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between the lines.

(© Impress)

Splitter aus Silber und Eis*
von Laura Cardea

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Fantasy, 402 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. Oktober 2020
Verlag: Impress


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den Impress Verlag.

Inhaltsangabe:
Veris ist die Prinzessin des Ewigen Frühlings – und die Schönste im ganzen Reich. Doch als solche trägt sie eine schwere Last: Sie allein soll ihr Volk vor dem Prinzen des Winters schützen, der mit eisigen Splittern die Herzen der Menschen vergiftet. Der Preis aber ist hoch. Als Auserwählte muss sie in den Palast der Winter-Elfen, aus dem keines der geopferten Mädchen je zurückgekehrt ist. Dort trifft sie auf den grausamen Prinzen. Und trotz der unendlichen Kälte, die er ausstrahlt, fragt sie sich, ob tief in seinem Inneren nicht doch ein warmes Herz schlägt.

Meine Meinung:

Bei "Splitter aus Silber und Eis" handelt es sich um einen Fantasyroman aus dem Young Adult Genre, das als Einzelband die Geschichte von Prinzessin Veris erzählt, die aufgrund einer Vereinbarung zum Schutze ihres Volkes, an den Hof des Prinzen der Winterelfen geschickt wird. Was sie dort erwartet, weiss Veris nicht genau, sie weiss nur, dass etliche junge Frauen nie wieder von dieser Reise zurückgekehrt sind.

Obwohl der Klappentext zunächst sehr vielversprechend geklungen hat, ist die Idee leider alles andere als neu. Das Buch erinnert stark an den ersten Band der "Das Reich der sieben Höfe" Reihe, der wiederum ein Retelling des berühmten "Die Schöne und das Biest" Märchens darstellt. Und genauso liest sich vor allem die erste Hälfte von "Splitter aus Silber und Eis" auch.
Doch selbst wenn man über diese starke Ähnlichkeit hinwegsehen würde, sticht das Buch auch sonst nicht wirklich mit Innovationen heraus, sondern enthält alle gängigen Tropes, die man in gefühlt jedem zweiten Young Adult Fantasy Roman findet. Aus diesem Grund ist mein Interesse für die Handlung relativ rasch abgeflaut und ich habe bereits nach knapp einem Viertel des Buches begonnen, Teile des Buches nur noch querzulesen, weil ich davon ausgegangen bin, dass sich der Plot ohnehin sehr vorhersehbar weiterentwickeln würde.

Zu meiner Überraschung muss ich zugeben, dass sich diese Annahme als falsch herausgestellt hat, denn fast genau in der Mitte des Buches passiert dann doch zu meiner grossen Überraschung ein Plot Twist, den ich so niemals vorhergesehen hätte und kurzzeitig mein Interesse wieder wecken konnte, da es für einen Moment so ausgesehen hatte, als würde die Story eine ganz andere, neue Richtung einnehmen.
Leider hat sich diese Hoffnung ziemlich schnell zerschlagen, denn trotz der überraschenden Wendung, wird die Protagonistin einfach in das nächste Schloss verfrachtet und der Handlung wird so wieder das Tempo, die Action und die Spannung genommen. Dementsprechend schnell war mein wieder gewonnenes Interesse auch wieder weg und ich habe den letzten Drittel des Buches nur noch überflogen.
Insgesamt verläuft die zweite Hälfte des Buches zwar tatsächlich anders als die erste, aber sie hat sich ironischerweise wie in Abklatsch des ersten Bandes der "Throne of Glass" Reihe angefühlt. Es scheint also so, als wäre Laura Cardea ein grosser Fan von Sarah J. Maas Werken. ;)

Der Schreibstil der Autorin ist okay, aber richtig fesseln konnte mich leider - bis auf den Plot Twist - kaum. Auch die Charaktere sind für mich zu blass geblieben und die Absichten der Protagonistin und ihre Meinungswechsel waren für mich teilweise schwer nachvollziehbar. Selbstverständlich gab es auch die obligatorische Liebesgeschichte, die auf mich allerdings sehr konstruiert und vorhersehbar gewirkt hat.

Fazit:

"Splitter aus Silber und Eis" ist eher für Leser:innen zu empfehlen, die komplett neu im Young Adult Fantasy Genre unterwegs sind. Alle anderen werden hier eher ein Abklatsch der jeweils ersten Bände der "Das Reich der sieben Höfe" und der "Throne of Glass" Reihen zu lesen bekommen, der noch dazu alle gängigen Klischees des Genres enthält und damit kaum Neues bietet. Mich konnte das Buch deshalb leider nicht packen und ich es leider auch nicht weiterempfehlen.
2 Kommentare
(© Fischer Tor)

Der Atem einer anderen Welt (Wayward Children #1-3)
von Seanan McGuire

Bewertung: ★★★☆☆

YA Fantasy, 464 Seiten
Erscheinungsdatum: 23. Januar 2019
Verlag: Fischer Tor


Inhaltsangabe:
Kinder und Jugendliche sind zu allen Zeiten in Kaninchenlöcher gefallen, durch alte Kleiderschränke ins Zauberland vorgestoßen oder auf einer Dampflok in magische Welten gereist. Aber … was geschieht eigentlich mit denen, die zurückkommen?
Mit Nancy, die die Hallen der Toten besucht hat und den Rest ihres Lebens am liebsten still wie eine Statue verbringen würde.
Und mit Christopher, den Jungen mit der Knochenflöte, der die Toten für sich tanzen lassen kann.
Sumi, die das Chaos braucht wie die Luft zum Atmen, weil sie aus einer Unsinnswelt kommt.
Oder Jack & Jill, die mit Vampiren und Wissenschaftlern unter einem blutig-roten Mond aufgewachsen sind.

Meine Meinung:

Die Reihe rund um die Wayward Children stand schon lange auf meiner Leseliste. Im englischen Original sind die einzelnen Geschichten mit unterschiedlichen Protagonist:innen als einzelne Bände erschienen und von den (bisher) insgesamt geplanten 10 Bänden, sind inzwischen 6 auf Englisch veröffentlicht worden. Bei der deutschen Übersetzung hat man sich dagegen entschieden, die ersten drei Bände in einem Buch zu veröffentlichen - was vermutlich daran liegt, dass die einzelnen Geschichten nur rund 170 Seiten umfassen.

Auf einer bekannten Verkaufsseite wird das Buch mit den Worten "für alle Fans von Ransom Riggs, C.S. Lewis und Philip Pullman" beworben und ich finde, dieser Satz trifft den Nagel (fast) auf den Kopf, auch wenn ich den letzten genannten Autor eher mit Lewis Carroll austauschen würde, denn die skurrilen Welten und die Idee aus McGuires Buch erinnert sehr stark an "Alice im Wunderland". Die Ähnlichkeit zu C.S. Lewis und seiner Narnia Reihe besteht darin, dass die Wayward Kinder die magischen Welten über eine Tür erreichen und der Vergleich mit Ransom Riggs liegt darin begründet, dass es (vor allem im ersten Band) um eine Schule geht, in dem die zurückgekehrten Kinder nach ihren magischen Abenteuern ein Zuhause finden, weil sie sich nicht mehr in die reale Welt einfügen können.
Man sieht also, dass McGuire sich von diversen bekannten Jugendbüchern hat inspirieren lassen, und dennoch ist es ihr gelungen, etwas ganz Eigenes aus ihrer Idee zu machen. Was mir besonders positiv aufgefallen ist, war einerseits der düstere, makabere und skurrile Erzählstil, auf der anderen Seite aber auch die Diversität, die Autorin in ihre Geschichten mit einfliessen lassen hat: Von Asexualität, über Transgender bis hin zu Adipositas sind viele wichtige Themen enthalten. Dafür gibt es einen dicken Pluspunkt!

Da die einzelnen Geschichten in sich abgeschlossen sind und sich für mich nicht gesamthaft bewerten lässt, möchte ich nachfolgen kurz einige Gedanken zu den jeweiligen drei Bänden äussern, die in diesem Buch enthalten sind.

Der Atem einer anderen Welt (Band 1): ★★★★☆

Die erste Geschichte handelt von Nancy, die neu an Eleanor West's Schule für die Wayward Children ist. Ihre Reise durch die Tür hat sie ins Reich der Toten geführt, wo ihre Aufgabe darin bestanden hat, so still wie eine Statue zu stehen. Eine Fähigkeit, die sie zuletzt nahezu perfektioniert hatte. Und obwohl sich das für Aussenstehende (wie mich) langweilig anhören mag, so würde Nancy alles dafür geben, wieder dorthin zurückkehren zu können. Da dies aber nicht einfach so möglich ist, bleibt Nancy nichts anderes übrig, als sich in Eleanors Schule zurechtzufinden. Und dadurch lernt nicht nur Nancy, sondern auch wir Leser:innen die Schule der Wayward Children, die unterschiedlichen Welten, die sich hinter den Türen befinden können und einige andere zurückkehrte Kinder und Jugendliche kennen, die in späteren Bänden eine Hauptrolle übernehmen.
Die erste Geschichte hat mir sehr gut gefallen, nicht nur, weil die skurrile Welt ganz neu für mich war, sondern auch, weil der Plot im ersten Band sehr spannend war: Kurz nach Nancys Ankunft an der Schule, werden nach und nach Charaktere, die wir gerade erst kennenlernen durften, nach und nach auf brutale Art und Weise ermordet und es gilt herauszufinden, wer hinter diesen Morden steckt.
Die Auflösung hat mich zwar nicht so richtig vom Hocker gehauen, aber insgesamt hat mich dieser erste Band gut unterhalten, auch wenn es aufgrund der Kürze natürlich an Tiefe gefehlt hat - sowohl was das Worldbuilding, als auch die Charaktere angeht,

Unter einem roten Mond (Band 2): ★★☆☆☆

Der zweite Band verläuft ganz anders als der erste, denn die Handlung beleuchtet die Vergangenheit von Jack und Jill näher, die wir bereits im ersten Band kennengelernt haben. Damit ist diese Fortsetzung nicht wirklich ein "Sequel", sondern vielmehr ein "Prequel". Wir erfahren nicht nur etwas mehr über ihre Vorgeschichte (und ihre schrecklichen Eltern), sondern auch, was sich bei ihrem Abenteuer nach Betreten der magischen Tür abgespielt hat.
Obwohl ich es toll fand, dass zwei Charaktere mehr Tiefe bekommen haben, die mir gerade im ersten Band gefehlt hat, konnte mich die Handlung dieses zweiten Bandes irgendwie nicht packen. Mein Desinteresse wurde sogar so gross, dass ich den zweiten Band irgendwann nur noch quergelesen habe.
Ich kann nicht einmal genau benennen, woran es lag, aber ich fand den Plot schlicht und ergreifend langweilig und irgendwie habe ich auch die Schule und die anderen Charaktere aus dem ersten Band vermisst.

Süsser Unsinn (Band 3): ★★★☆☆

Der Einstieg in den dritten Band hat mir wieder besser gefallen, denn dieser spielt wieder in der Schule der Wayward Children, sodass wir viele altbekannte Charaktere aus dem ersten Band wiedertreffen. Protagonistin des dritten Bandes ist Rini, ein junges Mädchen, das aus dem Nichts in der Wayward Schule erscheint und erschienen ist, um ihre verstorbene Mutter zu suchen. Leider muss Rini feststellen, dass ihre Mutter zu einer der ermordeten Personen aus dem ersten Band gehört, was jedoch bedeuten würde, dass sie nie geboren werden würde. Deshalb versucht sie mithilfe einiger anderer Wayward Children ihre Mutter wieder zum Leben zu erwecken. Ihre Reise führt die Jugendlichen unter anderem in das Reich der Toten, wo wir auf ein altbekanntes Gesicht treffen, das bei mir eine Wiedersehensfreude ausgelöst hat.
Der Plot endet schliesslich in Rinis Heimat, die zwar sehr amüsant beschrieben wird und aus vielen essbaren Leckereien besteht, aber irgendwann war dann doch wieder die Luft draussen und die Geschichte hat mich im letzten Drittel irgendwie verloren.

Fazit:

"Der Atem einer anderen Welt" ist eine Mischung aus "Alice im Wunderland" und "Die Insel der besonderen Kinder" und entführt uns Leser:innen in äusserst skurrile magische Welten. Obwohl ich die Idee und auch den makaberen Erzählstil sehr mochte, konnte mich nicht jede der drei Geschichten vollends überzeugen. Durch die Kürze der einzelnen Bände, fehlt es oftmals an Tiefe - sowohl was die Charaktere, als auch den Plot angeht. Insgesamt sind die Geschichten aber dennoch kurzweilig. Wer mal was anderes lesen will und Kurzgeschichten mag, ist hier bestens bedient. Doch obwohl ich stellenweise gut unterhalten wurde, haben mich Wayward Children dann noch nicht so sehr begeistert, dass ich unbedingt noch die weiteren Bände lesen möchte. Von mir gibt es deshalb 3.5 Sterne.
4 Kommentare
(© Argon)

Mein Herz wird dich finden
von Jessi Kirby
Gelesen von  Annina Braunmiller-Jest

Bewertung: ★☆☆☆☆

YA Contemporary Romance, Audiobook 
Spieldauer:  6 Stunden und 29 Minuten
Erscheinungsdatum: 25. Februar 2016

Verlag: Argon Audio

Inhaltsangabe:
Als Mia und Noah sich zum ersten Mal begegnen, spüren beide, dass sie füreinander bestimmt sind. Es ist, als wäre plötzlich alles wieder in Ordnung. Als wäre Mia nicht der traurigste Mensch auf der Welt. Als wäre ihre große Liebe nicht bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Und als hätte sie Noah nicht verschwiegen, dass sie einander nur begegnet sind, weil sie wissen wollte, wer das Spenderherz ihres Freundes bekommen hat. Doch wie glücklich darf sie eigentlich sein? Und wann wird aus Schweigen Verrat?

Meine Meinung:

Bereits die Ausgangslage der Geschichte hat bei mir zu einem Augenrollen geführt, da sie total unglaubhaft und absurd ist: Der feste Freund eines Teenagermädchens stirbt und statt dass sie sich mit ihrer Trauer beschäftigt, verdrängt sie ihre Gefühle einfach, indem sie Kontakt zu denjenigen Personen aufnimmt, die ein Organ ihres verstorbenen Freundes erhalten haben. Bis auf eine Person. Denn ausgerechnet der Junge, der das Herz des Verstorbenen erhalten hat (haaach das Herz, wie romantisch!!111 das muss doch etwas bedeuten!!!), reagiert nicht auf ihren Brief, indem sie sich ein Treffen wünscht. Eine legitime Reaktion, wie ich finde. Nur gibt sich das Teenagermädchen damit nicht zufrieden und spürt den Jungen auf, ohne ihm zu sagen, dass sie die Freundin des Verstorbenen war, dessen Herz der Junge nun in sich trägt (wie sie das geschafft hat, ist mir absolut schleierhaft, denn Organspender und -empfänger unterstehen zu Recht(!) unter Datenschutz / Schweigepflicht). Und was passiert dann? Na, erratet ihr es? Natüüürlich verlieben sich die beiden Hals über Kopf ineinander, wobei man es dem Jungen nicht mal verdenken kann. Was das Mädchen angeht, sind bei mir alle Alarmglocken losgegangen, denn ihre ganzen Verhaltensweisen haben auf mich nicht nur hochgradig bedenklich, sondern im psychologischen Sinn schon fast pathologisch gewirkt. Aber das ist der Autorin ganz egal, denn schliesslich ging es ja eh nur darum, die Organgeschichte als Aufhänger für eine super kitschige, 0815 Teenie-Lovestory zu verbraten, bis ich fast Einhörner kotzen musste.

Ich hätte das Buch am liebsten schon nach einem Drittel abgebrochen, wollte aber bis zum Schluss durchhalten, weil ich ein Fünkchen Hoffnung hatte, dass die Autorin vielleicht doch noch zur Einsicht gerät, dass das Verhalten der Protagonistin total problematisch (und so gar nicht romantisch!) ist und diesen total bescheuerten, unglaubwürdigen Plot zu einem halbwegs versöhnlichen Ende bringt. Aber Pustekuchen!

!! Achtung Spoiler !!

Natürlich erfährt der Herz-Junge am Ende, wer die Protagonistin eigentlich ist und was für ein Spielchen sie getrieben hat. Doch wer jetzt denkt, dass er sich deshalb von ihr trennt, irrt sich gewaltig. Das Gegenteil ist der Fall. Es stellt sich heraus, dass der Junge nicht nur NICHT sauer auf sie ist, sondern dass ER sich sogar noch bei IHR entschuldigt, weil er sich damals nicht auf ihren Brief gemeldet hat und er seither total unter Schuldgefühlen leidet. Na logisch! Ergibt ja auch total Sinn... Not!

!! Ende Spoiler !!

Die Protagonistin ist mir von vorne bin hinten total auf den Senkel gegangen und ich bin fast durchgedreht, weil scheinbar - bis auf eine einzige Freundin, deren Rat sie einfach ignoriert - ihr Verhalten nicht als problematisch angesehen haben. Das war doch alles nichts weiter, als ein Verdrängungsversuch, um sich nicht mit dem schmerzhaften Tod ihres Freundes auseinanderzusetzen. Was übrigens bis zum Schluss nie passiert! Stattdessen reicht es wohl einfach, sich neu zu verlieben, dann kann man den Trauerprozess einfach überspringen. Danke für den Tipp, liebe Frau Kirby!

Wie ihr merkt, hat mich selten ein Buch so zur Weissglut getrieben. Die Sprecherin macht das Ganze leider nicht besser, denn sie hat leider im Kombination mit der Protagonistin eine sehr nervige Erzählerstimme, die die Protagonistin noch naiver erscheinen lässt, als sie es ohnehin ist.

Fazit:

Von mir gibt es -1 Stern und definitive keine Leseempfehlung. Das war mit Abstand eines der schlechtesten (Hör-)Bücher, das ich seit langem gehört habe und absolut verschwendete Hörzeit.
4 Kommentare
(© Der Hörverlag)

Die zwei Türme (Der Herr der Ringe #2)*
von J.R.R. Tolkien
Gelesen von Gert Heidenreich 

Bewertung: ★★★☆☆

High Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 18 Stunden 48 Minuten
Erscheinungsdatum: 13. Juni 2007

Verlag: Der Hörverlag

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Der Bund ist zerbrochen und die Wege der Gefährten trennen sich. Nachdem Frodo und Sam, sich alleine auf den Weg zum Schicksalsberg machen, müssen Aragorn, Legolas und Gimli sich auf die Suche nach den beiden Hobbits Merry und Pippin begeben und treffen dort auf einen alten Wegbegleiter ...

Meine Meinung:

Erst vor kurzem habe ich den ersten Band der "Der Herr Ringe" Trilogie als Hörbuch gehört und war dementsprechend erstaunt, als mir hier plötzlich eine andere Erzählerstimme begegnet ist. Leider ist der begnadete Achim Höppner (der den ersten Band zu einem wahren Hörgenuss gemacht hat!) viel zu früh verstorben, sodass die Fortsetzungen von jemand anderem vorgelesen werden mussten. Und das war in diesem Fall Gert Heidenreich. Er musste damit in grosse Fussstapfen treten, und ich bin überzeugt, dass er sein Bestes getan hat, aber mir hat das Zuhören nur noch halb so viel Spass gemacht, wie beim Vorgänger. Heidenreich liest solide, aber auch irgendwie langweilig vor und hatte für mich (im Gegensatz zu Höppner) leider keinerlei Wiedererkennungswert.

Trotz dieser Kritik war es aber nicht die Wahl des Synchronsprechers, die dazu geführt hat, dass ich dem Buch nur drei Sterne vergeben habe, sondern vielmehr der Inhalt, der mich dieses Mal nicht überzeugen konnte. Nachdem sich die Gefährten zu Beginn dieses Buches aus unterschiedlichen Gründen in drei Gruppen trennen, wird die Handlung dementsprechend in diese drei Handlungsstränge unterteilt. Anders als im Film, werden sie allerdings nicht parallel, sondern nacheinander erzählt, was die Story stellenweise ziemlich träge und langatmig gemacht hat.
Der Beginn macht die Suche von Aragorn und Co. nach den entführten Hobbits Merrin und Pippin, die im Wald auf Baumbart treffen. Sosehr ich Baumbart im Film auch liebe, hier zieht sich das Gespräch mit ihm und den restlichen Ents so in die Länge, dass ich mir richtiggehend herbeigesehnt habe, es möge doch endlich etwas passieren.
Und als dieser Teil abgehakt war und sich die übrig gebliebenen Gefährten dann endlich zum König von Rohan aufmachen, hatte ich grosse Hoffnungen in diesen zweiten Handlungsstrang, denn die Schlacht in Helms Klamm war und ist bis heute eine meiner absoluten Lieblingsfilmszenen, die ich damals im Kinosaal vor Spannung fast nicht ausgehalten habe. Im Buch verläuft das Ganze aber überraschend anders, als ich es vom Film gewohnt war - was grundsätzlich nichts Schlechtes sein muss -, aber hier dazu geführt hat, dass die Storyline um Théoden und die angekündigte Schlacht sehr unspektakulär abgelaufen ist, sodass ich mich am Ende enttäuscht gefragt habe: Wie?! Das war es jetzt? Nachdem ich mir gefühlt stundenlang Gespräche zwischen sprechenden Bäumen anhören musste, wird eine eigentlich epische Schlachtszene so schnell und einfach abgehandelt?!
Ironischerweise hat mir der letzte und dritte Handlungsstrang mit Frodo, Sam und Gollum auf ihrer Reise schliesslich am besten gefallen. Ironisch ist es deshalb, weil ich diese Szenen im Film am langweiligsten gefunden habe. Hier war aber auch die meiste Ähnlichkeit zum Film spürbar, was vermutlich auch dazu beigetragen hat, dass mir die Szenen so gut gefallen haben.

Alles in allem muss ich sagen, dass Peter Jackson ein fantastisches Händchen dafür bewiesen hat, aus dieser Buchvorlage einen Film zu kreieren, der an Spannung, Action und dem richtigen Pacing kaum zu übertreffen ist. Besonders die Entscheidung, die Handlungsstränge parallel zu erzählen, hat dem Film gutgetan. Die Buchvorlage dagegen hat mich eher unbeeindruckt zurückgelassen. Tolkien verliert sich meiner Meinung nach zu sehr in Details, was auf Kosten der Spannung und des Erzähltempos geht. Das Hörbuch hat mir deshalb einiges an Geduld abverlangt. Und obwohl es fast 4 Stunden kürzer, als das Hörbuch des ersten Bandes war, hat es sich so angefühlt, als wäre es doppelt so lang als der Vorgänger.

Fazit:

"Die zwei Türme" hat nicht nur einen neuen Hörbuchsprecher bekommen, sondern auch einen neuen Erzählstil, der bei mir nicht punkten konnte. Die Gefährten werden in drei Gruppen getrennt, und die entsprechenden Handlungsstränge werden nacheinander erzählt, was neben dem eher langsamen Erzähltempo, stellenweise dazu geführt hat, dass die Story langgezogen und zäh wirkt. Peter Jacksons Verfilmung gefällt mir dieses Mal tatsächlich um Längen besser, als Tolkiens Buchvorlage, weshalb ich nur 3 Sterne vergeben kann.
2 Kommentare
(© Fischer FJB)

Die Liebe, die den Anfang brachte (Vortex #3)
von Anna Benning

Bewertung: ★★★★☆

YA Dystopia, 544 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. Mai 2021
Verlag: Fischer KJB


Inhaltsangabe:
Nachdem Elaine nicht nur ihre Kräfte, sondern auch Bale verloren hat, droht alles auseinanderzubrechen. Die Armee des Roten Sturms dringt immer weiter vor, und die friedliche Welt, wie Elaine sie sich erträumt hat, scheint in weite Ferne zu rücken. Doch als Elaine Bale im besetzten São Paulo plötzlich gegenübersteht, keimt Hoffnung in ihr auf: Vielleicht kann sie den Jungen, den sie liebt, noch retten. Denn Elaine weiß: Nur zusammen können sie den Urvortex beschützen. Nur zusammen können sie tief hinein in die Vergangenheit reisen. Dorthin, wo alles seinen Anfang nahm …

Meine Meinung:

Zuallererst muss ich für die Vortex-Reihe eine Lanze brechen. Dystopien gehören zu meinen absoluten Lieblingsgenres und spätestens nach den Hunger Games ist der Markt überschwemmt worden. Anna Benning ist es trotz der Masse an Dystopien (bis auf eine Ausnahme) gelungen, eine neue, innovative und fesselnde Reihe zu schaffen, die mich von der Idee her absolut begeistern konnte.
Nachdem dies nun gesagt wurde, möchte ich deshalb darauf hinweisen, dass die von mir nachfolgenden Kritikpunkte als Jammern auf hohem Niveau zu verstehen sind und ich deshalb unbedingt vorwegschicken möchte, dass ich die Vortex-Reihe - trotz kleinerer Schwächen - absolut weiterempfehlen kann!

Der dritte Band setzt nahtlos an die Ereignisse aus seinem Vorgänger an, nachdem wir erfahren haben, dass Bale in die Fänge des Antagonisten Hawthrone geraten ist und von ihm unter Drogen gesetzt wird, was nicht nur seine Persönlichkeit verändert, sondern auch all seine Erinnerungen ausgelöscht hat, sodass er sich auch nicht mehr an Elaine erinnern kann. Und als wäre das nicht genug, steht der grosse Endkampf zwischen Vermengten und Menschen bevor, für das Elaine gemeinsam mit ihren Freund:innen und Verbündeten einen Schlachtplan auf die Beine stellen will. Über all dem schwebt immer noch die dunkle Prophezeiung, dass Elaine am Ende ihr Leben am Urvortex verlieren wird. Das hält sie jedoch nicht davon ab, um dafür zu sorgen, Bale wieder mitsamt seinen Erinnerungen zurückzubekommen und der Seite der Vermengten zu kämpfen...

Wer jetzt denkt: "Moment mal, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor?", dem muss ich leider zustimmen, denn die Idee rund um Bales Gedächtnisverlust, aufgrund dessen er Elaine plötzlich hasst und sie umbringen möchte, erinnert leider 1:1 an den dritten Band der Hunger Games Reihe, indem mit Peeta und Katniss genau das Gleiche passiert ist. Ich fand es sehr schade, dass die Autorin diese Idee aus einer der bekanntesten Dystopien abgekupfert hat, da ihre Reihe ansonsten - wie eingangs erwähnt - sehr innovativ wirkt.

Da bei mir seit dem Lesen der beiden vorherigen Bände mehr als ein Jahr vergangen ist, hat es rund ein Viertel des Buches gedauert, bis ich wieder in die Handlung hineingefunden habe. Das lag aber nicht nur am langen zeitlichen Abstand, sondern auch daran, dass die Story fast genauso lange gebraucht hat, bis sie in die Gänge gekommen ist.
Danach kommt es zum lang erwarteten Zusammentreffen zwischen Bale und Elaine und die Handlung nimmt richtig an Fahrt auf. Es wird spannend, abwechslungsreich und gleichzeitig auch sehr emotional, sodass ich das Buch vor allem im Mittelteil kaum mehr aus der Hand legen konnte. Natürlich werden auch hier wieder Bale und Elaine Shipper voll auf ihre Kosten kommen, denn Benning belohnt uns mit ein paar wunderschönen Szenen, die mein Herz haben höher schlagen lassen! ♥ Aber auch als Fan der anderen (Neben-)Charaktere trifft man wieder auf viele altbekannte Gesichter, auch wenn ihre Rollen zugunsten des Hauptplots in diesem Band etwas hinter den Hintergrund rücken.

Knapp vor dem letzten Drittel wird das Tempo leider noch einmal gedrosselt, sodass es wieder etwas langatmige Passagen gab, bis es schliesslich zum angekündigten grossen Showdown kommt, der die Charaktere endlich in die Vergangenheit führt, die wir bereits aus den vorherigen Büchern bestens kennen. Da man bereits aus den Vorgängern weiss, dass Elaine am Urvortex sterben wird und gefühlt tausendmal betont und auch innerhalb der Reihe bewiesen wurde, dass sich die Vergangenheit NICHT ändern lässt, war ich sehr gespannt auf das Ende. Und dazu möchte ich nachfolgend nun meine Gedanken nach einer Spoiler-Warnung äussern:


!! ACHTUNG, AB HIER FOLGEN MASSIVE SPOILER ZUM ENDE DES BUCHES !!!

So sehr ich Elaine auch in mein Herz geschlossen habe, ich habe dennoch darauf gehofft, dass sich die Ankündigung um ihren Tod bewahrheitet, war aber gleichzeitig auch sehr skeptisch, ob die Autorin wirklich den Mut haben würde, ein solches emotionales Ende zu liefern, da es dadurch natürlich kein Happy End geben würde.
Erst auf den allerletzten Seiten offenbart sich endlich, ob das vorhergesagte Ende eintritt. Und eine ganze Zeit lang sah es auch tatsächlich so aus, als könnte Elaine ihr Schicksal nicht verändern. Doch dann taucht Bale plötzlich neben ihr im Urvortex auf und versucht sie zu retten, indem er sein eigenes Leben aufs Spiel setzt. Das war der Zeitpunkt, indem ich wirklich überrascht war, denn für einen Augenblick habe ich geglaubt, dass Benning uns einen unfassbaren Plot Twist liefert und Bale nun anstelle von Elaine sterben würde - etwas, das mich absolut überrascht, geschockt und todtraurig zurückgelassen hätte, aber dafür gesorgt hätte, dass ich das Ende dieser Trilogie niemals vergessen hätte, weil ich so eine Wendung niemals hätte kommen sehen.
Doch leider kam dann doch alles anders als gedacht. Wie sich gezeigt hat, hatte Benning tatsächlich nicht den Mut gehabt, einen ihrer Protagonist:innen sterben zu lassen und nicht nur Elaine, sondern auch Bale überleben - und um dem ganzen die Krone an Unlogik aufzusetzen, überlebt auch gleich noch Elaines Mutter. And they lived happily ever after...

Für mich war das leider eine verpasste Chance, mal einen anderen Weg einzugehen, und uns Leser:innen sprachlos zurückzulassen. Und die Entscheidung für ein Happy End wäre noch das eine, die fehlende Logik leider das andere. Wieso macht uns die Autorin mehr als einmal deutlich, dass sich die Vergangenheit NICHT ändern lässt, wenn das Buch plötzlich dann doch so endet, dass die Vergangenheit verändert wird. Das führt die ganze Idee und auch die Logik mit den verschiedenen Zeitsträngen, wie wir sie nun während drei Büchern kennengelernt haben, ab absurdum. Ich verstehe deshalb ehrlich gesagt auch gar nicht, wie dieses kitschige und konstruierte Ende möglich sein soll? Für mich passt es leider überhaupt nicht zum Rest des Buches und hat mich enttäuscht zurückgelassen.

!! ENDE SPOILER !!!

Fazit:

Der dritte, finale Band der Vortex-Reihe setzt nahtlos an die Ereignisse aus seinem Vorgänger an und führt und Leser:innen langsam an den grossen, lang ersehnten Showdown heran, der das Schicksal der Menschen und der Vermengten für immer bestimmen wird. Das Pacing ist leider nicht durchweg gelungen, denn neben fesselnden, actiongeladenen und auch herzerwärmenden Szenen, gibt es leider auch etwas langatmige Passagen, die etwas an Durchhaltevermögen verlangen. Bis kurz vor dem Ende hätte das Buch von mir dennoch die volle Sternanzahl erhalten, doch leider beschliesst Benning am Ende jegliche zuvor erläuterte Logik über das Zeitreisen über Bord zu werfen und hat nicht den Mut ein Ende zu schaffen, das mich sprachlos zurückgelassen hätte. Trotz der Kritikpunkte, handelt es sich aber dennoch um eine empfehlenswerte Dystopie, die ich allen Fans des Genres ans Herz legen kann! Man sollte einfach nicht mit der Erwartung an die Reihe herangehen, dass das Ende Sinn ergeben sollte. ;)
6 Kommentare
(© Swoon Reads)

Cemetery Boys
von Aiden Thomas

Bewertung: ★★★★☆

YA Fantasy, 352 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. September 2020
Verlag: Swoon Reads


Inhalt:

Yadriel lebt in einer LatinX-Gemeinschaft von Brujas und Brujos, in der die weiblichen Mitglieder Heilkräfte besitzen und die männlichen Mitglieder Verstorbene ins Jenseits entlassen können. Diese Mächte werden ihnen von der Lady of Death vergeben. Da Yadriel jedoch transgender ist, wurde bei ihm bisher nicht das Ritual durchgeführt, dass notwendig ist, damit er die Macht erhält, Geister ins Jenseits zu entlassen.
Als eines Tages plötzlich sein Cousin stirbt, beschliesst Yadriel deshalb auf eigene Faust das Ritual durchzuführen. Dadurch will er nicht nur den Geist seines verstorbenen Cousins ausfindig machen und herausfinden, was passiert ist, sondern auch beweisen, dass er ein echter Brujo ist.
Der Geist der beim Ritual auf dem Friedhof erscheint, stellt sich jedoch nicht als Yadriels Cousin heraus, sondern als Julian Diaz - ein Junge, mit dem er gemeinsam zur High School gegangen ist. Julian weigert sich jedoch, ins Jenseits abzutreten und stellt als Bedingung, dass er zuerst herausfinden will, was mit ihm geschehen ist, bevor er geht. Da Yadriel nichts anderes übrig bleibt, erklärt er sich bereit Julian zu helfen, damit er ihn am Ende ins Jenseits entlassen kann. Doch je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto weniger will er ihn gehen lassen...

Meine Meinung:

Dieses Buch ist bislang nur auf Englisch erschienen und stand aufgrund des Hypes auf Goodreads schon seit dem Erscheinungstag auf meiner to-read Liste. Im Zug meiner queeren Lesechallenge bin ich nun endlich dazu gekommen, es zu lesen. (Ergänzung: Ich habe gerade gesehen, dass das Buch im Juni 2022 unter dem Titel "Yadriel und Julian. Cemetery Boys" beim Dragonfly Verlag erscheint, falls es sich jemand vormerken möchte. (Tut es!))

Man wird zu Beginn des Buches direkt in die Handlung hineingeworfen, denn die erste Szene beginnt gleich damit, dass Yadriel mit seiner besten Freundin Maritza auf dem Friedhof versucht das Ritual durchzuführen, das ihm die Macht eines Brujos verleiht, jedoch zur Folge hat, dass er Julian Diaz beschwört. Ich fand es einerseits sehr toll, dass Aiden Thomas keine Zeit unnötige Zeit für eine Einleitung verliert, habe aber ein paar Kapitel gebraucht, bis ich verstanden habe, wie die LatinX-Gemeinschaft lebt und was es mit ihren Kräften auf sich hat. Zu meinem Glück war Julian genauso ratlos wie ich, sodass Yadriel sich die Zeit genommen hat, ihm all das zu erklären, wodurch bei mir die meisten offenen Fragen geklärt werden konnten.

Die Handlung dreht sich hauptsächlich um das Rätsel von Miguels und Julians Tod - ohne dass klar ist, ob diese beiden Tode zusammenhängen, denn Miguels Geist scheint irgendwo gefangen zu sein, weshalb Yadriel und seine Familie bis zum Tag der Toten warten müssen, an dem viele verstorbene Familienmitglieder für einige Tage in das Land der Lebenden zurückkehren können, und Miguel dadurch hoffentlich erzählen kann, was mit ihm geschehen ist.
Bis es so weit ist, versucht Yadriel in Begleitung Julians Geist das Rätsel um dessen Tod zu entschlüsseln, und erfährt dabei immer mehr über Julians Vergangenheit, die ihn in einem ganz anderen Licht darstellen lassen, als es ich Yadriel vorgestellt hätte.

Neben dem spannenden Plot um die beiden Todesfälle, die mich von Anfang an sehr gefesselt haben, lebt das Buch vor allem auch durch seine Charaktere. Julian hat sich mit Abstand am schnellsten in mein Herz geschlichen, denn sein sarkastischer und trockener Humor, haben mich immer wieder zum Lachen gebracht. Ausserdem ist es Thomas gut gelungen, mit jeder weiteren Enthüllung über Julians Vergangenheit dafür zu sorgen, dass er vielschichtiger ist, als man anfangs angenommen hat. Und genau das Gleiche gilt auch für den Protagonisten Yadriel. Aiden Thomas ist selbst trans und es ist ihm wahrscheinlich gerade dadurch auf sehr authentische Weise gelungen, das Thema Transgender in die Geschichte mit einfliessen zu lassen. Immer wieder begegnen wir Szenen, in denen Yadriel als trans Mann Herausforderungen begegnet, wie etwa der Angst vor der fehlenden Akzeptanz innerhalb seiner Familie oder auch einer eher alltäglichen Situation, in der er vor der Entscheidung steht, ob er die Jungs oder Mädchentoilette benutzen soll. Die Szenen haben mich immer wieder beeindruckt und begeistert, weil Thomas es so gut hingekriegt, Yadriels Gefühle und innere Konflikte in den entsprechenden Situationen an uns Leser:innen zu vermitteln. Das Thema bestimmt nicht den Hauptfokus des Buches, nimmt aber gerade so viel Raum ein, dass es genau passend ist. Hier hat Thomas absolut das richtige Mass zwischen dem eigentlichen Plot und dem Thema Transgender gewählt. In dieser Hinsicht übernimmt auch Julian eine ganz besondere Rolle und er entpuppt sich als grosse Unterstützung für Yadriel. (Was meine Begeisterung für ihn nur noch grösser hat werden lassen).
Im Buch treten auch einige Nebencharaktere in Erscheinung, wie etwa Julians beste Freundin Maritza oder Freunde aus Julians Clique. Es würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, auf jede:n Einzelne:n einzugehen, aber ich möchte wenigstens erwähnen, dass ich auch all die Nebencharaktere sehr toll gefunden und (zumindest die meisten von ihnen) ebenfalls schnell ins Herz geschlossen habe.

Hätte ich das Buch bis zu diesem Punkt bewerten müssen, hätte es vermutlich 5 Sterne erhalten. Leider ist dann aber noch der Schlussteil dazugekommen, der mich nicht ganz überzeugen konnte. Auf der einen Seite wird mir die Enthüllung des Grundes für die beiden Todesfälle zu schnell abgehandelt und auf der anderen Seite endet das Buch leider verhältnismässig schnell und war für meinen Geschmack zu sehr auf Happy End getrimmt. Das fand ich - ja selbst in einer Welt mit Geistern und Magie ;) - einfach ziemlich konstruiert und hat für mich die Geschichte leider nicht so schön abgerundet, wie ich es mir erhofft hatte. Ich kann das Ende verstehen und hatte nach vielen Andeutungen schon fast befürchtet, dass es ein Fan-Service am Ende gibt, aber bis zuletzt hatte ich auf ein anderes Ende gehofft, das mir vermutlich auch länger in Erinnerung geblieben wäre. Denn das sind meistens die Enden, die eben nicht "and they lived happily ever after" verliefen, sondern mich geschockt, traurig und mit einem gebrochenen Herzen zurückgelassen haben. Aber letztendlich ist das Geschmackssache und Thomas hat sicher vielen Leser:innen eine Freude bereitet mit dem Ende, das es letztendlich ins Buch geschafft hat.

Fazit:

"Cemetery Boys" ist ein Young Adult Fantasy Roman, der von der Geschichte eines Jungen handelt, der transgender ist und als Brujo in seiner LatinX-Gemeinschaft akzeptiert werden möchte. Leider funktioniert ein von ihm geplantes Ritual nicht so wie gedacht, und er wird kurzerhand in ein magisches Rätsel-Abenteuer katapultiert, in dem er gemeinsam mit dem Geist eines verstorbenen Jungen herausfinden möchte, wie besagter Junge verstorben ist. Die Handlung ist nicht nur spannend, sondern beinhaltet auch viele emotionale Momente - auch solche, die mich immer wieder zum Lachen gebracht haben. Einzig das Ende konnte mich nicht richtig überzeugen, sodass ich zwar eine Leseempfehlung, aber nicht die volle Sternezahl vergeben kann. Insgesamt handelt es sich aber um eine sehr humorvolle, spannende, queere Fantasygeschichte, die mich (bis auf den Schluss) absolut begeistert hat!
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(© Beltz)

Therapie-Tools: Schlafstörungen*
von Ralf Binder, Florian Schöller & Hans-Günter Weeß

Bewertung: ★★★★★

Nonfiction, Psychology, 292 Seiten
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2020
Verlag: Beltz


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Beltz Verlag.

Inhaltsangabe:
Schlafstörungen sind dramatisch weit verbreitet: 4,8 Millionen Deutsche leiden an chronischen Schlafstörungen. Ein Drittel der Arbeitnehmer fühlt sich regelmäßig erschöpft und klagt über verringertes Leistungsvermögen. Doch finden die Betroffenen den Weg in eine Psychotherapie, können schon einfache Maßnahmen die Schlafqualität deutlich bessern. Das Tools-Buch stellt Therapeut_innen Arbeitsmaterial für eine umfangreiche Diagnostik zur Verfügung. Wichtige Bausteine der Therapie sind die Psychoedukation der Betroffenen, klassische verhaltenstherapeutische und kognitive Verfahren. Erweitert wird das Konzept um emotionsbasierte Ansätze und Entspannungsverfahren. Auch der Medikation ist ein Kapitel gewidmet – sowie der Frage, was nicht hilft.

Meine Meinung:

Die Therapie-Tools Reihe ist eine Sammlung an Fachbüchern zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten, die jeweils themenspezifisch Arbeits- und Infoblätter zur (psychotherapeutischen) Behandlung enthalten und somit ein kleiner Rettungsanker für mich darstellen.

Schlafstörungen können einerseits eigenständige Störungsbilder darstellen, aber auch oft als Begleiterscheinung von anderen psychischen Erkrankungen auftreten, sodass jede:r Psychotherapeut:in früher oder später in ihrem Arbeitsalltag mit dem potenziellen Problembereich Schlaf konfrontiert werden kann und man deshalb entsprechende Interventionsmöglichkeiten zur Hand haben sollte. Und genau dafür sorgt dieses Buch.

Der Inhalt des Buches folgt einer logischen Reihenfolge, sodass wir zunächst etwas über die verschiedenen Störungsbilder und die Diagnostik im Bereich der Schlafstörungen erhalten. Anschliessend folgen zwei grössere Kapitel, die sich mit der Psychoedukation befassen. In diesen Kapiteln erfährt man nicht nur auf sehr verständliche Weise, was es alles Wissenswertes über (gesunden) Schlaf zu erfahren gibt, sondern auch wie Schlafstörungen entstehen und welche - meist konditionierten (also erlernten) - Prozesse dabei im Vordergrund stehen.
Und eben diese Prozesse werden in einem weiteren Kapitel anhand von Erklärungsmodellen vertieft, die nicht nur hilfreich für ein Hintergrundwissen für den:die behandelnde:n Psychotherapeut:in sind, sondern auch für die Patienten selbst. Zu verstehen, welche auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren Einfluss auf die Schlafproblematik hat, stellt damit der erste, grosse und meiner Meinung nach wichtigste Behandlungsschritt dar. Um den Patient:innen ihre Schlafproblematik auf nachvollziehbare Weise näherzubringen, liefern die Autoren in diesem Buch ein breites Repertoire an hilfreichen Info- und Arbeitsblättern, die zur Unterstützung herbeigezogen werden können. Ich konnte einige der psychoedukativen Infoblätter bereits selbst in der Praxis austesten und bin ein grosser Fan der Vermittlung des Wachsystems, das anhand von einer anschaulichen evolutionsbiologischen Bärenmetapher erläutert werden kann, bei dem aufgezeigt wird, wieso Angst und Schlaf sich gegenseitig ausschliessen.

Nach dem sehr ausführlichen Wissensteil, folgen natürlich auch konkrete, praxisnahe Interventionen zur Behandlung von Schlafstörungen, die sich besonders auf die Methoden der Stimuluskontrolle und der Bettzeitrestriktion fokussiert. Ergänzt werden diese beide wissenschaftlich nachweislich wirksamen Methoden durch kognitive und emotionsfokussierte Interventionen, die ebenfalls wichtige Behandlungsbausteine bei Schlafstörungen darstellen. Zuletzt folgt schliesslich noch eine umfassende Sammlung an Entspannungsübungen und Übungen aus dem autogenen Training, die ebenfalls wichtige Tools zu den o.g. Interventionen darstellen.

Fazit:

Alles in allem haben die Autoren hier wirklich ein sehr umfangreiches, breit gefächertes und vor allem praxisnahes Buch geschaffen, das nicht nur jede Menge Wissenswertes zum Thema Schlaf(-störungen) beinhaltet, sondern tatsächlich auch umsetzbare psychotherapeutische Interventionen an die Hand gibt, die sich direkt in der Arbeit als Psychotherapeut:in umsetzen lassen. Das Buch enthält damit die perfekte Mischung an Theorie (die Voraussetzung für die Vermittlung der psychotherapeutischen Interventionen sind), sowie praxisrelevanten Übungen und Arbeitsblättern. Für mich enthält dieses Buch damit alles, was wichtig zur Behandlung von Schlafstörungen ist, sodass die Anschaffung weiterer Fachliteratur zum Thema in meinen Augen absolut unnötig geworden ist - und damit haben die Autoren alles richtig gemacht! Das Buch ist eines der besten Bücher, das ich bisher aus der Therapie-Tool-Reihe gelesen habe und ich kann es absolut weiterempfehlen!
4 Kommentare
(© btb)

In die Sonne schauen: Wie man die Angst vor dem Tod überwindet
von Irvin D. Yalom

Bewertung: ★★☆☆☆

Nonfiction, 273 Seiten
Erscheinungsdatum: 11. März 2009
Verlag: btb


Inhaltsangabe:
Die größte Herausforderung für den Menschen ist es, seiner eigenen Sterblichkeit ins Auge zu blicken. Die Angst vor dem Tod unterscheidet den Menschen vom Tier: Jede Religion, jede Kulturleistung ist ein Versuch, sich das Undenkbare begreiflich zu machen. Der amerikanische Psychoanalytiker und Bestsellerautor Irvin D. Yalom nähert sich in diesem Buch einer der größten Fragen der Menschheit sowohl auf der professionellen wie auch auf einer zutiefst persönlichen Ebene. „Auch ich fürchte den Tod wie jeder Mensch“, schreibt Yalom, „er ist unser düsterer Schatten, der sich nicht abschütteln lässt.“ In seiner praktischen Arbeit hat er andererseits erfahren, wie sehr das Wissen um den nahen Tod bei vielen seiner Patienten zu einer vollkommenen Neuorientierung, ja Bereicherung führte. Wie sie auf einmal in der Lage waren, Entscheidungen zu treffen, die ihnen wirklich am Herzen lagen. „In die Sonne schauen“ ist deshalb nicht nur eine Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens, sondern auch ein Plädoyer für ein bewusstes Leben.

Meine Meinung:

Yaloms Bücher wurden mir während meiner Psychotherapieausbildung von mehreren Kommiliton:innen empfohlen und endlich habe ich es mal geschafft, eines davon zu lesen. Auslöser dafür war, dass ich vor kurzem ein psychologisches Fachbuch zum Thema Sterben und Tod für meine Arbeit gelesen habe und Yaloms existentieller Ansatz im Buch nicht nur erwähnt, sondern auch als weiterführende Literatur empfohlen wurde.

Von dem Buch habe ich mir vorgängig einerseits hilfreiche (fachliche und praxisrelevante) Inputs für meine Arbeit mit Patient:innen mit terminalen Erkrankungen erhofft, die auf Yaloms Erfahrungen seiner langjährigen psychotherapeutischen Tätigkeit beruhen. Andererseits hatte ich auch erwartet, dass sich das Buch vielleicht als Empfehlung zur Selbsthilfe für meine Patient:innen eignen würde.

Zunächst muss gesagt werden, dass Yalom zweifellos ein sehr kluger Mensch ist, der einen grossen Erfahrungsschatz in der Psychotherapie mitbringt. Sein Wissen reduziert sich aber nicht allein auf die Psychologie, sondern auch auf weltbekannte Literatur und Philosophie. Und diese Themenbereiche verknüpft er auch in seiner Arbeit als Psychotherapeut, was auch sehr stark in dem vorliegenden Buch zum Ausdruck kommt. Yalom präsentiert im Buch einige philosophische Ansätze in Bezug auf das Sterben und den Tod und stellt dadurch alternative, hilfreiche Sichtweisen zur Verfügung, die nicht so angstbesetzt sind, wie die Ungewissheit, die mit diesen Themen einhergeht. Am ansprechendsten fand ich davon die Vorstellung, dass jeder Mensch einen Welleneffekt auf seine Mitmenschen und Generationen nach ihm hinterlässt, die einem vielleicht nicht direkt bewusst sind und sich oftmals auch noch viele Jahre nach dem eigenen Tod zeigen. Diese Perspektive verschafft dem eigenen Dasein eine Bedeutung und wirkt beruhigender, als die angstbesetzte Vorstellung, vergessen zu werden.
Ich kann mir vorstellen, dass das Buch vor allem Leser:innen anspricht, die empfänglich für philosophische Ansätze sind, es aber vermutlich auch Menschen gibt, die mit Yaloms Erklärungsansätzen nichts anfangen können.

Neben diesen positiven Aspekten, die leider nicht eine so grossen Teil des Buches ausmachen, wie es erwartet hätte, gab es aber auch viele Punkte, die mich nicht begeistern konnten. Zum einen fand ich den Erzählstil des Buches etwas unstrukturiert und teilweise auch ohne ersichtlichen roten Faden, selbst wenn der Autor versucht hat, seine Erzählungen in spezifische Kapitel zu gliedern. Yalom mischt oben genannte Erklärungsansätze und Zitate bekannter Schriftsteller:innen mit vielen Erfahrungsberichten von Patient:innen, mit denen er zusammengearbeitet hat, sowie auch seiner eigenen Auseinandersetzung mit dem Tod. Gerade die Berichte von Patient:innen haben für meinen Geschmack einen etwas zu grossen Teil eingenommen. Es war zwar interessant zu lesen, welche Entwicklungen seine Patienten:innen (in Zusammenhang mit ihren Ängsten vor dem Tod) machen konnten, aber letztendlich konnte ich daraus nur wenig für meine eigene Arbeit mitnehmen. Viele Erfahrungsberichte beruhen auf Träumen, die Yaloms Patient:innen hatten und in der Therapie symbolisch aufgearbeitet wurden. Nur decken sich diese Erfahrungsberichte für mich ehrlich gesagt wenig mit meinem Arbeitsalltag, in denen es bisher kein einziges Mal vorgekommen ist, dass praktischerweise ein Traum vorgekommen wäre, den ich dazu nutzen konnte den Patient:innen zu helfen, ihre Todesängste zu überwinden. Ich befürchte, dass sich das Buch deshalb auch nicht unbedingt als Literaturempfehlung für meine Patient:innen eignen würde, da ich nicht den Eindruck hatte, dass sie sich darin wiedererkennen würden.
Und das führt mich zum nächsten Kritikpunkt: Yalom möchte mit seinem Buch bewusst ein breites Publikum ansprechen. Es soll für Fachpersonen, sowie auch für Betroffene oder einfach interessierte Leser:innen eignen. Das hört sich in der Theorie schön und gut an, hat aber beim Lesen zu Verwirrung geführt, da nicht jedes Kapitel jede Zielgruppe anspricht, sodass das Buch für mich letztendlich nichts Halbes und nichts Ganzes war. Egal ob das Buch für Fachpersonen oder Betroffene geschrieben worden wäre, ich hatte den Eindruck, dass es für beide zu wenig Fleisch am Knochen hatte. Yaloms Gedankengänge sind zwar interessant zu lesen, aber wirklich konkret mitnehmen konnte ich weder für mich, noch für meine Patient:innen etwas Handfestes. Selbst am Ende des Buches, als Yalom verspricht, dass nun einige hilfreiche Inputs zur Arbeit als Psychotherapeut folgen würden, folgte wieder nur eine eher allgemeine Feststellung, wie wichtig die Therapiebeziehung für den Therapieprozess ist - etwas, das die Wissenschaft unlängst in zahlreichen Studien nachweisen konnte und somit nicht neu sein sollte, wenn man Psychologie studiert hat.

Alles in allem muss ich abschliessend sagen, dass meine oben erwähnten vorgängigen Erwartungen leider nicht annähernd erfüllt werden konnten. Für mich hält das Buch leider nicht das, was es im Untertitel verspricht, denn Strategien, wie man die Angst vor dem Tod überwindet, findet man hier definitiv zu wenig. Und deshalb hat mich das Buch letztendlich enttäuscht zurückgelassen.

Fazit:

Yalom ist zweifellos ein kluger und erfahrener Psychotherapeut, der sein Wissen und seine Erfahrungen aus langjähriger Arbeitstätigkeit im vorliegenden Buch zum Ausdruck bringt. Leider bleibt es vor allem bei Erfahrungsberichten seiner eigenen Patient:innen und man erhält nicht - wie im Untertitel des Buches versprochen - praxisrelevante oder umsetzbare Strategien, die einem helfen, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Einige Denkansätze sind zwar hilfreich als Diskussionsgrundlage mit Patienten über den Tod, aber insgesamt war mir das Buch dann doch zu unstrukturiert und letztendlich auch zu nichtssagend. Wer sich gerne mit philosophischen Denkansätzen auseinandersetzt, ist hier richtig. Für Fachpersonen oder Betroffene, die hilfreiche Inputs für den Umgang mit Todesangst erwarten, ist es eher nicht zu empfehlen.
4 Kommentare
(© Lübbe Audio)

In all seinen Farben
von George Lester
Gelesen von Dirk Petrick

Bewertung: ★★★☆☆

YA Contemporary 
Spieldauer: 10 Stunden 8 Minuten
Erscheinungsdatum: 25. Juni 2021

Verlag: Lübbe Audio

Inhaltsangabe:
In Robin Coopers Leben läuft gerade nichts, wie es sollte: Während sich alle anderen schon aufs College vorbereiten, häufen sich bei ihm die Absagen. Für Robin bricht eine Welt zusammen, als sein grosser Traum von der Schauspielschule zerplatzt und er plötzlich ohne Plan für die Zukunft dasteht. Und dann ist da auch noch die Sache mit seinem Freund Connor, der sich nicht offen zu ihm bekennt. Alles ganz schön kompliziert! Doch als ihn seine Clique an seinem 18. Geburtstag in eine Drag-Queen-Show schleppt, realisiert Robin, dass das Leben manchmal ganz eigene Pläne macht ...

Meine Meinung:

Dieses Buch ist mir auf einigen Buchblogs begegnet und als ich das Hörbuch zufällig auf Spotify entdeckt hatte, habe ich mich aufgrund der positiven Rezensionen entschieden, es mir für meine Queere Lesechallenge anzuhören.

Ich finde es toll, dass in Bücher aus dem Young Adult Genre immer mehr Diversität vertreten ist. In diesem Buch hier geht es um Drag Queens - ein Thema, das mir bisher zum ersten Mal überhaupt in einem Jugendbuch begegnet ist und deshalb positiv hervorgehoben werden muss.
Doch leider war es das dann auch schon fast mit den positiven Aspekten, denn abgesehen vom Thema hat mich weder die Handlung, noch die Charaktere so wirklich vom Hocker gehauen.

Ich finde queere Charaktere wichtig und toll, nur trägt das allein für mich noch kein ganzes Buch. Ich hatte den Eindruck, dass die Story mehrheitlich vor sich hinplätschert und es - bis auf ein, zwei kleinere Teeniedramas - an Spannung fehlt.
Auch die Drag Queen Shows haben leider gar nicht einen so grossen Teil eingenommen, wie ich es mir erhofft hätte und das meiste bestand gefühlt daraus, dass der Autor beschreibt, welches Make-Up Robin aufträgt. Das ist vielleicht etwas, was als Youtube-Schmink-Tutorial interessant anzusehen ist, aber für mich in (Hör-)Buchform einfach nicht funktioniert hat, weil es einfach uninteressant für mich war zu lesen, wie viel Contouring Robin aufträgt. Ich gehe mal davon aus, dass das Auftreten als Drag Queen aus mehr besteht, als bloss ein bisschen Schminke. Und genau dieser ganze emotionale Teil hat mir gefehlt. Es wird zwar angedeutet, dass Robin durch sein neues Hobby an mehr Selbstbewusstsein gewinnt, aber die Beschreibungen haben nur an der Oberfläche gekratzt und der Autor hat das Potenzial des Themas in meinen Augen nicht annähernd genutzt. Und das war sehr überraschend, denn laut der Autorenbio auf Goodreads, handelt es sich um ein Own Voice Roman, bei dem ich etwas tiefere Einblicke in die Thematik erwartet hätte.
Die Oberflächlichkeit ist leider etwas, das sich durch das ganze Buch durchzieht. Die Charaktere sind allesamt ziemlich eindimensional und stereotyp und auch die kleinen Teeniedramen haben auf mich sehr konstruiert gewirkt.

Leider konnte mich dieses Mal auch der Hörbuchsprecher nicht überzeugen. Und das lag hauptsächlich an seiner individuellen Interpretation der einzelnen Charaktere. Immer wenn jemand anderes als Robin spricht, verstellt er seine Stimme und gerade bei den weiblichen Charakteren war das eine Zumutung für meine Ohren. Petrick versucht absichtlich höher zu sprechen, was dazu führt, dass man das Gesprochene kaum ernst nehmen kann, weil es sich so anhört, als würde jemand die Sätze vorlesen, um sich über das Gesagte lustig zu machen. Jedes Mal, wenn Robins Mutter ihre ernst gemeinte Sorge gegenüber ihrem Sohn ausdrücken möchte, macht der Sprecher mit seiner verstellten Stimme den Anschein, als ob er sie damit ins Lächerliche ziehen möchte, obwohl ihre Aussagen ernst gemeint sind. Ich weiss nicht, was der Sprecher sich dabei gedacht hat, aber von einem männlichen Erzähler erwarte ich nicht, dass seine Stimme bei weiblichen Charakteren wie eine Frau klingen muss. Und der Versuch, dies zu erreichen, war alles andere als angenehm zum Zuhören.

Insgesamt hat mich das Buch also leider nicht so begeistert, wie ich es mir bei einem Own Voice Roman erhofft habe.

Fazit:

"In all seinen Farben" widmet sich dem Thema Drag Queens, was anfangs sehr vielversprechend geklungen hat. Obwohl es sich um einen Own Voice Roman handelt, musste ich dann aber leider sehr bald feststellen, dass die Handlung nicht so richtig in die Gänge kommen will und das Thema nur sehr oberflächlich behandelt wird. Auch die Charaktere wirken leider ziemlich eindimensional und konnten mich nicht richtig überzeugen. Ich finde das Thema des Buches wichtig und es repräsentiert Diversität, aber ich hätte mir eine etwas tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Thema Drag Queen (Shows) erhofft. Und leider war auch der Sprecher teilweise eine Zumutung, sodass ich das Hörbuch leider nicht wirklich weiterempfehlen kann. Von mir gibt es deshalb 2.5 Sterne.
8 Kommentare
(© Der Hörverlag)

Die Gefährten (Der Herr der Ringe #1)*
von J.R.R. Tolkien
Gelesen von Achim Höppner 

Bewertung: ★★★★★

High Fantasy, Audiobook 
Spieldauer: 22 Stunden 24 Minuten
Erscheinungsdatum: 15. September 2006

Verlag: Der Hörverlag

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. Das erste Hörbuch ist gratis.

Inhaltsangabe:
Neun Gefährten machen sich auf eine gefährliche Reise, um die Zukunft Mittelerdes zu retten. Allen voran der Hobbit Frodo, auserwählt, den einen Ring ins Land Modor zu tragen und ihn zu vernichten. Doch die dunklen Mächte wollen die Herrschaft über Mittelerde erlangen, und ein erbitterter Kampf beginnt.

Meine Meinung:

Die "Der Herr Ringe Trilogie" ist meine ungeschlagene, absolute Lieblingsfilmreihe. Den ersten Film hab ich damals noch auf DVD gesehen und war anschliessend so begeistert, dass ich die beiden Fortsetzungen im Kino anschauen musste. Bis heute sind vor allem die epischen Schlachtszenen bei mir unvergessen. Inzwischen habe ich die Filme bestimmt über zehnmal gesehen - wobei es auch deutlich mehr sein könnte, da ich nie mitgezählt habe und es fast zur jährlichen Tradition bei mir geworden ist, die komplette Trilogie zu schauen.
Als die Filme erschienen sind, war ich vielleicht 12 Jahre alt und hatte von Tolkiens Bücher zuvor nie etwas gehört, weil ich zum damaligen Zeitpunkt eher "Teenie-Bücher" gelesen habe. Erst ein paar Jahre später, habe ich die Bücher als Komplettbox geschenkt bekommen und mich zum ersten Mal an der Buchvorlage versucht. Das Lesen ist mir nicht ganz einfach gefallen, denn Tolkien hat in dieser High Fantasy Reihe ein sehr komplexes Worldbuilding mit vielen verschiedenen Wesen geschaffen, die in ihrer Komplexität meine damals üblichen YA Fantasyreihen bei weitem überstiegen hatten. Tolkiens beschreibender Schreibstil hat mein Lesevergnügen nicht gerade leichter gemacht, denn manchmal hatte ich das Gefühl, er würde jeden Stein bis ins Detail beschreiben, an dem die Gefährten vorbeikommen.
Man spürt also bereits heraus, dass ich so meine Mühe mit der anspruchsvollen Buchvorlage meiner Lieblingsfilmreihe hatte - und doch hatte ich es über mehrere Monate hinweg geschafft, mich durch die Bücher durchzuackern, auch wenn sich das Lesen für mich stellenweise sehr zäh angefühlt hat.

Nun, mehr als ein Jahrzehnt später habe ich die Hörbücher wiederentdeckt und hatte Lust, dadurch erneut in Mittelerde abzutauchen, nachdem ich nun deutlich älter bin, als bei meinem ersten Leseversuch und sich hoffentlich auch mein Verständnis für komplexe Worldbuildings verbessert hat.

Das Erste, das mir gleich positiv aufgefallen ist, ist der leider inzwischen verstorbene Hörbuchsprecher Achim Höppner. Höppner spricht nämlich im Film die deutsche Synchronisation von Gandalf, was dazu geführt hat, dass ich beim Hören des Hörbuchs ständig das Gefühl hatte, als würde mir Gandalf höchstpersönlich das Buch vorlesen. Eine absolut vortreffliche Wahl des Sprechers!
Höppner erzählt Tolkiens komplexes Fantasywerk auch so verständlich und angenehm, dass ich beim Hörbuch (im Vergleich zur Buchvorlage) keinerlei Probleme hatte zu folgen. Die über 22 Hörstunden haben sich nicht annähernd so lange angefühlt, sie den Anschein machen.
Ich hatte die Handlung der Buchvorlage nicht mehr detailliert in Erinnerung und habe deshalb immer wieder begeistert festgestellt, wie viele Szenen (und Dialoge) fast 1:1 in den Film übernommen wurden.
Demgegenüber gab es aber auch einige längere Szenen, die wiederum im Film entweder ganz weggelassen oder stark gekürzt wurden, wie etwa der Besuch beim berühmten Tom Bombadil, für den viele Leser:innen so schwärmen. Ich muss allerdings zugeben, dass ich den Hype nicht ganz nachvollziehen kann und die Entscheidung, ihn in der Filmreihe wegzulassen, nicht schlimm finde. Letztendlich trägt diese Begegnung eigentlich nichts Wesentliches zur eigentlichen Handlung bei.
Eigentlich musste ich insgesamt feststellen, dass die Drehbuchschreiber der Filmtrilogie einen fantastischen Job geleistet haben, denn sie haben ein richtig gutes Händchen für das richtige Erzähltempo bewiesen, das die Filme durch und durch spannend macht. Tolkien dagegen verliert sich manchmal leider etwas in Details, sodass sich auch hier im Hörbuch einige Stellen etwas langatmig angefühlt haben.

Fazit:

"Die Gefährten" ist der Reihenauftakt der "Der Herr der Ringe" Trilogie, die uns Leser:innen in die fantastische Welt von Mittelerde entführt. Tolkien hat, trotz eines sehr komplexen Worldbuildings, ein unglaublich fesselndes Fantasy-Abenteuer geschaffen, das mir meine absolute, ungeschlagene Lieblingsfilmreihe geschenkt hat! Das Hörbuch ist absolut empfehlenswert, allein schon deshalb, weil es von Achim Höppner vorgelesen wird, der die Synchronstimme von Gandalf in der Filmreihe übernommen hat. Es ist, als ob Gandalf selbst einem die Geschichte von Frodo vorlesen würde. Eine absolute Hörempfehlung, die 5 Sterne von mir bekommt!
6 Kommentare
(© Diogenes)

Das Damengambit*
von Walter Tevis

Bewertung: ★★★★☆

Fiction, 406 Seiten
Erscheinungsdatum: 26. Mai 2021
Verlag: Diogenes


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Diogenes Verlag.

Inhaltsangabe:
Mit acht entdeckt Beth Harmon im Waisenhaus zwei Möglichkeiten, der harten Realität zu entfliehen: die grünen Beruhigungspillen, die den Kindern täglich verabreicht werden. Und Schach. Das Mädchen ist ein Ausnahmetalent und gewinnt Turnier um Turnier, mit 16 spielt sie gegen lauter erwachsene Männer um die US-Meisterschaft. Ihr Weg führt steil nach oben, doch bei jedem Schritt droht der Abgrund von Sucht und Selbstzerstörung. Denn für Beth steht viel mehr auf dem Spiel als Sieg und Niederlage.

Meine Meinung:

"Das Damengambit" ist im Original als "The Queen's Gambit" bereits 1984 auf Englisch erschienen. Die deutsche Übersetzung des Buches hat dagegen bis dieses Jahr auf sich warten lassen. Der Auslöser dafür, dass das Buch Jahrzehnte später noch übersetzt wurde, liegt an der gleichnamigen Serienadaption, die 2020 auf Netflix erschienen ist und einen regelrechten Hype ausgelöst hat Ich selbst habe die Serie auch kurz nach ihrem Erscheinen gesehen und kannte Beth Harmons Werdegang damit bereits bevor ich das Buch nun gelesen habe. Die Serie war auch bei mir - wie vermutlich bei vielen anderen auch - erst der Grund dafür, dass ich überhaupt Interesse daran hatte, das Buch zu lesen.

Wie die offizielle Inhaltsangabe vermuten lässt, dreht sich das Buch hauptsächlich um Schach. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Protagonistin Beth Harmon, die wir zunächst noch als Kind in einem Waisenhaus kennenlernen, in dem sie erstmals dank des Hausmeisters in Berührung mit dem Schachspiel kommt, was ihr Leben für immer verändert. Im weiteren Verlauf können wir Beth dabei begleiten, wie sie nicht nur allmählich erwachsen wird, sondern auch, wie sie zu einer fast unschlagbaren Schachmeisterin ist und sich dadurch einen Namen auf der ganzen Welt macht.

Ich war (positiv) überrascht, wie sehr sich die Serienadaption an die Buchvorlage hält. Bis auf einige kleinere Veränderungen, habe ich beim Lesen nahezu jedes Mal die entsprechenden Szenen aus der Serie vor den Augen. Das hat einerseits natürlich zu einigen schönen Erinnerungen an die Serie geführt, andererseits hielt die Handlung dadurch für mich verständlicherweise keinerlei Überraschungen parat, da ich schon wusste, welche Charaktere auftauchen und ob es Beth bis zum Schluss gelingt, ihren grössten russischen Schachgegner endlich zu besiegen.

Der Schreibstil ist sehr nüchtern und emotionslos gehalten. Vermutlich hätte ich damit Mühe gehabt, wenn ich zuvor nicht die Serie gesehen hätte, denn dadurch wusste ich, dass der Erzählstil einfach absolut zu Beths Charakter passt. Durch die kurzen und einfachen Sätze liest sich das Buch sehr kurzweilig und man schreitet schnell in Beths Leben voran, das immer wieder von schweren Schicksalsschlägen und ihrer Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln (und später einem auch einem anderen Suchtmittel als Ersatz dafür) geprägt ist. Viele Szenen widmet sich natürlich auch dem Schachspiel, die manchmal sehr detailliert geschildert werden, sodass man über mehrere Abschnitte zu lesen bekommt, welche Figuren in Beths Spielen auf welches Feld gerückt werden. Als absoluter Schach-Laie konnte ich mir darunter natürlich nicht wirklich etwas bildlich darunter vorstellen, sodass die Szenen für mich persönlich eher überflüssig waren, aber gleichzeitig natürlich auch für die notwendige Authentizität gesorgt haben.

Als Kritikpunkt bleibt zu erwähnen, dass mir manchmal etwas die Tiefe gefehlt hat, denn der Autor geht über viele emotional schwierige Momente ziemlich schnell hinweg. Ich hätte mir anstelle der vielen Beschreibungen der Schachspiele manchmal etwas mehr emotionalen Tiefgang gewünscht. Das war dann auch der Grund, weshalb ich letztendlich nicht die volle Sternanzahl vergeben konnte. Insgesamt hat mich das Buch aber gut unterhalten.

Fazit:

"Das Damengambit" ist die Buchvorlage der gleichnamigen Netflix-Serie, die ich mir vor einigen Monaten begeistert angesehen habe. Die Serienadaption hält sich sehr stark an die Handlung im Buch, weshalb grosse Überraschungen beim Lesen natürlich ausgeblieben sind. Wie der Titel des Buches vermuten lässt, dreht sich die Handlung hauptsächlich um das Schachspielen, was aber durch private Momente aus dem Leben der Schach-spielenden Protagonistin dennoch interessant zum Verfolgen ist. Mir hat nur manchmal durch den eher einfachen und emotionslosen Schreibstil die Tiefe bei emotionalen schwierigen Szenen gefehlt. Aber insgesamt eine empfehlenswerte Geschichte. Die Serie hat mir aber noch einen Tick besser gefallen.
14 Kommentare
(© Kösel)

Stress bewältigen mit Achtsamkeit: Zu innerer Ruhe kommen durch MBSR
von Linda Lehrhaupt & Petra Meibert

Bewertung: ★★★☆☆

Self Help, 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 24. Mai 2010
Verlag: Kösel


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Kösel Verlag.

Inhaltsangabe:
Stressbewältigung durch Achtsamkeit, auch bekannt als MBSR Mindfulness-Based Stress Reduction, ist ein ganzheitlicher Ansatz, der praktische, achtsamkeitsbasierte Übungen zur Stressreduktion vermittelt. Die eindrucksvollen Effekte in Bezug auf körperliches, seelisches und geistiges Wohlbefinden sind wissenschaftlich belegt. In diesem Buch wird die von Jon Kabat-Zinn entwickelte 8-Wochen-Methode praxisnah vermittelt. Zwei der bekanntesten Lehrerinnen im deutschsprachigen Raum beantworten die wichtigsten Fragen und zeigen, wie man MBSR lernen und üben kann. Geeignet für Einsteiger ebenso wie für erfahrene Übende.

Meine Meinung:

Dieses Buch hat bereits mehr als zehn Jahre auf dem Buckel, hat aber mit seinem achtsamkeitsbasierten Stressbewältigungsansatz nicht an Aktualität eingebüsst. MBSR (= Mindfulness-Based Stress Reduction) ist ein Begriff bzw. ein Programm, das vor vielen Jahrzehnten von Jon-Krabat Zinn eingeführt wurde und nach wie vor als Methode in bei der (psycho-)therapeutischen Arbeit angewendet wird. Es gibt zahlreiche Bücher für Fachpersonen und Anwender:innen zu diesem Thema und da ich immer auf der Suche nach empfehlenswerten (Selbsthilfe-)Büchern bin, die das MBSR-Programm verständlich erläutern und zusammenfassen, habe ich dieses Buch beim Verlag angefragt.

Die beiden Autorinnen Lehrhaupt und Meibert haben ein moderndes, ansprechendes und übersichtliches Design für ihr Buch gewählt, was das Lesen sehr angenehm gestaltet hat. Bevor sie das eigentliche 8-wöchige MBSR-Programm erläutern, liefern sie als Einstieg in drei Kapiteln einige Basics zum Programm, wie etwa "Was MSBR ist und für wen es sich eignet", "Was Achtsamkeit ist" und einige sonstige wissenswerten Aspekte wie eine Stressreaktion abläuft, welche Ebenen Stress umfasst und inwiefern Achtsamkeit mit Stressbewältigung zusammenhängt.
 
Der Schreibstil ist eher einfach und sehr verständlich gehalten, sodass sich das Buch gut für Einsteiger:innen in das Thema MBSR eignet. Neben theoretischen Inputs, findet man im Buch auch einige Anleitungen für Achtsamkeitsübungen, die man selbst ausprobieren kann und auch Teil des MBSR-Programms sind. Ergänzt wird das ganze aus Erfahrungsberichten von ehemaligen Teilnehmer:innen, die einen MBSR-Kurs bereits hinter sich haben. 
 
Einerseits lässt sich damit positiv hervorheben, dass das Buch abwechslungsreich gestaltet ist und die es den Autorinnen gelingt, das Thema Achtsamkeit nicht auf allzu trockene Art und Weise zu vermitteln. Auf der anderen Seite war mir gerade durch diese Abwechslung bis zuletzt nicht ganz klar, an wen sich das Buch eigentlich richtet. Auf den ersten Blick macht das Buch den Anschein, als würde es sich für Anfänger:innen eigenen, die einen MBSR-Kurs in Eigenregie durchführen möchten. Doch spätestens als das Acht-Wochen-Programm vorgestellt wird (das den Hauptfokus des Buches darstellt), war ich mir dessen nicht mehr so sicher, denn das liest sich eher wie ein Manual, das sich eher an Kursleiter:innen richtet. Es wird grob erläutert, wie der Kurs normalerweise in der Praxis durchgeführt wird, jedoch teilweise sehr oberflächlich, ohne dass jede Übung eine konkrete Anleitung erhält. Die Wirksamkeit des Ablaufs wird durch Erfahrungsberichte von Kursteilnehmer:innen ergänzt, die einerseits Rückmeldung zu den einzelnen Übungen liefern, andererseits wohl auch die Wirksamkeit anhand von konkreten Erfahrungsbeispielen aufzeigen soll.
Das ist alles schön und gut, hat für mich aber letztendlich wie nichts Halbes und nichts Ganzes gewirkt. Sowohl für Selbstanwender:innen, als auch für Fachpersonen ist das Buch nicht detailliert genug, da viele Übungen nur grob erläutert werden. Das ist irgendwo auch nachvollziehbar, denn ein 160 Seiten dünnes Büchlein kann natürlich nicht einen intensiven 8-wöchigen MBSR-Kurs ersetzen, aber dann stellt sich mir doch abschliessend erneut die Frage: Wofür soll dieses Buch denn gut sein? Letztendlich ist es wohl nichts anderes als ein Werbemittel, um Leute zu animieren, irgendwann tatsächlich einen MBSR-Kurs zu besuchen (dessen Wirksamkeit wissenschaftlich unbestreitbar ist!), aber dafür muss meiner Meinung nach zuvor nicht unbedingt dieses Buch gelesen werden.

Fazit:

Obwohl die Idee hinter diesem Buch sehr lobenswert ist und viele Menschen von MBSR und insgesamt regelmässigen Achtsamkeitsübungen profitieren können, bleibt die Zielgruppe dieses Buches etwas unklar. Es gibt zwar einen guten Überblick über einen MBSR-Kurs, aber zur Selbstanwendung (oder auch als Manual für Fachpersonen) werden die einzelnen Übungen und Abläufe dann doch zu rudimentär geschildert, als das ich dieses Buch empfehlen könnte, selbst wenn die Aufmachung sehr ansprechend gestaltet ist. Ich empfehle dann doch eher direkt einen MBSR-Kurs zu besuchen.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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