[Rezension] Dry

by - Mai 26, 2019

(© Netgalley / S. Fischer Verlage)

Dry*
von Neal & Jarrod Shusterman

Bewertung: ★★★★☆

YA Post-apocalyptic, 336 Seiten
Erscheinungsdatum: 22. Mai 2019
Verlag: FISCHER Kinder- und Jugendbuch E-Books


*Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Kein Wasser. Nicht heute. Nicht morgen. Vielleicht nie mehr. Niemand glaubte, dass es so weit kommen würde. Doch als Alyssa an einem heißen Junitag den Wasserhahn aufdreht, passiert nichts. Es kommt nicht ein Tropfen. Auch nicht bei den Nachbarn. In den Nachrichten heißt es nur, die Bewohner Kaliforniens sollen sich gedulden. Aber als das Problem nicht nur mehrere Stunden, sondern Tage bestehen bleibt, geduldet sich niemand mehr. Die Supermärkte und Tankstellen sind auf der Jagd nach Wasser längst leer gekauft, selbst die letzten Eisvorräte sind aufgebraucht. Jetzt geht es ums Überleben. Neal und Jarrod Shusterman zeigen auf beängstigende Weise, wie schnell jegliche Form von Zivilisation auf der Strecke bleibt, wenn Menschen wie du und ich von heute auf morgen gezwungen werden, um den nächsten Schluck Wasser zu kämpfen. (© Netgalley / S. Fischer Verlage)

Meine Meinung:

Es ist kein Geheimnis mehr, dass sich Neal Shusterman nach seiner Vollendet-Reihe zu einem meiner Lieblingsautoren gemausert hat. Nachdem mich auch seine Scythe Reihe überzeugen konnte, war ich sehr gespannt auf seine neue Dystopie, die er gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat.
Und was soll ich sagen? Wieder einmal hat Shusterman es geschafft ein beängstigendes und dennoch realistisches dystopisches Setting zu schaffen, das mir schon nach den ersten Kapiteln ein beklemmendes Gefühl ausgelöst hat: Der Erde geht das Wasser aus - was nun? Die Autoren verlieren keine Zeit und werfen den*die Leser*in mitten ins Geschehen. Die Story beginnt ab dem Zeitpunkt, nachdem die Wasserknappheit bereits eingetreten ist und die Menschheit kein fliessendes Wasser mehr zur Verfügung hat, sondern mit seinen eigenen Vorräten zurechtkommen muss.
Als Erzählstil verwenden die Shustermans die abwechselnd die Ich-Perspektive aus der Sicht von verschiedenen Charakteren, deren Handlungsstränge durch die Wasserknappheit verknüpft werden. Erzählt werden die Ereignisse unter anderem durch die beiden jugendlichen Geschwister Alyssa und Garrett, ihren Nachbarn und Sohn reicher Eltern Kelton, die Einzelgängerin Jacqui und dem gerissenen Betrüger Henry. Der Perspektivenwechsel ist den Autoren äusserst gut gelungen und es wurde viel Wert darauf gelegt, den Eigenheiten der Charaktere Rechnung zu tragen. Die Handlungen der verschiedenen Charaktere werden im Laufe der Geschichte durch ganz unterschiedliche Motive geleitet, was sich auch in ihren Verhaltensweisen äussert. Ich bin überzeugt davon, dass man auch ohne Namen hätte herausfinden können, um wen es gerade geht und das spricht für eine gelungene Charakterisierung der einzelnen Protagonisten.

Das Thema mit der Wasserknappheit fand ich auf eine bizarre Weise faszinierend, denn anders als das dystopische Setting aus der Vollendet-Reihe, ist hier noch einmal eine Spur mehr Realismus enthalten. Der Gedanke, dass irgendwann überlebensnotwendige Ressourcen, wie in diesem Fall das Wasser, ausgehen, ist nicht nur denkbar, sondern vermutlich irgendwann sogar unausweichlich. Umso beklemmender war für mich die Auseinandersetzung mit diesem Thema, das zurecht eine Massenpanik bei den Menschen im Buch ausgelöst hat. Was mir besonders gut gefallen hat, ist der Umstand, dass am Anfang vor allem ganz alltägliche Situationen herausgepickt werden, die durch die Wasserknappheit nicht mehr möglich sind. Alyssa fällt es zum Beispiel zu spät ein, dass sie ja nicht wie üblich die Dusche betätigen kann, um sich ihre Haare zu waschen. Das zeigt wiederum auf sehr realitätsnahe Weise auf, wie selbstverständlich wir die Verfügbarkeit von Wasser in unserem Alltag nehmen und wir uns dessen erst so richtig bewusst werden, wenn es eben gerade nicht mehr auf selbstverständliche Weise zugänglich ist.

Über den Story Verlauf möchte ich an dieser Stelle nicht zu viel verraten, denn der Plot konnte bei mir weniger durch reisserische Ereignisse aufgrund von Massenpanik punkten, sondern vor allem durch die Situationen, in denen die Charaktere schwierige moralische Entscheidungen treffen mussten, die durch ihren jeweiligen Überlebensdrang beeinflusst wurden. Immer wieder werden die fünf Protagonisten durch ihren Überlebenskampf auf die Probe gestellt und die Grenzen zwischen Richtig oder Falsch beginnen mit zunehmendem Durst zu schwinden. Und genau in solchen Situationen werden die individuellen Schwächen der einzelnen Protagonisten in den Fokus gerückt, der mir den einen oder anderen Charakter auch unsympathisch gemacht haben - denn: Nicht jeder von ihnen ist ein Teamplayer und es gibt Menschen, die in der Not ihren Nutzen ziehen. Aber genau das war es auch, was das Buch so spannend gemacht hat und vermutlich auch der Realität entspricht.

Trotz all des Lobes musste ich dennoch einen Stern abziehen und der Grund dafür liegt vor allem am Schluss. Während ich bisher vor allem den realistischen Bezug der Handlung positiv hervorgehoben habe, driftet das Ende ein bisschen in einen dramatischen, actiongeladenen Höhepunkt ab, der dann durch eine in meinen Augen eher konstruierte Wendung in einem kitschigen Happy End endet, das ist so ehrlich gesagt niemals erwartet hätte. Mir gingen die Entwicklungen am Ende irgendwie zu schnell und die Probleme, die sich allmählich aufgestaut haben, wurden für meinen Geschmack zu einfach und zu schnell aufgelöst. Mit einem düsteren, dafür aber wahrscheinlich viel realistischerem Ende, hätte das Buch von mir vermutlich die volle Punktzahl bekommen. So wie es aber hier gelöst wurde, hat es für mich nicht so ganz zum Rest der Geschichte gepasst, deshalb fand ich den Schluss etwas unbefriedigend.

Zum Schreibstil kann ich abschliessend nur Positives anmerken: Er war wie gewohnt packend und flüssig. Ich vermute, dass die Shustermans hier sehr eng zusammengearbeitet haben und obwohl das Buch eine Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn war, war Neals Schreibstil unverkennbar herauszulesen.

Fazit:

Ein weiterer beklemmender, sehr realistischer dystopischer Roman, den Neal Shusterman hier gemeinsam mit seinem Sohn Jarrod geschrieben hat. Das Buch befasst sich mit den Folgen einer weltweiten Wasserknappheit, die einerseits zu Angst und Panik und andererseits auch zu einem Überlebenskampf führt, der einige Menschen über Leichen gehen lässt. Die Shustermans haben hier auf packende Weise ein beängstigendes Setting geschildert, das aus der Sicht von fünf unterschiedlichen Charakteren erlebt wird. Nur für das eher kitschige und schnell abgehandelte Ende musste ich letztendlich einen Stern abziehen. Ansonsten kann ich das Buch wärmstens weiterempfehlen!

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9 Kommentare

  1. Grüße :D,

    irgendwie kommt mir dieses Buch gerade gefühlt überall unter XD Das muss ein Zeichen sein :D Bei deiner Begeisterung wandert es mal auf die WuLi ^^

    Tintengrüße von der Ruby

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    1. Hallo Ruby :)

      Ich glaube, das liegt auch daran, dass das Buch für alle auf Netgally automatisch zugänglich war, die an der Lesechallenge teilgenommen haben :D Aber das Buch kann ich trotzdem wärmstens weiterempfehlen :D

      LG

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  2. Huhu =)
    Schöne Rezension, ich kann dir in praktisch allen Punkten zustimmen, gerade auch beim Ende.

    Dry war ja nun mein erster Shusterman (Scythe subbt noch) und es hat mir ebenfalls sehr gut gefallen, wenngleich ich auch zwei kleinere Kritikpunkte hatte, aber insgesamt ist es einfach fesselnd und regt auch zum nachdenken an. Ich habe mich daraufhin näher mit dem Dürreproblem in Kalifornien beschäftigt. Die USA mag weit weg sein, Dürreperioden werden aber mit fortschreitendem Klimawandel auch andere Länder treffen (der letzte Sommer ist ja das beste Beispiel) Daher finde ich es gut, dass diese Thematik in einem Buch aufgegriffen wird.

    Eine kleine Anmerkung hätte ich aber noch: Das Buch ist keine Dystopie. Überhaupt wird dieser Begriff (auch von den Verlagen) viel zu inflationär benutzt. Dry ist ein Endzeit oder Katastrophenroman.
    (Das soll keine Schleichwerbung, sein, aber Hier habe ich mal zusammen getragen,was wirklich eine Dystopie ist und was nicht)

    Liebe Grüße
    Sandra

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    1. Hallo Sandra :)

      Wenn dir Dry gefallen hat, dann könnte dir die Vollendet-Reihe von Shusterman auch gefallen, weil ich sie von der Art her sehr ähnlich finde. Ich finde es aber auch gut, dass ein sehr aktuelles Thema aufgegriffen wird, denn ganz abwegig ist der Gedanke ja leider überhaupt nicht, dass uns eine Wasserknappheit nicht irgendwann in der Realität drohen wird, wenn wir nicht besser für unsere Planeten sorgen :/

      Und danke für die Anmerkung. Ich habe die Genreeinteilung von Goodreads übernommen, war mir aber ehrlich gesagt auch etwas unsicher, ob Dystopie hier passt. Ich werds bei Gelegenheit noch anpassen :) Und danke auch für den Link, deine Erläuterungen fand ich sehr hilfreich :)

      LG

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  3. Huhu,
    ich möchte das Buch auch noch unbedingt lesen und du hast meine Meinung mit deiner tollen Rezension nochmal bestärkt! Jetzt möchte ich es am liebsten gleich in den Händen halten :)


    Alles Liebe, Aurelia von Buchexplosion (https://buchexplosion.blogspot.com/)

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    1. Liebe Aurelia

      Schön, dass dich meine Rezension noch einmal darin bestärkt hat, das Buch zu lesen. Neal Shusterman kann ich immer empfehlen ♥

      Liebe Grüsse

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  4. Hallo liebe Mel,
    ich habe dieses Buch auch erst vor Kurzem gelesen und ich fand es richtigrichtig gut. Deine Worte, was die Charakterisierung angeht, kann ich so nur unterschreiben. Kelton hat mir am besten gefallen. Ich mochte seine nerdig-spleenige Art. Hattest du auch einen Favoriten unter den Charakteren?

    Auch die Thematik fand ich perfekt umgesetzt. Ich empfand es als realistisch und auch sehr erschreckend, wie Menschen in Notsituationen reagieren können.

    Die Vollendet-Reihe habe ich tatsächlich noch nicht gelesen. Ich kenne bislang nur den ersten Teil von Scythe. Ich glaube das muss ich unbedingt mal nachholen!

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Liebe Tanja

      Deine Rezension zum Buch habe ich sogar gelesen, ich bin nur (noch) nicht dazu gekommen, einen Kommentar zu verfassen. :) Ich fand Alyssa sehr sympathisch. Und Henry hätte ich den Hals umdrehen können :D Aber immerhin ist selbst er sich bis zum Schluss treu geblieben.

      Oh ja, dann kann ich dir "Vollendet" wirklich nur sehr ans Herz legen. Ich finde es von der Art und der Thematik her sehr ähnlich, nur ist Dry durch die Thematik noch einen Tick realistischer. Wobei es in Vollendet um Organhandel geht und die Vorstellung die er da schildert, ist jetz auch nicht so abwegig :D

      Liebe Grüsse

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    2. Hallo liebe Mel,
      das hast du aber schön gesagt :o)))) Ja, Henry ist sich am Schluss selbst treu geblieben. Ich habe ihn auch oftmals verflucht. Aber irgendwie war sein Charakter auch sehr gut gemacht. Er hat für einige überraschende Wendungen und viel Spannung gesorgt. :o) Ich finde, dass eigentlich alle Charaktere so ein gewisses Etwas hatten. Alyssa war auch eine tolle Figur. ♥

      Oha, Organhandel ist aber auch ein ziemlich heftiges Thema. Ich kann mir vorstellen, dass N. Shusterman da einiges rausgeholt hat. Das Buch kommt jetzt auf die Wunschliste!

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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