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between the lines.

(© Storytel)

Sleep World* (Part #1)
von Natalie Tielcke
Gelesen von Ferdi Özten  

Bewertung: ★★★★☆

Science Fiction, Audiobook 
Spieldauer: 8 Stunden, 11 Minuten
Erscheinungsdatum: 20. Mai 2022

Verlag: Storytel

* Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Verlag.

Inhaltsangabe:
John Parker lebt in einer Zukunft, in der alles erlaubt ist, solange es dem Klimaschutz dient. Wer sich das nicht leisten kann, wird von der Gesellschaft abgehängt. Jeder Mensch wird mit einer App überwacht, die den persönlichen Klima-Score ermittelt und dementsprechend vorgibt, wie man sich verhalten soll. Das Problem heißt Überbevölkerung. Die Lösung nennt sich Klimaschlaf.

Und John hielt das System immer für richtig. Was kann wichtiger sein, als den Planeten zu retten? Doch eines Tages muss er feststellen, dass Klimaschutz bedeutet, über Leichen zu gehen …

Meine Meinung:

Natalie Tielcke hat in diesem dystopischen Zukunftsroman mit dem Klimaschutz ein Thema aufgegriffen, dass mir persönlich sehr am Herzen liegen - und gerade das war auch der Grund, warum ich neugierig auf dieses Hörbuch geworden bin.

Wir erleben die Geschichte aus Sicht des Mittzwanzigers John, der zu Beginn gerade seine Abschlussprüfung als Schlafbegleiter für den sogenannten Klimaschlaf absolviert. Bei der Prüfung läuft jedoch nicht alles wie geplant und das Schicksal eines Menschenlebens ist ein Anstoss dafür, dass John anfängt Fragen zu stellen und sich kritisch mit der Praxis der Schlaflabore auseinander zu setzen.
Doch die Arbeitswelt ist nur eines von vielen Themen, dass den jungen Mann beschäftigt, denn in seinem Privatleben läuft es alles andere als rund, und nachdem sich seine Freundin von ihm trennt, macht sich John Gedanken um seine eigene Zukunft und seine Haltung gegenüber dem Klimaschlaf beginnt sich allmählich zu wandeln...

Tielcke konnte mich mit diesem nicht ganz unrealistischen Zukunftssetting fesseln. Die Klimaproblematik und die zunehmende Überbevölkerung sind Themen, die sie sich nicht einfach so ausgedacht haben, sondern sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten tatsächlich zuspitzen könnte. Und mit dem System von Klimapunkten, die man sich durch einen nachhaltigen Lebensstil verdienen muss, fand ich ehrlich gesagt nicht mal so schlecht - auch wenn das Ganze leider wieder mal die Schere zwischen den einzelnen Gesellschaftsschichten vergrössert hat.
Schön fand ich auch, dass das ganze System im Buch nicht nur als Schwarz und Weiss dargestellt wurde, sondern im Laufe des Buches eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema Klimaschlaf und seinen Folgen stattgefunden hat, die den Nutzen, aber auch die Schwächen aufgezeigt haben, die so etwas mit sich bringen würde.

Der Schreibstil der Autorin hat mich sehr gut gefallen und auch der Sprecher hat eine unglaublich angenehme Stimme und Erzählweise, sodass ich mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt habe, auch wenn das Buch eher ruhig verläuft. Die Spannung bestand für mich vor allem darin, Johns Entscheidungsfindung bezüglich seiner weiteren Zukunft zu begleiten.

Was mich aber enorm gestört hat, war der Umstand, dass zum Vorneherein nicht ersichtlich war, dass es sich nicht um ein Einzelband handelt. Das hat mich dann etwas gefrustet zurückgelassen, denn das Buch endet dadurch sehr offen und mit einer Art Cliffhanger, den ich so nicht erwartet hatte, weil ich die ganze Zeit davon ausgegangen bin, dass es sich um eine in sich abgeschlossene Geschichte handelt. Das hätte man sicher transparenter deklarieren können, damit es am Ende nicht zu einer Enttäuschung kommt, wie es bei mir der Fall war. Aus diesem Grund musste ich auch einen Stern abziehen.

Fazit:

Sleep World ist ein Reihenauftakt, das uns Leser:innen eine dystopische Zukunft aufzeigt, in der der Klimawandel so weit fortgeschritten ist, dass mit sogenannten Klimapunkten funktioniert (die man sich durch nachhaltiges Leben verdient). Da dieses Zukunftsszenario gar nicht so unrealistisch ist, hat mich die Geschichte sehr gefesselt. Einzig das unerwartete offene Ende hat zu einer Enttäuschung bei mir geführt, da das Buch nicht transparent als Teil einer Reihe beworben wurde. Ansonsten kann ich dieses Hörbuch mit seinem fantastischen Sprecher weiterempfehlen!
4 Kommentare

Lesemonat April 2022

Meine Leseflaute hat sich im April zum Glück verabschiedet und ich habe immerhin 4 Bücher gelesen und 3 Hörbücher beendet. Da ich nur zu zwei (Hör-)Büchern eine ausführliche Rezension geschrieben habe, möchte ich erneut meine Kurzmeinungen mit euch teilen, die - wie immer -


(© Piper)

Seelenspiel - Tarryn Fisher
★★☆☆☆

!ACHTUNG SPOILER!

TW: Vergewaltigung, Entführung, Krebs

Das Buch habe ich spontan in meiner Onleihe ausgeliehen, weil ich schon mehrmals um den Titel herumgeschlichen bin. Von Tarryn Fisher habe ich bisher erst ein Buch in Zusammenarbeit mit CoHo gelesen, das mich nicht vollends überzeugen konnte.

Hier war der Einstieg noch sehr vielversprechend, auch wenn die Idee mit entführten Personen, die in einer abgeschiedenen Hütte eingeschlossen werden, nicht ganz neu ist. Ich hatte deshalb eigentlich einen spannenden Thriller erwartet, der sich mit ebendiesen Begebenheiten auseinandersetzt, doch im weiteren Verlauf geht es vielmehr um die Vergangenheit der Protagonisten, die viele Schicksalsschläge mitmachen musste. Und ehrlicherweise ist genau das mein Hauptkritikpunkt: Es waren einfach zu viele verschiedene Themen, denen die Autorin meiner Meinung nach nicht gerecht geworden ist. Statt sich auf psychische Instabilität und PTSD infolge einer Vergewaltigung  zu fokussieren, pfeffert Fisher irgendwann noch halbherzig das Thema Brustkrebs mit rein, wobei ich aufgrund der Masse der Themen den Anschein hatte, dass sie einem Dramaeffekt dienen sollten und die Autorin nicht die notwendige Sensibilität in der Ausarbeitung dieser doch sehr wichtigen Themen aufgebracht hat.
Die Geschichte verliert irgendwann ihren roten Faden und Fishers sehr simpler und wenig überzeugender Schreibstil hat nicht gerade dazu geführt, dass die Verwirrung auf meiner Seite kleiner geworden ist.

Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass die vielen losen Fäden am Ende wenigstens zu einem grossen Ganzen führen würden, das bei mir ein "Aha-"Effekt auslöst - aber das blieb (wie auch schon bei ihrem Buch mit CoHo) leider aus, sodass mich die Auflösung am Ende ziemlich unbefriedigt und mit einigen Fragezeichen zurückgelassen hat. Die Geschichte hätte auch mit weniger Themen gut, wenn nicht sogar besser funktioniert. Für mich hat die Autorin sich zu wenig mit den einzelnen Themen auseinandergesetzt, denn sie vermischt Symptome verschiedener psychischer Erkrankungen, als hätte sie der Protagonistin einfach alles angedichtet, das sie mal irgendwo gehört oder gelesen hat.
Ich arbeite ja ausserdem im psychoonkologischen Bereich mit Krebserkrankten und mir sind die Haare zu Berge gestanden, als die Autorin eine Szene schildert, in der die Protagonistin auf dem OP-Tisch(!) entscheidet, dass sie keine Brustrekonstruktion will und der zuständige plastische Chirurg dies ohne zu hinterfragen hinnimmt und dann aus dem OP verschwindet. So läuft das nicht mal annähernd in der Realität.

Ich könnte noch etliche dieser Beispiele anführen. Aber ich denke, diese Auswahl reicht aus, um meinen Kritikpunkt klarzumachen, dass Fisher einfach schludrig oder zu wenig recherchiert hat.

Das Buch muss man nicht gelesen haben.


(© Aufbau)

Die theoretische Unwahrscheinlichkeit von Liebe - Ali Hazelwood
★★★☆☆

Eigentlich wollte ich hier eine längere Rezension schreiben, aber habe es aus Zeitgründen mal wieder nicht geschafft.

Das Buch wurde ja irrsinnig auf Goodreads gehyped und rückblickend kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum. Abgesehen davon, dass die Handlung im universitären Forschungssetting spielt (in dem Frauen unterrepräsentiert sind, wie die Autorin nicht müde wird, im Buch immer wieder zu betonen), bietet die Liebesgeschichte nicht viel Neues. Die Protagonistin bandelt mit einem Professor an (der natürlich Anfang 30 und nicht, wie in der Realität 50+ Jahre alt ist), weil sie ihrer besten Freundin vorgaukeln will, dass sie eine Beziehung hat, damit diese sich endlich mit dem Ex der Protagonistin einlässt. Klingt total haarsträubend und weit hergeholt und ist es auch.
Das Buch ist niedlich, aber that's it. Viele Szenen wirkten wahnsinnig konstruiert und vorhersehbar, und für meinen Geschmack wurde das "will-they-won't-they" ein bisschen zu sehr ausgereizt, sodass ich am Ende froh war, als es endlich zum langersehnten Happy-End kommt, das man schon von Anfang an vorhersehen kann.

Kann man als kurzweilige Lektüre zwischendurch mal lesen, aber jetzt - knapp eine Woche später - ist erstaunlich wenig Erinnerung an den Inhalt bei mir hängen geblieben.

 
(© Greenwillow Books)

Gallant - V.E. Schwab
★★☆☆☆

Ich mag Schwabs Bücher eigentlich sehr gerne, aber das hier war gar nicht mein Fall. Das Buch hat keinerlei roten Faden und erst nach(!) zwei Dritteln des Buches passiert mal was.
Der Schreibstil ist sehr bildhaft und beschreibend und ich kann verstehen, dass viele Leser:innen davon schwärmen, aber mein Fall war es nicht. Ich hätte gerne mehr Story, dafür weniger Umschreibungen gehabt.
Die Charaktere blieben für meinen Geschmack zu blass und ich fand es irritierend, dass die Protagonistin nach Jahren einige ihre Verwandten wieder trifft, dann jedoch kaum mit ihnen interagiert - und das, obwohl sie so viele Fragen zu Gallant hat.
Das kann Schwab deutlich besser.

 

(© aufbau audio)
Die vier Winde - Kristin Hannah
★★★★☆

Das war wirklich eine unglaublich bedrückende Geschichte. Die ganze Zeit über hatte ich gehofft, dass Elsa doch endlich mal ein bisschen Glück verdient hätte - aber leider bleibt ihr das bis zum Schluss verwehrt. Das Hörbuch hat mir trotz der beklemmenden Thematik sehr gut gefallen und Luise Helm ist ohnehin die beste Sprecherin, die man sich für historische Romane wünschen kann. Ein Stern Abzug gibt es dennoch, weil das Buch zwischendurch seine Längen hatte - und ich habe bereits die gekürzte Version gehört.
Schön fand ich aber, dass hier fast ausschliesslich weibliche Figuren im Zentrum gestanden sind.


(© HörbucHHamburg)
Das Seelenhaus - Hannah Kent
★★★☆☆

"Das Seelenhaus" ist eine Art historischer Krimi, der auf wahren Begebenheiten beruht. Das Setting in Island hat mir besonders gut gefallen, denn ich habe bislang wahrscheinlich noch keinen Roman gelesen, der auf dieser wunderschönen Insel spielt (die ich auch gerne mal im echten Leben bereisen möchte!). Was mir ebenfalls gut gefallen hat, ist die düstere Atmosphäre, die die Autorin allein durch ihre Worte vermitteln konnte.
Agnes Schicksal hat mich zwar sehr mitgenommen, aber leider verläuft die Erzählung sehr langsam und unaufgeregt, dass bei mir nicht wirklich Spannung aufkommen wollte. Es wird zwar nach und nach aufgeklärt, was sich damals wirklich abgespielt hat, aber so richtig packen konnte mich die Handlung nicht.
Auch die Charaktere sind in meinen Augen sehr unnahbar und blass geblieben und ich konnte gerade zu den vielen Nebencharakteren, die ebenfalls wichtige Rollen einnehmen, keine wirkliche Bindung aufbauen.

Die Sprecher:innen machen ihre Sache gut und die Abwechslung zwischen der männlichen und weiblichen Erzählstimme, hat mir gut gefallen.

Aufgrund meiner Kritikpunkte vergebe ich abschliessend durchschnittliche 3 Sterne - ich kann die vielen guten Bewertungen aber dennoch nachvollziehen. Ich bin nur leider kein Fan von Slow Pace Romanen.
7 Kommentare
(© Droemer Knaur)

Das Buch der verschollenen Namen*
von Kristin Harmel

Bewertung: ★★★★☆

Historical Fiction, 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2021
Verlag: Droemer Knaur


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Droemer Knaur Verlag.

Inhaltsangabe:
Nur knapp entkommt die Studentin Eva Abrams 1942 aus Paris, nachdem ihr Vater, ein polnischer Jude, verhaftet wurde. Eva findet Zuflucht im kleinen Bergdorf Aurignon in der unbesetzten Zone, wo sie auch den jungen Widerstandskämpfer Rémy kennenlernt. Bald beginnt Eva, im Auftrag der Résistance Ausweispapiere für jüdische Kinder zu fälschen – doch deren wahre Identität möchte sie für eine Zeit nach dem Krieg bewahren. Zusammen mit Rémy fertigt sie verschlüsselte Aufzeichnungen an: das Buch der verschollenen Namen. Als jedoch ihre Widerstandszelle verraten wird und Rémy plötzlich verschwindet, bedeutet das Buch für sie beide tödliche Gefahr …

Meine Meinung:

Auf dieses Buch bin ich einmal mehr aufgrund des Hypes auf Goodreads aufmerksam geworden. Und obwohl es inzwischen viele Bücher zum Zweiten Weltkrieg gibt, hat Harmel hier durch den Fokus auf eine Widerstandsbewegung in einem kleinen französischen Dorf, etwas ganz Neues geschaffen, das ich so bislang noch in keinem anderen Buch zum Holocaust gelesen habe.

Die Handlung des Buches wird auf zwei Zeitsträngen erzählt, wobei sich der Hauptteil während den Kriegsjahren in den 1940er abspielt und einzelne wenige Kapitel aufzeigen, was die inzwischen 86-jährige Protagonistin Eva in der Gegenwart des Jahres 2005 erlebt. Das verbindende Glied zwischen beiden Zeitsträngen stellt dabei ein Buch dar, das eine ganz besondere Bedeutung für Eva hat.

Doch bevor wir mehr darüber erfahren, dreht die Autorin die Zeit zurück und wir werden mitten in die ersten Kriegsjahre des Zweiten Weltkrieges in Paris geworfen, in der die jüdische Familie Abrams sich mit dem neuen Hass und der Jagd auf die Juden auseinandersetzen muss. Kurz nachdem Evas Vater sie über die neuen Gefahren aufgrund ihres religiösen Glaubens warnen kann, wird er von den Nazis geschnappt und in ein Konzentrationslager gebracht. Eva und ihrer Mutter gelingt die Flucht und durch einen Helfer landen sie im kleinen Bergdorf Aurignon, in dem sich Eva kurze Zeit später der Widerstandsbewegung anschliesst und hilft, Ausweisdokumente für jüdische Kinder zu fälschen, die anschliessend in die Schweiz gebracht werden. Ein wichtiger Helfer stellt dabei Rémy dar, zu dem Eva sich ganz besonders verbunden fühlt. Doch ihre junge Liebe steht unter keinem guten Stern, denn beide müssen stets fürchten, jederzeit von den Nazis entdeckt zu werden...

Trotz der sehr ernsten Thematik und den vielen tragischen Erlebnissen, denen auch Eva im Laufe der Geschichte nicht verschont bleibt, hat Harmel einen überraschend leichten Erzählstil, mit dem ich schnell wie in einem Sog in Evas Welt hineingesogen wurde. Das Buch liest sich dadurch angenehm schnell, wobei ich mir hin und wieder bei den Charakteren ein bisschen mehr Tiefe gewünscht hätte.
Was mir ebenfalls sehr gut gefallen hat, ist, dass sich die Handlung über mehrere Jahre erstreckt und sich auch die Veränderungen des durch den Krieg bemerkbar machen. Der Druck und die Angst vor den Nazis nimmt stetig zu, und dadurch auch das Risiko, verraten und entdeckt zu werden, was das Leseerlebnis natürlich unglaublich spannend macht, da ich richtiggehend mit den Bewohner:innen von Aurignon, allen voran Eva, Rémy und ihre Mutter, mitgefiebert habe.
Harmel gelingt es gut, einen Spannungsbogen aufzubauen, der sich immer mehr zuspitzt, bis sich zuletzt die Ereignisse in einem gewaltigen Finale entladen, der viele Überraschungen bereithält und dazu geführt hat, dass ich einige Tränchen verdrücken musste.
Das Sahnehäubchen war schliesslich die Abrundung der Geschichte aus der Vergangenheit mit der Wiedervereinigung von Eva und dem Buch, das so eine grosse Bedeutung für sie hat. Damit gelingt es Harmel ausserordentlich gut, die beiden Handlungsstränge zu vereinen und zu einem traurigen, aber dennoch zufriedenstellenden Abschluss zu bringen.

Leider belässt es die Autorin aber nicht bei der anfänglichen Tragik, das das Ende mit sich bringt, und entscheidet sich für eine weitere Enthüllung am Ende des Buches, die meine Begeisterung leider etwas getrübt hat. So sehr sich mein Fanherz ein solches Ende gewünscht hätte, so unglaubwürdig hat dieses doch etwas kitschige beinahe-Happy End für mich angefühlt. Für mich wäre die Geschichte erinnerungswürdiger geblieben, wenn ich das Buch mit einem gebrochenen Herzen beendet hätte. Zudem fand ich die knappe Begründung der Autorin für diese Gründe dieser Enthüllung zu jenem Zeitpunkt sehr fragwürdig und letztendlich hat das Ende mit jener Erklärung für mich keinen Sinn ergeben. Schade, aber das hat letztendlich zu einem Sternabzug eines ansonsten sehr tollen Buches geführt.

Fazit:

"Das Buch der verschollenen Namen" erzählt die Geschichte der Jüdin Eva, die während des Zweiten Weltkrieges aus ihrem Zuhause in Paris in ein abgeschiedenes Bergdorf in Frankreich flüchten muss, wo sie sich der Widerstandsbewegung anschliesst. Harmels Erzählstil ist so angenehm, dass man beim Lesen quasi durch die Seiten fliegt und durch die zunehmende Spannung, konnte ich das Buch irgendwann kaum mehr aus der Hand legen. Wäre das Ende anders ausgefallen, hätte das Buch 5 Sterne von mir bekommen. So gibt es einen Sternabzug, aber trotzdem eine Leseempfehlung für Leser:innen, die gerne historische Romane lesen.
4 Kommentare
(© Der Hörverlag)

Das Restaurant am Ende des Universums* (The Hitchhiker's Guide to the Galaxy #2) *
von Douglas Adams
Gelesen von Christian Ulmen 

Bewertung: ★★☆☆☆

Science Fiction, Audiobook 
Spieldauer: 6 Stunden 40 Minuten
Erscheinungsdatum: 9. September 2010

Verlag: Der Hörverlag

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Arthur Dent, einziger Überlebender des gesprengten Planeten Erde, hat sich auf seiner abenteuerlichen Fahrt durch den Weltraum eine Pause verdient. Gemeinsam mit seinen Freunden Ford Prefect, Trillian, Marvin und Zaphod Beeblebrox steuert er Milliways an, das Restaurant am sprichwörtlichen Ende des Universums. Doch von Erholung keine Spur. Zum Abendessen nehmen Arthur und Co an einer Reality Show teil, und dann treffen sie auch noch Desaster Area, die lauteste Rockband des Universums.

Meine Meinung:

Vor einer gefühlten Ewigkeit bin ich mal über das Hörbuch "Per Anhalter durch die Galaxis" gestolpert, das den Vorgänger dieses Bandes darstellt. Das Buch war mir durch viele popkulturelle Anspielungen (wie dem Handtuch oder der Nummer 42) bereits ein Begriff, aber damals hat mich die dazugehörige Story sehr amüsiert.

Auch dieser zweite Band versprach mit seinem ulkigen Titel wieder amüsant zu werden, denn unsere Protagonist:innen landen nach der Flucht von der Erde scheinbar an einem neuen Ort, das ein neues Abenteuer bereithalten würde - das war zumindest das, was ich erwartet hatte.

Dieses Mal ist es mir jedoch sehr schwergefallen, einen Zugang zur Geschichte in diesem zweiten Band und den Charakteren zu finden. Ich hatte den Eindruck, dass die Story gerade zu Beginn eher vor sich hindümpelt und es dauert eine ganze Weile, bis die Charaktere an dem titelgebenden Restaurant ankommen, das dann aber nicht wirklich relevant für die Handlung ist. Wie nichts, das passiert, irgendwie. Denn mein Hauptkritikpunkt an diesem Hörbuch ist eindeutig, dass es an einem roten Faden fehlt, den es im ersten Band durch die drohende Zerstörung der Erde gegeben hatte.

Mein Interesse - oder Desinteresse - beim Hören dieses Hörbuchs war schwankend. Es gab einige Szenen, die mich zum Schmunzeln gebracht haben, wie etwa die Fahrstühle, die keine Lust mehr hatten, nur noch Auf und Ab zu fahren oder auch das kellnernde Tier im Restaurant am Ende des Universums, in dem bitterböser Humor versteckt war, das zurecht Kritik am Fleischkonsum nimmt.
Doch das waren alles immer nur kurze Sequenzen und hatte zwar dazu geführt, dass ich doch am Ball geblieben und das Buch nicht abgebrochen habe, doch die Hoffnung, dass die Story irgendwann noch an Fahrt aufnimmt, blieb unerfüllt.

Ich bewundere Douglas Adams für einige seiner wirklich schrägen, aber lustigen Einfälle und sein Humor erinnert mich stark an den von Terry Pratchett, den ich ebenfalls herrlich amüsant finde. Aber diese Fortsetzung der "Per Anhalter durch die Galaxis"-Reihe hätte es in meinen Augen nicht gebraucht. Dafür passiert einfach zu wenig in dieser Fortsetzung.

Der Sprecher, Christian Ulmen, macht seine Sache - wie auch schon im Vorgänger - gut und versucht - mal mehr und mal weniger - einzelnen Charakteren durch seine individuelle Interpretation Leben einzuhauchen.

Fazit:

"Das Restaurant am Ende des Universums" kommt leider nicht annähernd an meine Begeisterung für den ersten Band der "Per Anhalter durch die Galaxis"-Reihe heran. Es fehlt der Fortsetzung leider an einem roten Faden und bis auf einzelne amüsante Szenen, hat mich das Hörbuch eher enttäuscht zurückgelassen. Ich kann deshalb nur 2.5 Sterne vergeben.
2 Kommentare

Lesemonat März 2022

Als Erstes möchte ich mich für die lieben Kommentare bedanken. Leider ist im März auf meinem Blog nicht viel passiert. Das liegt in erster Linie daran, dass ich (noch) nicht in meinen alten Leserhythmus zurückgefunden habe und ich unglücklicherweise seit meiner Rückkehr an einer Leseflaute leide, die auch jetzt noch nicht ganz vorüber ist. Ganz untätig war ich allerdings nicht, denn ich habe immerhin je zwei Bücher/Hörbücher im März gehört bzw. gelesen. Ich hatte allerdings nie genug Lust oder Inhalt, um eine ausführliche Rezension zu schreiben und habe deshalb jeweils mein Fazit nach Abschluss der (Hör-)Bücher in sehr ehrlichen, subjektiven und direkten Kurzmeinungen kundgetan, die sich meistens nur auf 1-2 Aspekte beziehen und den Rest ausser Acht lassen - deshalb hätten sie sich auch nicht als vollständige Rezensionen auf meinem Blog qualifiziert.
Damit es auf meinem Blog aber nicht ganz so leer bleibt, möchte ich die Kurzmeinungen nun doch als gesammelter Monatsrückblick hier mit euch teilen. 

(© C. Bertelsmann)

Meine dunkle Vanessa - Kate Elizabeth Russell
★★★★☆

TW: sexueller Missbrauch

Das Buch ist echt keine leichte Kost. Es ist unfassbar, wie ekelhaft und manipulativ ein Charakter eigentlich sein kann. Und gleichzeitig fand ich es beeindruckend, welche Gefühle von Abscheu und Ekel die Autorin beim Lesen bei mir wecken konnte. Ein wirklich wichtiges Buch, das ein erschütterndes Thema behandelt und das man nicht mal eben nebenher lesen kann. Ein Stern musste ich trotzdem abziehen, weil ich das Buch manchmal etwas zu langgezogen gefunden habe und einige Beschreibungen (abseits des eigentlichen Themas) sich manchmal wie Lückenfüller angefühlt haben. Insgesamt aber ein empfehlenswertes Buch.


Für immer ein Teil von dir - Colleen Hoover
★★★★☆

(© dtv)
CoHo beschreibt in ihrer Danksagung perfekt, was ihre Bücher für mich bedeuten: Eine kurze Flucht aus der Realität. Ich mag ihren gefühlvollen Schreibstil einfach und ihre Bücher machen mir einfach Spass beim Lesen. Das war auch hier der Fall.
Die Grundidee mochte ich, auch wenn sie natürlich mal wieder (etwas übetrieben) viel Drama mit sich bringt. Der Storyverlauf war aber dann schon sehr vorhersehbar und besonders das in meinen Augen etwas abrupte und übereilte Happy End, wirkte als solches schon sehr konstruiert. Nichtsdestotrotz hat CoHo mir wieder ein paar schöne Lesestunden beschert, deshalb vergebe ich - trotz einiger Schwächen - wohlwollend 4 Sterne. Ihre Bücher sind einfach mein Guilty Pleasure. Und wenn es in der Realität schon so oft kein Happy End gibt, ist es zumindest schön, ab und zu eines in Bücher wiederzufinden, das einem ein zufriedenes Lächeln beschert. ;)
 
 
(© Argon)

Love Your Sex - Gianna Bacio
★★★☆☆

Über dieses Hörbuch bin ich zufälligerweise auf Spotify gestolpert und das Thema hat mich angesprochen. Gianna Bacio führt wirklich gut in die Grundlagen eines gesunden Sexlebens ein und erläutert die wichtigsten Komponenten, die u.a. aus der Psychotherapie/Sexualtherapie stammen (wie Achtsamkeit, Atemübungen und Kommunikationsregeln). Nur leider war für mich nahezu gar nichts Neues dabei, sodass sich das Buch eher für Menschen eignet, die sich beim Thema Sexualität noch gar nicht auskennen und/oder gerade beginnen, sexuell aktiv zu werden. All das, was hier erzählt wird, findet man auch in gefühlt jedem Podcast zum Thema Sex auf Spotify. Mir war das Hörbuch zudem zu breit gefächert und ich hätte es spannender gefunden, wenn sich Gianna vielleicht spezifisch auf die Kommunikation fokussiert hätte, statt mehrmals zu betonen, wie wichtig Kommunikation für eine gesunde/erfüllende/gute Sexualität ist - denn das sollte wohl jedem erwachsenen Menschen klar sein. ;)

 

Die kleinste gemeinsame Wirklichkeit - Mai Thi Nguyen-Kim
★☆☆☆☆

(© Argon)
Eigentlich fand ich Mai bisher mit ihren Youtubevideos (insb. zur und während der Coronakrise) sehr sympathisch, aber dieses Buch war nichts.
Einerseits hat das Buch für mich praktisch gar keine neuen Infos zutage gebracht, denn wer weiss denn heutzutage noch nicht, dass es keine wissenschaftlichen Nachweise für die Wirksamkeit von Homöopathie gibt, oder Persönlichkeit und Intelligenz nicht allein genetisch bestimmt sind?
Hier hätte ich deutlich innovativere Streitfragen erwartet...

Am schlimmsten fand ich aber das Kapitel eher am Anfang des Buches, in dem Mai sich auf total abgehobene und hochnäsige Weise über die psychologische Wissenschaft lustig macht und ihr quasi unterstellt, dass man ja immer einen Zufallseffekt finden würde, der signifikant ist, wenn man ein Experiment nur lange genug wiederholt. Sie unterstellt psychologischen Forschenden sogar, dass diese quasi alles so hinbiegen, dass es am Ende interessant wirkt. Als Beispiel zieht sie den total veralteten Zusammenhang zwischen Aggressivität und Videospielen heran - etwas, das meiner Meinung nach in erster Linie nicht von Psycholog:innen propagiert wird, sondern von den Medien. Mai stellt es so hin, als wären psychologische Studien im Vergleich zu anderen Wissenschaften nicht ernstzunehmen und wirft dann ganz neunmalklug mit Begriffen wie dem Publication Bias um sich, um ihre Behauptung zu untermauern. Guess what? Der Publication Bias (sowie viele andere typische Fehlerquellen in der Forschung) betrifft nicht nur psychologische Studien, sondern auch alle andere Forschungsfelder. Ich selbst habe einen Masterabschluss in Science of Psychology und mein Studium hat gefühlt zur Hälfte nur aus Statistik, Methodik und Forschungsmethoden bestanden, bei dem wir nicht nur lernen, wie Studien aufgebaut sind und funktionieren, sondern auch, welchen Biases sie unterliegen können und welche Probleme dies nach sich zieht.
Lustigerweise musste ich die ganze Zeit daran denken, dass sie ihre Kritik wohl mal besser an Studien aus der Pharmaindustrie übt, denn die haben bestimmt mehr Dreck am Stecken, als jede psychologische Studie. Und tatsächlich nimmt Mai einige Kapitel später Stellung zur Pharmaindustrie und lobt diese - zu meiner anfänglichen Überraschung - in den Himmel. Als sie dann aber zugibt, dass ihr Mann in ebendieser Pharmaindustrie tätig ist, wurde mir dann einiges klar.

Abschliessend ist wohl klar, dass Mai hier mit einem sehr viel grösseren Bias ihre vermeintlich fundierten wissenschaftliche Behauptungen zum Besten gibt, als sie es psychologischen Studien anlasten will. Sehr enttäuschend und für mich hat sie sehr viele Sympathiepunkte eingebüsst.
Dieses (Hör-)Buch kann man sich sparen, denn hier findet man nur eine eher subjektive Sichtweise von "Wirklichkeiten", die für mich allesamt nicht neu waren.

10 Kommentare

Ich bin zurück!

Liebe Blogbesucher:innen

Die drei Monate sind (leider) wie im Flug vergangen und ich bin wie angekündigt wieder zurück. Tatsächlich habe ich in der ganzen Zeit kein einziges Buch gelesen und auch keine Hörbücher gehört. Ich versuche mich jetzt langsam wieder ans regelmässige Lesen zu gewöhnen und poste hoffentlich bald auch wieder erste Rezensionen, auch wenn in diesem Jahr vermutlich etwas weniger als im vergangenen Jahr. Ich habe mir vorgenommen, in diesem Jahr weniger Rezensionsexemplare anzufragen und auch bei keinen Challenges teilzunehmen, sondern möchte wieder mehr lesen, worauf ich gerade Lust habe. Ich möchte zudem nach meinem Sprachaufenthalt noch mehr englische Bücher lesen, die natürlich für Leser:innen deutscher Bücher (bzw. auf Deutsch übersetzten Büchern) weniger interessant sind, deshalb könnte es in diesem Jahr sein, dass weniger Rezensionen erscheinen. Dafür soll der (Lese-)Spass wieder mehr im Vordergrund stehen!

Mal sehen, ob ich die Vorsätze umsetzen kann.

Ich freu mich wieder auf den Austausch mit euch! ♥


10 Kommentare

Ankündigung Blogpause (ich komme wieder!)

Liebe Leser:innen

Die einen oder anderen haben es vielleicht schon in Kommentaren mitbekommen, aber ich möchte nun offiziell noch verkünden, dass ich voraussichtlich eine Blogpause von drei Monaten, als bis Anfang März, einlegen werde. Der Grund dafür ist ein 3-monatiger Auslandsaufenthalt, durch den wahrscheinlich wenig zum Lesen und schon gar nicht zum Rezensieren und Bloggen kommen werde.

Wichtig ist mir vor allem zu betonen, dass ich definitiv ab März wieder bloggen werde und hoffe, dass ihr mir in der Zwischenzeit nicht entfolgt. Ich freu mich nämlich wieder sehr auf den Austausch mit euch nach meiner Rückkehr!

Falls ihr also bis dahin nichts mehr von mir hört, dann wünsche ich euch in dieser Zeit alles Gute, schon jetzt frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 
 
Alles Gute, viele tolle Lesestunden und liebe Grüsse
paperlove
8 Kommentare
(© Lyx)

Felix Ever After*
von Kacen Callender

Bewertung: ★★★★★

YA Contemporary Romance, 353 Seiten
Erscheinungsdatum: 29. Oktober 2021
Verlag: Lyx


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Lyx Verlag.

Inhaltsangabe:
Der siebzehnjährige Felix Love war noch nie verliebt - die Ironie daran geht ihm selbst ziemlich auf die Nerven! Seine größte Angst ist es, dass sich niemand in ihn verlieben wird, weil er einfach zu viele Ausschlusskriterien erfüllt. Braune Haut, queer und trans - die Vorstellung, dass er deshalb nicht liebenswert ist, lässt ihn in Schockstarre verweilen. Doch als Felix transfeindliche Instagram-Nachrichten bekommt, nachdem sein Deadname zusammen mit Fotos von ihm vor seiner Transition in der Schule veröffentlicht wurde, wird es für ihn endlich Zeit zu handeln. Felix schreibt seinem vermeintlichen Peiniger zurück, um herauszufinden, wer ihm das angetan hat, und verstrickt sich dabei in einem Netz aus ungeahnten Gefühlen, Identitätssuche und wahrer Freundschaft ...

Meine Meinung:

Eine kurze Anmerkung vorweg: Ich werde für den Autor Kacen Callender in meiner Rezension die Pronomen "er/ihm" verwenden, da es für "they/them" leider noch kein deutsches Äquivalent gibt, das sich etabliert hat und Callender in der Danksagung seines Buches selbst schreibt, dass er neben "they/them" auch die Pronomen "er/ihm" verwendet.

Dieses Buch wollte ich ursprünglich schon in der englischen Originalfassung lesen, nachdem es auf Goodreads so herausragende Bewertungen bekommen hat, doch leider habe ich nie die Zeit dafür gefunden. Als vor kurzem schliesslich die deutsche Übersetzung erschienen ist, konnte ich nicht länger widerstehen!

Bei dem Buch handelt es sich um einen Own Voice Roman, indem der Autor Kaden Callender, der selbst transgender und nonbinär ist, seine eigenen Erfahrungen miteinfliessen lässt. Im Mittelpunkt des Buches steht der 17-jährige Felix, der sich im Abschlussjahr an der High School befindet und in Kürze aufs College gehen möchte. Neben seinen Zukunftsplänen, befindet sich Felix auch auf Identitätssuche. Bislang hat er als geouteter transgender Mann gelebt, doch er merkt nach und nach, dass er sich nicht ganz als trans Mann identifizieren kann. Und als wäre das nicht schon schwierig genug, wird er noch dazu von einer unbekannten Person aus seiner Schule gemobbt. Der:die offensichtlich transphobe Mobber:in stellt Felix bloss, indem er:sie Fotos vor seiner Transition und seinen Deadname in der Schule für alle zur Schau stellt und beleidigt ihn anschliessend aufs Übelste anonym auf Social Media aufgrund seines Genders.
Irgendwann hat Felix genug und er meint in Dylan, einem seiner Mitschüler, den vermeintlichen Übeltäter zu kennen. Felix schmiedet einen Racheplan und erstellt einen anonymen Social Media Account, um so mit Dylan in Kontakt zu treten, und sich an ihm zu rächen, sobald er die Bestätigung dafür erhalten hat, dass es sich tatsächlich um den Mobber handelt. Doch je länger Felix mit ihm schreibt, desto mehr muss er feststellen, dass er sich in Dylan getäuscht hat. Und zwischen den beiden entwickelt sich plötzlich etwas, das Felix niemals erwartet hätte...

Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass mich das Buch aufgrund der Thematik sehr angesprochen hat, ich aber niemals eine so wahnsinnig einnehmende, emotionale Geschichte erwartet hätte. Ich fand es eine vortreffliche Wahl von Callender, die Handlung aus der Ich-Perspektive zu erzählen, denn dadurch konnte ich zu jedem Zeitpunkt nachempfinden, wie Felix die entsprechenden Situationen gerade erlebt. Die Ich-Erzählperspektive hat es ermöglicht, dass die komplexe Auseinandersetzung und die vielen Gefühle, Ängste und Sorgen, die damit einhergehen, auch für aussenstehende Leser:innen erlebbar gemacht wurden.
Die Handlung an und für sich ist an vielen Stellen sehr typisch für das Young Adult Genre und gerade der Anfang, mit dem anonymen Chat mit Dylan, hat mich zunächst sehr an "Love, Simon" erinnert. Zum Glück schlägt der Autor aber nach einiger Zeit einen ganz anderen Weg ein, und es tritt eine Person aus Felix Leben in den Vordergrund, die plötzlich eine ganz andere Rolle einnimmt, als Felix - und auch ich - erwartet hätten. Ein schöner Twist, der mir Gänsehaut beschert hat!

Neben Felix treten im Buch auch einige Nebencharaktere auf, wovon die meisten Mitschüler:innen oder Freund:innen des Protagonisten sind. Leider zeigen die meisten Nebencharaktere im Laufe der Handlung problematische Seiten auf, sodass es sehr wenige Personen gab, die mir wirklich sympathisch waren. Die Krone setzt dem ganzen wohl Marisol auf, die so woke ist, dass sie Felix vorwirft, sein Outing als transgender Mann und seine Entscheidung für eine Transition als Frau zu einem Mann, sei als frauenfeindlicher Akt zu verstehen, da es scheinbar nichts Frauenfeindlicheres gäbe, als sich zu entscheiden, ein (trans) Mann zu sein. Ich wusste nicht, ob ich darüber lachen soll, weil dieser Vorwurf so lächerlich und absurd ist oder ob ich wütend über so viel Dummheit sein sollte. Aber vermutlich gibt es da draussen tatsächlich Menschen, die so woke sein wollen, dass sie den Bezug zur Realität verlieren und dann solche absurden Vorwürfe vom Stapel lassen.

Das Buch punktet insgesamt definitiv damit, dass es ein Own Voice Roman ist, denn Callender ist es wirklich unglaublich gut gelungen, mich als Leserin mitfühlen zu lassen und einen Einblick in das innere Erleben einer Person zu geben, die nonbinär ist. Das ist nämlich ein Thema, mit dem ich bisher wenig Berührungspunkte hatte und ich fand es schön, dass der Autor ein solches Thema in den Vordergrund stellt. Ich könnte mir vorstellen, dass es für viele junge Menschen einen Halt sein kann, die sich in Felix und seinen Erlebnissen wiedererkennen. Callender selbst berichtet in der Danksagung ebenfalls, dass ihm damals erst durch eine Serie so richtig klar geworden ist, dass er sich nicht als das biologische Geschlecht fühlt, mit dem er geboren wurde. Das zeigt, wie wichtig es ist, dass die Repräsentation von Diversität in Literatur und Film und Fernsehen sehr wichtig sind. Und das ist hier auf allen Ebenen gelungen.

Zuletzt bleibt noch kurz zu erwähnen, dass "Felix Ever After" das erste Buch war, das ich gelesen habe, das durchgängig eine genderneutrale Sprache verwendet. Das ist ja etwas, das ich meinen Rezensionen schon lange mache. Zu Beginn war es natürlich etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach wenigen Seiten fällt es kaum mehr auf, sodass auch andere Verlage und Autor:innen zukünftig den Mut haben, eine inklusive Sprache zu wählen. Und ich hoffe, dass sich vielleicht bald noch ein deutsches Äquivalent für they/them finden lässt, das sich etabliert.

Fazit:

"Felix Ever After" ist ein Own Voice Roman von Kacen Callender, der sich mit der Auseinandersetzung der eigenen Geschlechtsidentität befasst und die Geschichte eines transgender Mannes erzählt, der herausfindet, dass er wahrscheinlich nonbinär ist. Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive erzählt und ist damit absolut einnehmend, weil man Felix Gefühle in jeder Situation miterleben kann. Callender greift in seinem Buch viele wichtige Themen auf und setzt sie (vermutlich aufgrund seiner eigenen Erfahrung) sehr authentisch um - dazu gehören leider auch Erfahrungen mit Transphobie und Mobbing. Alles in allem aber ein wichtiger, absolut empfehlenswerter Own Voice Roman, der absolut verdient Diversität repräsentiert. Von mir gibt es 5 Sterne und eine  Leseempfehlung!
2 Kommentare
(© Kösel)

So bin ich stark* Gut aufgestellt mit dem inneren Team
von Jutta Heller

Bewertung: ★★★★☆

Self Help, 48 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. Oktober 2017
Verlag: Kösel


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Kösel Verlag.

Inhaltsangabe:
Klug wie eine Eule, stur wie ein Esel, flexibel und standfest wie ein Känguru: Wir alle tragen Anteile in uns, die bei Gelegenheit gerne miteinander streiten. Die erfahrene Trainerin Jutta Heller stellt verschiedene innere Mitspieler vor und zeigt, wie wir mit ihnen ein starkes inneres Team entwickeln. So sind wir gewappnet für alle Herausforderungen und Situationen, denen wir begegnen. Unser Selbstwertgefühl wird gestärkt, wir können authentisch auftreten und so stark durchs Leben gehen.

Meine Meinung:

Die Arbeit mit dem inneren Team wird in der Psychotherapie mittlerweile sehr häufig angewendet, dort ist die Technik vor allem als Arbeit mit "Ego States" bekannt. Heller hat hier ein kompaktes Selbsthilfebuch kreiert, das die Arbeit mit den inneren Anteilen anhand von Tiermotiven vorstellt. Als Basis dafür dienen Assoziationen, die wir in unserem Sprachgebrauch häufig mit Tierwörtern verbinden. Wir können zum Beispiel "Stark wie ein Löwe" oder auch ein "Angsthase" sein. Und genau das macht sich die Autorin zunutze. Optisch ist das Buch sehr ansprechend, kompakt und übersichtlich gestaltet, sodass es Spass macht, durch die einzelnen Kapitel zu blättern. Auch die Illustrationen von Kai Pannen sind sehr gelungen.

Nach einer kurzen Einführung in die Arbeit mit inneren Anteilen, folgt eine Liste mit 70 Tieren, die als Hilfestellung für die nachfolgenden 14 Übungen herangezogen werden können. Jedes Kapitel befasst sich mit einem spezifischen Thema, das meistens mit eigenen Tierbeispielen der Autorin untermauert wird und zum Schluss eine konkrete Anleitung mit Fragen enthält, die einem helfen sollen, für sich selbst passende Tiermotive auszusuchen, um sich vertiefter mit dem entsprechenden Thema zu befassen. Die Themenauswahl ist aus meiner Sicht äussert gut gelungen, denn die Autorin deckt viele Problembereiche ab, die mir auch in der Psychotherapie häufig begegnen. So kann man anhand des Buches durch Tierbeispiele eigene persönliche Stärken und Schwächen aufdecken und diese dann anhand der Vorstellung von bestimmten Tieren verankern. Weitere Themen sind ausserdem innere Antreiber in Zusammenhang mit der eigenen Stressbewältigung, wie man sich besser abgrenzen kann, wie man eine bessere Balance und ein besseres Tempo erreichen kann oder wie man die Kommunikation zwischen den verschiedenen inneren Anteilen verbessern kann.

Doch trotz all des Lobes für die schöne Idee und die Umsetzung, gibt es auch ein Aber, das ich nicht unerwähnt lassen möchte. Im Buch klingen die Beispiele und die Anleitungen sehr simpel, ich würde jedoch behaupten, dass die Umsetzung nicht so einfach ist, wie es im Buch dargestellt wird. Ich würde behaupten, dass man als Voraussetzung eine gute Imaginationsfähigkeit und auch eine gute Selbstreflexion mitbringen muss - und das fällt nicht jedem Menschen so leicht, wie es im Buch den Anschein macht. Gerade weil nur eine Liste mit Tiernamen enthalten ist, fiel es mir manchmal schwer, mir die Tiere mit all ihren Eigenschaften bildlich vor Augen zu führen. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Übungen mit entsprechenden Illustrationen von Tieren oder sogar Tierfiguren leichter umsetzbar wären, weil sie die Tiere "greifbarer" machen.
Darüber hinaus setzt das Buch meiner Meinung nach auch eine gute Sprachfertigkeit auf, gerade was das Wissen über typische Eigenschaften angeht, das man mit den entsprechenden Tieren im deutschen Sprachgebrauch verbindet. Ich hatte den Eindruck, dass sich die Klient:innen aus dem Buch sehr differenziert mit den entsprechenden Tieren vergleichen konnte. So beschrieb zum Beispiel eine Klientin, dass sie sich aufgrund ihrer Arbeit ausgepowert wie ein Igel nach dem Winter fühle, der eher ein Einzelgänger sei und sich ständig auf Nahrungssuche zum Überwintern befinde, um dann von seinen Fettreserven zu leben. Ein gewisses Vorwissen über die einzelnen Tiere ist also sicher hilfreich, wenn man die Übungen möglichst konkret und detailliert umsetzen möchte. Ich hatte zum Vergleich bei einer Übung auch den Igel gewählt, aber bloss deshalb, weil er bekanntlich Stacheln hat und sich damit zum Schutz "einigeln" kann.

Fazit:

Jutta Heller hat ein optisch äusserst ansprechendes, kompaktes und hilfreiches Selbsthilfebuch zur Arbeit mit inneren Anteilen anhand von Tiermotiven geschaffen. Als Voraussetzung zur erfolgreichen Umsetzung der im Buch enthaltenen Übungen empfiehlt sich jedoch ein gutes Vorstellungsvermögen, sowie auch eine gute Selbstreflexion - wer dies nicht hat, dem empfiehlt sich das Buch wohl eher als hilfreiche Ergänzung zu einem Coaching oder auch zur Psychotherapie. Ich kann mir sehr gut vorstellen, einige der Übungen in meiner Arbeit umzusetzen und finde es toll, dass die Autorin am Ende des Buches entsprechend auch weiterführende (fachliche) Literatur eingefügt hat. Von mir gibt es 4 Sterne und eine Leseempfehlung insbesondere für Personen, die  bereits Erfahrungen in der Arbeit mit inneren Anteilen mitbringen.
2 Kommentare
(© cbj)

City of Ghosts - Im Reich der vergessenen Geister* (Cassidy Blake #2)
von Victoria Schwab

Bewertung: ★★★★☆

Paranormal, Middle Grade, 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2021
Verlag: cbj


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den cbj Verlag.

Inhaltsangabe:
Cassidy Blake (und ihrem Geisterfreund Jacob) bleibt keine Zeit, sich von den Ereignissen in Edinburgh zu erholen, denn die Geister-Fernsehshow ihrer Eltern führt sie direkt zum nächsten Drehort: nach Paris.

Klar macht es Spaß, Croissants zu essen und den Eiffelturm zu erklimmen, doch tief unter der Stadt wartet in den Katakomben auf Cassidy eine besonders unheimliche Gefahr. Cassidy muss auf ihre noch wachsenden Fähigkeiten als Geisterjägerin vertrauen, um mit Hilfe von alten und neuen Freunden ein schauriges Geheimnis zu lüften und die Stadt vor dem gefährlichen Geist zu retten.

Meine Meinung:

Vor rund zwei Jahren habe ich den ersten Band der Cassidy Blake Reihe gelesen, mit der Victoria Schwab eine Buchreihe für jüngere Leser:innen kreiert hat. Eigentlich gehöre ich längst nicht mehr zur Zielgruppe, aber da Schwab zu meinen Lieblingsautor:innen gehört und es am Ende des letzten Bandes eine unheilvolle Ankündigung gegeben hat, war ich neugierig, wie die Handlung fortgesetzt wird.

Wie bereits im Vorgänger, begleitet Cassidy auch hier wieder ihre Eltern für einen Filmdreh über Geister, dieses Mal jedoch nicht mehr in Edinburgh, sondern in Paris. Dazu taucht sie in die Katakomben der Stadt ab und stösst so auf den Geist eines verstorbenen Jungen, der ihr kurze Zeit später das Leben als Poltergeist schwer macht. Um ihn wieder loszuwerden, muss Cassidy nicht nur herausfinden, wie der Junge heisst, sondern auch, wie er gestorben wird. Das stellt sich jedoch als schwieriger heraus, als anfangs gedacht, doch zum Glück bekommt sie Hilfe von ihrem Geisterfreund Jacob und einer Freundin, die wir bereits im ersten Band kennenlernen durften.

Schwab bleibt ihrem Erzählstil aus dem ersten Band treu und erzählt Cassidys Abenteuer in einem rasanten Tempo in altersgerechter Sprache. Die Erzählung bleibt eher oberflächlich und verliert sich in nicht in Details, was zwar dazu führt, dass es der Handlung und den Charakteren etwas an Tiefe fehlt, dafür kommt man beim Lesen so schnell voran und der Plot bleibt dabei spannend.
Dieses Mal hatte ich den Eindruck, dass die Story düsterer als im ersten Teil war, und als das Schicksal des kleinen Jungen enthüllt wurde, musste ich schwer schlucken, weil ich die Vorstellung seiner Todesumstände einfach schrecklich gefunden habe. Ich muss jedoch dazu sagen, dass ich selbst schon mal in Italien Katakomben besucht habe und ich mir deshalb sehr bildhaft vorstellen konnte, wie es dort unten aussieht.

Was ich etwas schade gefunden habe, war der Umstand, dass es am Ende des letzten Buches eine dunkle Vorankündigung rund um Jacob gegeben hat, die langfristig eine Auswirkung auf die Freundschaft mit ihm und Cassidy haben wird, jedoch in diesem Buch mit keiner Silbe mehr erwähnt wurde. Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass Jacob sehr in den Hintergrund getreten ist und erst am Ende erhält er etwas mehr Raum, als er Cassidy endlich etwas aus seiner Vergangenheit und seinen Todesumständen erzählt. Ich hoffe, dass Schwab zumindest im letzten Band noch auf diese Ankündigung zurückkommt, denn sonst verliert sich dieser Handlungsfaden im Nirgendwo.

Fazit:

Schwab hat mit diesem Buch eine solide Fortsetzung der Cassidy Blake Reihe geschaffen und erzählt einen etwas düstereren Plot als im Vorgänger, der dieses Mal in Paris spielt. Das Buch eignet sich vor allem für jüngere Leser:innen und der Schreibstil ist dementsprechend einfach gehalten. Von mir gibt es wieder 3,5 Sterne.

2 Kommentare
(© Goldmann)

Zwischen den Welten* Was mich die Begegnung mit dem Tod über das Leben lehrte
von Suleika Jaouad

Bewertung: ★★★☆☆

Memoir, 480 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. Oktober 2021
Verlag: Goldmann


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Goldmann Verlag.

Inhaltsangabe:
Mit 22 wollte Suleika Jaouad die Welt erobern. Sie war verliebt und nach Paris gegangen, um als Kriegsreporterin zu arbeiten. Doch mit einem Mal fand sie sich auf einem ganz anderen Schlachtfeld wieder. Es fing mit einem Jucken im Bein an, dann kamen sechsstündige Nickerchen und bodenlose Erschöpfung. Die Diagnose: Leukämie. Urplötzlich löste sich Suleikas Leben in Rauch auf, und die nächsten vier Jahre verbrachte sie im Krankenhaus, ließ Chemotherapien und eine Knochenmarkspende über sich ergehen. Den Kampf um ihr Leben dokumentierte sie in der preisgekrönten New York Times-Kolumne „Life Interrupted“. Nach 1.500 Tagen galt sie als geheilt. Doch wie sollte sie es schaffen, wieder in die Welt zurückzukehren, die sie verlassen hatte? Wie zurückerobern, was verloren gegangen war? Zusammen mit ihrem Terrier Oscar unternahm Suleika einen Roadtrip durch die USA. Was sie unterwegs und in der Begegnung mit anderen Menschen lernte, empfand sie als das größte Lebensgeschenk. Denn die Grenze zwischen gesund und krank ist für uns alle durchlässig, und die meisten werden zeit ihres Lebens zwischen diesen beiden Königreichen hin und her pendeln. Suleikas Geschichte ist die bewegende Chronik eines Überlebenskampfes – und eine Liebeserklärung an die Kraft und Magie des Neubeginns.

Meine Meinung:

Gleich zu Beginn muss ich hervorheben, dass ich die offizielle Inhaltsangabe (in Kombination mit dem Cover) rückblickend sehr irreführend finde. Ich bin davon ausgegangen, dass das Buch in erster Linie die Zeit NACH Jaouads Krebsbehandlung beschreibt und der Fokus auf ihrer Reise durch die USA liegt - also eigentlich das, was auch dieses verträumte Reisefoto auf dem Cover verspricht.
In Wahrheit drehen sich rund zwei Drittel des Buches aber um die Krebsdiagnose und die anschliessend langjährige Behandlungen, durch die die Autorin die meiste Zeit in Krankenhäusern verbracht hat. Dieser Fokus ist an und für sich auch interessant, aber es war eben nicht das, was ich durch die Inhaltsangabe erwartet hatte. Die Folge daraus war, dass ich beim Lesen ziemlich ungeduldig geworden bin und mich ständig gefragt habe, wann denn die eigentliche Story losgeht.
Ich kann mir nicht erklären, was sich der Verlag dabei gedacht hat, dieses Buch mit falschen Erwartungen zu vermarkten, denn wenn ich von Anfang an gewusst hätte, dass es nicht vordergründig um eine Selbstfindungsreise geht, dann hätte ich mich besser auf den eigentlichen Inhalt einlassen können.

Nachdem dies nun gesagt ist, möchte ich aber natürlich auch kurz auf die tatsächlichen Erlebnisse aus dem Buch eingehen. Jaouad beginnt ihr Buch einige Zeit vor ihrer Leukämie Diagnose, und schildert, welche Pläne sie damals als junge Erwachsene gehabt hätte und wie diese alle durch die erschütternde Krebsdiagnose über den Haufen geworfen wurden. Was dann folgt, sind viele hunderte Seiten darüber, wie die Autorin die Zeit im Krankenhaus erlebt hat, welche Auswirkungen die Krankheit (und die lange Behandlungszeit) auf ihre damals noch sehr junge Liebe zu ihrem Freund Will hatte und welchen anderen Krebspatient:innen sie begegnet ist.
Obwohl Jaouads Schicksal - gerade in ihrem jungen Alter - sehr erschütternd ist, hat mich ihre Erzählung aber trotzdem überraschend kaltgelassen. Und ich vermute der Grund dafür lag darin, dass die Autorin in ihrem Buch teilweise sehr oberflächlich bleibt und sie ihre Geschichte eher emotional distanziert erzählt. Gerade als die Konflikte mit ihrem damaligen Partner mehr in den Vordergrund treten, erfährt man eigentlich sehr wenig über die tatsächlichen Streitpunkte oder wie Jaouad emotional mit der schwierigen Situation umgegangen ist.
Ironischerweise wird in einigen Goodreads-Rezensionen kritisiert, dass das Buch zu sehr ichbezogen und die Autorin dadurch narzisstisch wirkt. Bei mir war viel eher das Gegenteil der Fall: Für eine Autobiografie hat mir zu sehr die emotionale Tiefe gefehlt und die Autorin verschwendet sehr viel Zeit damit, ständig irgendwelche Nebenschauplätze aufzumachen, indem sie andere Personen in den Vordergrund stellt, die sie im Krankenhaus kennengelernt hat und ebenfalls schwer krank sind.
Versteht mich nicht falsch: Die Schicksale tun mir sehr leid und ich wünsche es niemandem - vor allem nicht so jungen Menschen - an Krebs zu erkranken, aber ich bin davon ausgegangen, dass es im Buch um das Leben der Autorin geht und nicht um eine Sammlung an verschiedenen Krebsgeschichten. Auch hier hat mir wieder die emotionale Tiefe gefehlt, denn was diese Schicksale (die teilweise auch leider zu Todesfällen geführt haben) mit Jaouad gemacht haben, erfährt man leider kaum.

Im letzten Drittel ist es dann endlich so weit, und die lange angekündigte Reise durch die USA steht bevor. Für mich kam das bedauerlicherweise zu spät, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits einen Grossteil meines Interesses dafür verloren, weil ich so lange darauf warten musste. Leider konnte auch dieser Schlussteil nicht ganz halten, was er verspricht, denn erneut hatte ich den Eindruck, dass sich Jaouad viel zu sehr in den Begegnungen mit Freunden und Bekannten auf ihrer Reise verliert, als dass wir tatsächlich einen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle bekommen haben.

Insgesamt kann ich sagen, dass die ich Jaouad für ihre Kraft und ihr Durchhaltewille bewundere, eine solche schwere Erkrankung in ihren 20er durchmachen zu müssen und sie mein tiefstes Mitgefühl für ihre Erlebnisse hat. Die Darstellung der Erlebnisse als autobiografisches Buch konnte mich jedoch nicht so richtig überzeugen, weil mir die Erzählung stellenweise zu oberflächlich geblieben ist und mich die Autorin mit ihrer Schreibweise emotional nicht erreichen konnte - dafür verliert sie sich zu sehr im Leben anderer Personen. Würde es sich nicht um wahre Begebenheiten handeln, hätte ich dem Buch wahrscheinlich sogar nur 2 Sterne vergeben.

Fazit:

"Zwischen den Welten" verspricht mit seiner Inhaltsangabe und seinem Cover ein Roadtrip, die die Autorin nach ihrer jahrelangen Krebsbehandlung macht, um sich selbst zu finden. Leider handelt es sich dabei um eine falsche Versprechung, denn die Selbstfindungsreise nimmt nur einen kleinen Teil am Ende des Buches ein und im Vordergrund steht vielmehr die jahrelangen Krebsbehandlungen im Krankenhaus. Dadurch bin ich mit den falschen Erwartungen an das Buch herangegangen und wurde letztendlich enttäuscht. Ausserdem bleibt die Autobiografie überraschend oberflächlich und statt emotionaler Tiefe, erzählt die Autorin lieber etwas über die Schicksale einige ihrer Mitpatient:innen, was letztendlich dazu geführt hat, dass mich das Buch emotional nicht richtig erreichen konnte. Von mir gibt es deshalb etwas enttäuschte 3 Sterne.
2 Kommentare
(© Der Hörverlag)

Die Wiederkehr des Königs (Der Herr der Ringe #3)*
von J.R.R. Tolkien
Gelesen von Gert Heidenreich 

Bewertung: ★★★★☆

High Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 15 Stunden 29 Minuten
Erscheinungsdatum: 13. September 2007

Verlag: Der Hörverlag

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Das grosse Finale Frodo will endgültig den Ring vernichten. Doch die Last ist schwer und Sam muss ihm helfen, den Ring zur Schicksalsschlucht zu bringen. Dort erwartet sie Gollum, der seinen Schatz für sich will. Die restlichen Gefährten bereiten sich auf die grosse Schlacht gegen Sauron vor. Unter ihnen ist auch der rechtmässige Erbe Gondors und so beginnt der Kampf um die Rettung Mittelerdes. Gert Heidenreich liest auch den dritten Teil der Fantasytrilogie in der Übersetzung von Wolfgang Krege und begleitet die Gefährten bei ihrem letzten Schlag gegen Sauron. Er erzählt von Frodo und seinen Freunden so einfühlsam und zugleich mit solcher Kraft, als spüre er die Macht des Rings.

Meine Meinung:

Mit dem Abschluss des dritten und letzten Bandes der "Der Herr der Ringe" Trilogie ist meine Reise nach Mittelerde nun abgeschlossen. Nachdem mich der erste Band (aufgrund der Nähe zur Filmhandlung und der Wahl des Sprechers) begeistert hatte, die Fortsetzung dagegen eher eine Enttäuschung war, hat mir dieser Abschlussband wieder etwas mehr gefallen, auch wenn er für mich trotzdem nicht an die Qualität des ersten (Hör-)Buches heranreicht.

Wie bereits im zweiten Band, werden auch hier die verschiedenen Handlungsstränge nicht parallel, sondern nacheinander erzählt. Das bedeutet, dass wir zuerst erfahren, wie es mit Gandalf, Aragorn und dem Rest der Gefährten weitergeht, bevor wir zu Frodos und Sams Reise zum Schicksalsberg zurückkehren. Anders als im Vorgänger, bleiben die Filme dieses Mal näher an der Buchvorlage, sodass ich besser in die Handlung eintauchen konnte. Doch obwohl die Gefährten für einige Action sorgen, war auch hier die grosse Schlacht in Minas Tirith nicht annähernd so episch beschrieben, wie sie schliesslich im Film gezeigt wurde. Aber es ist natürlich schwierig, zwei so unterschiedliche Medien miteinander zu vergleichen - das ist mir bewusst.
Was mich etwas überrascht hat, war, wie früh der grosse Showdown mit Frodo und Sam in Mordor im (Hör-)Buch geschieht. Dieses Ereignis stellt im Film der grosse finale Höhepunkt dar und die anschliessenden Erlebnisse werden nur kurz gezeigt, um den Film zu einem schönen, zufriedenstellenden Abschluss zu bringen. Im Buch hat sich Tolkien dafür viel mehr Zeit genommen und er erzählt ungefähr im letzten Viertel sehr ausführlich, wie die Überlebenden nach Hause zurückkehren und mit ihrem Erlebten umgehen. Obwohl ich die Spannungskurve im Film bevorzuge, kamen in Tolkiens ausführlichem Schlussteil die Beweggründe für Frodos letzte Entscheidung besser zum Ausdruck.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass Fans von komplexen High-Fantasy Worldbuildings hier voll auf ihre Kosten kommen. Tolkien hat wirklich eine beeindruckende Welt geschaffen, und belässt es nicht bei Oberflächlichkeiten, sondern weist eine unglaubliche Detailverliebtheit auf, die sich auch während des Lesens (oder Hörens) zeigt. Der Schreibstil des Autors ist sehr beschreibend und ausführlich, was leider aber manchmal zugunsten der Spannung und des Pacings geht. Anders als die Filme, punktet die Buchvorlage nicht mit spannenden, actiongeladenen Kampf- oder Kriegsszenen, der Fokus liegt vielmehr auf den ruhigeren Momenten. Mir war die Buchhandlung dadurch manchmal etwas zu langatmig, aber das ist sicher Geschmackssache.

Abschliessend muss ich zugeben, dass mir die Filmtrilogie in diesem Fall tatsächlich besser als die Buchvorlage gefällt, denn die macht einiges richtig, was Tolkien in meinen Augen nicht so gut gelungen ist. Das Worldbuilding und der rote Faden mit dem Abenteuerplot bleibt der gleiche, aber Peter Jackson und sein Team haben wirklich einen fantastischen Job gemacht, das Drehbuch so zu schreiben, dass die Filme fast durchgängig spannend bleiben und auch die Emotionen der Charaktere meiner Meinung besser zum Ausdruck kommen. Es gab viele Szenen, die im Buch nur angedeutet, im Film aber viel besser zum Ausdruck gebracht werden: Legolas und Gimlis Freundschaft, Aragorns Krönung zum König Gondors oder Sams wichtige Rolle sind nur drei wenige Beispiele dafür.

Zu Gert Heidenreich als Sprecher habe ich meine Meinung ja bereits in der Rezension zum zweiten Band kundgetan. Im dritten Band hatte ich mich an seine Sprechweise gewöhnt, aber sonderlich mitreissend fand ich seine Erzählung trotzdem nicht. Es gäbe sicher Sprecher, die die Handlung etwas aufregender erzählen könnten.

Fazit:

"Die Wiederkehr des Königs" schliesst das epische Fantasy-Abenteuer in Mordor zufriedenstellend ab. Auch dieser Abschlussband zeigt, wie beeindruckend Tolkiens Worldbuilding mit all seinen Wesen ist. Einzig die Aufteilung der verschiedenen Handlungsstränge fand ich auch hier nicht ganz gelungen und ich bevorzuge die parallele Erzählweise aus dem Film. Dieser letzte Band erhält deshalb 4 Sterne von mir.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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