Zerrissene Erde

by - September 06, 2018

(© Amazon / Knaur)

Zerrissene Erde (The Broken Earth #1)
von N.K. Jemisin

Bewertung: ★★☆☆☆

Fantasy, 496 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. August 2018
Verlag: Knaur


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Knaur Verlag.

Inhaltsangabe:
Inmitten einer sterbenden Welt hat die verzweifelte Essun nur ein Ziel: ihre Tochter aus den Händen eines Mörders zu befreien, den sie nur zu gut kennt.
Seit sich im Herzen des Landes Sansia ein gewaltiger Riss voll brodelnder Lava aufgetan hat, dessen Asche den Himmel verdüstert, scheinen immer mehr Menschen dem Wahnsinn zu verfallen. So lässt der Herrscher seine eigenen Bürger ermorden. Doch nicht Soldaten haben Essuns kleinen Sohn erschlagen und ihre Tochter entführt – sondern ihr eigener Ehemann! Essun folgt den beiden durch ein Land, das zur Todesfalle geworden ist. Und der Krieg ums nackte Überleben steht erst noch bevor. (© Amazon / Knaur)

Meine Meinung:

Auf dieses Buch habe ich mich schon so lange gefreut. Es ist mir schon lange vor der deutschen Übersetzung mehrmals auf Goodreads begegnet und immerzu wurde die Geschichte mit Lobeshymnen überhäuft. Als ich erfahren habe, dass das Buch ins Deutsche übersetzt wird, habe ich voller Vorfreude dem Erscheinungstermin entgegen gefiebert. Dystopia ist eines meiner Lieblingsgenres und wenn ein Buch dann noch so gute Bewertungen hat, muss es mich einfach umhauen, oder?

Na ja… Das dachte ich zumindest. Als ich das Buch begonnen habe, ist auf meine anfängliche Euphorie sehr bald Ernüchterung gefolgt. Es war nicht nur so, dass sich die Autorin ein äusserst komplexes Worldbuilding ausgedacht hat – was an und für sich nichts Schlechtes bedeutet – sie erzählt die Story auch noch aus drei Perspektiven, für die sie teilweise einen sehr aussergewöhnlichen und für mich manchmal schwer verständlichen Schreib- bzw. Erzählstil gewählt hat. Diese Kombination hat dazu geführt, dass ich wirklich Mühe hatte, einen Zugang zu den Charakteren und deren Handlungsverläufe zu finden und überhaupt zu verstehen, um was es eigentlich geht. Erst nachdem ich mir Rezensionen anderer Leser durchgelesen hatte, habe ich halbwegs verstanden, wie der Weltenentwurf aufgebaut ist und wie die Handlungsstränge zu verstehen sind. Und selbst dann fand ich den Plot noch immer schwer verständlich.

Grob gesagt, geht es in diesem Fantasy-Dystopie-Endzeit Mix um Orogene – also Menschen, die durch übernatürliche Fähigkeiten Erdbeben beeinflussen können. Die Orogene werden in der Menschenwelt allerdings kaum geduldet und wenn sie nicht gerade getötet werden, dann versucht man sie auf eine andere Art und Weise zu unterdrücken. Inmitten dieser Welt gibt es drei Frauen – allesamt Orogene – deren Weg wir als Leser begleiten: Essun, Syenit und Damaya. Speziell dabei ist vor allem der Schreibstil aus Essuns Perspektive, denn statt der klassischen 1. Oder 3. Person Singular, verwendet die Autorin hier die „Du“-Form. Das mag innovativ sein, aber ich bin ein Gewohnheitstier und konnte mich bis zum Schluss nicht mit dieser Erzählerform anfreunden. Vielleicht hätte das funktioniert, wenn das Worldbuilding an sich nicht schon so komplex und schwer zu verstehen gewesen wäre.

Bis zur Hälfte des Buches habe ich mich wirklich bemüht, die komplexe Welt und die Handlung der drei Frauen zu verstehen – doch so sehr ich es auch versuchte, ich habe einfach nicht durchgeblickt, um was es eigentlich geht. Es gab zwar immer wieder Passagen, die ich leichter zum Verstehen waren (das betrifft vor allem Syenits Erzählung), aber schon beim darauffolgenden Kapitel schwirrten dann wieder nur grosse Fragezeichen vor meinem Kopf herum. Nach der Hälfte wurde ich dann so demotiviert, dass ich einige Seiten einfach nur noch überflogen habe – ich habe ja ohnehin nicht richtig begriffen, was genau passiert. Wenn ich Seiten überfliege, dann ist das meistens ein sehr schlechtes Zeichen und es deutet daraufhin, dass mir der komplette Zugang zu einer Geschichte fehlt und deshalb nur noch Desinteresse von meiner Seite herrscht. Nach zwei Dritteln habe ich mich deshalb entschieden, das Buch abzubrechen. So etwas mache ich wirklich nicht gern und auch nicht leichtfertig, besonders nicht bei Rezensionsexemplaren, aber es hat für mich einfach keinen Sinn mehr gemacht, mich weiter zu einer Geschichte zu zwingen, durch die ich mich einfach nur durchquäle.

Ich hatte allerdings in verschiedenen Rezensionen gelesen, dass am Ende eine überraschende Wendung auf den Leser wartet, die die drei Handlungsstränge der oben genannten Charaktere miteinander verbindet. Diese Ankündigung konnte zwar auch nicht dazu beitragen, dass ich mich weiter durch das Buch quälen wollte, aber ich war dann so frei nachzulesen, was für eine Erklärung die Autorin sich da ausgedacht hat. Und obwohl ich es Buch nicht zu Ende gelesen habe, kann ich den anderen Lesern nur zustimmen. Die Idee ist wirklich überraschend und sehr gut durchdacht. Rückblickend könnte diese „Auflösung“ auch dazu führen, dass ich die verschiedenen Handlungen besser verstehen würde. Aber leider war der Weg dahin für mich viel zu umständlich und kompliziert, deshalb reichte auch das Ende nicht mehr für eine bessere Bewertung von meiner Seite aus.

Fazit:

Ein ganz besonderes, aber auch komplexes Worldbuilding in einer düsteren, brutalen Zukunft, das sich die Autorin da ausgedacht hat. Das Ganze ist verbunden mit einem anspruchsvollen, teilweise ungewöhnlichen Schreibstil, das es mir zu schwer gemacht hat, der Geschichte zu folgen. Es ist mir leider nicht gelungen, einen Zugang zum Buch und seinen Charakteren zu finden. Trotzdem kann ich verstehen, warum das Buch so hochgelobt wird. Es war für meinen Geschmack aber wahrscheinlich einfach zu komplex aufgebaut. Wer etwas anspruchsvollere Fantasy mag, dem kann ich das Buch aber dennoch weiterempfehlen. Ich werde der Geschichte vielleicht irgendwann noch einmal als Hörbuch eine Chance geben, in der Hoffnung, dass ich dann besser verstehe, worum es eigentlich geht. Für den Moment war das Buch aber einfach nicht das richtige für mich. Es ist zwar schade, aber mehr als 2 Sterne kann ich deshalb nicht vergeben.

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