[Rezension] Therapie-Tools: Schlafstörungen

by - September 12, 2021

(© Beltz)

Therapie-Tools: Schlafstörungen*
von Ralf Binder, Florian Schöller & Hans-Günter Weeß

Bewertung: ★★★★★

Nonfiction, Psychology, 292 Seiten
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2020
Verlag: Beltz


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Beltz Verlag.

Inhaltsangabe:
Schlafstörungen sind dramatisch weit verbreitet: 4,8 Millionen Deutsche leiden an chronischen Schlafstörungen. Ein Drittel der Arbeitnehmer fühlt sich regelmäßig erschöpft und klagt über verringertes Leistungsvermögen. Doch finden die Betroffenen den Weg in eine Psychotherapie, können schon einfache Maßnahmen die Schlafqualität deutlich bessern. Das Tools-Buch stellt Therapeut_innen Arbeitsmaterial für eine umfangreiche Diagnostik zur Verfügung. Wichtige Bausteine der Therapie sind die Psychoedukation der Betroffenen, klassische verhaltenstherapeutische und kognitive Verfahren. Erweitert wird das Konzept um emotionsbasierte Ansätze und Entspannungsverfahren. Auch der Medikation ist ein Kapitel gewidmet – sowie der Frage, was nicht hilft.

Meine Meinung:

Die Therapie-Tools Reihe ist eine Sammlung an Fachbüchern zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten, die jeweils themenspezifisch Arbeits- und Infoblätter zur (psychotherapeutischen) Behandlung enthalten und somit ein kleiner Rettungsanker für mich darstellen.

Schlafstörungen können einerseits eigenständige Störungsbilder darstellen, aber auch oft als Begleiterscheinung von anderen psychischen Erkrankungen auftreten, sodass jede:r Psychotherapeut:in früher oder später in ihrem Arbeitsalltag mit dem potenziellen Problembereich Schlaf konfrontiert werden kann und man deshalb entsprechende Interventionsmöglichkeiten zur Hand haben sollte. Und genau dafür sorgt dieses Buch.

Der Inhalt des Buches folgt einer logischen Reihenfolge, sodass wir zunächst etwas über die verschiedenen Störungsbilder und die Diagnostik im Bereich der Schlafstörungen erhalten. Anschliessend folgen zwei grössere Kapitel, die sich mit der Psychoedukation befassen. In diesen Kapiteln erfährt man nicht nur auf sehr verständliche Weise, was es alles Wissenswertes über (gesunden) Schlaf zu erfahren gibt, sondern auch wie Schlafstörungen entstehen und welche - meist konditionierten (also erlernten) - Prozesse dabei im Vordergrund stehen.
Und eben diese Prozesse werden in einem weiteren Kapitel anhand von Erklärungsmodellen vertieft, die nicht nur hilfreich für ein Hintergrundwissen für den:die behandelnde:n Psychotherapeut:in sind, sondern auch für die Patienten selbst. Zu verstehen, welche auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren Einfluss auf die Schlafproblematik hat, stellt damit der erste, grosse und meiner Meinung nach wichtigste Behandlungsschritt dar. Um den Patient:innen ihre Schlafproblematik auf nachvollziehbare Weise näherzubringen, liefern die Autoren in diesem Buch ein breites Repertoire an hilfreichen Info- und Arbeitsblättern, die zur Unterstützung herbeigezogen werden können. Ich konnte einige der psychoedukativen Infoblätter bereits selbst in der Praxis austesten und bin ein grosser Fan der Vermittlung des Wachsystems, das anhand von einer anschaulichen evolutionsbiologischen Bärenmetapher erläutert werden kann, bei dem aufgezeigt wird, wieso Angst und Schlaf sich gegenseitig ausschliessen.

Nach dem sehr ausführlichen Wissensteil, folgen natürlich auch konkrete, praxisnahe Interventionen zur Behandlung von Schlafstörungen, die sich besonders auf die Methoden der Stimuluskontrolle und der Bettzeitrestriktion fokussiert. Ergänzt werden diese beide wissenschaftlich nachweislich wirksamen Methoden durch kognitive und emotionsfokussierte Interventionen, die ebenfalls wichtige Behandlungsbausteine bei Schlafstörungen darstellen. Zuletzt folgt schliesslich noch eine umfassende Sammlung an Entspannungsübungen und Übungen aus dem autogenen Training, die ebenfalls wichtige Tools zu den o.g. Interventionen darstellen.

Fazit:

Alles in allem haben die Autoren hier wirklich ein sehr umfangreiches, breit gefächertes und vor allem praxisnahes Buch geschaffen, das nicht nur jede Menge Wissenswertes zum Thema Schlaf(-störungen) beinhaltet, sondern tatsächlich auch umsetzbare psychotherapeutische Interventionen an die Hand gibt, die sich direkt in der Arbeit als Psychotherapeut:in umsetzen lassen. Das Buch enthält damit die perfekte Mischung an Theorie (die Voraussetzung für die Vermittlung der psychotherapeutischen Interventionen sind), sowie praxisrelevanten Übungen und Arbeitsblättern. Für mich enthält dieses Buch damit alles, was wichtig zur Behandlung von Schlafstörungen ist, sodass die Anschaffung weiterer Fachliteratur zum Thema in meinen Augen absolut unnötig geworden ist - und damit haben die Autoren alles richtig gemacht! Das Buch ist eines der besten Bücher, das ich bisher aus der Therapie-Tool-Reihe gelesen habe und ich kann es absolut weiterempfehlen!

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1 Kommentare

  1. Hallo liebe Mel,
    oh, das hört sich sehr gut an. Bei mir ist es phasenabhängig. Ich kenne diese Zeiten, in denen ich kaum oder gar keinen Schlaf finde nur zu gut. Aber wie du schon schreibst: Ich glaube einem Großteil der Menschen geht es so. Dieses Buch interessiert mich daher gerade sehr.

    Ich frage mich allerdings, ob es auch für Laien verständlich ist und eine gute Hilfe darstellen kann?

    Ganz liebe Grüße
    Tanja

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