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between the lines.

(© btb)

In die Sonne schauen: Wie man die Angst vor dem Tod überwindet
von Irvin D. Yalom

Bewertung: ★★☆☆☆

Nonfiction, 273 Seiten
Erscheinungsdatum: 11. März 2009
Verlag: btb


Inhaltsangabe:
Die größte Herausforderung für den Menschen ist es, seiner eigenen Sterblichkeit ins Auge zu blicken. Die Angst vor dem Tod unterscheidet den Menschen vom Tier: Jede Religion, jede Kulturleistung ist ein Versuch, sich das Undenkbare begreiflich zu machen. Der amerikanische Psychoanalytiker und Bestsellerautor Irvin D. Yalom nähert sich in diesem Buch einer der größten Fragen der Menschheit sowohl auf der professionellen wie auch auf einer zutiefst persönlichen Ebene. „Auch ich fürchte den Tod wie jeder Mensch“, schreibt Yalom, „er ist unser düsterer Schatten, der sich nicht abschütteln lässt.“ In seiner praktischen Arbeit hat er andererseits erfahren, wie sehr das Wissen um den nahen Tod bei vielen seiner Patienten zu einer vollkommenen Neuorientierung, ja Bereicherung führte. Wie sie auf einmal in der Lage waren, Entscheidungen zu treffen, die ihnen wirklich am Herzen lagen. „In die Sonne schauen“ ist deshalb nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens, sondern auch ein Plädoyer für ein bewusstes Leben.

Meine Meinung:

Yaloms Bücher wurden mir während meiner Psychotherapieausbildung von mehreren Kommiliton:innen empfohlen und endlich habe ich es mal geschafft, eines davon zu lesen. Auslöser dafür war, dass ich vor kurzem ein psychologisches Fachbuch zum Thema Sterben und Tod für meine Arbeit gelesen habe und Yaloms existentieller Ansatz im Buch nicht nur erwähnt, sondern auch als weiterführende Literatur empfohlen wurde.

Von dem Buch habe ich mir vorgängig einerseits hilfreiche (fachliche und praxisrelevante) Inputs für meine Arbeit mit Patient:innen mit terminalen Erkrankungen erhofft, die auf Yaloms Erfahrungen seiner langjährigen psychotherapeutischen Tätigkeit beruhen. Andererseits hatte ich auch erwartet, dass sich das Buch vielleicht als Empfehlung zur Selbsthilfe für meine Patient:innen eignen würde.

Zunächst muss gesagt werden, dass Yalom zweifellos ein sehr kluger Mensch ist, der einen grossen Erfahrungsschatz in der Psychotherapie mitbringt. Sein Wissen reduziert sich aber nicht allein auf die Psychologie, sondern auch auf weltbekannte Literatur und Philosophie. Und diese Themenbereiche verknüpft er auch in seiner Arbeit als Psychotherapeut, was auch sehr stark in dem vorliegenden Buch zum Ausdruck kommt. Yalom präsentiert im Buch einige philosophische Ansätze in Bezug auf das Sterben und den Tod und stellt dadurch alternative, hilfreiche Sichtweisen zur Verfügung, die nicht so angstbesetzt sind, wie die Ungewissheit, die mit diesen Themen einhergeht. Am ansprechendsten fand ich davon die Vorstellung, dass jeder Mensch einen Welleneffekt auf seine Mitmenschen und Generationen nach ihm hinterlässt, die einem vielleicht nicht direkt bewusst sind und sich oftmals auch noch viele Jahre nach dem eigenen Tod zeigen. Diese Perspektive verschafft dem eigenen Dasein eine Bedeutung und wirkt beruhigender, als die angstbesetzte Vorstellung, vergessen zu werden.
Ich kann mir vorstellen, dass das Buch vor allem Leser:innen anspricht, die empfänglich für philosophische Ansätze sind, es aber vermutlich auch Menschen gibt, die mit Yaloms Erklärungsansätzen nichts anfangen können.

Neben diesen positiven Aspekten, die leider nicht eine so grossen Teil des Buches ausmachen, wie es erwartet hätte, gab es aber auch viele Punkte, die mich nicht begeistern konnten. Zum einen fand ich den Erzählstil des Buches etwas unstrukturiert und teilweise auch ohne ersichtlichen roten Faden, selbst wenn der Autor versucht hat, seine Erzählungen in spezifische Kapitel zu gliedern. Yalom mischt oben genannte Erklärungsansätze und Zitate bekannter Schriftsteller:innen mit vielen Erfahrungsberichten von Patient:innen, mit denen er zusammengearbeitet hat, sowie auch seiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Tod. Gerade die Berichte von Patient:innen haben für meinen Geschmack einen etwas zu grossen Teil eingenommen. Es war zwar interessant zu lesen, welche Entwicklungen seine Patienten:innen (in Zusammenhang mit ihren Ängsten vor dem Tod) machen konnten, aber letztendlich konnte ich daraus nur wenig für meine eigene Arbeit mitnehmen. Viele Erfahrungsberichte beruhen auf Träumen, die Yaloms Patient:innen hatten und in der Therapie symbolisch aufgearbeitet wurden. Nur decken sich diese Erfahrungsberichte für mich ehrlich gesagt wenig mit meinem Arbeitsalltag, in denen es bisher kein einziges Mal vorgekommen ist, dass praktischerweise ein Traum vorgekommen wäre, den ich dazu nutzen konnte den Patient:innen zu helfen, ihre Todesängste zu überwinden. Ich befürchte, dass sich das Buch deshalb auch nicht unbedingt als Literaturempfehlung für meine Patient:innen eignen würde, da ich nicht den Eindruck hatte, dass sie sich darin wiedererkennen würden.
Und das führt mich zum nächsten Kritikpunkt: Yalom möchte mit seinem Buch bewusst ein breites Publikum ansprechen. Es soll für Fachpersonen, sowie auch für Betroffene oder einfach interessierte Leser:innen eignen. Das hört sich in der Theorie schön und gut an, hat aber beim Lesen zu Verwirrung geführt, da nicht jedes Kapitel jede Zielgruppe anspricht, sodass das Buch für mich letztendlich nichts Halbes und nichts Ganzes war. Egal ob das Buch für Fachpersonen oder Betroffene geschrieben worden wäre, ich hatte den Eindruck, dass es für beide zu wenig Fleisch am Knochen hatte. Yaloms Gedankengänge sind zwar interessant zu lesen, aber wirklich konkret mitnehmen konnte ich weder für mich, noch für meine Patient:innen etwas Handfestes. Selbst am Ende des Buches, als Yalom verspricht, dass nun einige hilfreiche Inputs zur Arbeit als Psychotherapeut folgen würden, folgte wieder nur eine eher allgemeine Feststellung, wie wichtig die Therapiebeziehung für den Therapieprozess ist - etwas, das die Wissenschaft unlängst in zahlreichen Studien nachweisen konnte und somit nicht neu sein sollte, wenn man Psychologie studiert hat.

Alles in allem muss ich abschliessend sagen, dass meine oben erwähnten vorgängigen Erwartungen leider nicht annähernd erfüllt werden konnten. Für mich hält das Buch leider nicht das, was es im Untertitel verspricht, denn Strategien, wie man die Angst vor dem Tod überwindet, findet man hier definitiv zu wenig. Und deshalb hat mich das Buch letztendlich enttäuscht zurückgelassen.

Fazit:

Yalom ist zweifellos ein kluger und erfahrener Psychotherapeut, der sein Wissen und seine Erfahrungen aus langjähriger Arbeitstätigkeit im vorliegenden Buch zum Ausdruck bringt. Leider bleibt es vor allem bei Erfahrungsberichten seiner eigenen Patient:innen und man erhält nicht - wie im Untertitel des Buches versprochen - praxisrelevante oder umsetzbare Strategien, die einem helfen, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Einige Denkansätze sind zwar hilfreich als Diskussionsgrundlage mit Patienten über den Tod, aber insgesamt war mir das Buch dann doch zu unstrukturiert und letztendlich auch zu nichtssagend. Wer sich gerne mit philosophischen Denkansätzen auseinandersetzt, ist hier richtig. Für Fachpersonen oder Betroffene, die hilfreiche Inputs für den Umgang mit Todesangst erwarten, ist es eher nicht zu empfehlen.
4 Kommentare
(© cbj audio)

Sophies Welt*
von Jostein Gaarder
Gelesen von Katharina Thalbach

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Fiction, Audiobook 
Spieldauer:  9 Stunden 18 Minuten
Erscheinungsdatum: 28. September 2010

Verlag: cbj audio

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Zwei anonyme Briefe findet die 14-Jährige Sofie in ihrem Briefkasten. In beiden steht nur ein Satz: "Wer bist du?" und "Woher kommt die Welt?" So beginnt Sofies abenteuerliche Zeitreise durch die Jahrtausende der Philosophie. Doch: Wer gibt ihr eigentlich diesen Fernkurs in Philosophie und bringt damit ihren Alltag durcheinander? Und wer ist dieser UN-Major, der seiner Tochter Hilde Geburtstagskarten an Sofies Adresse schreibt? Können Sokrates und Platon dies erklären ...? Sofie entdeckt staunend Galileis Gesetz der Schwerkraft und versucht, mit Hilfe des Computerprogramms Laila den UN-Major ausfindig zu machen, der immer dreister in Sofies Wirklichkeit eingreift. Wer ist Hilde, wer ist sie selbst? Ist Sofie Hilde? - Kurz vor ihrem und Hildes Geburtstag spitzen sich die Ereignisse zu. Zwischen Kant, Hegel und Marx sinnt Sofie darüber nach, wie sie den Major austricksen kann. Da kommt Hilde zu Hilfe ...

Meine Meinung:

Ich wusste bereits von vornherein, dass dieses Buch keine leichte Kost wird und mich eine Einführung in die Geschichte der Philosophie erwarten würde, weil ich von dem Buch zum ersten Mal im Philosophie-Grundkurs während meiner Schulzeit gehört habe. Nun stand es auf meinem "Scratch Off" Buchposter mit 100 Büchern, die ich lesen soll, um das entsprechende Feld frei zu rubbeln und  dadurch musste mich wohl oder über diesem Philosophie-Wälzer stellen. Ich habe mich ganz bewusst für die gekürzte Hörbuchversion entschieden, da die bereits lang genug war.

Ich hatte die offizielle Inhaltsangabe vor Beginn des Hörbuchs nicht gelesen, muss nun aber sagen, dass ich sie etwas irreführend finde. Sie macht den Eindruck, als würde der Fokus des Buches auf einer fiktiven Geschichte rund um die 14-jährige Protagonistin Sofie liegen, die ihr Philosophie-Wissen nutzt, um ein Rätsel zu lösen. In Wahrheit liest sich das Buch aber ganz anders, denn Sofie und die ominösen Briefe sind eher eine Randgeschichte, die dem Plot ein wenig Struktur geben, der Fokus liegt aber vielmehr auf einer sachlichen Aneinanderreihung über das Leben oder die Taten berühmter Philosophen - und im späteren Verlauf auch über geschichtsträchtiger Persönlichkeiten anderer Berufsfelder. Und dieses Wissen wird über die Briefe vermittelt, die Sofie jeweils erhält.

Da man über jeden dieser berühmten Philosophen allein vermutlich bereits problemlos ein einzelnes Buch füllen könnte, muss sich der Autor in seinem Buch natürlich auf die wichtigsten Eckpunkte beschränken. Doch gerade das führt dazu, dass man vor allem Dinge erfährt, die mir bereits bekannt waren, da vieles davon zum Allgemeinwissen gehört (zum Beispiel Sokrates Vorliebe, seine Mitmenschen auf dem Marktplatz mit gezielten Fragen zum Nachdenken anzuregen oder sein Tod durch den Schierlingsbecher - um mit einem Philosophen exemplarisch aufzuzeigen, was ich meine). Für Kinder und Jugendliche könnte das Buch noch die einen oder anderen interessanten Fakten bereithalten, die man vielleicht mal für ein Quiz oder ein Kreuzworträtsel nutzen kann, aber für mich als Erwachsene war leider wenig Neues dabei. Hinzu kommt, dass so viele unterschiedliche Philosophen, Wissenschaftler und andere berühmte Persönlichkeiten vorgestellt werden, dass ich mich durch dieses Runterratern von Fakten erschlagen gefühlt habe und ich stark anzweifle, dass letztendlich viel Wissen hängenbleibt (abgesehen natürlich von den Dingen, die man eh schon wusste.)

Insgesamt muss ich sagen, dass das Buch nicht gut gealtert ist und es spätestens durch das Internet und der ständige Zugang zu Online-Lexika wie Wikipedia, überflüssig geworden ist. Es mag Anfang der 1990er Jahre interessant gewesen sein, eine Übersicht über die wichtigsten Philosophen aus der Geschichte zu erhalten, nur funktioniert das Buch für mich als fiktionale Geschichte nicht, aber ein Nachschlagewerk ist es wiederum auch nicht. Es ist dadurch nichts Halbes und nichts Ganzes.

Irgendwann habe ich gedanklich während dem Zuhören abgehängt und nur noch mit halbem Ohr zugehört, denn so viele Infos auf einmal konnte ich nicht aufnehmen. Ich habe das Buch deshalb auch immer häppchenweise zum Einschlafen gehört. Richtig fesseln konnte mich Sofies Handlungsstrang um ihren Vater nicht, und je länger die Geschichte gedauert hat, desto grösser ist mein Desinteresse geworden. Zumal ich einige "Fakten" auch überholt gefunden habe und ich zum Beispiel die Darstellung von Sigmund Freud selbst zum Zeitpunkt der 90er Jahre überhaupt nicht mehr adäquat oder zeitgemäss finde, um das Feld der Psychologie vorzustellen. Da gab es einige andere Psychologen, wie zum Beispiel B.F. Skinner, der weitaus wissenschaftlicher vorgegangen ist und dessen Befunde selbst heute noch Bestand haben. 

Wer mehr über Philosophen aus der Antike erfahren will, dem empfehle ich sich einfach Wikipedia-Artikel durchzulesen. Das kostet weitaus weniger Zeit, man kann gezielt nach den Informationen und Personen suchen, die einen interessieren und man kann die Menge an Wissen selbst dosieren. ;)

Fazit:

Das Buch ist weniger Fiktion, als vielmehr eine trockene Aneinanderreihung einiger ausgewählter, bekannter Menschen aus der Geschichte der Philosophie, die einem "Crash-Kurs für Philosophie-Einsteiger:innen" gleichkommt. Das mag Anfang der 1990er interessant gewesen sein (als das Buch ursprünglich erschienen ist), aber zu Zeiten des Internets (und Wikipedia) ist das (Hör-)Buch obsolet geworden. Die Randgeschichte rund um Sofie geht leider durch die Masse an Wissensvermittlung unter, sodass ich weder vom Wissensteil, noch von der fiktionalen Erzählung abgeholt werden konnte.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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