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between the lines.

(© Piper)

Crush the King* (Die Splitterkrone #3)
von Jennifer Estep

Bewertung: ★★☆☆☆

Fantasy, 496 Seiten
Erscheinungsdatum: 06. April 2021
Verlag: Piper


*Digitales Rezensionsexemplar von Negalley. Danke an den Piper Verlag.

Inhaltsangabe:
Everleigh Blair, die Königin Bellonas, hat einen Mordanschlag auf ihre königliche Familie überlebt, ist einer elitären Gladiatorentruppe beigetreten und hat gelernt, ihre magischen Kräfte zu entfesseln. Als der feindlich gesinnte König von Morta Evie erneut angreift, beschließt sie, dass es an der Zeit ist, ihre Feinde endgültig zu besiegen. Und dafür gibt es keine bessere Gelegenheit als die Regaliaspiele, bei denen Krieger, Adelige und Königshäuser aller Länder zusammenkommen, um ihre Kräfte zu messen ...

Meine Meinung:

Wie bereits beim vorgängigen Band angekündigt, den ich vor etwas mehr als einer Woche rezensiert hatte, habe ich den dritten und finalen Band der Splitterkrone-Reihe nahtlos nach dem zweiten Band gelesen - etwas, das mir nur sehr selten gelingt. Der Vorteil davon war, dass mein Erinnerungsvermögen natürlich sehr frisch war, der Nachteil war aber leider, dass irgendwie die Luft raus war und mich dieser dritte Band nicht mehr richtig fesseln konnte.

Bevor ich aber auf die genauen Gründe dafür eingehe, komme ich kurz zur Handlung des dritten Bandes zu sprechen. Nachdem es im Vorgänger ein in sich abgeschlossenes "Happy End" für Evie (und Sullivan) gegeben hatte, steht im dritten Band ein ganz anderes Ereignis im Vordergrund: Die Regaliaspiele. Warum sich die Autorin diese Spiele ausgedacht hat, liegt auf der Hand, denn dadurch hat sie einen Anlass gefunden, wie sie alle wichtigen Vertreter der Nachbarländer von Bellona an einem Ort versammeln kann - allen voran der neue "Big Boss" Bösewicht Maximus, dem König von Morta. Wie sich nämlich herausstellt, ist gar nicht Maeven die eigentliche Antagonistin, wie es uns Estep in den beiden vorherigen Bänden weiss machen wollte, nein, scheinbar steckt hinter all den bösen Taten kein geringerer als der König von Morta. Damit sind die Regaliaspiele also eine gute Gelegenheit für Evie einen Racheplan gegen ihren Feind zu schmieden, um ihm ein für alle Mal den Garaus zu machen...

Soweit so gut. Nun möchte ich aber natürlich auf die Gründe eingehen, weshalb dieser letzte Band bei mir irgendwie nicht mehr zünden konnte. Ich hatte ja bereits im zweiten Band erwähnt, dass die Story eine ganz andere Richtung eingeschlagen hatte, als im Reihenauftakt. Und genau das war auch wieder bei diesem dritten und letzten Band der Fall. Das mag auf der einen Seite Abwechslung reinbringen und sorgt dafür, dass die Story nicht zu monoton wird, aber auf der anderen Seite musste ich feststellen, dass mir dadurch zu sehr die Verbindung zwischen den einzelnen Bänden gefehlt hat. Rückblickend lässt sich sagen, dass sich die drei Bücher nicht wie zusammenhängende Teile einer Reihe lesen, sondern eher wie drei in sich abgeschlossene Einzelbände, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass die Protagonistin immer die gleiche Person ist (die sich aber für mich nicht dieselbe Person angefühlt hat). Dieser Umstand muss an und für sich nichts Schlechtes bedeuten, hat aber bei mir leider zu einem zunehmenden Desinteresse geführt, denn im Nachhinein habe ich nicht das Gefühl, dass ich alle drei Bände hätte lesen müssen, sondern genauso gut nach dem ersten Band hätte aufhören können, ohne, dass ich etwas Wesentliches verpasst hätte. Und vermutlich war das auch der Hauptgrund, warum bei mir bei diesem dritten Band keine Spannung mehr aufkommen wollte, denn irgendwie war mir die Lust vergangen, dass die Ereignisse aus den beiden Vorgängern ad acta gelegt wurden und ich mich schon wieder auf eine komplett neue Geschichte einlassen musste.

Davon abgesehen, konnte mich auch der Inhalt des finalen Bandes nicht ganz überzeugen. Zum einen fand ich die Regaliaspiele ziemlich konstruiert, gerade weil sie in erster Linie nur dazu dienen, Evie und ihren Erzfeind an denselben Ort zu bringen. Das fand ich ziemlich langweilig gelöst. Ausserdem fand ich es irritierend, dass wir in diesem letzten Band nun plötzlich einen ganz anderen Antagonisten präsentiert bekommen, als in den Vorgängern. Ich fand es zwar schön, dass Maeven in diesem Buch vielschichtiger ausgearbeitet wurde, indem man andere Seiten von ihr kennengelernt hat und ihre scheinbar bösen Handlungen aus dem Vorgänger nachvollziehbarer wurden, aber trotzdem stellte sich bei mir die Frage: Woher zum Teufel kam plötzlich dieser Maximus her?! Ich weiss nicht, ob ich es einfach überlesen hatte, aber es schien mir so, als würde er in diesem Band aus dem Nichts auftauchen, obwohl er scheinbar eine so grosse Rolle in den ganzen vorherigen Geschehnissen einnimmt? Ausserdem hat er fast schon wie eine Karikatur gewirkt, denn seine Motive waren für mich schwer nachvollziehbar. Und statt ihm eine einleuchtende Hintergrundgeschichte zu geben, versucht  Estep ihn einfach mit bösartigen Taten als den klischeehaften Bösewicht darzustellen. Ich konnte Maximus deshalb nicht wirklich als neuen Antagonisten ernst nehmen und ich habe an keiner Stelle wirklich mitgefiebert, ob es Evie gelingen wird, ihn zu besiegen.
(Ausserdem eine Notiz am Rande: Ich bin mir nicht sicher, ob dem Lektorat ein Fehler unterlaufen ist, aber ich meine mich zu erinnern, dass Maeven im zweiten Band die ganze Zeit über "Maeve" genannt wurde und hier nun wieder "Maeven" genannt wird. Ist das auch jemandem aufgefallen oder träume ich?)

Insgesamt war dieser letzte Band damit leider eine grosse Enttäuschung für mich. Vermutlich, weil ich mir einfach etwas anderes erhofft hatte. Nämlich eine Handlung, die auf seinen vorgängigen Bänden aufbaut. Und das bekommt man hier leider nicht. Das zeigt sich unter anderem auch darin, dass Sullivan zum Beispiel fast gar keine Erwähnung mehr findet. Wieso auch? Er hat ja schliesslich sein Happy End im letzten Band bekommen und damit war sein Handlungsstrang abgeschlossen. (/Ironie)

Die Autorin hat definitiv mal etwas Neues gewagt: Nämlich eine Reihe zu kreieren, die eigentlich gar keine ist. Das war mutig, hat bei mir aber leider keinen Anklang gefunden. Mir ist es dann doch lieber, zukünftig wieder Fantasy-Einzelbände zu lesen, die auch als solches deklariert werden, dann weiss ich zumindest von vornherein, worauf ich mich einlasse. Hier hat es aber leider dazu geführt, dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden und mein Desinteresse während dem Lesen so gross geworden ist, dass ich diesen finalen Band stellenweise nur noch quergelesen habe.

Fazit:

"Crush the King" ist der finale Band der Splitterkrone-Reihe, die rückblickend für mich eigentlich gar keine Reihe war, sondern eher drei Einzelbände, in der der gleiche Charakter die Hauptrolle übernimmt. Dadurch ist bei mir leider die Spannung und das Interesse für diesen dritten Band zunehmend verloren gegangen, da auch dieser erneut eine ganz andere Richtung einschlägt, als seine Vorgänger. Vermutlich bin ich einfach mit der falschen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen, aber dieser letzte Band konnte mich leider weder inhaltlich, noch von den Charakteren her mehr überzeugen, weshalb ich nur noch enttäuschte 2.5 Sterne vergeben kann.

Keine Kommentare
(© Piper)

Protect the Prince * (Die Splitterkrone #2)
von Jennifer Estep

Bewertung: ★★★★☆

Fantasy, 481 Seiten
Erscheinungsdatum: 05. Oktober 2020
Verlag: Piper


*Digitales Rezensionsexemplar von Negalley. Danke an den Piper Verlag.

Inhaltsangabe:
Everleigh Blair ist die neue Königin von Bellona, doch ihre Probleme fangen gerade erst an: Täglich muss sie sich mit arroganten Adligen am Hof auseinandersetzen, die ihre Hände insgeheim nach der Krone ausstrecken. Als wäre das nicht schlimm genug, versucht ein Auftragsmörder, Evie in ihrem Thronsaal zu töten. Evie fragt sich, ob sie stark genug ist, um ihrer Rolle als Winterkönigin gerecht zu werden. Während sie darum kämpft, ihre Magie, ihr Leben und ihre Krone zu sichern, verliert sie auch noch ihr Herz an Lucas Sullivan, den unehelichen Sohn des andvarischen Königs ... Und es stellt sich heraus, dass es nur eine Sache gibt, die noch schwieriger ist, als eine Königin zu töten: Einen Prinzen zu beschützen.

Meine Meinung:

Vor fast genau einem Jahr habe ich den ersten Band der Splitterkrone-Reihe gelesen, der mir, insbesondere aufgrund des stellenweise actiongeladenen und abwechslungsreichen Plots, sehr gut gefallen hat. Obwohl ich sehr neugierig war, wie Evies Abenteuer weiter gehen wird, bin ich erst jetzt dazu gekommen, die Fortsetzung zu lesen - dafür habe ich nun Gelegenheit, Band 2 und 3 nahtlos nacheinander zu lesen.

Während ich vom ersten Band noch der brutale, actiongeladene Anfang positiv in Erinnerung hatte, ist der Erzählstil des zweiten Bandes deutlich ruhiger, was es mir anfangs etwas erschwert hat, wieder in die Geschichte hineinzufinden. Nach dem Showdown am Ende des Vorgängers, hat Evie ihren rechtmässigen Platz auf dem Thron zurückerobert und muss sich deshalb nun mit der politischen Situation zwischen Bellona und ihren Nachbarländern befassen. Da Antagostinin Maeve nicht vollständig besiegt werden konnte, geht noch immer eine Gefahr aus dem verfeindeten Morta aus, sodass Evie sich aus politischen Gründen entscheidet, nach Andvari zu reisen, um das Bündnis zu ihrem Nachbarland zu festigen, um hoffentlich gemeinsam einen Weg gegen Maeve zu finden.

In diesem zweiten Band wurde sehr schnell deutlich, dass Estep eine ganz andere Richtung und auch einen anderen Ton anschlägt, als im ersten Band. Der Plot ist weniger Action- und Handlungsgetrieben, sondern basiert vielmehr auf politischen Überlegungen und vermeintlichen Intrigen am Hofe, vor denen sich Evie in Andvari in Acht nehmen muss. Evie ist sich bewusst, dass nahezu jede:r heimlich für Maeve arbeiten könnte und damit nicht nur für sie, sondern auch für den andvarischen König und seine Familie eine grosse Gefahr darstellen könnte. Sie hält sich deshalb bedeckt und versucht durch Gespräche mit neu gewonnenen Bekanntschaften herauszufinden, wer zu den Guten gehört und wem sie besser nicht vertrauen sollte.

Ich muss zugeben, dass ich nicht ein allzu grosser Fan solcher Plots mit Fokus auf politische Machenschaften bin, sondern mir temporeiche Handlungen lieber sind. Es war deshalb wenig überraschend, dass mich dieser zweite Band nicht ganz so fesseln konnte, wie sein Vorgänger, bei dem schon im ersten Viertel zahlreiche Charaktere überraschenderweise ihr Leben lassen musste. Das ist hier definitiv anders. Estep lässt sich Zeit, die verschiedenen Charaktere in diesem Band näher zu beleuchten (allen voran die andvarische Königsfamilie) und man begleitet Evie vor allem dabei, wie sie "Ermittlungen" anstellt, um herauszufinden, wie und wo Maeve ihre Finger im Spiel haben könnte. Gerade die erste Hälfte des Buches habe ich stellenweise als etwas langatmig und zäh empfunden und hätte ich das Buch zu diesem Zeitpunkt bewerten müssen, hätte es vermutlich lediglich drei Sterne von mir bekommen.
Obwohl das Erzähltempo sich auch in der zweiten Hälfte nicht grossartig verändert, hat mich der Plot aber trotzdem etwas mehr gefesselt, als in der ersten Hälfte. Vielleicht lag es daran, dass ich nun voll und ganz in der Geschichte angekommen war, vielleicht lag es aber auch daran, dass das Ende immer näher kam, und Evie immer konkretere Spuren auf der Suche nach dem:der Verräter:in gehabt hatte, wodurch natürlich die Spannung zugenommen hatte.
Beim finalen Showdown am Ende des Buches hat sich schliesslich gezeigt, dass es der Autorin gelungen ist, immer wieder falsche Fährten zu legen, denn am Ende war tatsächlich nicht alles so, wie es Estep uns (und Evie) zunächst weismachen wollte. Und das ist definitiv ein Pluspunkt!

Was die Charaktere angeht, so kennt man einige bereits aus dem ersten Band - allen voran die Nebencharaktere aus der Gladiatorentruppe, die hier aber eine neue Rolle übernehmen. Evie ist nach wie vor eine starke Protagonistin, aber leider muss ich auch bei diesem zweiten Band denselben Kritikpunkt erwähnen, wie schon beim Vorgänger: Sie war mir erneut ein wenig zu sehr eine "Mary Sue" - also ein Charakter, dem einfach alles zu gelingen scheint. Zu diesem Bild trägt vor allem ihre besondere Gabe bei, nicht nur Gifte in Getränken und Lebensmittel herauszuriechen, sondern auch zu spüren, wenn sie ihrem Gegenüber nicht trauen kann, was ihr ebenfalls durch die Wahrnehmung bestimmter Gerüche gelingt. Das führt natürlich erneut dazu, dass man zu keinem Zeitpunkt um das Schicksal von Evie bangen muss, denn ihre besondere Gabe rettet sie meistens vor jeder Situation, die potenziell gefährlich werden könnte. Und das fand ich etwas langweilig.
Natürlich ist auch ihr Love Interest, Lucas Sullivan, wieder mit von der Partie und die beiden tänzeln immer noch vorsichtig umeinander herum. Jedes Mal, wenn einer der beiden einen Annäherungsversuch macht, kommt irgendetwas dazwischen oder Sullivan macht im letzten Augenblick einen Rückzieher, was mich beinahe in den Wahnsinn getrieben hat, weil dadurch Missverständnisse entstanden sind, die jeweils ein Drama zur Folge hatten, das nicht nur unnötig, sondern auch total konstruiert und unglaubwürdig gewirkt hat. Aber dieses Liebes-Hin-und-Her gehört wohl einfach zu vielen Fantasyromanen dazu. ;) Für meinen Geschmack hätte es das hier nicht gebraucht.

Insgesamt war die Fortsetzung ganz anders, als sein Vorgänger, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig war. Im Gegensatz zum ersten Band, war diese Fortsetzung leider nicht immer gleichbleibend spannend und sie hatte immer wieder etwas langatmige Passagen, doch der Plot wird am Ende gut aufgelöst und abgerundet, sodass es ein zufriedenstellendes Ende gibt. Auch die Charaktere wissen zu überzeugen, auch wenn ich ehrlich gesagt keinen so richtig ins Herz geschlossen habe.

Fazit:

"Protect the Prince" ist der zweite Band der Splitterkrone-Trilogie und schlägt einen ganz anderen Ton an, als sein Vorgänger. Statt eines actiongeladenen Plots, wird hier der Fokus auf politische Entscheidungen und Intrigen gelegt, was einen deutlich entschleunigtes Erzähltempo zur Folge hatte. Im Vergleich zum ersten Band, hat mir dadurch manchmal die Spannung gefehlt. Insgesamt nicht eine perfekte, aber zufriedenstellende Fortsetzung, die eine ganz neue Richtung einschlägt und mit einem runden Abschluss überzeugen kann. Von mir gibt es 3,5 Sterne dafür.
2 Kommentare
(© dtv)

Crescent City - Wenn das Dunkel erwacht (Crescent City #1)
von Sarah J. Maas

Bewertung: ★★★☆☆

Adult Urban Fantasy, 926 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. September 2020
Verlag: dtv


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den dtv Verlag.

Inhaltsangabe:
Magie, Musik – und tödliche Gefahren: Die junge Bryce Quinlan, Halb-Fae und Halb-Mensch, geniesst jedes Vergnügen, das Crescent Citys Nächte zu bieten haben.
Eines Tages wird jedoch jemand auf brutale Weise ermordet, und als die Mordserie selbst dann nicht aufhört, nachdem der vermeintliche Tatverdächtige festgenommen wurde, wird Bryce dazu gedrängt, gemeinsam mit Hunt Athalar - einem gefallenen Engel - heimliche Ermittlungen zu dem Fall anzustellen, um den:die wahren Mörder:in ausfindig zu machen.
Während die beiden der Spur des Dämons tief in die Unterwelt der Stadt folgen, entdecken sie eine bösartige Macht, die ganz Crescent City in Schutt und Asche legen könnte … 

Meine Meinung:

Seitdem mich SJM mit ihrer "A Court of Thorns and Roses" Reihe umgehauen hat, bin immer sehr gespannt darauf, was sie als Nächstes aus dem Hut zaubert. Crescent City hat mich also allein deshalb neugierig gemacht, weil es aus ihrer Feder stammt, aber natürlich auch, weil das Buch in der englischsprachigen Lesecommunity einen so grossen Hype erfahren hat. Ich muss aber trotz meiner Neugierde zugeben, dass für mich die über 900 Seiten etwas abschreckend gewirkt haben. Ich lese normalerweise lieber Bücher, die nur halb so dick sind, da die meisten Wälzer doch stellenweise sehr langgezogen wirken können.

Bevor ich näher auf den Inhalt eingehe, kurz eine Warnung vorweg: Lest euch bitte NICHT den offiziellen Klappentext des Buches durch, denn ich habe diesen Fehler begangen und darin wird der Inhalt der ersten 150 Seiten gespoilert, was mich sehr geärgert hat. Ihr findet hier im Blogbeitrag deshalb eine von mir angepasste Inhaltsangabe, die keinen direkten Spoiler enthält.

Der Einstieg in das Buch ist mir alles andere als leicht gefallen, denn in Crescent City wandelt nahezu jedes übernatürliche Wesen, dass das (Urban) Fantasy Genre zu bieten hat. Von Fae, bis hin zu Engeln, Wölfen und Dämonen, ist alles zu finden. Die ersten 150 Seiten haben sich deshalb hauptsächlich auf ein Infodumping zum Worldbuilding fokussiert und auch auf die Einführung zahlreicher (Neben-)Charaktere, die allesamt namentlich erwähnt werden. Ich war also dementsprechend überfordert und hatte die Befürchtung, dass ich nie verstehen werde, worum es eigentlich geht oder wer eigentlich wer ist - aber ab ca. Seite 200 habe ich dann gemerkt, dass das auch gar nicht nötig ist.

Wichtig ist es vor allem Protagonistin Bryce zu kennen, die die Hauptrolle im Buch einnimmt. Sie ist selbst eine Halb-Fae und macht sich mit Hunt, einem weiteren Protagonisten und Engel, auf die Suche nach einem Bösewicht, der in Crescent City sein Unwesen treibt und Bewohner:innen tötet. Als Leser:in begleitet man sie bei dieser Ermittlung und lernt so die Welt besser kennen. Mein Problem dabei war aber, dass ich Bryce leider total unsympathisch und auch unglaubwürdig gefunden habe. SJM will aus Bryce einen Badass-Charakter machen - eine Frau, die sich allein durchs Leben schlägt und nicht die Hilfe von Männern braucht, um zu überleben. Und obwohl ich eine solche starke Protagonistin für sehr lobenswert halte, hat es die Autorin bei Bryce meiner Meinung nach übertrieben. Bryce ist nicht auf den Mund gefallen, tobt sich sexuell aus und die Männer liegen ihr scharenweise zu Füssen. Sie muss gar nichts machen, ausser den Typen einen Blick zuzuwerfen und schwups, hat sie mit jedem noch so heissen Typen Sex, ohne dass sie irgendetwas dafür tun muss. Und als wäre das nicht genug, scheint sie auch noch eine Special Snowflake und Mary Sue zu sein, die über super special Fähigkeiten verfügt, die über die anderen Wesen hinausgehen und die noch dazu alles perfekt beherrscht: Vom Sex bis hin zur Zielsicherheit bei Waffen. Es gibt nichts, das Bryce nicht kann. Und das fand ich einfach total lächerlich. 
Was ich aber dennoch positiv erwähnen muss, ist, dass Bryce doch eine kleine Charakterentwicklung durchmacht, die man vermutlich vor allem Hunts gutem Einfluss zu verdanken hat. Im Laufe der Handlung weicht Bryce ein wenig auf und man kann auch die eine oder andere sympathischere Seite an ihr entdecken, aber mein Lieblingscharakter wird sie wohl trotzdem nie werden. Und das hat es natürlich nicht gerade einfacher gemacht, den Plot, der sich hauptsächlich auf sie fokussiert, toll zu finden.
Demgegenüber fand ich aber Hunt wiederum sehr sympathisch und deutlich vielschichtiger ausgearbeitet, wobei auch immer Bezug auf Erlebnisse in seiner Vergangenheit gemacht wurden, die als Erklärungsmodell für sein Verhalten in der Gegenwart dienen, was ihn als Charakter sehr glaubhaft gemacht hat.
Auf die restlichen Charaktere kann und möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, da dies der Rahmen sprengen würde. Es gibt aber eine Menge Charaktere, die ebenfalls sehr ausführlich erwähnt und ausgearbeitet wurden und wohl auch der Hauptgrund sind, warum das Buch letztendlich so dick geworden ist, denn SJM wollte scheinbar jedem Charakter gerecht werden (was ihr mehr oder weniger auch gelungen ist).

Zur Handlung selbst kann ich sagen, dass sich meine Befürchtung was die Seitenanzahl angeht, nur zum Teil bewahrheitet hat. Ja, man muss wirklich viel Geduld und einen langen Atem mitbringen, wenn man das Buch liest, denn so richtig spannend wird es erst ab ca. 600 Seiten, als allmählich aufgedeckt wird, wer oder was eigentlich hinter dem Ganzen ominösen Geschehen in Crescent City steckt. Die vorherigen Seiten hätten aus meiner Sicht gekürzt werden können, da ich den Eindruck hatte, dass es viele "Filler-Szenen" gab, ohne die die Handlung genauso gut funktioniert hätte. Gleichzeitig habe ich das Buch aber trotzdem nie als langatmig oder zäh empfunden, so dass es auch nicht so ist, dass man sich durch viele Seiten quälen muss, bis es erst richtig spannend wird. Ich denke aber trotzdem, dass SJM sich ein bisschen übernommen hat und die Story auch mit weniger Charakteren und Wesen etwas spannender erzählt hätte werden können.

Der Schlussteil belohnt den Durchhaltewillen aber tatsächlich und ich muss gestehen, dass mich die Auflösung wirklich überraschen konnte. Leider hat mir das, was nach der Auflösung noch alles passiert, wiederum weniger gut gefallen, denn vieles hat ein bisschen klischeehaft gewirkt und einiges war mir schlichtweg auch zu kitschig. Ich hätte es besser gefunden, wenn das Buch ein düstereres Ende gefunden hätte. Aber das ist letztendlich Geschmackssache.

Der Schreibstil der Autorin kann wie gewohnt überzeugen. Was ich aber ganz schrecklich gefunden habe, waren die ganzen sexuellen Andeutungen und Szenen. Einerseits hat mich das Niveau dieser Szenen wirklich zum Fremdschämen gebracht, weil es teilweise Groschenroman-Niveau hatte, andererseits hat sich dieser ganze Sextalk nicht sehr gut in die restliche Handlung eingefügt. Ich hatte den Eindruck, dass die ständige Erwähnung von Sex lediglich von der Autorin dazu genutzt wurde, zu verdeutlichen, dass es sich bei dem Buch um einen Fantasyroman für Erwachsene handelt. Aber wirklich Substanz haben sie der Handlung nicht gegeben - im Gegenteil. In meinen Augen waren die Szenen absolut unnötig.

Fazit:

"Wenn das Dunkel erwacht" ist der Reihenauftakt zu Sarah J. Maas neuer "Crescent City"-Reihe, der auf über 900 Seiten in ein sehr umfangreiches Worldbuilding mit nahezu allen übernatürlichen Wesen entführt, die das (Urban) Fantasy Genre zu bieten hat. Im Fokus steht ein Kriminalfall, den es aufzulösen gibt. Man muss dafür als Leser:in allerdings einen langen Atem mitbringen, denn richtig spannend wird das Buch erst im letzten Drittel, bei dem man aber schliesslich mit einer überraschenden Auflösung belohnt wird. Obwohl ich das Buch nicht als langatmig empfunden habe, hätte es aus meiner Sicht trotzdem um viele Seiten gekürzt werden können. Fürs einmal Lesen fand ich es aber okay, auch wenn ich vermutlich kein zweites Mal zum Buch greifen würde. Insgesamt vergebe ich deshalb 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung für diejenigen, die auf Kriminalfälle mit übernatürlichen Wesen stehen.
6 Kommentare
(© mtb)

Dunkelglanz - Obsession*
von Jennifer L. Armentrout

Bewertung: ★☆☆☆☆

Paranormal, 320 Seiten
Erscheinungsdatum: 31. Januar 2020
Verlag: MIRA Taschenbuch


*Danke für das digitale Rezensionsexemplar von Netgalley.

Inhaltsangabe:
Er ist ein Arum. Geboren, um zu töten. Im Auftrag der Regierung macht Hunter Jagd auf die Bösen. Diesmal erhält der attraktive Alien allerdings einen außergewöhnlichen Auftrag: Er soll nicht Serenas Leben nehmen, sondern schützen. Die junge Frau wird von Hunters Feinden, den Lux, bedroht, da sie denken, dass Serena im Besitz von brisanten Informationen ist. Aber nicht nur seine neue Rolle als Bodyguard verwirrt Hunter, denn mit jedem Tag fühlt er sich mehr zu Serena hingezogen. Doch er darf sich keine Ablenkung erlauben, wenn er Serena nicht verlieren möchte … (© mtb)

Meine Meinung:

So langsam bekomme ich das Gefühl, dass ich meine früheren Rezensionen zu JLAs Büchern bei jedem ihrer Neuerscheinungen kopieren könnte. Und das liegt vermutlich daran, dass sich jede ihrer Geschichten wie ein Abklatsch eines ihrer anderen Bücher anfühlt.  Wobei ich hier die Autorin noch soweit in Schutz nehmen kann, das dieses Buch im Englischen bereits 2013 erschienen ist, was man der Qualität des Buches leider auch anmerkt. Und trotzdem habe ich es satt, jedes Mal die immer gleiche Geschichte lesen zu müssen. Und das war leider auch bei Dunkelglanz wieder der Fall.

Das Buch spielt im Lux-Universum, in dem auch Armentrouts berühmte Obsidian-Reihe spielt und erzählt die Geschichte von Serena und Hunter. Serena ist ein Mensch, der beobachten muss, wie ihre beste Freundin von Leuchtwesen umgebracht wird. Nach diesem Vorfall trifft sie auf Hunter, der als Arum nichts anderes als ein Alien ist. Hunter macht es sich zur Aufgabe, Serena vor den Lux zu schützen, die sich nach dem Vorfall auf die Suche nach ihr gemacht haben, um sie "zum Verschwinden zu bringen", damit das Geheimnis um ihr wahres Wesen bewahrt wird. In dieser turbulenten Zeit kommt es schliesslich noch dazu, dass Hunter und Serena sich näher kommen...

Ja, was soll ich sagen. Die Story war so platt und vorhersehbar, dass sie sich eher als Fanfiction geeignet hätte, anstatt einem eigenständigen Buch. Der Geschichte fehlt es an jeglicher Tiefe und Spannung, denn es passiert auf diesen 320 Seiten gefühlt gar nichts, bis auf ein paar langweilige Sexszenen, die durch den peinlichen Dirty Talk der beiden Protagonisten ein solches Fremdschäm-Potenzial hatten, dass ich sie überspringen musste. Dass es sich um eine konstruierte Insta-Liebe handelt, muss wohl nicht erwähnen. Die Gefühle zwischen den beiden waren für mich die ganze Zeit über nicht spürbar, dafür musste ich so oft lesen, wie Hunters Genital "bretthart" ist, dass ich am liebsten laut los geschrien hätte. Das hatte schon fast Groschenroman-Niveau.
Positiv fand ich nur, dass Hunter mal nicht der typische Bad-Boy war, aber trotzdem fehlte es sowohl ihm, als auch Serena an Tiefgang. Beide Protagonisten blieben für mich bis zuletzt so blass, dass sie durch jeden anderen x-beliebigen Charakter hätten ausgetauscht werden können. Sie hatten für mich keinerlei Wiedererkennungspotenzial.

Zuletzt muss ich auch noch eine kritische Stelle anmerken, die auch im englischen Original bei vielen Leser*innen sauer aufgestossen ist - und sie wurde ausgerechnet von einer Frau geschrieben! Es folgt ein klitzekleiner Spoiler! Und zwar geht es um die Szene, in der Serena schläft und Hunter in ihr Zimmer kommt und ihre Brust streichelt, WÄHREND SIE SCHLÄFT! Das ist nicht nur ein sexueller Übergriff, da Serena ja offensichtlich nicht ihr Einverständnis dafür gegeben hat, sondern insgesamt auch einfach creepy - und JLA will dies noch tatsächlich als sexy verkaufen.
Nein. Einfach nein. Spätestens seit #metoo ein absolutes No-Go.

Das ist jetzt eine sehr harte Kritik und wenn ich nicht schon so viele Bücher der Autorin gelesen hätte (die einst zu meinen Lieblingsautorinnen gezählt hat!), dann wäre meine Bewertung sicher wohlwollender ausgefallen. Aber ich kann diese immer selbe Geschichte ohne jegliche Substanz einfach nicht mehr lesen. Und das ist schade, denn der Schreibstil der Autorin finde ich wirklich sehr gut und liest sich jedes Mal sehr flüssig. Nur reicht das nicht, wenn der Plot dahinter nicht überzeugen kann.

Fazit:

Leider konnte mich "Dunkelglanz - Obsession", wie schon viele andere Bücher der Autorin, nicht überzeugen. Die Story ist platt und vorhersehbar und bietet im Vergleich zu JLAs anderen Büchern nicht wirklich etwas Neues. Es wird die immer selbe Geschichte erzählt, die ich einfach nicht mehr lesen kann. Hinzu kommen peinliche Sexszenen, inklusive einer sehr fragwürdigen Szene, die eigentlich als sexueller Übergriff zu werten ist, hier aber als "sexy" verkauft wird. Das Buch liest sich eher wie eine schlechte Fanfiction. Für mich eine weitere Enttäuschung, die dazu geführt hat, Armentrout von der Liste meiner Lieblingsautorinnen zu streichen. Dieses Buch hat in meinen Augen leider nicht mehr als einen Stern verdient.
Keine Kommentare
(© Amazon / MIRA Verlag)

Bis wir eins sind*
von Jodi Ellen Malpas

Bewertung: ★★☆☆☆

Erotica, 400 Seiten
Erscheinungsdatum: 3. September 2018
Verlag: MIRA Taschenbuch


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den MIRA Verlag.

Inhaltsangabe:
Ein Blick, eine Berührung, ein verzehrendes Feuer. Und er fühlt es auch. In Jacks Armen erlebe ich eine Nacht ohne Hemmungen, ohne Gedanken an den Morgen. Danach allerdings trennen sich unsere Wege. Doch wenig später steht Jack wieder vor mir, und sofort erwachen in mir all die sinnlichen Erinnerungen. Aber dann offenbart er mir etwas Schockierendes: Er ist verboten für mich. Dennoch können wir uns einfach nicht voneinander lösen, egal, wie falsch es ist. Kann es für unsere Liebe eine Zukunft geben? (© Amazon / MIRA Verlag)

Meine Meinung:

Es ist schon eine gefühlte Ewigkeit her, seitdem ich meinen letzten Roman aus dem Erotik-Genre gelesen habe. Damals, als erotische Literatur dank Shades of Grey & Co. gerade einen Boom erlebt hatte, war ich auch sehr angetan von dieser Art von Geschichten und habe nahezu jedes gehypte Buch aus dem erotischen New Adult Bereich verschlungen. Irgendwann bin ich dem Genre aber dann überdrüssig geworden, denn seien wir ehrlich: Im Kern ähneln sich die einzelnen Bücher sehr und die meisten laufen fast immer nach Schema F ab. Ich habe mich irgendwann so genervt, dass ich Abstand von dem Genre gebraucht habe - bis heute. Als ich "Bis wir eins sind" entdeckt habe, hatte ich mal wieder Lust dem Genre eine Chance zu geben.

Leider kann ich meine Rezension nicht spoilerfrei erstellen, da meine Kritikpunkte sich auf Inhalte der Handlung beziehen, die verraten, um was eigentlich geht. Wer das Buch völlig unvoreingenommen beginnen will, sollte an dieser Stelle nun nicht mehr weiterlesen.

-- Achtung ab hier folgen Spoiler --

Das Buch beginnt mit einer Einleitung von der Autorin, in der sie darauf hinweist, dass ihr Buch sehr kontrovers ist und zu gespaltenen Meinungen führen könnte. Diese Ankündigung gepaart mit der ominösen Inhaltsangabe, hat mich sehr neugierig gemacht: Welches Thema hat sich die Autorin ausgedacht, das zu so vielen Diskussionen führen soll? Ich war mir sicher: Wenn sie schon so ein Geheimnis darum macht und immer wieder das Wort "Verboten" benutzt, dann muss es etwas ganz Besonderes und Aussergewöhnliches sein, das man lange Zeit nicht mehr vergessen würde.

Mit dieser Erwartung bin ich in das Buch gestartet. Es dauert auch nicht lange, bis die Protagonistin Annie auf Jack trifft. Die beiden lernen sich beim Weggehen kennen, als Annie bereits eine Menge Alkohol intus hat und sich dann zu einer heissen Nacht mit ihm hinreissen lässt. Die beiden haben, laut Annie, lebensverändernden Sex, der ihr noch tagelange Flashbacks beschert und sie vor Lust erschaudern lassen. (An dieser Stelle habe ich schon zum ersten Mal meine Augen verdreht, denn Sex kann gut sein, aber wie die Autorin das hier beschrieben hat, ist wohl eher Wunschdenken und war in meinen Augen sehr übertrieben dargestellt ;)).
Am nächsten Morgen schleicht sich Annie heimlich davon, im Glauben, dass es sich um einen One Night Stand gehandelt hat und sie Jack nie wieder sehen wird.
Natürlich weiss man als Leser, dass dies nicht der Fall sein wird und mein Gedankenkarussell ist bereits nach dieser ersten Nacht angesprungen: Was konnte aus diesem ONS entstehen, das so verboten ist? Ich hatte zwei Hypothesen: Die Autorin hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die beiden keine Kondome dabei hatten und sie so nicht gegen sexuell übertragbare Krankheiten geschützt waren. Ich dachte deshalb, dass Jack Annie vielleicht (wissentlich oder unwissentlich) mit HIV angesteckt hat und das im weiteren Verlauf zu einem wichtigen Thema werden könnte. Meine andere Hypothese war die, dass die beiden sich zwar nicht kennen, sich später aber herausstellt, dass sie irgendwie miteinander verwandt sind und ihre Liebe deshalb verboten ist. Beides hätte für mich nach der Ankündigung der Autorin Sinn gemacht. Beide Varianten wären sehr kontrovers und würden für jede Menge Diskussionsstoff sorgen.

Neugierig, ob sich meine Überlegungen bewahrheiten würden, habe ich weitergelesen. Wie erwartet, dauerte es nicht lange, bis sich Annie und Jack ein zweites Mal begegnen. Annie schmeisst eine Einweihungsparty in ihrer neuen Wohnung und lädt dazu auch verschiedene Arbeitskollegen ein, die sie durch ihren Beruf als Architektin kennt. Einer der Gäste ist ein Bauleiter eines ihrer neuen Projekte und wie sich zu Annies Überraschung herausstellt, handelt es sich dabei ausgerechnet um Jack. Noch während sie diese Erkenntnis trifft, stellt sich bereits heraus, was Jacks "riesiges ominöses Geheimnis" ist: Er ist verheiratet und bringt seine Frau mit an die Party. Ein Schock für Annie - für mich als Leserin leider überhaupt nicht. Ich sass da und dachte nur: DAS soll das grosse, verbotene Geheimnis sein? Darum macht die Autorin so ein Wirbel? Klar, fremdgehen ist scheisse, aber ich kann Fiktion sehr gut von der Realität trennen, sonst könnte ich wahrscheinlich keine Thriller mehr lesen. Fremdgehen ist allerdings so etwas Alltägliches, dass es mich nicht gerade vom Hocker gerissen hat.
Natürlich muss die Handlung dem englischen Originaltitel "Forbidden" (dt. "Verboten") gerecht werden, so dass klar ist, dass Jack und Annie es nicht bei dieser einen Nacht belassen können und ihre Affäre - obwohl sie "verboten" ist - fortführen.

Dadurch, dass mich diese "Enthüllung" nicht schockieren konnte, hat das Buch schon sehr früh mein Interesse verloren. Trotzdem habe ich mich bemüht, noch weiterzulesen und zu herauszufinden, was die Autorin aus dem Thema Fremdgehen gemacht hat. Und da folgte auch gleich die nächste, grosse Enttäuschung: Natürlich hat Malpas Jacks betrogene Ehefrau als die Böse hingestellt. Sie wird übertrieben psychisch labil dargestellt, mit einer Tendenz zur Alkoholabhängigkeit. Es ist nicht nur so, dass sie Jack schlecht behandelt, sondern auch immer wieder vor allen Leuten eine Szene veranstaltet und damit nicht nur ihn, sondern auch sich selbst blamiert. Das fand ich so klischeehaft und damit hat es sich die Autorin in meinen Augen zu leicht gemacht. Natürlich hat man mit einer Ehefrau, die so übertrieben unsympathisch dargestellt wird, fast kein Mitleid und fiebert mit, dass Jack in Annie hoffentlich eine neue Liebe findet, die ihn besser behandelt. Viel interessanter und kontroverser wäre es aber doch gewesen, wenn Jacks Exfrau gerade NICHT unsympathisch ist und man damit als Leser in ein moralisches Dilemma gerät. So war es aber relativ leicht, sich auf Jack und Annies Seite zu schlagen und auszublenden, dass es sich eigentlich um Fremdgehen handelt, denn es schwang indirekt ein bisschen die Botschaft mit: Jacks Ehefrau ist ein Miststück und hat es nicht anders verdient. Aber Guess What?! Die betrogene Ehefrau als Sündenbock hinzustellen legitimiert Fremdgehen nicht, denn selbst wenn sie psychisch labil ist und Jack wie Scheisse behandelt ist es NICHT ihre Schuld, dass er sie betrügt.

Das Ganze hat mich so genervt, dass ich die Handlung irgendwann nur noch quergelesen habe. Wie erwartet, geht es mit einem ewigen Hin und Her weiter. Jack schafft es nicht, sich von seiner Exfrau zu trennen und hat weiterhin mit Annie (und im späteren Verlauf auch wieder mit seiner Exfrau) Sex. Den Schluss habe ich mir geschenkt und auf Goodreads nachgelesen, wie die Story ausgegangen wäre - und als ich gelesen habe, was für haarsträubende Sachen da noch passieren, war ich froh, dass ich das Buch ungefähr nach der Hälfte abgebrochen habe.

Zum Schreibstil bleibt nicht so viel zu sagen. Das Buch liest sich unabhängig von der Handlung flüssig und die Sexszenen sind in meinen Augen allesamt auf eine 0815 Art geschrieben, wie man sie schon von zahlreichen anderen Büchern aus dem Genre kennt: Jeder Sex ist atemberaubend und beide kommen natürlich gefühlt jedes Mal zusammen zum Orgasmus. ;)

Fazit:

Insgesamt hat mir das Buch leider gar nicht gefallen. Einerseits fand ich, dass die Autorin mit dem Klappentext und ihrer Einleitung Erwartungen schürt, die dann nicht mal halb so schockierend eintreffen, wie angekündigt und andererseits greift sie bei dem von ihr gewählten Thema auf zahlreiche Klischees zurück, die bei mir nur zu einem Augenrollen geführt haben. Trotz all der Kritik vergebe ich dem Buch 2 Sterne, denn Fans des Erotik-Genres werden auch an diesem Buch ihre Freude haben. Es ist nicht so, dass es besonders schlecht wäre, es bietet in meinen Augen einfach nichts Neues und sticht aus der Menge nicht heraus. Wer Bücher mit vielen Sexszenen, einem ewigen Hin und Her und einem Ablauf nach Schema F mag, der ist hier gut bedient. Allen anderen rate ich von dem Buch ab. Ich werde zukünftig wieder einen weiten Bogen um das Genre machen, denn für mich ist erotische Literatur vermutlich einfach nichts (mehr).
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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