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between the lines.

(© Loewe)

Die Schattenheilerin* (Prison Healer #1)
von Lynette Noni

Bewertung: ★★★★☆

YA Fantasy, 504 Seiten
Erscheinungsdatum: 09. Februar 2022
Verlag: Loewe


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
Seit ihrer Kindheit lebt die siebzehnjährige Kiva in Zalindov, dem brutalsten Gefängnis von Wenderall. Als Heilerin kümmert sie sich um alle Insassen. Doch um die Rebellenkönigin zu retten, muss Kiva nicht nur herausfinden, woran Tilda erkrankt ist, sondern sich auch an ihrer Stelle dem Elementarurteil unterziehen: vier Prüfungen, die Tildas Schuld oder Unschuld beweisen sollen. Besteht Kiva, sind beide frei. Sollte sie scheitern, wird nicht nur die Rebellenkönigin sterben …

Meine Meinung:

Dieses Buch stand schon lange auf meiner Leseliste und ich habe so lange gebraucht, diesen ersten Band zu lesen, dass inzwischen auch die beiden Fortsetzungen der Trilogie auf Deutsch erschienen ist - etwas, das mir jetzt definitiv zugutekommt. Warum das so ist, verrate ich am Ende Rezension.

Im Buch wird die Geschichte der 17-jährigen Kiva erzählt, die vor vielen Jahren gefangen genommen wurde und seither als Heilerin in Zalindov lebt, einem gefährlichen Gefängnis voller Verbrecher:innen.
Eines Tages wird Kivas Leben auf den Kopf gestellt, als die berühmt-berüchtigte Rebellenanführerin Tilda gefangengenommen wird. Aufgrund ihrer Rolle im Rebellenkrieg soll Tilda jedoch nicht als normale Gefangene behandelt werden, sondern muss sich dem Elementarurteil unterziehen, bei dem die Gefangene vier Prüfungen - entsprechend den vier Elementen - bewältigen muss. Das Problem dabei? Kein:e Teilnehmer:in hat diese Prüfungen bisher überlebt. Und da Tilda seit ihrer Gefangennahme kaum ansprechbar ist, scheint ihr Schicksal damit besiegelt zu sein - wenn da nicht Kiva wäre. Denn diese meldet sich kurzerhand freiwillig dafür, die Prüfungen stellvertretend für Tilda anzutreten, wenn auch nicht ganz aus uneigennützigen Gründen.
Da für das Bestehen der Prüfungen jedoch magische Fähigkeiten notwendig sind, die Kiva nicht besitzt, hat sie damit gerade ihr Todesurteil unterschrieben...

Ich habe mich vor dem Lesen ehrlich gesagt gar nicht so sehr mit dem Inhalt des Buches beschäftigt und war erstaunt, wie leicht es mir fiel in die Geschichte und die Gefängniswelt hineinzufinden.
Die Atmosphäre im Gefängnis habe ich als sehr bedrückend empfunden, denn stellenweise haben mich die Abläufe dort sehr an Konzentrationslager aus dem Zweiten Weltkrieg erinnert, wenn auch dem Genre entsprechend in etwas abgeschwächter Form.
Obwohl die Handlung die ganze Zeit über an ein und demselben Schauplatz spielt, hat die Story ordentlich Tempo und ich war positiv überrascht, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl hatte, dass sie ihre Längen aufweist. Die Autorin hat einen sehr flüssigen und einnehmenden Schreibstil und es gelingt ihr, die Spannung während des ganzes Plots (mal mehr und mal weniger) aufrechtzuerhalten.
Was ich jedoch als Kritikpunkt ankreiden muss, ist, dass es natürlich das ein oder andere Trope gab, dass für das YA Fantasy typisch ist und mich dementsprechend an andere Bücher aus dem Genre erinnert hat. Ausserdem gab es für meinen Geschmack etwas zu viele Deux Ex Machina Momente, ohne die Kiva nicht einmal die erste Prüfung überlebt hätte, was ich letztendlich als sehr konstruiert und unglaubwürdig und auch ein bisschen als bequem von der Autorin empfunden habe.

Obwohl sich hunderte von Menschen in diesem Gefängnis befinden, fokussiert sich die Autorin in ihrer Erzählung auf eine Handvoll Charaktere, sodass es mir leicht gefallen ist einen Überblick zu gewinnen. Im Vordergrund steht natürlich vor allem Protagonistin Kiva, aus deren Sicht wir die Handlung erzählt bekommen. Sie hat jede Menge gute Seiten, aber so richtig warm bin ich während des Lesens mit ihr nicht geworden, denn ich fand es etwas schade, dass sie in der Handlung immer wieder von anderen Personen im Gefängnis gerettet werden musste und sonst wahrscheinlich keine Sekunde überlebt hätte. Da hätte ich mir eine etwas stärkere, weibliche Hauptfigur gewünscht. Aber das ist wohl Geschmackssache.
Bei den Nebencharakteren sticht vor allem ihr bester Freund Tipp heraus, der noch ein Kind ist und dadurch einen unglaublichen liebenswerten Sidekick abgibt, der manchmal etwas unbeholfen ist, aber nicht nur bei Kiva, sondern auch bei mir einen ganz starken Beschützerinstinkt ausgelöst hat.
Daneben bleiben noch Jaren zu erwähnen, der zu Beginn des Buches als Neuankömmling ins Gefängnis stösst und bei dem direkt klar ist, dass er als Love Interest dienen soll - was halt typisch YA Fantasy ist. Doch ich muss der Autorin zugutehalten, dass sich die vermeintliche Liebesgeschichte nur zart und unscheinbar im Hintergrund abspielt, was mir sehr gut gefallen hat.

Die Spannung im Buch spitzt sich mit jeder weiteren Prüfung zu und am Ende wartet ein fulminanter Showdown auf die Charaktere und uns Leser:innen, der eine spektakuläre Flucht zur Folge hat, denn es ist klar, dass nicht die ganze Handlung der Trilogie in diesem einen Gefängnis spielen kann.
Und gerade als ich damit gerechnet hatte, dass alle Geheimnisse aufgedeckt wurden, wartet die Autorin auf der allerletzten Seite plötzlich mit einem überraschenden Plot Twist auf, den ich tatsächlich nie und nimmer vorhergesehen hätte und mich absolut sprachlos und mit offenstehendem Mund zurückgelassen hat. Diese Enthüllung war aber nicht nur überraschend, sondern hat einige meine oben erwähnten Kritikpunkte etwas besser erklärt und dadurch abgemildert. Durch den Plot Twist endet der Reihenauftakt natürlich mit einem fiesen Cliffhanger und genau deshalb kommt es mir nun zugute, dass die Fortsetzungen bereits erschienen ist, denn ich muss einfach wissen, wie Kivas Geschichte nach dieser Enthüllung weitergeht.

Damit hat die Autorin einen absolut gelungenen Abschluss für diesen ersten Band geschaffen. Das war eines der besten Enden, das ich je in einem Young Adult Buch gelesen habe.

Fazit:

"Die Schattenheilerin" ist der Reihenauftakt einer YA Fantasy Trilogie, das in einem Gefängnis voller Verbrecher:innen spielt und damit einen einzigartigen Schauplatz schafft, das das Buch von anderen Büchern aus dem Genre abhebt. Der Plot ist voller guter und böser Charaktere, Magie und beinhaltet einen spannenden Rebellenplot, der mich die ganze Zeit gut unterhalten konnte. Das Ende wartet dann mit einem actiongeladenen Finale auf, bei dem ein Plot Twist enthüllt wird, der einem gar nichts anders übriglässt, als zu Band 2 zu greifen. Aufgrund kleinerer Kritikpunkte erhält dieser Reihenauftakt 4 Sterne und eine Leseempfehlung von mir.
9 Kommentare
(© Piper)

Crush the King* (Die Splitterkrone #3)
von Jennifer Estep

Bewertung: ★★☆☆☆

Fantasy, 496 Seiten
Erscheinungsdatum: 06. April 2021
Verlag: Piper


*Digitales Rezensionsexemplar von Negalley. Danke an den Piper Verlag.

Inhaltsangabe:
Everleigh Blair, die Königin Bellonas, hat einen Mordanschlag auf ihre königliche Familie überlebt, ist einer elitären Gladiatorentruppe beigetreten und hat gelernt, ihre magischen Kräfte zu entfesseln. Als der feindlich gesinnte König von Morta Evie erneut angreift, beschließt sie, dass es an der Zeit ist, ihre Feinde endgültig zu besiegen. Und dafür gibt es keine bessere Gelegenheit als die Regaliaspiele, bei denen Krieger, Adelige und Königshäuser aller Länder zusammenkommen, um ihre Kräfte zu messen ...

Meine Meinung:

Wie bereits beim vorgängigen Band angekündigt, den ich vor etwas mehr als einer Woche rezensiert hatte, habe ich den dritten und finalen Band der Splitterkrone-Reihe nahtlos nach dem zweiten Band gelesen - etwas, das mir nur sehr selten gelingt. Der Vorteil davon war, dass mein Erinnerungsvermögen natürlich sehr frisch war, der Nachteil war aber leider, dass irgendwie die Luft raus war und mich dieser dritte Band nicht mehr richtig fesseln konnte.

Bevor ich aber auf die genauen Gründe dafür eingehe, komme ich kurz zur Handlung des dritten Bandes zu sprechen. Nachdem es im Vorgänger ein in sich abgeschlossenes "Happy End" für Evie (und Sullivan) gegeben hatte, steht im dritten Band ein ganz anderes Ereignis im Vordergrund: Die Regaliaspiele. Warum sich die Autorin diese Spiele ausgedacht hat, liegt auf der Hand, denn dadurch hat sie einen Anlass gefunden, wie sie alle wichtigen Vertreter der Nachbarländer von Bellona an einem Ort versammeln kann - allen voran der neue "Big Boss" Bösewicht Maximus, dem König von Morta. Wie sich nämlich herausstellt, ist gar nicht Maeven die eigentliche Antagonistin, wie es uns Estep in den beiden vorherigen Bänden weiss machen wollte, nein, scheinbar steckt hinter all den bösen Taten kein geringerer als der König von Morta. Damit sind die Regaliaspiele also eine gute Gelegenheit für Evie einen Racheplan gegen ihren Feind zu schmieden, um ihm ein für alle Mal den Garaus zu machen...

Soweit so gut. Nun möchte ich aber natürlich auf die Gründe eingehen, weshalb dieser letzte Band bei mir irgendwie nicht mehr zünden konnte. Ich hatte ja bereits im zweiten Band erwähnt, dass die Story eine ganz andere Richtung eingeschlagen hatte, als im Reihenauftakt. Und genau das war auch wieder bei diesem dritten und letzten Band der Fall. Das mag auf der einen Seite Abwechslung reinbringen und sorgt dafür, dass die Story nicht zu monoton wird, aber auf der anderen Seite musste ich feststellen, dass mir dadurch zu sehr die Verbindung zwischen den einzelnen Bänden gefehlt hat. Rückblickend lässt sich sagen, dass sich die drei Bücher nicht wie zusammenhängende Teile einer Reihe lesen, sondern eher wie drei in sich abgeschlossene Einzelbände, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass die Protagonistin immer die gleiche Person ist (die sich aber für mich nicht dieselbe Person angefühlt hat). Dieser Umstand muss an und für sich nichts Schlechtes bedeuten, hat aber bei mir leider zu einem zunehmenden Desinteresse geführt, denn im Nachhinein habe ich nicht das Gefühl, dass ich alle drei Bände hätte lesen müssen, sondern genauso gut nach dem ersten Band hätte aufhören können, ohne, dass ich etwas Wesentliches verpasst hätte. Und vermutlich war das auch der Hauptgrund, warum bei mir bei diesem dritten Band keine Spannung mehr aufkommen wollte, denn irgendwie war mir die Lust vergangen, dass die Ereignisse aus den beiden Vorgängern ad acta gelegt wurden und ich mich schon wieder auf eine komplett neue Geschichte einlassen musste.

Davon abgesehen, konnte mich auch der Inhalt des finalen Bandes nicht ganz überzeugen. Zum einen fand ich die Regaliaspiele ziemlich konstruiert, gerade weil sie in erster Linie nur dazu dienen, Evie und ihren Erzfeind an denselben Ort zu bringen. Das fand ich ziemlich langweilig gelöst. Ausserdem fand ich es irritierend, dass wir in diesem letzten Band nun plötzlich einen ganz anderen Antagonisten präsentiert bekommen, als in den Vorgängern. Ich fand es zwar schön, dass Maeven in diesem Buch vielschichtiger ausgearbeitet wurde, indem man andere Seiten von ihr kennengelernt hat und ihre scheinbar bösen Handlungen aus dem Vorgänger nachvollziehbarer wurden, aber trotzdem stellte sich bei mir die Frage: Woher zum Teufel kam plötzlich dieser Maximus her?! Ich weiss nicht, ob ich es einfach überlesen hatte, aber es schien mir so, als würde er in diesem Band aus dem Nichts auftauchen, obwohl er scheinbar eine so grosse Rolle in den ganzen vorherigen Geschehnissen einnimmt? Ausserdem hat er fast schon wie eine Karikatur gewirkt, denn seine Motive waren für mich schwer nachvollziehbar. Und statt ihm eine einleuchtende Hintergrundgeschichte zu geben, versucht  Estep ihn einfach mit bösartigen Taten als den klischeehaften Bösewicht darzustellen. Ich konnte Maximus deshalb nicht wirklich als neuen Antagonisten ernst nehmen und ich habe an keiner Stelle wirklich mitgefiebert, ob es Evie gelingen wird, ihn zu besiegen.
(Ausserdem eine Notiz am Rande: Ich bin mir nicht sicher, ob dem Lektorat ein Fehler unterlaufen ist, aber ich meine mich zu erinnern, dass Maeven im zweiten Band die ganze Zeit über "Maeve" genannt wurde und hier nun wieder "Maeven" genannt wird. Ist das auch jemandem aufgefallen oder träume ich?)

Insgesamt war dieser letzte Band damit leider eine grosse Enttäuschung für mich. Vermutlich, weil ich mir einfach etwas anderes erhofft hatte. Nämlich eine Handlung, die auf seinen vorgängigen Bänden aufbaut. Und das bekommt man hier leider nicht. Das zeigt sich unter anderem auch darin, dass Sullivan zum Beispiel fast gar keine Erwähnung mehr findet. Wieso auch? Er hat ja schliesslich sein Happy End im letzten Band bekommen und damit war sein Handlungsstrang abgeschlossen. (/Ironie)

Die Autorin hat definitiv mal etwas Neues gewagt: Nämlich eine Reihe zu kreieren, die eigentlich gar keine ist. Das war mutig, hat bei mir aber leider keinen Anklang gefunden. Mir ist es dann doch lieber, zukünftig wieder Fantasy-Einzelbände zu lesen, die auch als solches deklariert werden, dann weiss ich zumindest von vornherein, worauf ich mich einlasse. Hier hat es aber leider dazu geführt, dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden und mein Desinteresse während dem Lesen so gross geworden ist, dass ich diesen finalen Band stellenweise nur noch quergelesen habe.

Fazit:

"Crush the King" ist der finale Band der Splitterkrone-Reihe, die rückblickend für mich eigentlich gar keine Reihe war, sondern eher drei Einzelbände, in der der gleiche Charakter die Hauptrolle übernimmt. Dadurch ist bei mir leider die Spannung und das Interesse für diesen dritten Band zunehmend verloren gegangen, da auch dieser erneut eine ganz andere Richtung einschlägt, als seine Vorgänger. Vermutlich bin ich einfach mit der falschen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen, aber dieser letzte Band konnte mich leider weder inhaltlich, noch von den Charakteren her mehr überzeugen, weshalb ich nur noch enttäuschte 2.5 Sterne vergeben kann.

Keine Kommentare
(© Piper)

Protect the Prince * (Die Splitterkrone #2)
von Jennifer Estep

Bewertung: ★★★★☆

Fantasy, 481 Seiten
Erscheinungsdatum: 05. Oktober 2020
Verlag: Piper


*Digitales Rezensionsexemplar von Negalley. Danke an den Piper Verlag.

Inhaltsangabe:
Everleigh Blair ist die neue Königin von Bellona, doch ihre Probleme fangen gerade erst an: Täglich muss sie sich mit arroganten Adligen am Hof auseinandersetzen, die ihre Hände insgeheim nach der Krone ausstrecken. Als wäre das nicht schlimm genug, versucht ein Auftragsmörder, Evie in ihrem Thronsaal zu töten. Evie fragt sich, ob sie stark genug ist, um ihrer Rolle als Winterkönigin gerecht zu werden. Während sie darum kämpft, ihre Magie, ihr Leben und ihre Krone zu sichern, verliert sie auch noch ihr Herz an Lucas Sullivan, den unehelichen Sohn des andvarischen Königs ... Und es stellt sich heraus, dass es nur eine Sache gibt, die noch schwieriger ist, als eine Königin zu töten: Einen Prinzen zu beschützen.

Meine Meinung:

Vor fast genau einem Jahr habe ich den ersten Band der Splitterkrone-Reihe gelesen, der mir, insbesondere aufgrund des stellenweise actiongeladenen und abwechslungsreichen Plots, sehr gut gefallen hat. Obwohl ich sehr neugierig war, wie Evies Abenteuer weiter gehen wird, bin ich erst jetzt dazu gekommen, die Fortsetzung zu lesen - dafür habe ich nun Gelegenheit, Band 2 und 3 nahtlos nacheinander zu lesen.

Während ich vom ersten Band noch der brutale, actiongeladene Anfang positiv in Erinnerung hatte, ist der Erzählstil des zweiten Bandes deutlich ruhiger, was es mir anfangs etwas erschwert hat, wieder in die Geschichte hineinzufinden. Nach dem Showdown am Ende des Vorgängers, hat Evie ihren rechtmässigen Platz auf dem Thron zurückerobert und muss sich deshalb nun mit der politischen Situation zwischen Bellona und ihren Nachbarländern befassen. Da Antagostinin Maeve nicht vollständig besiegt werden konnte, geht noch immer eine Gefahr aus dem verfeindeten Morta aus, sodass Evie sich aus politischen Gründen entscheidet, nach Andvari zu reisen, um das Bündnis zu ihrem Nachbarland zu festigen, um hoffentlich gemeinsam einen Weg gegen Maeve zu finden.

In diesem zweiten Band wurde sehr schnell deutlich, dass Estep eine ganz andere Richtung und auch einen anderen Ton anschlägt, als im ersten Band. Der Plot ist weniger Action- und Handlungsgetrieben, sondern basiert vielmehr auf politischen Überlegungen und vermeintlichen Intrigen am Hofe, vor denen sich Evie in Andvari in Acht nehmen muss. Evie ist sich bewusst, dass nahezu jede:r heimlich für Maeve arbeiten könnte und damit nicht nur für sie, sondern auch für den andvarischen König und seine Familie eine grosse Gefahr darstellen könnte. Sie hält sich deshalb bedeckt und versucht durch Gespräche mit neu gewonnenen Bekanntschaften herauszufinden, wer zu den Guten gehört und wem sie besser nicht vertrauen sollte.

Ich muss zugeben, dass ich nicht ein allzu grosser Fan solcher Plots mit Fokus auf politische Machenschaften bin, sondern mir temporeiche Handlungen lieber sind. Es war deshalb wenig überraschend, dass mich dieser zweite Band nicht ganz so fesseln konnte, wie sein Vorgänger, bei dem schon im ersten Viertel zahlreiche Charaktere überraschenderweise ihr Leben lassen musste. Das ist hier definitiv anders. Estep lässt sich Zeit, die verschiedenen Charaktere in diesem Band näher zu beleuchten (allen voran die andvarische Königsfamilie) und man begleitet Evie vor allem dabei, wie sie "Ermittlungen" anstellt, um herauszufinden, wie und wo Maeve ihre Finger im Spiel haben könnte. Gerade die erste Hälfte des Buches habe ich stellenweise als etwas langatmig und zäh empfunden und hätte ich das Buch zu diesem Zeitpunkt bewerten müssen, hätte es vermutlich lediglich drei Sterne von mir bekommen.
Obwohl das Erzähltempo sich auch in der zweiten Hälfte nicht grossartig verändert, hat mich der Plot aber trotzdem etwas mehr gefesselt, als in der ersten Hälfte. Vielleicht lag es daran, dass ich nun voll und ganz in der Geschichte angekommen war, vielleicht lag es aber auch daran, dass das Ende immer näher kam, und Evie immer konkretere Spuren auf der Suche nach dem:der Verräter:in gehabt hatte, wodurch natürlich die Spannung zugenommen hatte.
Beim finalen Showdown am Ende des Buches hat sich schliesslich gezeigt, dass es der Autorin gelungen ist, immer wieder falsche Fährten zu legen, denn am Ende war tatsächlich nicht alles so, wie es Estep uns (und Evie) zunächst weismachen wollte. Und das ist definitiv ein Pluspunkt!

Was die Charaktere angeht, so kennt man einige bereits aus dem ersten Band - allen voran die Nebencharaktere aus der Gladiatorentruppe, die hier aber eine neue Rolle übernehmen. Evie ist nach wie vor eine starke Protagonistin, aber leider muss ich auch bei diesem zweiten Band denselben Kritikpunkt erwähnen, wie schon beim Vorgänger: Sie war mir erneut ein wenig zu sehr eine "Mary Sue" - also ein Charakter, dem einfach alles zu gelingen scheint. Zu diesem Bild trägt vor allem ihre besondere Gabe bei, nicht nur Gifte in Getränken und Lebensmittel herauszuriechen, sondern auch zu spüren, wenn sie ihrem Gegenüber nicht trauen kann, was ihr ebenfalls durch die Wahrnehmung bestimmter Gerüche gelingt. Das führt natürlich erneut dazu, dass man zu keinem Zeitpunkt um das Schicksal von Evie bangen muss, denn ihre besondere Gabe rettet sie meistens vor jeder Situation, die potenziell gefährlich werden könnte. Und das fand ich etwas langweilig.
Natürlich ist auch ihr Love Interest, Lucas Sullivan, wieder mit von der Partie und die beiden tänzeln immer noch vorsichtig umeinander herum. Jedes Mal, wenn einer der beiden einen Annäherungsversuch macht, kommt irgendetwas dazwischen oder Sullivan macht im letzten Augenblick einen Rückzieher, was mich beinahe in den Wahnsinn getrieben hat, weil dadurch Missverständnisse entstanden sind, die jeweils ein Drama zur Folge hatten, das nicht nur unnötig, sondern auch total konstruiert und unglaubwürdig gewirkt hat. Aber dieses Liebes-Hin-und-Her gehört wohl einfach zu vielen Fantasyromanen dazu. ;) Für meinen Geschmack hätte es das hier nicht gebraucht.

Insgesamt war die Fortsetzung ganz anders, als sein Vorgänger, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war. Im Gegensatz zum ersten Band, war diese Fortsetzung leider nicht immer gleichbleibend spannend und sie hatte immer wieder etwas langatmige Passagen, doch der Plot wird am Ende gut aufgelöst und abgerundet, sodass es ein zufriedenstellendes Ende gibt. Auch die Charaktere wissen zu überzeugen, auch wenn ich ehrlich gesagt keinen so richtig ins Herz geschlossen habe.

Fazit:

"Protect the Prince" ist der zweite Band der Splitterkrone-Trilogie und schlägt einen ganz anderen Ton an, als sein Vorgänger. Statt eines actiongeladenen Plots, wird hier der Fokus auf politische Entscheidungen und Intrigen gelegt, was einen deutlich entschleunigtes Erzähltempo zur Folge hatte. Im Vergleich zum ersten Band, hat mir dadurch manchmal die Spannung gefehlt. Insgesamt nicht eine perfekte, aber zufriedenstellende Fortsetzung, die eine ganz neue Richtung einschlägt und mit einem runden Abschluss überzeugen kann. Von mir gibt es 3,5 Sterne dafür.
2 Kommentare
(© Heyne)

Das Mädchen und der Winterkönig* (The Winternight Trilogy #2)
von Katherine Arden

Bewertung: ★★☆☆☆

Fantasy, 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 09. November 2020
Verlag: Heyne
*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Heyne Verlag.


Inhaltsangabe:
Wasja hat es geschafft: Sie hat ihr Zuhause vor dem Untergang bewahrt, indem sie einen Pakt mit Väterchen Frost einging. Doch jeder Pakt hat seinen Preis, und nun muss Wasja bitter für die Hilfe des Winterdämons bezahlen. Als Hexe verschrien, wird sie aus dem Dorf gejagt und durchstreift fortan in Männerkleidung das riesige Zarenreich. Immer an ihrer Seite ist ihr geliebter Hengst Solowej, der schneller ist als der Wind. Als Wasja eines Tages eine berühmt-berüchtigte Räuberbande in die Flucht schlägt, ruft sie der Prinz an den Hof nach Moskau, wo sie als Held gefeiert wird. Schnell wird Wasja – dank der Ratschläge des Winterdämons – zur engsten Vertrauten des Prinzen. Doch niemand am Hof darf je erfahren, dass der tapfere Kämpfer aus dem klirrend kalten Norden eigentlich eine junge Frau ist ...

Meine Meinung:

"Das Mädchen und der Winterkönig" ist der zweite Teil der Winternight Trilogie und nachdem mich der erste Band mit magischen Wesen im alten Russland sehr verzaubern konnte, war ich gespannt, wie Wasjas Geschichte weitergeht.

Die Handlung des zweiten Bandes setzt nahtlos an den Ereignissen aus dem Vorgänger an und Wasja ist nun eine junge Erwachsene, die sich nach dem grossen Showdown aus dem Vorgänger, auf die Reise zu ihren Geschwistern in Moskau begibt, die noch nichts von all dem ahnen, was sich in ihrer Heimat abgespielt hat. Doch natürlich verläuft wieder mal nicht alles so, wie Wasja es sich vorgestellt hat und sie stolpert von einem Abenteuer ins nächste.

Obwohl mir der erste Band sehr gut gefallen hat, konnte diese Fortsetzung bei mir leider nicht ganz zünden. Ich kann nicht genau mit dem Finger darauf deuten, aber dieses Mal hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Ich konnte leider weder zu Wasja, noch zu ihren Geschwistern - die in diesem Buch eine grössere Rolle als im Vorgänger zugeteilt bekommen - einen Zugang finden und hatte den Eindruck, dass der Plot die meiste Zeit über vor sich hin plätschert. Es wollte zu keinem Zeitpunkt wirklich Spannung aufkommen. Was mir ganz besonders gefehlt hat, war die Magie, die den ersten Band zu etwas Besonderem gemacht hat. Ich hatte den Eindruck, dass die magischen Wesen hier nur noch eine untergeordnete Rolle gespielt haben, was die Geschichte sehr gewöhnlich gemacht hat.
Obwohl viele der Charaktere bereits im ersten Band erwähnt wurden, hat sich dieses Buch insgesamt nicht wie eine Fortsetzung angefühlt, sondern eher wie eine ganz andere, neue Geschichte, die sich auch unabhängig vom ersten Band lesen lässt.

Leider hat die fehlende Spannung zu einem immer grösser werdenden Desinteresse bei mir geführt und nachdem ich mich immer wieder dazu zwingen musste, weiterzulesen, habe ich die zweite Hälfte nur noch quer gelesen. Den dritten Band werde ich nicht mehr lesen, dafür werde ich den ersten Band als "Standalone" positiv in Erinnerung behalten.

Fazit:

Obwohl "Das Mädchen und der Winterkönig" nahtlos an die Ereignisse aus seinem Vorgänger ansetzt, hat für mich der ganze Zauber aus dem ersten Band gefehlt. Zwar spielt Wasja nach wie vor als Protagonistin eine grosse Rolle in der Fortsetzung, aber trotzdem hat sich das Lesefeeling ganz anders, als im ersten Band angefühlt. Bei mir wollt einfach keine Spannung aufkommen und ich hatte den Eindruck, dass die Handlung träge vor sich hin plätschert. Irgendwann habe ich aufgegeben und das Buch nur noch quergelesen. Schade, aber leider eine Fortsetzung, die es in meinen Augen nicht gebraucht hätte und deshalb nur 2 Sterne von mir bekommt. Für mich hätte der Vorgänger als Einzelband funktioniert und auch ausgereicht.
4 Kommentare
(© Penhaligon Verlag)

Der Orden des geheimen Baumes - Die Magierin* (Königin von Inys #1)
von Samantha Shannon

Bewertung: ★★★☆☆

Fantasy, 544 Seiten
Erscheinungsdatum: 21. September 2020
Verlag: Penhaligon


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Penhaligon Verlag.

Inhaltsangabe:
Mächtige Frauen lenken und beeinflussen das Schicksal ihrer Welt, ob als Königin, Magierin oder Drachenreiterin. Doch die Welt ist geteilt: Während im Westen alle Drachen als absolut böse verdammt werden, werden diese im Osten als göttergleiche Wesen verehrt. Trotz dieser gegensätzlichen Weltanschauungen müssen die Menschen des Ostens und des Westens zusammenarbeiten, als ein riesiger bösartiger Drache aus der Vergangenheit wieder aufersteht. Drei starke Frauen nehmen die Herausforderung an, die Bewohner beider Reiche zu vereinen, um die Menschheit zu retten …

Meine Meinung:

Auch wenn ich mittlerweile Gefahr laufe, mich zu Beginn jeder Rezension zu wiederholen, aber "Der Orden des geheimen Baumes" war mal wieder eines dieser Bücher, auf das ich aufgrund des Hypes auf Goodreads aufmerksam geworden bin. Ich habe mir allerdings nicht zugetraut, ein so dickes und - wie ich vermutet hatte - auch anspruchsvolles Fantasybuch auf Englisch zu lesen, weshalb ich umso erfreuter war, als ich von der deutschen Übersetzung erfahren habe. Im Deutschen wurde der englische Einzelband aufgrund seiner Länge in zwei Teile unterteilt. Sowas führt leider immer zwangsläufig dazu, dass sich der Spannungsbogen ungünstig verteilt, trotzdem konnte ich die Entscheidung des Verlags hier aber nachvollziehen. Ich glaube, ich hätte nicht zu dem Buch gegriffen, wenn es sich um einen über 1000 Seiten dicken Wälzer gehandelt hätte.

Die offizielle Inhaltsangabe ist eher vage gehalten, der Klappentext im Buchinnern hat da schon mehr über die Handlung verraten und mich neugierig gemacht. Das Buch ist nicht nur mit einer sehr detailreichen Karte, sondern auch mit einem mehrseitigen Glossar am Ende des Buches ausgestattet, indem viele der Charaktere, Begriffe und historischen Ereignisse zusammengefasst werden. Das Buch wird unter anderem mit Game of Thrones bzw. der "Das Lied von Eis und Feuer"-Reihe verglichen, was meine Neugierde umso grösser gemacht hat.

Voller Tatendrang habe ich also ins Buch gestartet, um die in der Inhaltsangabe erwähnten mächtigen Protagonistinnen endlich kennenzulernen. Die Kapitel werden abwechselnd aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, wobei sich die Autorin vor allem auf eine Unterteilung zwischen den Ereignissen aus dem Westen und dem Osten fokussiert. Im Westen dreht sich alles um die Königin Sabran, die ein Land anführt, das die Drachen fürchtet. Eine Legende besagt, dass ihr Volk sicher vor dem einen gefährlichen Drachen sein soll, solange eine weibliche Nachfahrin gezeugt wird. Das ist allerdings noch nicht geschehen und deshalb werden immer wieder Mörder auf die Königin angesetzt, die sie töten sollen, bevor sie eine Tochter zeugen kann. Beschützt wird Sabran von Ead, die eigentlich eine Magierin des Ordens des geheimen Baumes ist, aber ihre wahre Identität geheim hält und stattdessen als Kammerzofe für die Königin arbeitet. Sabran weiss dadurch nicht, dass sie von Ead beschützt wird und sie dank ihr schon so manch ein versuchter Mordanschlag überlebt hat. 
Demgegenüber werden im Westen die Drachen verehrt und die Menschen sogar zu Drachenreitern ausgebildet. Eine davon ist die dritte Protagonistin im Bunde: Tané. Durch ihre Augen erfahren wir, was sich für Ereignisse im Westen abspielen und wie sie sich in ihrer Ausbildung zur Drachenreiterin schlägt.
Diese drei weiblichen Perspektiven werden mit zwei weiteren männlichen Protagonisten ergänzt. Zum einen gibt es noch Loth, ein adeliger guter Freund von Sabran und den Alchemisten Niclays, der ursprünglich aus dem Osten stammt, allerdings in den Westen ins Exil verbannt wurde.
 
Obwohl sich alle fünf Charaktere auf den ersten Blick sehr unterschiedlich und interessant anhören, muss ich leider gestehen, dass es mir manchmal sehr schwergefallen ist, bei den ständigen Perspektivenwechseln (ohne, dass zu Beginn des Kapitels angegeben wurde, aus wessen Sicht gerade gelesen wird) den Überblick zu behalten. Während ich Sabrans und Eads Handlungsstränge (die sich mehrheitlich überschnitten haben) sehr gut folgen konnte, merke ich jetzt, dass ich nicht genau erläutern könnte, worum sich Tanés, Loths und Niclays Erzählungen eigentlich gedreht haben. Die Autorin hat sich zwar sehr viel Mühe gegeben, ein sehr komplexes, aber auch interessantes Worldbuilding mit politischen Intrigen und Drachen auf die Beine zu stellen, aber bei der Ausarbeitung ihrer Charaktere ist ihr das aus meiner Sicht leider nicht ganz so gut gelungen. Ich hatte bis zuletzt überhaupt keine Ahnung, wie die einzelnen Protagonisten überhaupt aussehen, geschweige denn, was ihre Charaktereigenschaften eigentlich ausmachen. Das hat es mir leider auch nicht so einfach gemacht, einen Zugang zu ihnen zu finden. Und genau deswegen hinterfrage ich den Vergleich mit Game of Thrones kritisch, denn GRRM ist es in meinen Augen deutlich besser gelungen, seinen Charakteren Leben einzuhauchen und ihnen eine nachvollziehbare Hintergrundgeschichte und entsprechende Stärken und Schwächen zuzuschreiben. Das hat mir hier eindeutig gefehlt.

Die Handlung an und für sich ist sehr komplex und selbst mit Unterstützung des Glossars und den Karten, hatte ich manchmal Mühe, zu verstehen, worum es eigentlich geht. Die Autorin hat einen sehr anspruchsvollen, detailreichen Schreibstil, der es nicht unbedingt erleichtert, der Handlung folgen zu können. Während einige Kapitel neue, überraschende Wendungen zutage brachten, gab es auch leider viele Kapitel, die ich sehr langatmig angefühlt haben und bei mir am Ende den Eindruck hinterlassen haben, dass das Buch stellenweise zäh wie Kaugummi war. Doch den Grundkonflikt des Buches in Zusammenhang mit den Drachen, fand ich nach wie vor interessant und das war auch der Hauptgrund, warum ich das Buch nicht einfach abgebrochen habe. Es hat sich bei mir während dem Lesen jedoch nie das Gefühl eingestellt, dass ich jetzt unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht - ich musste mich eher zum Weiterlesen zwingen.

Für sich alleinstehend konnte mich dieser erste Buchteil nicht vollends überzeugen. Da die Autorin allerdings im Original nicht beabsichtigt hatte, das Buch als geteilte Geschichte zu erzählen, habe ich die Hoffnung, dass es im zweiten Band vielleicht spannender werden könnte. Der Schluss dieser ersten Hälfte hat mich dann doch noch einmal neugierig auf den weiteren Verlauf gemacht, denn neben plötzlichen Todesfällen und Schicksalsschlägen, konnte mich auch die Entwicklung einer queeren Liebesbeziehung positiv überraschen. Ausserdem verspricht das Ende, dass wir im zweiten Teil endlich mehr über den Orden des geheimen Baumes erfahren werden, der in diesem Buch leider kaum thematisiert wurde.

Fazit:

Wer sich an "Der Orden des geheimen Baumes" wagt, der sollte viel Geduld und eine gute Auffassungsgabe mitbringen, denn die Autorin hat nicht sich nicht nur ein sehr komplexes, aber interessantes Worldbuilding ausgedacht, sondern erzählt ihre Geschichte auch mit einem anspruchsvollen Schreibstil, der volle Konzentration verlangt, um all die Details aufnehmen zu können. Obwohl ich die fantastische Welt und die starken, weiblichen Protagonistinnen sehr vielversprechend gefunden habe, hatte das Buch für mich leider immer wieder ein paar Längen, durch die ich mich mühevoll durchkämpfen musste. Dennoch fand ich den politischen Grundkonflikt zwischen West und Ost, basierend auf unterschiedlichen Haltungen gegenüber den Drachenwesen als sehr vielversprechend und das Ende dieses ersten Bandes verspricht, dass Band 2 vielleicht etwas spannender werden könnte. Von mir gibt es 2.5 Sterne für dieses erste Buch, mit der Option auf eine Aufwertung, falls die Geschichte nach dem Lesen der zweiten Hälfte als Gesamtwerk mehr zu überzeugen weiss.
4 Kommentare
(© dtv)

Crescent City - Wenn das Dunkel erwacht (Crescent City #1)
von Sarah J. Maas

Bewertung: ★★★☆☆

Adult Urban Fantasy, 926 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. September 2020
Verlag: dtv


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den dtv Verlag.

Inhaltsangabe:
Magie, Musik – und tödliche Gefahren: Die junge Bryce Quinlan, Halb-Fae und Halb-Mensch, geniesst jedes Vergnügen, das Crescent Citys Nächte zu bieten haben.
Eines Tages wird jedoch jemand auf brutale Weise ermordet, und als die Mordserie selbst dann nicht aufhört, nachdem der vermeintliche Tatverdächtige festgenommen wurde, wird Bryce dazu gedrängt, gemeinsam mit Hunt Athalar - einem gefallenen Engel - heimliche Ermittlungen zu dem Fall anzustellen, um den:die wahren Mörder:in ausfindig zu machen.
Während die beiden der Spur des Dämons tief in die Unterwelt der Stadt folgen, entdecken sie eine bösartige Macht, die ganz Crescent City in Schutt und Asche legen könnte … 

Meine Meinung:

Seitdem mich SJM mit ihrer "A Court of Thorns and Roses" Reihe umgehauen hat, bin immer sehr gespannt darauf, was sie als Nächstes aus dem Hut zaubert. Crescent City hat mich also allein deshalb neugierig gemacht, weil es aus ihrer Feder stammt, aber natürlich auch, weil das Buch in der englischsprachigen Lesecommunity einen so grossen Hype erfahren hat. Ich muss aber trotz meiner Neugierde zugeben, dass für mich die über 900 Seiten etwas abschreckend gewirkt haben. Ich lese normalerweise lieber Bücher, die nur halb so dick sind, da die meisten Wälzer doch stellenweise sehr langgezogen wirken können.

Bevor ich näher auf den Inhalt eingehe, kurz eine Warnung vorweg: Lest euch bitte NICHT den offiziellen Klappentext des Buches durch, denn ich habe diesen Fehler begangen und darin wird der Inhalt der ersten 150 Seiten gespoilert, was mich sehr geärgert hat. Ihr findet hier im Blogbeitrag deshalb eine von mir angepasste Inhaltsangabe, die keinen direkten Spoiler enthält.

Der Einstieg in das Buch ist mir alles andere als leicht gefallen, denn in Crescent City wandelt nahezu jedes übernatürliche Wesen, dass das (Urban) Fantasy Genre zu bieten hat. Von Fae, bis hin zu Engeln, Wölfen und Dämonen, ist alles zu finden. Die ersten 150 Seiten haben sich deshalb hauptsächlich auf ein Infodumping zum Worldbuilding fokussiert und auch auf die Einführung zahlreicher (Neben-)Charaktere, die allesamt namentlich erwähnt werden. Ich war also dementsprechend überfordert und hatte die Befürchtung, dass ich nie verstehen werde, worum es eigentlich geht oder wer eigentlich wer ist - aber ab ca. Seite 200 habe ich dann gemerkt, dass das auch gar nicht nötig ist.

Wichtig ist es vor allem Protagonistin Bryce zu kennen, die die Hauptrolle im Buch einnimmt. Sie ist selbst eine Halb-Fae und macht sich mit Hunt, einem weiteren Protagonisten und Engel, auf die Suche nach einem Bösewicht, der in Crescent City sein Unwesen treibt und Bewohner:innen tötet. Als Leser:in begleitet man sie bei dieser Ermittlung und lernt so die Welt besser kennen. Mein Problem dabei war aber, dass ich Bryce leider total unsympathisch und auch unglaubwürdig gefunden habe. SJM will aus Bryce einen Badass-Charakter machen - eine Frau, die sich allein durchs Leben schlägt und nicht die Hilfe von Männern braucht, um zu überleben. Und obwohl ich eine solche starke Protagonistin für sehr lobenswert halte, hat es die Autorin bei Bryce meiner Meinung nach übertrieben. Bryce ist nicht auf den Mund gefallen, tobt sich sexuell aus und die Männer liegen ihr scharenweise zu Füssen. Sie muss gar nichts machen, ausser den Typen einen Blick zuzuwerfen und schwups, hat sie mit jedem noch so heissen Typen Sex, ohne dass sie irgendetwas dafür tun muss. Und als wäre das nicht genug, scheint sie auch noch eine Special Snowflake und Mary Sue zu sein, die über super special Fähigkeiten verfügt, die über die anderen Wesen hinausgehen und die noch dazu alles perfekt beherrscht: Vom Sex bis hin zur Zielsicherheit bei Waffen. Es gibt nichts, das Bryce nicht kann. Und das fand ich einfach total lächerlich. 
Was ich aber dennoch positiv erwähnen muss, ist, dass Bryce doch eine kleine Charakterentwicklung durchmacht, die man vermutlich vor allem Hunts gutem Einfluss zu verdanken hat. Im Laufe der Handlung weicht Bryce ein wenig auf und man kann auch die eine oder andere sympathischere Seite an ihr entdecken, aber mein Lieblingscharakter wird sie wohl trotzdem nie werden. Und das hat es natürlich nicht gerade einfacher gemacht, den Plot, der sich hauptsächlich auf sie fokussiert, toll zu finden.
Demgegenüber fand ich aber Hunt wiederum sehr sympathisch und deutlich vielschichtiger ausgearbeitet, wobei auch immer Bezug auf Erlebnisse in seiner Vergangenheit gemacht wurden, die als Erklärungsmodell für sein Verhalten in der Gegenwart dienen, was ihn als Charakter sehr glaubhaft gemacht hat.
Auf die restlichen Charaktere kann und möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da dies der Rahmen sprengen würde. Es gibt aber eine Menge Charaktere, die ebenfalls sehr ausführlich erwähnt und ausgearbeitet wurden und wohl auch der Hauptgrund sind, warum das Buch letztendlich so dick geworden ist, denn SJM wollte scheinbar jedem Charakter gerecht werden (was ihr mehr oder weniger auch gelungen ist).

Zur Handlung selbst kann ich sagen, dass sich meine Befürchtung was die Seitenanzahl angeht, nur zum Teil bewahrheitet hat. Ja, man muss wirklich viel Geduld und einen langen Atem mitbringen, wenn man das Buch liest, denn so richtig spannend wird es erst ab ca. 600 Seiten, als allmählich aufgedeckt wird, wer oder was eigentlich hinter dem Ganzen ominösen Geschehen in Crescent City steckt. Die vorherigen Seiten hätten aus meiner Sicht gekürzt werden können, da ich den Eindruck hatte, dass es viele "Filler-Szenen" gab, ohne die die Handlung genauso gut funktioniert hätte. Gleichzeitig habe ich das Buch aber trotzdem nie als langatmig oder zäh empfunden, so dass es auch nicht so ist, dass man sich durch viele Seiten quälen muss, bis es erst richtig spannend wird. Ich denke aber trotzdem, dass SJM sich ein bisschen übernommen hat und die Story auch mit weniger Charakteren und Wesen etwas spannender erzählt hätte werden können.

Der Schlussteil belohnt den Durchhaltewillen aber tatsächlich und ich muss gestehen, dass mich die Auflösung wirklich überraschen konnte. Leider hat mir das, was nach der Auflösung noch alles passiert, wiederum weniger gut gefallen, denn vieles hat ein bisschen klischeehaft gewirkt und einiges war mir schlichtweg auch zu kitschig. Ich hätte es besser gefunden, wenn das Buch ein düstereres Ende gefunden hätte. Aber das ist letztendlich Geschmackssache.

Der Schreibstil der Autorin kann wie gewohnt überzeugen. Was ich aber ganz schrecklich gefunden habe, waren die ganzen sexuellen Andeutungen und Szenen. Einerseits hat mich das Niveau dieser Szenen wirklich zum Fremdschämen gebracht, weil es teilweise Groschenroman-Niveau hatte, andererseits hat sich dieser ganze Sextalk nicht sehr gut in die restliche Handlung eingefügt. Ich hatte den Eindruck, dass die ständige Erwähnung von Sex lediglich von der Autorin dazu genutzt wurde, zu verdeutlichen, dass es sich bei dem Buch um einen Fantasyroman für Erwachsene handelt. Aber wirklich Substanz haben sie der Handlung nicht gegeben - im Gegenteil. In meinen Augen waren die Szenen absolut unnötig.

Fazit:

"Wenn das Dunkel erwacht" ist der Reihenauftakt zu Sarah J. Maas neuer "Crescent City"-Reihe, der auf über 900 Seiten in ein sehr umfangreiches Worldbuilding mit nahezu allen übernatürlichen Wesen entführt, die das (Urban) Fantasy Genre zu bieten hat. Im Fokus steht ein Kriminalfall, den es aufzulösen gibt. Man muss dafür als Leser:in allerdings einen langen Atem mitbringen, denn richtig spannend wird das Buch erst im letzten Drittel, bei dem man aber schliesslich mit einer überraschenden Auflösung belohnt wird. Obwohl ich das Buch nicht als langatmig empfunden habe, hätte es aus meiner Sicht trotzdem um viele Seiten gekürzt werden können. Fürs einmal Lesen fand ich es aber okay, auch wenn ich vermutlich kein zweites Mal zum Buch greifen würde. Insgesamt vergebe ich deshalb 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung für diejenigen, die auf Kriminalfälle mit übernatürlichen Wesen stehen.
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(© Piper Verlag)

Kill the Queen* (Die Splitterkrone #1)
von Jennifer Estep

Bewertung: ★★★★☆

Fantasy, 496 Seiten
Erscheinungsdatum: 16. März 2020
Verlag: Piper


*Danke für das digitale Leseexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Im Königreich Bellona bestimmen die magischen Fähigkeiten einer jeden Person über deren Ansehen und Rang. Da die junge Lady Everleigh anscheinend über keinerlei Magie verfügt, verbringt sie die meiste Zeit in den Schatten des königlichen Hofs. Üblicherweise wird sie vom restlichen Adel übersehen und vergessen. Doch dunkle Mächte arbeiten innerhalb des Palasts. Als Everleighs Cousine, die Kronprinzessin Vasilia, ihre Mutter ermordet und den Thron besteigt, verändert sich alles. Evie selbst kann Vasilias Anschlag nur dank ihrer geheimen Fähigkeit entkommen – sie ist immun gegen Magie, die auf sie gerichtet wird. Auf ihrer Flucht stößt Evie auf den berüchtigten Gladiator Lucas Sullivan, einem mächtigen Magier, den ein Geheimnis umgibt ...

Meine Meinung:

Nachdem ich vor einigen Jahren bereits die Mythos Academy Reihe der Autorin verschlungen habe, habe ich mich mit "Kill the Queen" an den Reihenauftakt ihrer neuen Fantasy Reihe "Die Splitterkrone" gewagt, die sich (im Gegensatz zu Mythos Academy) an ältere Leser*innen richtet und nicht im Young Adult Genre verankert ist. Das war mir allerdings zu Beginn gar nicht bewusst, sondern wurde mir erst während dem Lesen klar, nachdem ich einige Unterschiede zu üblichen YA Fantasy Reihen bemerkt habe.

Estep entführt uns in diesem Buch ins Königreich Bellona, in dem wir die Protagonistin Everleigh näher kennenlernen, die seit dem tragischen Tod ihrer Eltern am königlichen Hof lebt. Dort ist sie aufgrund ihrer scheinbar fehlenden magischen Fähigkeiten bislang eher unscheinbar geblieben. Doch was niemand weiss, ist der Umstand, dass Everleigh in Wahrheit eine magische Gabe besitzt, die sie bisher versteckt gehalten hatte. Diese Gabe ist es auch, die sie vor dem tödlichen Anschlag von Prinzessin Vasilia rettet, als diese eines Tages die Königin und all ihre Verbündeten umbringt, um selbst Herrscherin über Bellona zu werden.
Everleigh bleibt nichts anderes übrig, als zu flüchten. Auf ihrer Flucht ändert sie ihren Namen und taucht bei einer Gruppe von Gladiatoren unter, die nichts davon ahnen, dass Everleigh - die sich neu Evie nennt - eine der wenigen Zeug*innen ist davon ist, was wirklich am königlichen Hof geschehen war. Und dieses Wissen bringt sie in grosse Gefahr...

Bereits im ersten Viertel des Buches ist mir positiv aufgefallen, dass sich die Autorin allem Anschein nach viele Gedanken um das Worldbuilding gemacht hat, auf dem die Story ihrer Reihe beruht. Estep benennt die wichtigsten Länder ihrer Welt und wie die Beziehungen zwischen den einzelnen Königreichen untereinander aussehen. Dabei schafft sie es, ein gutes Mittelmass zu finden, damit man sich als Leser*in in der Welt zurechtfinden kann, es aber auch nicht in ein Infodump ausartet. Diese Hintergrundinformationen werden schliesslich geschickt in die Handlung eingeflochten, indem man durch die verschiedenen Bündnisse und Feindschaften der einzelnen Königreiche die Motive der einzelnen Charaktere - natürlich insbesondere die der Antagonisten - nachvollziehen kann. Ergänzt wird das umfangreiche Worldbuilding durch eine Reihe an Charakteren, die ebenfalls im ersten Teil der Geschichte eingeführt werden. Allen voran natürlich unsere Protagonistin Everleigh.

Wer nun fürchtet, dass dies nach einer trockenen Einleitung in die Reihe klingt, den kann ich beruhigen. Denn neben diesen Informationen legt Estep ein ordentliches Erzähltempo an den Tag, so dass bereits im ersten Teil der Geschichte mehr passiert, als ich es von so manch anderen Young Adult Fantasy Reihen im Ganzen gewohnt war. Viele der sorgfältig eingeführten Charaktere müssen bereits im ersten Drittel des Buches ihr Leben lassen, was ich - trotz der tragischen Ereignisse - mal herrlich erfrischend gefunden habe. Und dies war dann auch der Punkt, an dem ich mich gefragt habe, wieso dieses Buch so aus den ganzen YA Fantasyromanen heraussticht, die ich in letzter Zeit gelesen hatte. Eine kurze Recherche auf Goodreads hat dieses Rätsel schnell gelöst: Es handelt sich um ein Fantasyroman für Erwachsene und die Protagonistin war als Endzwanzigerin bereits deutlich älter, als ich angenommen hätte. Dies legte mir die Vermutung nahe, dass ich vielleicht wirklich dem YA Fantasy Genre allmählich entwachse.

Nach diesem aufregenden Einstieg in die Geschichte wird der Fokus auf Everleighs Flucht zu den Gladiatoren gelegt, bei denen sie als "Evie" eine Charakterentwicklung durchmacht, im Wissen, dass sie in grosser Gefahr schwebt, falls Vasilia von ihrem Überleben erfährt. Auch in der weiteren Handlung werden immer wieder neue Charaktere eingeführt und mit Lucas Sullivan natürlich auch ein männlicher Protagonist, der als Love Interest dienen soll. Doch auch hier wurde ich positiv überrascht, wie wenig Raum die Romantik in diesem Buch einnimmt. Die sich entwickelnden Gefühle wurden subtil in die Handlung eingefügt, ohne dass sie dem eigentlichen Plot Platz geraubt hätten.

Nichtsdestotrotz gibt es aber bei all dem Lob auch einige Schwächen, die das Buch in meinen Augen aufgewiesen hat. Zum einen wären da einige "Deus ex machina" Momente zu nennen, die leider auf Kosten der Spannung gegangen sind und dafür gesorgt haben, dass man nie wirklich um die Protagonistin bangen musste. Statt solcher vorhersehbarer Ereignisse, hätte ich mir viel lieber einige überraschende Plot Twists gewünscht, die leider ausgeblieben sind, dafür aber glaubwürdiger gewirkt hätten.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Protagonistin Everleigh bzw. Evie. Sie hat auf mich leider ein bisschen wie eine "Mary Sue" gewirkt - also ein Charakter, der nicht wirklich Schwächen aufweist. Ich hatte nie wirklich das Gefühl, dass sie sich an irgendeiner Stelle in der Handlung wirklich bemühen musste, damit sie das erreicht, was sie sich wünscht. Irgendwie hat sich immer alles ganz "praktischerweise" so gefügt, dass sie glimpflich davongekommen ist, indem sie irgendein Ass aus dem Ärmel gezogen hat, was dann wiederum genau als ein solcher "Deus ex machina" Moment zu werten war. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Charaktertiefe gewünscht, indem Everleigh auch mal bei irgendeinem Vorhaben gescheitert wäre und sie eben nicht so perfekt ist, dass es schon unglaubwürdig erscheint. Hinzu kommt, dass ich allein aufgrund der Charakterbeschreibung niemals darauf gekommen wäre, dass Evie bereits auf die Dreissig zugeht.

Insgesamt konnte mich das Buch aber ganz gut unterhalten, auch wenn sich die Handlung in einem schon sehr vorhersehbaren Showdown geendet hat, der kaum Überraschungen bereitgehalten hat. Ich hoffe, Estep kann sich in der Fortsetzung noch steigern und mich im zweiten Band (noch) mehr vom Hocker hauen.

Fazit:

"Kill the Queen" ist der Reihenauftakt zu Jennifer Esteps neuer "Splitterkrone" Fantasy Reihe, der uns Leser*innen in eine Welt voller Magie entführt. Mit einem ausgeklügelten Worldbuilding und vielen unterschiedlichen Charakteren mich die Autorin von ihrer neuen Reihe überzeugen. Der Plot ist sehr actiongeladen und konnte mich gut unterhalten, er lässt durch viele "Deus ex machina" Momente aber leider wenig Spielraum für Überraschungen zu und verläuft stellenweise schon etwas vorhersehbar. Insgesamt aber ein solider Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht. Von mir gibt es 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung für Fans des Fantasy Genres, die mal dem typischen Young Adult-Schema entfliehen wollen.
2 Kommentare
(© Piper Verlag)

Bloodleaf* (Bloodleaf #1)
von Crystal Smith

Bewertung: ★★★★☆

YA Fantasy, 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2019
Verlag: Piper


*Danke für das Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Aurelia ist nach 200 Jahren die erste Prinzessin, die in die Königsfamilie in Renalt geboren wird. Daher muss sie einen uralten Pakt erfüllen und Prinz Valentin aus dem verhassten Nachbarland Achleva heiraten. Zumindest Achlevas liberale Einstellung zur Magie kommt Aurelia zugute: In ihrer Heimat ist diese strengstens verboten und Aurelia als Hexe verschrien. Sie lebt in ständiger Gefahr – und das nicht zu Unrecht: Als sie sich bei einem Mordanschlag mit Magie zur Wehr setzt, muss sie, um dem wütenden Mob zu entkommen, nach Achleva fliehen. Allerdings haben ihre Fluchthelfer eigennützige Ziele und hintergehen Aurelia. Mittellos in einem fremden Land muss sie nun die Pläne ihrer Widersacher vereiteln, um die beiden Königreiche zu retten. (© Piper Verlag)

Meine Meinung:

Das war jetzt eher durch Zufall innerhalb einer Woche mein zweites Buch über Hexen und Magie, das ich gelesen habe. Und im direkten Vergleich mit dem anderen Buch, hat mir "Bloodleaf" deutlich besser gefallen.

Der offizielle Klappentext fasst den Kern der Geschichte sehr gut zusammen. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Protagonistin Aurelia, Prinzessin der Stadt Renalt. Zur Aufrechterhaltung eines Bündnisses soll sie Prinz Valentin aus Achleva heiraten. Mit diesem Schicksal hat sie sich mehr oder weniger abgefunden. Um den Worten endlich Taten folgen zu lassen, soll Aurelia zu Beginn des Buches nach Achleva reisen und ihren Verlobten kennenlernen. Doch bevor dazu alles in die Wege geleitet werden kann, überschlagen sich die Ereignisse in Aurelias Heimatstadt, woraufhin sie gezwungen wird zu flüchten. Leider verläuft auch die Flucht nicht so wie geplant und sie wird von einem ihrer Begleiter verraten, was zur Folge hat, dass sich Aurelia unter einer falschen Identität nach Achleva schleichen muss. Dort angekommen trifft sie auf Zan, den Cousin des Prinzen. Zan berichtet ihr von gefährlichen Machenschaften, die er in Achleva beobachtet hat, die nicht nur für seine Heimatstadt, sondern auch für Renalt eine grosse Gefahr darstellen könnten. Um dies zu verhindern, bittet er Aurelia um Hilfe. Sie soll mit ihren magischen Fähigkeiten das aufkommende Unheil aufhalten.

Es hat wirklich Spass gemacht, dieses Buch zu lesen und es ist mir leicht gefallen, in die Welt der Hexen hineinzufinden, die die Autorin hier geschaffen hat. Im Fokus der Geschichte stehen die beiden Städte Renalt und Achleva, was es relativ einfach macht, einen Überblick zu behalten. Während der gesamten Handlung werden immer wieder neue, interessante (Neben-)Charaktere eingeführt, von denen ich einige sehr schnell lieb gewonnen habe. Man sollte sich jedoch nicht zu sehr an alle Charaktere gewöhnen, denn die Autorin beweist sehr viel Mut, wenn es um das Schicksal ihrer Charaktere geht und es gibt einige, die das Ende des Buches nicht mehr miterleben - und leider gehören dazu nicht nur die Bösewichte. Ich fand es aber mal herrlich erfrischend, dass man beim Lesen nie sicher sein konnte, ob ein Charakter lebend aus einer Situation herauskommen wird, denn in vielen anderen Young Adult Fantasy Romanen muss man meistens nicht wirklich um das Schicksal einzelner Personen fürchten. Das war hier anders.
Generell hat die Autorin ein Händchen dafür bewiesen, mich immer wieder aufs Neue zu überraschen. Jedes Mal, wenn ich eine gewisse Vorstellung hatte, wie es weitergehen könnte, ist sie mit einem neuen Plot Twist um die Ecke gekommen, der mich fast jedes Mal eiskalt erwischt hat. Und das hat das Buch unglaublich spannend gemacht.

Aurelia als Protagonistin konnte die Handlung sehr gut tragen. Sie ist eine willensstarke, mutige Protagonistin, die nicht so schnell aufgibt und sich selbst zu helfen weiss - ohne auf die Hilfe von Männern angewiesen zu sein. Auch Zan habe ich sehr schnell in mein Herz geschlossen und die beiden Charaktere haben in meinen Augen sehr gut miteinander harmoniert. Natürlich gibt es auch in diesem Buch eine Romanze, die aber sehr subtil und eher im Hintergrund verläuft.

Der einzige Grund, warum ich dem Buch nicht die vollen fünf Sterne vergeben habe, war der etwas sprunghafte Handlungsverlauf. Ich hatte den Eindruck, dass man manchmal wie bei einem Theaterstück in einzelne Akte genauer eintauchen konnte, zwischen denen die Handlung jeweils eine sprunghafte Entwicklung macht. Dadurch hat sich das Erzähltempo manchmal etwas gehetzt angefühlt und ich hätte mir eher fliessende Übergänge zwischen den einzelnen Szenen gewünscht. Durch die temporeiche, actiongeladene Erzählweise sind für mich hin und wieder auch ein bisschen die emotionalen Zustände der einzelnen Charaktere zu kurz gekommen. Ich bin sicher, dass mich die Autorin emotional mehr hätte erreichen können, wenn sie sich für einzelne Szenen etwas mehr Zeit genommen hätte. Aber hier hat sich manchmal alles Schlag auf Schlag angefühlt, sodass man gar nicht genügend Zeit hatte, überraschende Ereignisse richtig zu verarbeiten.
 
Alles in allem aber ein empfehlenswerter, packender Reihenauftakt, der sehr flüssig und angenehm geschrieben wurde. Mein Interesse für die Fortsetzungen konnte definitiv geweckt werden.

Fazit:

In "Bloodleaf" entführt uns Crystal Smith in eine Welt voller Hexen und Magie und erzählt uns eine Geschichte einer jungen, starken und mutigen Protagonistin, die sich immer wieder mit neuen Gefahren stellen muss. Der Erzählstil ist sehr temporeich und actiongeladen, für meinen Geschmack manchmal etwas zu gehetzt und sprunghaft - alles in allem aber natürlich sehr fesselnd. Die vielen sympathischen Charaktere, die nicht alle lebend das Ende des Buches erreichen, machen die Story zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Von mir gibt es vier Sterne und eine Leseempfehlung für diesen Reihenauftakt.
2 Kommentare
(© Dragonfly Verlag)

Game of Gold* (Serpent & Dove #1)
von Shelby Mahurin

Bewertung: ★★★☆☆

YA Fantasy, 432 Seiten
Erscheinungsdatum: 28. Januar 2020
Verlag: Dragonfly


*Danke für das elektronische Rezensionsexemplar.

Inhaltsangabe:
Niemand darf erfahren, dass Lou eine Hexe ist. Denn sie will weder auf dem Scheiterhaufen enden noch auf dem Opferalter der mächtigen Weißen Hexe, die sie sucht. Um sich im wahrsten Sinne des Wortes unsichtbar machen zu können, stiehlt Lou einen magischen Ring. Leider wird sie dabei ausgerechnet vom Hexenjäger Reid entdeckt. Zwar gelingt es ihr, ihre wahre Identität vor ihm zu verbergen, aber entkommen kann sie ihm nicht. Denn der Erzbischof befiehlt den beiden, zu heiraten. Plötzlich findet sich Lou als Frau eines Hexenjägers wieder, dem sie zudem gegen ihren Willen immer näher kommt … (© Dragonfly Verlag)

Meine Meinung:

Ich habe schon seit Ewigkeiten kein Buch über Hexen mehr gelesen und bin letztes Jahr aufgrund der grossen Beliebtheit um das englische Original auf das Buch aufmerksam geworden. Das deutsche Cover gefällt mir sehr gut, wobei ich ehrlich gesagt nicht ganz sicher bin, was der deutsche Titel mit dem Inhalt zu tun hat - aber sei's drum.

Das Buch handelt von der jungen Hexe Lou, die gelernt hat, sich (mehr oder weniger) alleine durchs Leben zu schlagen. Sie hat magische Kräfte, was sie aber verheimlichen muss, um nicht von den Hexenjägern - den sogenannten Chasseuren - geschnappt zu werden. Bei einem ihrer Ausflüge passiert es dann doch, dass sie in grosse Gefahr gerät und den Hexenjäger Reid beinahe mit ins Unglück zieht. Damit dies nicht geschieht, entscheidet der Erzbischof, der eine Art Ziehvater für Reid darstellt, dass Lou und Reid heiraten müssen. Nur so verliert Reid seinen Status als Hexenjäger nicht und auch Lou kann man rechtlich nichts anhaben. Widerwillig müssen beide Protagonisten in diese Vereinbarung einwilligen und ihr Leben fortan gemeinsam verbringen. Das stellt sich als eine grosse Herausforderung an, denn wenn Reid als Hexenjäger erfährt, dass er ausgerechnete mit einer Hexe verheiratet ist, dann könnte das schlimme Konsequenzen für Lou nach sich ziehen.

Der Anfang des Buches hat mir sehr gut gefallen. Lou als toughe, freche Protagonistin, die nicht auf den Mund gefallen ist, fand ich sehr sympathisch. Sie stellt eine starke, weibliche Persönlichkeit dar, die sich zu wehren weiss. Doch ihr freches Mundwerk bringt sie auch immer wieder in brenzlige Situationen, die von ihr viel Mut und Köpfchen verlangen, um sich aus den Gefahrensituationen wieder hinauszumanövrieren. Im Vergleich dazu fand ich Reid als männlichen Protagonisten und Love Interest bis zuletzt sehr blass und langweilig. Man erfährt eigentlich nichts über ihn, ausser, dass er sehr gross ist und rostbraune Haare hat. Ansonsten scheint er keinerlei Persönlichkeit oder Charakter zu besitzen. Er folgt quasi blind den Anweisungen des Erzbischofs und hat auf mich dadurch ein bisschen treudoof und ehrlich gesagt auch etwas dümmlich gewirkt. Das hat dann auch leider dazu geführt, dass ich zwischen den beiden Protagonisten keinerlei Anziehungskraft gespürt habe und der Funke bis zuletzt nicht richtig übergesprungen ist, was die beiden als Paar angeht. Und das ist mir bei kaum einem anderen Young Adult Fantasy Roman mit einer Liebesgeschichte bisher passiert. Neben den Protagonisten gibt es noch eine handvoll Nebencharaktere, die sehr überschaubar bleiben und über die man auch nicht wirklich viel erfährt, sodass mir auch hier eine gewisse Tiefe gefehlt hat.

Leider macht sich mit der Zeit bemerkbar, dass es dem Buch an einem spannenden Plot fehlt. Während das Kennenlernen der beiden Protagonisten am Anfang noch interessant war, passiert nach ihrer Zwangsheirat gefühlt gar nichts mehr. Die beiden verbringen Zeit miteinander und that's it. Wenn ein Buch hauptsächlich aus einer Liebesgeschichte bestehen soll, dann muss diese auch überzeugen. Und das konnte sie leider nicht. Hinzu kommt, dass man praktisch gar nichts über das Worldbuilding erfährt, abgesehen davon, dass die Handlung im alten Frankreich spielt und es zwei Arten von Hexen gibt. Jegliche Hintergründe oder Erklärungen bleiben den Leser*innen vorenthalten. Und da hat die Autorin leider das Potenzial ihrer eigentlich interessanten Idee verschenkt.

Erst am Schluss kommt die Handlung endlich ins Rollen und die Ereignisse überschlagen sich am Ende des Buches. Für mich kam das leider zu spät, denn bis dahin war mein Interesse leider schon verflogen. Hätte ich mehr Hintergrundinformationen über die Welt der Hexen gehabt und wären die einzelnen Charaktere (bis auf Lou) vielschichtiger gewesen, dann hätte mir das Ende sicher besser gefallen. Aber weil man so wenig erfährt und es den Charakteren an Tiefe fehlt, fand ich das Buch insgesamt eher belanglos. Da hätte man sicher deutlich mehr herausholen können, als diese erzwungene Liebesgeschichte, die mich noch dazu, emotional überhaupt nicht erreichen konnte. Aber das mag vielleicht auch am Schreibstil liegen, der zwar flüssig und angenehm zum Lesen war, aber eher oberflächlich bleibt.

Fazit:

"Game of Gold" führt die Leser*innen mit einer toughen und frechen Protagonistin in eine anfänglich interessante Welt mit Hexen und Hexenjägern ein. Leider fehlt es dem Buch im weiteren Verlauf an einem spannenden Plot. Der Fokus wird auf eine Liebesgeschichte zu einem Mann gelegt, der bis zuletzt blass und uninteressant bleibt. Der Funke wollte bei mir nicht richtig überspringen und das gepaart mit den fehlenden Hintergrundinformationen zum Worldbuilding, hat bei mir dazu geführt, dass mein Interesse nicht geweckt werden konnte. Für diesen Reihenauftakt kann ich durchschnittliche drei Sterne vergeben. Da ist leider viel Potenzial einer guten Idee nicht ausgeschöpft worden.
2 Kommentare
(© Netgalley / Klett-Cotta Verlag)

Witchmark - Die Spur der Toten* (The Kingston Cycle #1)
von C.L. Polk

Bewertung: ★★★☆☆

Fantasy, 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. März 2019
Verlag: Klett-Cotta


*Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Miles Singer ist Arzt und er ist auf der Flucht vor seiner Vergangenheit. Eines Tages wird er zu einem Notfall gerufen. Als Miles den Sterbenden untersucht, stellt er mit Erschrecken fest, dass dieser die Aura einer Hexe hat. Aber noch schlimmer, der Vergiftete hat erkannt, dass auch Miles das Hexenmal trägt. Die Geschicke Aelands werden von den adligen Sturmsängern bestimmt. Ihre legitimierte Magie hat dem Land unvorstellbaren Fortschritt gebracht, es aber auch in einen fürchterlichen Krieg gestürzt. Die Soldaten kommen völlig verändert aus dem Krieg zurück. Miles Singer ist Arzt. Um den zurückkehrenden Soldaten zu helfen, kann er seine magischen Fähigkeiten nur heimlich einsetzen. Kämen sie ans Licht, würde er in einem Asylum eingesperrt. Als Miles zu einem Sterbenden gerufen wird, der wohl vergiftet wurde, bleibt ihm keine Wahl: Zusammen mit einem schönen Amaranthine, der zwischen der Welt und dem Totenreich wechseln kann, versucht er den Mordfall aufzuklären. Hinter all dem verbirgt sich aber ein Geheimnis, dessen Abgründigkeit kaum abzusehen ist: Wohin sind die Seelen der Gefallenen verschwunden? (© Netgalley / Klett-Cotta Verlag)

Meine Meinung:

Witchmark ist ein Buch, auf das ich ohne die Netgalley Lesechallenge wohl nicht aufmerksam geworden wäre. Im Fokus des Buches steht einerseits eine Art magische Kriminalgeschichte, bei der der Protagonist Miles Singer - der selbst magische Fähigkeiten besitzt - einen ungewöhnlichen Mordfall aufklären will. Die Art und Weise dieses Mordfalls hat mich sehr an Bücher wie "Die Flüsse von London" oder "Das Labyrinth von London" (resp. die Alex Verus Reihe) erinnert. Beide Bücher konnten mich nicht so richtig vom Hocker hauen und so erging es mir auch bei Witchmark, weshalb ich nun zur Überzeugung gelangt bin, dass magische Kriminalgeschichten wohl einfach nicht meins sind. Für Fans der beiden anderen Reihen - die es ja zum Glück zu genüge gibt! - kann ich aber Witchmark aber wärmstens empfehlen.

Neben dieser Kriminalgeschichte verbirgt sich andererseits noch mehr in Witchmark und zwar ein ziemlich komplexes Fantasy-Worldbuilding, bei dem ich bis zuletzt Mühe hatte, richtig zu verstehen, wie es funktioniert. Man wird von Anfang an mit Begriffen wie "Sekundäre" und "Sturmsänger" oder "Unsichtbare" konfrontiert, ohne so richtig zu wissen, was dahinter steckt. Und obwohl man insbesondere durch die Familienmitglieder von Miles und die Geschichte ihrer übernatürlichen Fähigkeiten nach und nach mehr über die Magie und ihre Hintergründe erfährt, hatte ich bis zum Schluss Mühe, das Gesamtbild zu sehen und alle Stränge zu einem logischen Ganzen zu verbinden. Ich weiss nicht, ob die Welt tatsächlich zu komplex ist oder ob es mir neben der Kriminalgeschichte einfach zu viel war, die ganzen magischen Hintergründe zu verstehen, aber irgendwie stand ich am Ende immer noch vor einer ganzen Reihe Fragezeichen.

Was mich im Buch sehr positiv überrascht hat, ist die (für mich) unerwartete LGBT+ Liebesbeziehung. Ich fand zwar die Entstehung der Beziehung etwas hastig, aber die Umsetzung der Gefühle und der Liebe der beiden gleichgeschlechtlichen Charaktere war äusserst authentisch umgesetzt und hat mich zu einem grossen Fan des Pairings werden lassen. Für diesen Aspekt gibt es von mir einen grossen Pluspunkt für das Buch.

Ansonsten verläuft der Plot eher ruhig und ist dadurch stellenweise etwas langatmig, endet dann aber in einem actiongeladenen Showdown, bei dem der Protagonist Miles eine ganz besondere Rolle übernimmt.

Fazit:

Witchmark ist eine Mischung aus einer magischen Kriminalgeschichte und einer komplexen Fantasywelt, die für mich leider nur schwer verständlich war. Ich bin vermutlich einfach nicht der Typ für diese Art von Büchern, kann es aber Fans von "Die Flüsse von London" oder "Das Labyrinth von London" weiterempfehlen. Das Buch war ganz okay, wird mir aber (bis auf die positiv hervorzuhebende LGBT+ Beziehung) vermutlich nicht so lange in Erinnerung bleiben, deshalb gibt es von mir 3,5 Sterne.
Keine Kommentare

(© Netgalley / Piper Verlag)
Die Krone der Dunkelheit* (Die Krone der Dunkelheit #1)
von Laura Kneidl

Bewertung: ★★★★☆

High Fantasy, 640 Seiten
Erscheinungsdatum: 2. Oktober 2018
Verlag: Piper


*Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Magie ist in Thobria, dem Land der Menschen, verboten – doch Prinzessin Freya wirkt sie trotzdem. Und das nicht ohne Grund. Vor Jahren wurde ihr Zwillingsbruder entführt und seitdem versucht Freya verzweifelt, ihn zu finden. Endlich verrät ihr ein Suchzauber, wo er sich aufhält: in Melidrian, dem sagenumwobenen Nachbarland, das von magischen Wesen und grausamen Kreaturen, den Elva, bewohnt wird. Gemeinsam mit dem unsterblichen Wächter Larkin begibt sich Freya auf den Weg dorthin und muss ungeahnten Gefahren ins Auge blicken.
Zur selben Zeit setzt die rebellische Ceylan alles daran bei den Wächtern aufgenommen zu werden, welche die Grenze zwischen Thobria und Melidrian schützen. Ihr gesamtes Dorf wurde einst von blutrünstigen Elva ausgelöscht, und Ceylan sehnt sich nicht nur nach Rache, sondern möchte auch um jeden Preis verhindern, dass so etwas noch einmal geschieht. Doch ihr Ungehorsam bringt sie bei den Wächtern immer wieder in Schwierigkeiten, bis sie schließlich bestraft wird: Sie soll als Repräsentantin an der Krönung des Fae-Prinzen teilnehmen. Dafür muss sie nach Melidrian reisen, in ein Land, in dem es vor Feinden nur so wimmelt.
Und während sich die beiden Frauen ihrem Schicksal stellen, regt sich eine dunkle Macht in der Anderswelt, welche Thobria und Melidrian gleichermaßen bedrohen wird ... (© Netgalley / Piper Verlag)

Meine Meinung:

Der Hype um "Die Krone der Dunkelheit" im Herbst ist auch mir nicht entgangen und ich bin gerade dadurch auf das neuste Buch von Laura Kneidl aufmerksam geworden. Nicht nur das wunderschöne Cover, sondern auch die packende Inhaltsangabe haben mich neugierig auf das Buch gemacht.

Soweit ich weiss, handelt es sich hierbei um den ersten High Fantasy Roman der Autorin, deshalb war ich sehr gespannt, was für ein Worldbuilding sie sich ausgedacht hat. Das Buch ist am Anfang mit einer Karte ausgestattet, die dem Leser einen Überblick über die Welt geben soll, in der die Geschichte spielt. So etwas finde ich immer sehr hilfreich, wirkt aber bei der Printversion vermutlich viel besser, weil man auch während dem Lesen hin und her blättern kann, um sich zu orientieren, wo sich die einzelnen Charaktere gerade befinden. Bei einem Ebook funktioniert das leider nicht ganz so einfach, deshalb habe ich die Karte nur ein einziges Mal, vor dem Lesen, studiert. Trotzdem eine schöne Idee, bei der ich mir gewünscht hätte, das Buch auch einmal "in Echt" in den Händen zu halten. Ungefähr in der Mitte des Ebooks sind dann noch einmal ein paar Illustrationen enthalten, die zeigen, wie die wichtigsten Charaktere aus der Geschichte aussehen. Das fand ich eine sehr tolle Idee. Ich weiss nicht, ob die Illustrationen in der Printversion farbig sind, aber ich könnte mir vorstellen, dass auch sie im "Original" besser als Schwarz/Weiss auf einem eReader aussehen.

Die Story selbst wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wobei sich die verschiedenen Charaktere zu Beginn noch fast alle an unterschiedlichen Orten befinden. Oftmals habe ich bei häufigen Orts- und Perspektivenwechsel Mühe damit, einen Überblick zu behalten, wer genau wer ist, aber in diesem Buch ist es mir erstaunlich einfach gefallen, in die Welt hineinzutauchen und mich darin mitsamt den verschiedenen Wesen und Protagonisten zurechtzufinden. Hilfreich war dabei vermutlich der Umstand, dass Kneidl ein sehr gemächliches Erzähltempo an den Tag gelegt hat, das es einem vereinfacht, die Charaktere und deren Verbindungen untereinander nach und nach zu erfahren. Gleichzeitig ist das Erzähltempo aber auch etwas, das ich als Kritikpunkt anfügen muss, denn vor allem in der ersten Hälfte des Buches zieht sich die Geschichte stellenweise schon sehr in die Länge und für meinen Geschmack hätten einzelne Erzählstränge etwas kompakter erzählt werden können und das Buch hätte um gut mindestens 100 Seiten gekürzt werden können, ohne das relevante Informationen verlorengegangen wären.

Was die Charaktere angeht, hat die Autorin eine grosse Vielfalt bewiesen. Auf der einen Seite haben wir Prinzessin Freya, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihren verschollenen Bruder Talon ausfindig zu machen. Mit Hilfe von Magie (die in ihrem Land eigentlich strengstens untersagt ist) kann sich den Aufenthaltsort ihres Bruders herausfinden, doch zu ihrem Leidwesen, befindet sich der sich ausgerechnet im Land der Fae, die den Menschen nicht sehr wohlgesinnt sind und wo sich auch andere gefährliche Wesen aufhalten. Sie beschliesst deshalb den Wächter Larkin aus dem Gefängnis zu befreien und mit seiner Hilfe zu ihrem Bruder zu gelangen.
Auf der anderen Seite haben wir Ceylan, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, als erste weibliche Novizin bei den Wächtern aufgenommen zu werden, deren Aufgabe es unter anderem ist, auf einer Mauer die Grenzen zweier Ländern zu schützen. Sie hat es vor allem ihrer Dickköpfigkeit und ihrem leichtsinnigen Mut zu verdanken, dass sie es tatsächlich schafft, ihr Ziel zu erreichen und eine Novizin zu werden. Bei einer Aufnahmezeremonie lernt sie den Fae-Prinzen Kheeran kennen, der kurze Zeit später wieder in sein Königreich zurückkehrt um sich auf die bevorstehende Krönung vorzubereiten. Für diesen Anlass reisen viele Gäste heran, darunter auch ein böswilliger Halbling, der es sich zum Ziel gemacht hat, den Fae-Prinzen noch vor seiner Krönung umzubringen.
Das sind nur einige ausgewählte Charaktere, die man im Laufe der Geschichte kennenlernt, es würde den Rahmen sprengen, auch noch die vielen Nebencharaktere zu erwähnen, die ebenfalls im Buch vorkommen.

Positiv fand ich, dass Laura Kneidl versucht, in ihrem Buch Diversity einzubauen. Ein Thema ist dabei Homosexualität, das in der Welt der Fae sehr offen gelebt wird. Schade fand ich, dass es aber lediglich bei dieser Andeutung blieb, denn an einer Stelle berichtet Prinz Kheeran zwar, dass er schon das Bett mit einer weiblichen und einem männlichen Fae geteilt hat und sehr viele Fae homosexuelle Beziehungen eingehen, aber er selbst gehört - natürlich und leider - nicht dazu. Stattdessen greift Kneidl lieber auf das altbewährte Mittel einer "klassischen" Mann-Frau-Konstellation zurück und deutet eine potentielle Liebesbeziehung zwischen Kheeran und Ceylan an, die vermutlich im weiteren Verlauf noch eine Rolle spielen könnte. Sehr schade, dass die Autorin an  dieser Stelle eine Gelegenheit für Diversity bei einem wichtigen Protagonisten auslässt, für die sie selbst die perfekte Vorlage geliefert hat. Für mich muss Diversity nicht auf Biegen und Brechen in jedes Buch eingebaut werden, aber hier hat es mich nach der Erläuterung der sehr offen gelebten Sexualität der Fae schon fast irritiert, dass Kheeran sich selbst als eindeutig heterosexuell einordnet.

Obwohl das Buch seine Längen aufweist, konnte es mich dennoch durchweg gut unterhalten und es war nie so, dass ich das Gefühl hatte, ich müsste mich zum Weiterlesen zwingen. Trotzdem war ich überrascht, wie wenig man am Ende eigentlich über die Hintergründe des Worldbuildings erfährt, wenn man bedenkt, dass das Buch über 600 Seiten lang ist. Ich hätte mir hier mehr Hintergrundinformationen zu dem bestehenden Konflikt zwischen den Menschen und den Fae gewünscht. Die Fae selbst werden noch einmal zwischen Seelie und Unseelie unterschieden, wobei mir bis zuletzt nicht ganz klar war, was denn den Unterschied überhaupt ausmacht - das wäre für mich als Leserin vor allem deshalb noch wichtig gewesen zu erfahren, weil man dadurch die Beweggründe des Bösewichts hätte verstehen können, der den Mord an Kheeran in Auftrag gegeben hat.
Das Worldbuilding von Kneidl erinnert zudem teilweise an andere High Fantasy Romane, wobei es vermutlich bei der Masse an Büchern auch schwierig ist, das Rad neu zu erfinden. Aber gerade bei der Erwähnung der Mauer, die durch die Wächter beschützt wird, ist mir die Ähnlichkeit zu Game of Thrones schon sehr ins Auge gestochen und auf mich hat die Idee deshalb ein bisschen abgekupfert gewirkt.

Eine weitere Kleinigkeit, die ich schade fand, war die Einführung des Piraten Elroy, der in meinen Augen etwas stiefmütterlich behandelt wurde und dadurch auch widersprüchlich beschrieben wurde. Elroy ist ein Charakter, der sofort mein Interesse wecken konnte und über den ich gerne mehr erfahren hätte. Er ist einer der wenigen, der Freya zu Beginn ihrer Reise - trotz Verkleidung - sofort als Prinzessin erkennt und sie darauf anspricht. Das deutet für mich darauf hin, dass er nicht auf den Kopf gefallen ist. Freya und Larkin gehen mit ihm kurze Zeit später einen Deal ein, damit Elroy sie mit seinem Schiff und seiner Crew ins Land der Fae bringt. Der Deal basiert allerdings auf einer wenig durchdachten und sehr schlechten Lüge von Larkin und Freya, die Elroy aber weder bemerkt, noch irgendwie hinterfragt. Stattdessen geht er den Deal gutgläubig ein, bringt Freya und Larkin problemlos zu ihrem Wunschort und verabschiedet sich dann für den ganzen Rest der Geschichte. Dadurch, dass Elroy zuvor aber als sehr cleverer und gerissener Charakter eingeführt wurde, hat mich diese Leichtgläubigkeit sehr irritiert. Ich nehme an, dass es in den Folgebänden ein Wiedersehen mit ihm geben wird und die Lüge von Larkin noch ein Nachspiel haben wird, aber für mich hat es durch die Art und Weise wie Elroy eingeführt wurde, überhaupt keinen Sinn gemacht. Für mich hat der Ablauf des Deals total konstruiert und unglaubwürdig gewirkt, denn Elroy hat im Gegenzug für seine Hilfe gefordert, dass Larkin das bestgehütete Geheimnis der Wächter preisgibt, wogegen sich Larkin anfangs auch noch lautstark gewehrt hat. Kurze Zeit später hatte er nach einem Gespräch mit Freya dann einen kompletten Sinneswandel und das Geheimnis ohne zu Zögern preiszugeben - das hätte Elroy doch misstrauisch machen müssen. Das hätte man sicher irgendwie besser lösen können. Und trotzdem hoffe ich natürlich sehr, dass wir noch mehr von Elroy sehen werden.

Nachdem man die Gelegenheit hat, alle Charaktere einzeln besser kennenzulernen, gelingt es der Autorin am Ende auf eine sehr geschickte Art und Weise die einzelnen Erzählstränge zu einem Ganzen zusammenzuführen. Auslöser dafür ist vor allem auch ein Plot Twist, den ich nicht habe kommen sehen und der mich deshalb positiv überrascht hat. Am Ende des Buches erwartet den Leser schliesslich ein (vorübergehender) Showdown, der die Handlung ein ganzes Stück voranbringt und mich sehr neugierig auf die Fortsetzung gemacht hat.

Fazit:

Laura Kneidl hat mit "Die Krone der Dunkelheit" einen interessanten Auftakt für eine High Fantasy Trilogie geliefert, in dem sie sich vor allem auf die Einführung der verschiedenen Charaktere und Orte ihres Worldbuilding fokussiert. Das Erzähltempo ist sehr gemächlich und führt dazu, dass das Buch stellenweise seine Längen aufweist, allerdings nie so, dass ich das Interesse an der Story verloren hätte. Dennoch hätte das Buch vermutlich etwas kompakter und temporeicher erzählt werden können. Durch vielschichtige Charaktere und einem spannenden Showdown am Ende des Buches hat mich die Autorin für ihren Fantasyroman begeistern können und ich bin gespannt, wie die Geschichte von Freya, Kheeran und Co. weitergehen wird, nachdem die Grundsteine nun gelegt wurden. Von mir gibt es für das Buch aufgrund einiger Schwächen 4 Sterne.
2 Kommentare
(© Audioteka / Pottermore Publishing)

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind* (Hogwarts Schulbücher #1)
von J.K. Rowling
gelesen von Timmo Nieser

Bewertung: ★★★☆☆

Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 2 Stunden 10 Minuten 
Erscheinungsdatum: 24. März 2017
Verlag: Pottermore Publishing


* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]

Inhaltsangabe:
Seit seiner Veröffentlichung ist Newt Scamanders Meisterwerk Pflichtlektüre an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei und hat Generationen von Zaubererfamilien in seinen Bann gezogen.

"Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" bietet eine unverzichtbare Einführung in die Tierwesen der magischen Welt. Auf der Basis von vielen Reisen und seiner langjährigen Forschung ist ein Werk von unerhörter Wichtigkeit entstanden. Einige der Tierwesen werden Lesern der Harry-Potter-Bücher bekannt sein: der Hippogreif, der Basilisk, der Ungarische Hornschwanz... Andere werden sogar den eifrigsten Amateur-Magizoologen in Erstaunen versetzen.  (© Audioteka / Pottermore Publishing)

Meine Meinung:

Ich glaube, das Lehrbuch "Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" aus dem Harry Potter Universe existiert schon seit fast zwei Jahrzehnten. Bekanntheit hat es aber sicherlich vor allem durch die neue Filmreihe erlangt, das sich den Abenteuern von Newt Scamander, dem Autor des Lehrbuchs widmet. Es existiert meines Wissens inzwischen auch ein gleichnamiges Buch, dass das Drehbuch des Filmes enthält. Bei diesem Buch hier geht es aber nicht um den Film, sondern tatsächlich um das Lehrbuch, auf dem die neue Filmreihe basiert. Als ich gesehen habe, dass das Buch auf Audioteka verfügbar ist und ich parallel dazu dieses Jahr ohnehin die komplette Harry Potter Reihe als Hörbücher "rereade", habe ich dieses knapp 2-stündige Hörerlebnis direkt mal dazwischen geschoben.

Als erstes ist mir sofort positiv aufgefallen, dass das Hörbuch vom Synchronsprecher von Eddie Redmayne gesprochen wird. Das fand ich sehr erfreulich, denn man kann sofort einen Bezug zum Film herstellen und sieht den Charakter vor seinem geistigen Auge. Eine sehr gute Wahl, die hier getroffen wurde - gerade weil das englische Original von Eddie Redmayne selbst gesprochen wird.
Der Einstieg befasst sich mit einer kurzen Beschreibung der historischen Entwicklung von Gesetzen, die mit phantastischen Tierwesen in Zusammenhang stehen. Für mich als Harry Potter Fan waren dabei ein paar sehr interessante, neue Infos dabei. Ich wusste zum Beispiel bis anhin nicht, dass eine gesetzliche Unterscheidung in der Zaubererwelt existiert, die (mehr oder weniger) klar definiert, welche Wesen zu den magischen Tierwesen und welche zu den magischen Zauberwesen gehören.
Nach dieser kurzen Einführung geht es dann los, mit der alphabetischen Aufzählung der Tierwesen, die Newt Scamander (resp. J. K. Rowling) kurz beschreibt. Diese Beschreibungen konnten mich leider nur mässig begeistern und wurden mit der Zeit sehr trocken, da sie nach dem immer selben Schema aufgebaut sind. Lediglich die Wesen, die durch die Filme bereits bekannt waren, wie zum Beispiel die verschiedenen Drachenarten, Werwölfe oder Niffler, konnten mein Interesse wecken, weil ich mir halbwegs vorstellen konnte, um was es sich handelt und wie sie aussehen. Alles andere ist bei mir schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Fazit:

Ein netter Zusatz für eingefleischte Harry Potter Fans, das als Hörbuch aber eher trocken ausfällt, da es sich um eine reine Auflistung einiger ausgewählter magischer Tierwesen handelt, die durch das immer gleiche Schema etwas monoton ausfällt. Positiv ist allerdings die Wahl des Sprechers hervorzuheben und auch der Umstand, dass J. K. Rowling die Erträge vom Verkauf der (Hör-)Bücher für einen guten Zweck spendet. Ich denke, dass die Thematik des Buches viel schöner und spannender als illustrierte Ausgabe zu lesen ist (die meines Wissens nach bereits existiert). Als Hörbuch kann ich ihm aber nur 3,5 Sterne vergeben. Ganz nett, aber das Meiste habe ich bereits wieder vergessen.

Über Audioteka [Werbung]:

Das Hörbuch könnt ihr euch auf audioteka.com/de anhören. Das erste Hörbuch ist gratis.
Keine Kommentare
(© Audioteka / Pottermore Publishing)

Quidditch im Wandel der Zeiten* (Hogwarts Schulbücher #2)
von J.K. Rowling

Bewertung: ★★★☆☆

Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 3 Stunden 47 Minuten
Erscheinungsdatum: 24. Mai 2018
Verlag: Pottermore Publishing 


* Gehört auf Audioteka.com [Werbung]

Inhaltsangabe:
Entdecken Sie, wie Quidditch seit seiner Entstehung in Queerditch Marsh bis heute in seiner hochentwickelten Form Hexen und Zauberer verschiedenster Herkunft vereint, sie gemeinsam Augenblicke voller Begeisterung und Überschwang, doch auch – dies gilt zumindest für die Anhänger der Chudley Cannons – Momente abgrundtiefer Verzweiflung erleben lässt, wie Albus Dumbledore in seinem Vorwort schreibt.

Wissen Sie, warum einst nur die mutigsten Hexen und Zauberer die Rolle des Schiedsrichters für Quidditch-Spiele übernahmen? Oder wie Sie einen Transsilvanischen Trick von einem Woollongong Shimmy unterscheiden? In diesem aufschlussreichen, äußerst beliebten Buch aus der Hogwarts-Schulbibliothek offenbart uns Kennilworthy Whisp die tollkühnen Höhepunkte und gefährlichen Tiefpunkte der glorreichen Geschichte des Quidditch-Spiels. (© Audioteka / Pottermore Publishing)

Meine Meinung:

Bei "Quidditch im Wandel der Zeiten" ist der Name Programm: Es handelt sich um ein fiktives Geschichtsbuch über die Entstehungsgeschichte der beliebten magischen Sportart Quidditch, die auch Harry Potter selbst mit viel Leidenschaft ausgeführt hat. Das Buch enthält dabei einige interessante zusätzliche Informationen über die Anfänge von Qudditch, bis hin zur Vertuschung der auffälligen Sportart vor den Muggeln. Die Infos werden dabei von Rufus Beck überraschend unterhaltsam vorgelesen. Er schafft es, eine eher trockene Materie, in der u.a. auch blosse Aufzählungen von verschiedenen Quidditch-Mannschaften enthalten sind, mit viel Begeisterung und Euphorie zu lesen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Buchversion nur halb so unterhaltsam ist, ohne Rufus Beck als Erzähler.

Das Hörbuch enthält in einem zweiten Teil noch Bonusmaterial über die Quidditchweltmeisterschaft 2004. Die Geschehnisse werden dabei aus der Sicht einer inzwischen erwachsenen Ginny Weasley vorgelesen, die als Sportreporterin aus Patagonien - wo die Weltmeisterschaft stattfindet - mit viel Eifer von den Ereignissen erzählt. Dabei beginnt jedes Kapitel mit demselben Wortlaut und jedes Spiel wird in Kürze zusammengefasst. Die Erzählungen über die Spiele selbst fand ich etwas eintönig. Viel interessanter waren dagegen ein paar kurze Wiedersehensmomente mit alten Bekannten. So besuchen einige Mitglieder von Dumbledores Armee die Spiele und man erfährt wie es mit dem einen oder anderen Charaktere aus der Harry Potter Reihe weitergegangen ist. Das Wiedersehen war zwar ganz nett, aber die Infos kannte ich leider schon fast alle aus dem Theaterstück oder Pottermore.

Fazit:

Ein fiktives Geschichtsbuch über die beliebteste Sportart aus der magischen Welt, die sehr unterhaltsam von Rufus Beck vorgelesen wird. Für eingefleischte Harry Potter Fans ist das Buch sicher ein Muss. Die Informationen über die Entstehung von Quidditch fand ich ganz interessant. Das Bonusmaterial dagegen bietet gerade für Harry Potter Kenner wenig neue Informationen, auch wenn das kurze Wiedersehen mit altbekannten Figuren ein wenig Nostalgiegefühle entstehen liessen. Kann man lesen - tut keinem weh. Aber allzu lange wird mir das Buch sicher nicht in Erinnerung bleiben. 3.5 Sterne gibt es dafür von mir.

Über Audioteka [Werbung]:

Das Hörbuch habe ich auf Audioteka.com bezogen und mit der dazugehörigen, praktischen Audioteka-App gehört. Die App ist einfach verständlich aufgebaut und beinhaltet alle Funktionen, die für das Hören von Hörbüchern relevant ist.
 Wer eine gute Alternative zu anderen Hörbuch-Angeboten sucht, dem kann ich Audioteka nur wärmstens empfehlen. Man kann das Angebot 30 Tage kostenlos austesten.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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