[Rezension] Sei nicht so hart zu dir selbst

by - Februar 07, 2019

(© Kösel Verlag)

Sei nicht so hart zu dir selbst*
Selbstmitgefühl in guten und in miesen Zeiten
von Andreas Knuf

Bewertung: ★★★☆☆

Nonfiction, 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 29. Februar 2016
Verlag: Kösel


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Kösel Verlag.

Inhaltsangabe:
„Ich würde mich gern lieben, wenn ich nur anders wäre“. Kaum jemand geht so streng und unfreundlich mit sich um wie wir selbst. Der Psychotherapeut und Erfolgsautor Andreas Knuf zeigt, wie wir mithilfe des Selbstmitgefühls mit der ständigen Selbstverurteilung aufhören und schmerzhafte Erfahrungen besser tragen können. Mit Selbstmitgefühl wird eine Haltung sich selbst gegenüber bezeichnet, die von Freundlichkeit, Achtsamkeit und einem Wissen um das zum menschlichen Leben gehörige Leiden gekennzeichnet ist.

Andreas Knufs Buch bietet einen sehr konkreten und alltags- und übungsorientierten Weg, um Selbstmitgefühl zu kultivieren. Es zeigt, warum Selbstmitgefühl wichtiger ist als das zumeist hochgelobte Selbstwertgefühl. Neben konkreten Übungen werden auch Strategien und Formen der Selbstreflexion vermittelt, die als Routinen in den Alltag eingebaut werden können.

Eine konkrete, alltags- und übungsorientierte Anleitung, wohlwollend mit sich selbst umzugehen, und damit deutlich entspannter und besser durchs Leben zu gehen. (© Kösel Verlag)

Meine Meinung:

Wer meinen Blog verfolgt, weiss, dass ich auch immer wieder Sachbücher lese und rezensiere, natürlich vorausgesetzt, das Thema interessiert mich. In diesem Fall war genau das der Fall: "Selbstmitgefühl" ist nicht nur etwas, das für mich selbst wichtig ist, sondern auch etwas, das immer wieder Thema in Gruppen- und Einzeltherapien bei meiner Arbeit ist. Während das Konzept hinter dem Begriff noch eher leicht zu verstehen ist - hier sehr vereinfacht als Buchtitel miot den Worten "Sei nicht so hart zu dir selbst" zusammengefasst - finde ich die praktische Anwendung im Alltag viel komplexer und schwieriger. Da das Buch gerade eine alltagsnahe und übungsorientierte Anleitung verspricht, klang es fast schon perfekt für mich.

Das Buch wurde von Andreas Knuf geschrieben, der selbst als ausgebildeter Psychotherapeut tätig ist. Damit bringt er eine gute Voraussetzung mit, dass er weiss, wovon er da schreibt. Und genau das merkt man auch beim Lesen. Es gelingt Knuf sehr gut, dem Leser - und vor allem Laien - das Konzept des Selbstmitgefühls näher zu bringen. Dabei greift er immer wieder auf Beispielen aus dem Alltag oder seiner Arbeit heraus, in denen ich mich sehr gut wiedererkennen konnte. Der erste Teil befasst sich vor allem mit dem theoretischen Hintergrundwissen, das für meinen Geschmack etwas kompakter hätte ausfallen können. Aber vielleicht lag es auch einfach daran, dass mir das meiste davon schon bekannt war.

Der zweite Teil sollte sich dann dem versprochenen praktischen Teil widmen. Doch leider, wie so oft bei solchen Büchern, fällt der Praxisteil dann nicht so umfangreich aus, wie versprochen. Der Autor spricht im Schlusswort selbst nur von insgesamt 3 Übungen, die er im Buch vorstellt und das finde ich sehr enttäuschend. Die Übungen werden auch nur kurz angeschnitten und erfahrungsgemäss würde ich behaupten, dass es für jemanden, der wirklich unter sehr selbstkritischen Gedanken leitet, schwierig ist, die Übungen alleine umzusetzen. Damit liefert das Buch nicht ganz das, was es auf der Frontseite und der Inhaltsangabe verspricht.

Fazit:

Selbstmitgefühl ist ein wichtiges Thema, das dem Leser von einem erfahrenen Psychologen und Psychotherapeuten auf verständliche Weise nähergebracht wird. Ich vermute, dass jeder sich in dem einen oder anderen Beispiel wiedererkennt und selbstmitfühlender mit sich umgehen könnte. Leider bleibt es aber insgesamt bei der Theorie, denn der praktische Teil besteht lediglich aus 3 groben Übungen, die aus meiner Sicht ganz ohne (Vor-)Erfahrungen nicht ganz so einfach umzusetzen sind. Das vorgängige Versprechen von vielen alltagsnahen, praxisorientierten Übungen wird leider nicht eingehalten, deshalb hat mich das Buch eher enttäuscht zurückgelassen. Als theoretischer Input zum Thema sicher hilfreich, aber dabei bleibt es leider auch.

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1 Kommentare

  1. Hallo liebe Mel,
    ich muss sagen, dass mich der Titel des Buches, auch gleich angesprochen hat, als ich ihn auf deinem Blog entdeckt habe. Ich denke, dass dieses Thema einige Interessenten findet. Deinen Kritikpunkt fand ich nachvollziehbar und ich denke, dass er auch mich stören würde. So ein Buch kauft man ja meist, weil man sich Hilfe wünscht.Gerade die Praxisübungen sollten dann nicht vernachlässigt werden.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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