungen auf, ohne ihm zu sagen, dass sie die Freundin des Verstorbenen war, dessen Herz der Junge nun in sich trägt (wie sie das geschafft hat, ist mir absolut schleierhaft, denn Organspender und -empfänger unterstehen zu Recht(!) unter Datenschutz / Schweigepflicht). Und was passiert dann? Na, erratet ihr es? Natüüürlich verlieben sich die beiden Hals über Kopf ineinander, wobei man es dem Jungen nicht mal verdenken kann. Was das Mädchen angeht, sind bei mir alle Alarmglocken losgegangen, denn ihre ganzen Verhaltensweisen haben auf mich nicht nur hochgradig bedenklich, sondern im psychologischen Sinn schon fast pathologisch gewirkt. Aber das ist der Autorin ganz egal, denn schliesslich ging es ja eh nur darum, die Organgeschichte als Aufhänger für eine super kitschige, 0815 Teenie-Lovestory zu verbraten, bis ich fast Einhörner kotzen musste.

Ich hätte das Buch am liebsten schon nach einem Drittel abgebrochen, wollte aber bis zum Schluss durchhalten, weil ich ein Fünkchen Hoffnung hatte, dass die Autorin vielleicht doch noch zur Einsicht gerät, dass das Verhalten der Protagonistin total problematisch (und so gar nicht romantisch!) ist und diesen total bescheuerten, unglaubwürdigen Plot zu einem halbwegs versöhnlichen Ende bringt. Aber Pustekuchen!

!! Achtung Spoiler !!

Natürlich erfährt der Herz-Junge am Ende, wer die Protagonistin eigentlich ist und was für ein Spielchen sie getrieben hat. Doch wer jetzt denkt, dass er sich deshalb von ihr trennt, irrt sich gewaltig. Das Gegenteil ist der Fall. Es stellt sich heraus, dass der Junge nicht nur NICHT sauer auf sie ist, sondern dass ER sich sogar noch bei IHR entschuldigt, weil er sich damals nicht auf ihren Brief gemeldet hat und er seither total unter Schuldgefühlen leidet. Na logisch! Ergibt ja auch total Sinn... Not!

!! Ende Spoiler !!

Die Protagonistin ist mir von vorne bin hinten total auf den Senkel gegangen und ich bin fast durchgedreht, weil scheinbar - bis auf eine einzige Freundin, deren Rat sie einfach ignoriert - ihr Verhalten nicht als problematisch angesehen haben. Das war doch alles nichts weiter, als ein Verdrängungsversuch, um sich nicht mit dem schmerzhaften Tod ihres Freundes auseinanderzusetzen. Was übrigens bis zum Schluss nie passiert! Stattdessen reicht es wohl einfach, sich neu zu verlieben, dann kann man den Trauerprozess einfach überspringen. Danke für den Tipp, liebe Frau Kirby!

Wie ihr merkt, hat mich selten ein Buch so zur Weissglut getrieben. Die Sprecherin macht das Ganze leider nicht besser, denn sie hat leider im Kombination mit der Protagonistin eine sehr nervige Erzählerstimme, die die Protagonistin noch naiver erscheinen lässt, als sie es ohnehin ist.

Fazit:

Von mir gibt es -1 Stern und definitive keine Leseempfehlung. Das war mit Abstand eines der schlechtesten (Hör-)Bücher, das ich seit langem gehört habe und absolut verschwendete Hörzeit.
4 Kommentare
(© cbj)

Blackout- Liebe leuchtet auch im Dunkeln*

von Dhonielle Clayton, Tiffany D. Jackson, Nic Stone, Angie Thomas, Ashley Woodfolk, Nicola Yoon

Bewertung: ★★★★☆

YA Contemporary Romance, 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 19. Juli 2021
Verlag: cbj


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den cbj Verlag.

Inhaltsangabe:
New York. Eine Hitzewelle legt die Stadt lahm und während Manhattan in Dunkelheit versinkt, kommen überraschende Wahrheiten ans Licht, aus Freundschaft entsteht Liebe und alles scheint plötzlich möglich: 1. Ein Ex-Pärchen tut sich zusammen, um von Manhattan nach Brooklyn zu gelangen. 2. Zwei Mädchen auf der Suche nach einem Foto finden etwas ganz Anderes. 3. Zwei Highschool-Jungs stecken in der U-Bahn fest und stellen sich ihren Gefühlen. 4. Zwei beste Freunde reden sich in der New York Public Library die Köpfe heiß über die Liebe. 5. Drei Teens unterwegs auf Klassenfahrt in New York – das Liebesdreieck ist vorprogrammiert. 6. Zwei Fremde kommen sich näher bei einer hitzigen Diskussion über Identität und Liebe.

Meine Meinung:

Für dieses Buch habe ich mich spontan entschieden, da mich nicht nur die vielen Namen bekannter Autorinnen angesprochen haben, sondern auch die Idee, die hinter dem Buch steckt. Ich lese normalerweise kaum Anthologien, deshalb war ich sehr gespannt, wie mir diese Sammlung von Kurzgeschichten gefallen wird.

Die sechs Kurzgeschichten wurden allesamt von unterschiedlichen, namenhaften POC-Autorinnen geschrieben. Die Ausgangslage, die alle Geschichten gemeinsam haben, ist ein Stromausfall in New York, aus der jede Autorin schliesslich ihre ganz eigene Story kreiert hat. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass es sich bei jeder Story um eine Liebesgeschichte mit POC-Charakteren handelt.

Von den insgesamt sechs Autorinnen, kannte ich fünf der Namen bereits und insbesondere Nicola Yoon, Angie Thomas und Nic Stone haben Bücher geschrieben, die mich sehr beeindruckt haben und mitunter ein Grund gewesen sind, weshalb ich "Blackout" überhaupt lesen wollte. Ashley Woodfolk war die einzige Autorin, die ich noch gar nicht gekannt habe und interessanterweise hat mir ihre Kurzgeschichte am wenigsten gefallen, weil ich nicht mit ihrem sehr umgangssprachlichen Schreibstil warm geworden bin.

Wie es bei sechs Autorinnen zu erwarten ist, sind die sechs Kurzgeschichten natürlich sehr unterschiedlich ausgefallen und besonders gut hat mir gefallen, dass jede Autorin ganz unverkennbar ihren eigenen (Schreib-)Stil beibehalten hat, was natürlich auch dazu geführt hat, dass mir die eine oder andere Geschichte besser gefallen hat, als die andere. Jacksons Kurzgeschichte sticht im Buch besonders hervor, denn sie ist die einzige, die über mehrere Akte erzählt wird und immer wieder von einer Kurzgeschichte einer anderen Autorin unterbrochen wird. Dadurch erhält man als Leser:in die Gelegenheit, die beiden Hauptcharaktere etwas länger zu begleiten, was zur Folge hatte, dass ich zu den beiden Protagonisten bis zum Schluss den besten Zugang gefunden habe.

Die sechs Liebesgeschichten waren sehr kurzweilig zu lesen und besonders eine der queeren Stories konnte mich am meisten begeistern. Dennoch wirken die Handlungen durch die Kürze aber auch ziemlich konstruiert, da eine Kurzgeschichte natürlich nicht sehr viel Spielraum lässt, den Charakteren und ihren Gefühlen genügend Zeit für ihre Entwicklung zu geben. Und das hat die einzelnen Geschichten ziemlich vorhersehbar gemacht.
Man darf also nicht mit der Erwartung an diese Anthologie herangehen, dass man besonders tiefgründig oder emotional gut ausgearbeitete Geschichten präsentiert bekommt, die einem länger in Erinnerung bleiben, sondern sollte eher bezaubernde Liebesgeschichten erwarten, die sich leicht lesen und einen Alltag für einen Moment vergessen lassen, dann wird man an dieser Kurzgeschichtensammlung seine Freude finden.

Fazit:

"Blackout" ist eine Kurzgeschichtensammlung von sechs namenhaften POC-Autorinnen, die sechs unterschiedliche Liebesgeschichten mit POC-Charakteren erzählen. Die gemeinsame Ausgangslage jeder Story ist ein Stromausfall in New York, aus der jede Autorin mit ihrem jeweils individuellen und unverkennbaren Stil etwas ganz Eigenes kreiert hat. Die Geschichten lesen sich durch ihre Kürze einerseits zwar sehr kurzweilig, andererseits wirken sie dadurch aber auch eher konstruiert und vorhersehbar. Um dem Alltag für ein paar wenige Stunden zu entfliehen, kann ich diese romantischen Kurzgeschichten aber dennoch empfehlen.
9 Kommentare
(© cbj)

Nur fast am Boden zerstört*
von Sophie Gonzales

Bewertung: ★★★★☆

YA Contemporary Romance, 336 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. Juli 2021
Verlag: cbj


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den cbj Verlag.

Inhaltsangabe:
Will Tavares ist der perfekte Sommerflirt – witzig, attraktiv und liebevoll – aber gerade als Ollie denkt, er hätte sein Happy End gefunden, enden die Sommerferien und Will antwortet nicht mehr auf seine Nachrichten. Um die Sache noch schwieriger zu machen, muss Ollie wegen eines Familiennotfalls ans andere Ende der USA ziehen. Was ihm deutlich weniger ausmacht, als er herausfindet, dass er von jetzt an auf dieselbe Schule wie Will geht – nur dass dieser Will nichts mit dem Jungen zu tun hat, mit dem Ollie seinen Sommer verbracht hat. Dieser Will ist ein Basketball-Crack, bekennt sich nicht zu seiner Sexualität und ist obendrein ein ziemlicher Idiot. Ollie denkt nicht daran, Will hinterherzutrauern. Doch dann taucht Will „zufällig“ ständig in Ollies Nähe auf: vom Cafeteria-Tisch bis hin zu Ollies Musikkurs. Und Ollies Entschluss gerät gehörig ins Wanken …

Meine Meinung:

Ich weiss gar nicht mehr so genau, wie dieses Buch auf meiner Leseliste gelandet ist, aber vermutlich ist (mal wieder) Goodreads mit seinen Yound Adult Bücher-Empfehlungen Schuld daran. Da ich in letzter Zeit einige Jugendbücher gelesen habe, die mich eher enttäuscht zurückgelassen habe, war ich hin- und hergerissen, ob ich es mit Gonzales Buch versuchen soll. Letztendlich hat mir dann das wunderschöne und ansprechende Cover den letzten Schubs gegeben, mich für ein Leseexemplar zu bewerben. Und ich bin froh, dass ich es getan habe.

Der offizielle Klappentext fasst die Ausgangslage eigentlich sehr gut zusammen. Wir erleben das Buch aus der Sicht von Ollie, der einen romantischen Sommerflirt mit Will erlebt hat, im Glauben, dass sie sich nach dem Sommer nie wieder sehen werden. Doch dann kommt alles anders als erwartet: Ollies Tante leidet seit längerem an Krebs und ihre Krankheit ist nun so weit fortgeschritten, dass sich seine Eltern sich dazu entschliessen, auch nach dem Sommer bei ihrer Tante zu bleiben, um sie mit ihren beiden kleinen Kindern zu unterstützen. Das bedeutet wiederum, dass Ollie das nächste Schuljahr ausgerechnet an der Highschool verbringt, an der auch Will zur Schule geht. Und bereits an seinem ersten Tag muss er feststellen, dass Will nicht ganz ehrlich zu ihm gewesen ist, denn an der Schule weiss keiner davon, dass Will auch auf Jungs steht und Ollie wird schnell klar, dass es nicht zu so einem romantischen Wiedersehen mit seiner Sommerliebe kommt, wie er es sich erhofft hatte...

Wer sich jetzt denkt, dass die Story sich gar nicht so originell anhört, dem muss ich zunächst zustimmen. Gonzales hat mit der Handlung ihres Buches sicher nicht das Rad neu erfunden, aber das Buch lebt auch weniger von seiner innovativen Idee, als vielmehr von den vielen liebenswerten Charakteren. Angefangen natürlich bei Protagonist Ollie, der offen seine Homosexualität auslebt und sich durch seinen humorvollen Sarkasmus sehr schnell in mein Herz geschlichen hat. Auch Will konnte mich überzeugen und ich finde, dass ihm der deutsche Klappentext nicht gerecht wird. Ja, Will hat sich noch nicht geoutet und hat deshalb Mühe, seine Gefühle gegenüber Ollie offen zu zeigen, aber er ist deshalb in meinen Augen kein Idiot, sondern eher jemand, der sich aufgrund seiner Ängste etwas ungeschickt anstellt und dadurch - leider - auch Ollie immer wieder unabsichtlich verletzt. Ich konnte Wills Verhaltensweisen sehr gut nachempfinden und finde, dass es der Autorin sehr gut gelungen ist, sowohl Ollies, als auch Wills Gedanken, Gefühle und Verhaltensweise auf authentische, nachvollziehbare und vor allem altersentsprechende Weise darzustellen. Und das ist ein grosser Pluspunkt dieses Buches!
Auch die vielen Nebencharaktere, die vor allem aus Ollies neu gewonnen Freundinnen an der Highschool bestehen, sind gelungen und Gonzales schafft es auch hier, kleinere Teeniedramen einzubauen, sodass die Nebencharaktere nicht nur wie Statisten wirken.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr einfach gehalten, passt aber zur Handlung des Buches und liest sich sehr flüssig und angenehm. Ich bin sprichwörtlich durch die Seiten geflogen und habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt - selbst wenn ich nicht mehr zur Zielgruppe des Buches gehöre.

Neben den Themen Freundschaft, erste Liebe und dem Coming-out, befasst sich das Buch auch mit dem Thema Krebs, was dem Buch der doch eher locker-leichten Geschichte immer wieder einen emotionalen, ernsten Unterton vergibt, ohne sich aber zu sehr darin zu verlieren. Die Abhandlung des Themas wirkt dadurch zwar am Ende etwas zu einfach und oberflächlich, aber es passt zur Stimmung des Buches, das in meinen Augen in erster Linie ein Feel-Good Roman für den Sommer sein möchte. Und das ist der Autorin definitiv gelungen.

Fazit:

"Nur fast am Boden zerstört" erzählt eine LGBTQ*-Liebesgeschichte zwischen zwei Teenager Jungen, die sich an ganz unterschiedlichen Punkten hinsichtlich der Offenheit über ihre sexuelle Orientierung befinden, was die junge Romanze der beiden immer wieder vor Herausforderungen stellt. Gonzales hat mit diesem Buch einen unterhaltsamen, lockeren Feel-Good Roman für den Sommer geschaffen, der zwar bei einigen Themen etwas oberflächlich bleibt, mir dafür immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Ich kann das Buch besonders für Fans von Becky Albertalli oder Alice Oseman empfehlen, da der Stil des Buches sehr vergleichbar ist. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung für all diejenigen, die auf der Suche nach einer liebenswerten LGBTQ*-Liebesgeschichte sind.
4 Kommentare
(© St. Martin's Press)

Things You Save in a Fire
von Katherine Center

Bewertung: ★★☆☆☆

Chick-Lit, 316 Seiten
Erscheinungsdatum: 13. August 2019
Verlag: St. Martin's Press


Inhalt:

Cassie Handwell ist die geborene Feuerwehrfrau. Sie arbeitet seit Jahren in einer texanischen Feuerwache und hat in dieser Zeit viele brenzlige Situationen erfolgreich gemeistert. Eigentlich fühlt sie sich in ihrem Team sehr wohl, doch aufgrund eines überraschenden Vorfalls und der Nachricht, dass ihre Mutter an einer schweren, fortschreitenden Krankheit leidet, entschliesst sie sich nach Boston umzuziehen.
Dort angekommen ist vieles anders, als sie es von ihrer alten Feuerwache gewohnt war. Ihre neuen, allesamt männlichen Teammitglieder, haben Mühe eine Frau in ihrer Crew zu akzeptieren, vor allem so eine kompetente, starke und unabhängige Frau wie Cassie es ist, was ihr auch immer wieder durch Schikanen zu verstehen geben.
Einzig der "Rookie", der Neue in der Feuerwehrcrew scheint nicht so zu denken und verdreht Cassie den Kopf. Doch sie muss gegen diese Gefühle ankämpfen, denn wenn sie sich mit einem Teammitglied einlässt, riskiert sie, ihren Job zu verlieren. Und so hat sie noch mit ganz anderen Herausforderungen an ihrer neuen Arbeitsstelle zu kämpfen, als nur gefährliche Feuerwehreinsätze...

Meine Meinung:

Dieses Buch ist das zweitletzte Buch meiner "Rating-Challenge", ohne die ich vermutlich niemals darauf aufmerksam geworden wäre. Ich habe für die Challenge bewusst zehn Bücher aus unterschiedlichen Genres ausgewählt, die auf Goodreads eine hohe Durchschnittsbewertung erhalten haben. Und ich hatte mich vorgängig ehrlich gesagt gar nicht so sehr mit dem Inhalt von "Things You Save in a Fire" auseinandergesetzt und aus irgendeinem Grund hinter dem Cover ein Familiendrama erwartet. Diese Erwartung war allerdings komplett falsch, denn bereits nach wenigen Kapiteln habe ich festgestellt, dass ich durch und durch in einer Chick-Lit gelandet bin. Ein Genre, dem ich vor einigen Jahren abgeschworen habe, weil mir die Stories einfach zu seicht und klischeehaft geworden sind. Aber das musste ja nicht heissen, dass es hier genauso ist, und ich habe deshalb trotz meiner Skepsis versucht, mich auf die Geschichte einzulassen.

Die Autorin verliert in ihrem Buch keine Zeit und gerade der Einstieg hat auf mich ein bisschen hastig gewirkt. Wir lernen Protagonistin Cassie zunächst noch in Texas kennen, wo sie mit ihrem Feuerwehrpartner an einer Veranstaltung teilnimmt, bevor es kurze Zeit später zu einer Eskalation kommt, in der Cassie mit einer schlimmen Erinnerung aus ihrer Vergangenheit konfrontiert wird und ihre Beherrschung verliert, sodass es fast ihren Job kostet. Mit viel Glück, geschieht das jedoch nicht und trotzdem entscheidet sie sich kurze Zeit später, zu ihrer Mutter nach Boston zu ziehen, was ich vom Ablauf her nicht ganz logisch gefunden haben. Aber sei's Drum.
Dort angekommen, wird sie nicht sonderlich warm von ihren neuen Teamkollegen empfangen und das ausschliesslich deshalb, weil sie eine Frau ist. Unter ihren Teamkollegen ist auch ein Neuling, den Cassie lange Zeit nur den "Rookie" nennt. Bereits beim ersten Blick, den sie von ihm erhascht, ist Cassie völlig hin und weg und ich hatte den Eindruck, dass sie sich auf der Stelle Hals über Kopf in den schönen Neuling verliebt, ohne überhaupt mit ihm geredet zu haben. Etwas, das bei mir nur zu einem Augenrollen geführt hat, weil es einfach so kitschig und unglaubwürdig war.

Die darauffolgende Handlung dreht sich dann darum, dass Cassie versucht gegen ihre Gefühle gegenüber dem Neuling anzukämpfen, während sie gleichzeitig weiterhin um Ansehen in ihrem neuen Team ringt. Letzteres wird zusätzlich erschwert, als sie merkt, dass sich eines ihrer Teammitglieder auf sie eingeschossen hat und ihr versteckte Drohungen zukommen lässt, die sie in Angst und Schrecken versetzen soll. Doch Cassie will sich davon nicht unterkriegen lassen. Und wie man sich bei einer Chick-Lit denken kann, gelingt es ihr auf Lange Sicht auch nicht, sich vom Rookie fernzuhalten und die beiden nähern sich an... 

Leider hat sich meine Hoffnung, dass diese Chick-Lit vielleicht tiefgründiger als viele andere Bücher aus dem Genre sind, mit jedem weiteren Kapitel zerschlagen. Die Story verläuft ziemlich vorhersehbar, kitschig und ist voller Klischees. Ein bisschen lächerlich fand ich auch das Feuerwehr-Setting, denn das dient nur als Nebenschauplatz und spielt eigentlich gar keine richtige Rolle für die Handlung. Die Story hätte auch in jedem anderen Berufsfeld stattfinden können, denn die Arbeit an sich mit gefährlichen Feuerwehreinsätzen findet fast gar keinen Platz, bis auf den einen Einsatz, der einzig und allein als dramatischer Faktor für das Ende dient. Ich hatte das Gefühl, ich würde eine Folge von Seattle Firefighters schauen - bei der ich mal für eine Folge reingezappt habe. Der sehr einfach gehaltene Schreibstil macht das Ganze nicht gerade besser.

Die Charaktere, inklusive der Protagonistin waren mir leider auch zu schlecht und eindimensional ausgearbeitet. Cassies Charakterumschreibung besteht hauptsächlich darin, dass die Autorin in gefühlt jedem Kapitel ihre körperliche Stärke hervorheben muss und dass sie es mit jedem Mann problemlos aufnehmen könnte. Ihre traumatische Vergangenheit habe ich als sehr konstruiert erlebt und wurde leider nicht sonderlich gut in die restliche Handlung eingeflochten. Das Thema würde viel mehr Ernsthaftigkeit und Beachtung verdienen, als es hier bekommen hat. Hier hatte ich jedoch den Eindruck, dass es allein dem Drama dienen sollte, was ich überhaupt nicht angebracht fand.
Der Rookie dagegen scheint gar keine Persönlichkeit zu besitzen, ausser, dass es gut aussieht und nett zu Cassie ist. Dass man erst nach der Hälfte des Buches seinen Namen erfährt, hat nicht unbedingt dazu beigetragen, ihm mehr Tiefe zu verleihen. Der Liebesplot zwischen den beiden Verliebten, die sich nicht lieben dürfen (geht es noch klischeehafter?!) verläuft leider so vorhersehbar, wie ich befürchtet hatte und hält keinerlei Überraschungen bereit.

Insgesamt konnte mich das Buch leider nicht überzeugen, denn ich fand es selbst für Chick-Lit schon sehr platt und konstruiert. Die Handlung erschien mir zudem auch etwas wirr, denn ich konnte bis zuletzt nicht nachvollziehen, warum der Einstieg in die Geschichte in Texas erfolgt und Cassies Feuerwehrpartner dort fast mehr Umschreibungen und Tiefe erhält, als es bei späteren Charakteren der Fall war, wenn sowohl Texas als auch besagter Arbeitskollege im späteren Verlauf absolut keine Rolle mehr spielen. Diesen dramatischen Vorfall, der unter anderem zu Cassies Umzug nach Boston beigetragen hat, hätte man auch einfach kurz und knapp in einem Prolog oder als Erinnerung schildern können. Insgesamt waren einzelne gute Ideen spürbar, aber die Umsetzung war schon ziemlich schlecht.

Fazit:

"Things You Save in a Fire" ist eine Chick-Lit, in der sich Protagonistin Cassie als einzige Frau in einer Feuerwehrcrew behaupten und gleichzeitig gegen ihre verbotenen Gefühle gegenüber dem Neuling im Team ankämpfen muss. Leider ist die Umsetzung genauso vorhersehbar, wie es die Idee vermuten lässt und der Plot liest sich sehr platt und konstruiert. Wer auf Chick-Lit und Serien à la Seattle Firefighters steht, könnte Freude am Buch haben, mir war die ganze Story allerdings zu klischeehaft und schlecht umgesetzt. 2 Sterne gibt es deshalb von mir.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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