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between the lines.

(© Argon Verlag) 

Mein Name ist Estela*
von Alia Trabucco Zerán
Gelesen von Heike Warmuth

Bewertung: ★★★☆☆

Fiction, Audiobook
Spieldauer: 6 Stunden und 32 Minuten
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2024
Verlag: Argon


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Argon Verlag.

Inhaltsangabe:
Szene um Szene offenbart sich ein schwindelerregendes Kammerspiel unüberbrückbarer Klassenunterschiede. Sieben Jahre hat Estela im Haus der fremden Familie gelebt, hat tagein, tagaus für sie gesorgt. Die weiße Schürze ist zu einer zweiten Haut geworden, die dünnen Wände ihres Zimmers rücken immer näher. Doch sie ist nicht die einzige Gefangene des Hauses: Im leeren Blick des Mädchens sieht Estela ihre eigene Einsamkeit gespiegelt. Jeder Versuch von Intimität zwischen Angestellter und Kind zerschellt an der ehrgeizigen Mutter und dem autoritären Vater, an der Brutalität der Verhältnisse. Auf engstem Raum ringen vier Menschen ums Überleben und rasen doch unausweichlich auf eine Katastrophe zu.

Meine Meinung:

Dieses Hörbuch habe ich für eine persönliche Lesechallenge ausgewählt, bei der ich möglichst viele Bücher internationaler Autorinnen lesen möchte - andernfalls wäre "Mein Name ist Estela" wohl nie auf meiner Lese- bzw. Hörliste gelandet, denn die Buchauswahl ist definitiv ausserhalb meiner üblichen Comfort Zone.
Im Buch wird die Geschichte einer chilenischen Familie erzählt, die sich wohl am besten als Drama beschreiben lässt. Protagonistin ist dabei die titelgebende Estela, die aus einfachen Verhältnissen stammt und eines Tages das Kindermädchen einer gehoberen Familie wird, um sich um deren Tochter zu kümmern. Das Kind wird im Buch nie namentlich erwähnt, sondern immer bloss "das Mädchen" genannt.

Die Handlung wird die ganze Zeit über von Estela selbst in der Ich-Perspektive erzählt, und beginnt direkt mit einem schrecklichen Aufhänger: Wir erfahren, dass das besagte Mädchen stirbt. Und wie es dazu gekommen ist, will uns Estela nun in aller Ausführlichkeit erzählen.

Was folgt, ist eine eher leise, manchmal unscheinbare Erzählung, die weniger durch grosse Momente, als durch Botschaften zwischen den Zeilen zum Nachdenken anregen soll. Besonders deutlich will die Autorin dabei die Klassenunterschiede machen, die in Chile herrschen und was das für einzelne Personen wie Estela bedeuten kann, die mit vielen Nachteilen aufgrund ihrer Herkunft zu kämpfen hat. Immer wieder stösst sie mit den Eltern des Mädchens aneinander, verhält sich aber in einigen Situationen selbst so, dass es bei mir immer wieder Fragezeichen aufgeworfen hat.

Die Beschreibung des Buches als "Kammerspiel" in der Inhaltsangabe finde ich sehr zutreffend, denn genauso liest sich die Geschichte: Es spielen sich immer wieder einzelne Szenen zwischen den Familienmitgliedern und Estela ab, die an ein Theaterstück erinnern, und nicht immer direkt zusammenhängend aufeinander folgen.

Wie das Buch ausgeht, ist dabei nicht von Relevanz, denn das wissen wir ja bereits von Anfang an. Viel interessanter ist es, wie es dazu gekommen ist. Wobei ich nach Abschluss des Buches sagen muss, dass mich die Auflösung doch etwas enttäuscht hat, weil sie dann doch so anders war, als man es aufgrund der vorherigen Ereignisse vermuten würde - aber nicht auf eine gute Weise, sondern eher auf willkürliche Art. Aber vielleicht habe ich das Ende auch einfach nicht richtig verstanden.

Ich hatte grundsätzlich Mühe den tieferen Sinn des Buches zu verstehen, da die Inhaltsangabe doch interessanter klingt, als es das Buch letztendlich war. Es gab Szenen, die sind mir sehr nahe gegangen, andere wiederum haben sich eher nichtssagend angefühlt und am Ende hat mir dann doch ein wenig, das grosse Ganze gefehlt.
Vielleicht bin ich zu ungebildet, aber ich weiss nicht, was die Botschaft dieses Buches sein soll.
Dabei hat auch nicht unbedingt geholfen, dass die Erzählerin Estela immer wieder abschweift und dies auch selbst zugibt. Sie spricht im Buch direkt zu uns als Zuhörer und kommentiert ihre Abschweifungen sogar selbst, indem sie verspricht, dass alles am Ende einen Sinn ergeben wird und somit alles von Relevanz ist, das sie erzählt. Aber diesen Eindruck kann ich nach Abschluss des Buches nicht teilen.

Fazit:

"Mein Name ist Estela" hebt sich definitiv von den 0815 Werken vieler amerikanischen Autor:innen ab, und der Schreibstil der chilenischen Autorin ist ganz anders, als ich es gewohnt bin, was mir gut gefallen hat. Die aussergewöhnliche Erzählweise und die Idee des Familiendramas waren vielversprechend, aber letztendlich fehlte mir am Ende ein "Aha-"Erlebnis oder der tiefere Sinn dieses Buches, sodass es sicher nicht lange bei mir in Erinnerung bleiben wird. Aus diesem Grund gibt es von mir 3 durchschnittliche Sterne für dieses kurze Hörbuch.
2 Kommentare
(© Argon Verlag)

Vier Farben der Magie* (Shades of Magic #1)
von V.E. Schwab
Gelesen von Peter Lontzek

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Fantasy Audiobook
Spieldauer: 12 Stunden und 53 Minuten
Erscheinungsdatum: 27. April 2017
Verlag: Argon

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. (2 Wochen kostenloses Probeabo möglich)

Inhaltsangabe:
Es gibt vier Farben der Magie: Im Roten London befindet sie sich im Gleichgewicht mit dem Leben. Im Weißen wird die Magie versklavt, kontrolliert, unterdrückt. Dem Grauen London ist sie fast abhandengekommen. Und im Schwarzen London hat sie das Leben selbst vertilgt. Als einer der wenigen Antari springt Kell zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Doch er führt ein Doppelleben: Er ist Botschafter der Könige, aber auch ein Schmuggler. Eines Tages wird ihm ein schwarzer Stein zugesteckt, den er vom Weißen London ins Graue transportieren soll. Dass es sich um ein mächtiges magisches Artefakt handelt, merkt er erst, als er sich von einem gefährlichen Feind verfolgt sieht, der ihm das gute Stück abjagen möchte und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt. Auf der Flucht trifft der Magier die gewitzte Diebin Delilah Bard, die Kell zunächst ausraubt, ihm dann aber hilft. Allerdings erwartet sie eine Gegenleistung von ihm ...

Meine Meinung:

Diese Rezension auf meinem Blog zu veröffentlichen ist ein Novum für mich, denn ich habe noch nie eine ausführliche Meinung zu einem Reread geschrieben. Das erste Mal habe ich das Buch 2018 gelesen und meine Rezension dazu findet ihr unter diesem Link.
Wenn ich meine damalige Rezension mit dem heutigen Reread vergleiche, dann gibt es doch massive Unterschiede, wie ich die Geschichte, die Charaktere und der Reihenauftakt ganz allgemein wahrgenommen habe.

Ich muss jedoch erwähnen, dass ich 2018 auf einem ziemlichen "V.E. Schwab-Hype-Trip" war und nahezu alle ihre Bücher verschlungen habe und als grosser Fan der Autorin über viele Schwächen hinweggesehen habe, was meine damalige sehr grosszügige Bewertung zum Teil erklären würde.
Ironischerweise hatte ich im Anschluss nie Lust, die Fortsetzung zu lesen und ich konnte mich auch relativ bald an überhaupt nichts mehr vom Inhalt oder den Charakteren erinnern. Und beides spricht für mich im Nachhinein nicht gerade dafür, dass meine damalige Wertung wirklich echt war - denn ein Buch, das mich angeblich so begeistert, hätte ich nicht so schnell vergessen und auch unbedingt wissen wollen, wie sich die Handlung in den Folgebänden weiterentwickelt.

Lange Rede kurzer Sinn: "Vier Farben der Magie" hat mir insgesamt leider nicht gefallen. Und das fängt direkt schon bei der Story an, die sich in wenigen Sätzen zusammenfassen lässt: Protagonist Kell ist ein Antari, der auf magische Weise zwischen verschiedenen Welten hindurchwandern kann. Die verschiedenen Welten sind dabei vier verschiedene Versionen Londons, die aber bis auf den Namen wenig gemeinsam haben. Kell verbringt seinen Alltag damit, verschiedene Botengänge zwischen den Welten zu erledigen, bis er eines Tages einen ominösen Stein irgendwo hinbringen muss. Der Stein scheint sehr begehrt zu sein und ruft einige Feinde auf den Plan, die Kell das magische Artefakt abnehmen wollen. Doch er bekommt unerwartet Hilfe von einer jungen Diebin, die ihm auf seinem Abenteuer begegnet und ihm hilft, den Auftrag zu erfüllen...

Zusammengefasst klingt die Handlung noch vielversprechend, in der Ausführung hat sich aber gezeigt, dass der Plot eigentlich sehr dünn ist und wenig hergibt. Die ganze Einleitung in Kells Arbeit als Botenjunge zieht sich ziemlich lange hin und selbst nachdem das Abenteuer mit dem Stein losgeht und einige actiongeladene Szenen passieren, ist bei mir trotz allem keine Spannung aufgekommen.
Es gab weder fesselnde Momente, noch irgendwelche Überraschungen, die mein Interesse wecken konnten und das Zuhören hat sich ehrlicherweise zäh wie Kaugummi angefühlt, sodass ich immer wieder mit meinen Gedanken abgeschweift bin.

Lustigerweise habe ich 2018 die angeblich vielschichtigen Charaktere positiv hervorgehoben und dieses Mal dachte ich die ganze Zeit über, dass mir bisher selten so blasse und nichtssagende Hauptcharaktere begegnet sind, wie Kell und Lilah. Man erfährt eigentlich nichts über die beiden, bis darauf, dass der eine ein Botenjunge ist und die andere eine Diebin. Ansonsten scheinen beide keinerlei Charaktereigenschaften zu besitzen, die sie irgendwie erinnerungswürdig machen würde und ich fand, dass es Schwab dieses Mal nicht gelungen ist, ihre Charaktere gut auszuarbeiten (auch nicht die Nebencharaktere oder die Antagonist:innen). Und das hat dazu geführt, dass mir deren Schicksale eigentlich relativ egal waren.

Das einzig Positive, das ich auch nach dem Reread erwähnen kann, ist die Idee zum Worldbuilding. Ich finde es nach wie vor schön, dass sich die Autorin bei jeder neuen Buchreihe oder jedem neuen Einzelband aus ihrer Comfort Zone herausbewegt und neue Ideen ins Zentrum stellt. Da ihre Bücher aber so unterschiedlich sind, führt das natürlich auch zwangsläufig dazu, dass einem nicht jedes ihrer Bücher gefallen kann.

Zuletzt möchte ich auch noch ein paar Worte zur Hörbuchfassung verlieren: Das Hörbuch wird von Peter Lontzek gesprochen und obwohl er sich sehr bemüht, war seine Erzählstimme überhaupt nicht mein persönlicher Geschmack. Er hat eine Stimme, die mich an Sprecher einer stinklangweiligen Tierdoku erinnern und diese Assoziation hat deshalb nicht unbedingt geholfen, dass ich die Handlung als noch langweiliger erlebt habe, als sie es ohnehin schon war. Aber das ist ein absolut subjektiver Kritikpunkt und selbstverständlich nicht in meine Bewertung miteingeflossen, da Lontzek seine Sache an und für sich gut macht und er nichts dafür kann, wenn mich seine Stimme zum Einschlafen bringt. ;D

Fazit:

Leider konnte mich der Reread des Weltenwanderer-Auftakts nicht mehr überzeugen. Das Worldbuilding würde Potenzial bieten, aber der Plot ist sehr dünn und die Charaktere so blass, dass beide in Kombination die Hörerfahrung ziemlich anstrengend und uninteressant gemacht haben.
Ich werde der Fortsetzung dennoch eine Chance geben, aber falls sich im zweiten Band nicht mehr Spannung oder Charaktertiefe einstellt, dann werde ich die Reihe vermutlich relativ rasch abbrechen. 2.5 Sterne gibt es dieses Mal von mir für das Buch.
8 Kommentare
(© Beltz)

Therapie-Tools: Selbstfürsorge*
von Malzer-Gertz, Gloger, Martin & Luger-Schreiner

Bewertung: ★★☆☆☆

Nonfiction, Psychology, 233 Seiten
Erscheinungsdatum: 08. Februar 2023
Verlag: Beltz


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Beltz Verlag.

Inhaltsangabe:
Eine gelingende Selbstfürsorge geht über einen ausgiebigen Spaziergang oder die »schöne Tasse Tee« hinaus: Vor allem durch das Erfahren von Mitgefühl, Akzeptanz und Selbstmitgefühl kann ein persönliches Gleichgewicht erreicht werden, das beim Bewältigen von psychischen Erkrankungen und Problemen bedeutsam ist.
Störungs- und therapieschulenübergreifend: Der Therapie-Tools-Band stellt zahlreiche Übungen und Hilfestellungen für Klient:innen und Therapeut:innen zusammen, die zu einer verbesserten Selbstfürsorge beitragen. Einzusetzen sind die Meditationen, Kreativ- und Körperübungen primär bei Depressivität, Angst, Scham, Schmerz, Trauma und Selbstabwertung.

Meine Meinung:

Wer öfter auf meinem Blog unterwegs ist, weiss, dass ich als Psychologin inzwischen ein grosser Fan der Therapie-Tools Reihe des Beltz Verlags bin. Vorweg sei gesagt, dass es sich hierbei in erster Linie nicht um Selbsthilfebücher für Betroffene handelt, sondern sich eher an Fachpersonen richtet, die im Bereich der Therapie oder Beratung tätig sind. Die Bücher sind im Grunde eine Sammlung von Arbeitsblättern und Übungen, die man praxisnah anwenden kann.

Jedes Buch wird von anderen Autor:innen geschrieben, sodass der Aufbau optisch sehr ähnlich ist, aber der Inhalt und die Vorgehensweise können sich unterscheiden.

Das Thema Selbstfürsorge ist etwas, das ich sehr wichtig finde und mir bei meiner Arbeit durch alle Altersklassen und Symptome hinweg früher oder später begegnet, deshalb hatte ich grosse Erwartungen an das Buch, durch das ich mir neue Inputs und Ideen zum Thema Selbstfürsorge erhofft habe.

Leider war es aber zum ersten Mal so, dass ich irgendwie keinen richtigen Zugang zu den einzelnen Übungen finden konnte. Obwohl die offizielle Inhaltsangabe verspricht, das es sich um therapieschulenübergreifende Tools handelt, hatte ich den Eindruck, dass hier doch sehr stark bestimmte Richtungen eingeflochten sind, die ich nicht unbedingt der Wissenschaft der Psychologie zuordnen würde, sondern eher aus einem esoterischen oder spirituellen Bereich stammen, der mir persönlich einfach völlig fremd ist. Und da das nicht meiner Arbeitsweise entspricht, die ihren Ursprung doch sehr in der Verhaltenstherapie hat, hatte ich wirklich Mühe mich auf das Buch einzulassen.
Viele der vorgestellten Konzepte sind nicht ganz neu, aber werden durch eigene Begrifflichkeiten ersetzt oder zum Beispiel durch Konzepte aus fernöstliche Glaubensrichtungen ergänzt, sodass sich alles doch irgendwie befremdlich für mich gelesen hat, weil ich mir niemals anmassen würde, in einer Therapie das Konzept Ying oder Yang einfliessen zu lassen, ohne jemals Berührungspunkte damit gehabt zu haben.

Obwohl die Inhaltsangabe vielversprechend klingt und viele wichtige Themen wie Scham- oder Schuldgefühle, oder auch die Arbeit mit dem inneren Kritiker abgedeckt sind, lesen sich die einzelnen Übungen irgendwie alle sehr ähnlich. In allen Übungen soll man in sich gehen und körperliche Signale wahrnehmen und sich dann verschiedene Fragen stellen, die sich je nach Themenfokus unterscheiden können. Die Übungen setzen meiner Meinung nach eine gute Introspektions- und Imaginationsfähigkeiten voraus, also man muss sich und die eigenen inneren Vorgänge sehr gut wahrnehmen, verstehen und benennen können, sowie auch eine gute Vorstellungskraft haben, damit die Übungen funktionieren. Und das ist etwas, das man nicht grundsätzlich bei allen Klient:innen voraussetzen kann.

Ein grosser Schwerpunkt des Buches stellt auch die Meditation dar, von der ich eigentlich viel halte. Aber hier wird eine eher dialogbasierte Unterform der Meditation vorgestellt, die mich persönlich wenig angesprochen hat - zumal sich die einzelnen Anleitungen für mich einfach zu esoterisch lesen, als dass ich sie ernstgemeint mit meinen Klient:innen rüberbringen könnte.

Fazit:

Dieses Buch hat mich leider aufgrund seiner doch sehr esoterisch-spirituell orientierten Grundhaltung nicht angesprochen. Es wird im Buch viel geschrieben, aber ich konnte weder theoretisch noch praktisch sonderlich viel Hilfreiches aus den Übungen ziehen, weil sich die Arbeitsweise der Autor:innen einfach zu sehr von meiner eigenen unterscheidet. Ich kann mir vorstellen, dass die Übungen und auch das Buch bei anderen Personen mehr Anklang finden, aber für mich war der Inhalt sehr enttäuschend, da ich nicht den Eindruck hatte, dass es wirklich um Selbstfürsorge geht, sondern eher ein bestimmter Therapieansatz, der sich an fernöstlichen Philosophien orientiert. Die wenigen Übungen, die mich angesprochen haben, wie zum Beispiel das Positiv-Tagebuch, waren mir bereits bekannt.
Dieses Mal kann ich deshalb keine persönliche Empfehlung zu diesem Buch aus der Therapie-Tools Reihe abgeben. Das Buch eignet sich aus meiner Sicht eher für Fachpersonen und Klient:innen, die eine spirituelle Grundhaltung haben, und weniger für Fachpersonen wie mich, die verhaltenstherapeutisch vorgehen.
2 Kommentare
(© Heyne)

Tu dir gut - denn der wichtigste Mensch in deinem Leben bist du*
von Jayne Hardy

Bewertung: ★★☆☆☆

Self Help, 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 14. Januar 2019
Verlag: Heyne


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Heyne Verlag.

Inhaltsangabe:
Selbstfürsorge ist nicht nur unverzichtbar für unser körperliches und seelisches Wohlergehen, sie ist auch alles andere als egoistisch! Denn wer sich mit sich selbst wirklich wohlfühlt, kann auch positive Energien in die Welt bringen. Jayne Hardy schenkt wertvolle Impulse, die ganz einfach in das tägliche Leben integriert werden können: Um seine ureigensten Bedürfnisse besser kennenzulernen, das Selbstwertgefühl zu stärken und eine wundervolle Freundschaft mit sich selbst zu schließen.

Meine Meinung:

Ich glaube ein Blick auf das Cover und den Titel verrät bereits sehr eindeutig, worum es in diesem Buch geht: Selbstfürsorge. Ein Konzept, das in meiner täglichen Arbeit als Psychotherapeutin eine grosse Wichtigkeit hat, weshalb ich immer auf der Suche nach empfehlenswerter Literatur in diesem Bereich bin.

"Tu dir gut" wurde von keiner Fachperson geschrieben, sondern von einer Bloggerin, die selbst unter Depressionen gelitten hat und dadurch in Berührung mit dem Thema Selbstfürsorge gekommen ist. Und in diesem Buch will sie ihre Erfahrungen an andere Menschen weitergeben, was grundsätzlich sehr lobenswert ist.

Was mir beim Lesen direkt aufgefallen ist, ist der Umstand, dass es ziemlich lange dauert, bis man an die praxisbezogenen Tipps zur Umsetzung von Selbstfürsorge im Alltag kommt. Ich hatte den Eindruck, dass die ersten 80 Seiten viel Vorgeplänkel waren, in denen die Autorin viel schreibt, ohne wirklich etwas Relevantes zu sagen, denn eigentlich will sie zunächst nur deutlich machen, was Selbstfürsorge eigentlich ist und weshalb sie so wichtig ist. Das macht sie aber für meinen Geschmack etwas zu ausufernd, sodass ich mich immer wieder beim Querlesen ertappt habe.

Die langersehnten Praxistipps zur Umsetzung erscheinen dann irgendwann auch tatsächlich und sie sind durchaus alltagsnah, wirken aber entgegen dem Versprechen auf dem Cover eines "Selbstfürsorge-Projekts" etwas planlos und willkürlich zusammengewürfelt. Viele der Tipps waren mir zu allgemeingültig und lasen sich - passend zum Jahreswechsel - wie die typischen Neujahresvorsätze: Du solltest mehr Wasser trinken. Du solltest mehr auf deine Gesundheit achten. Du solltest weniger Zeit am Handy verbringen. Du solltest auch mal Nein sagen. Und so weiter, und so fort...
Mir ist durchaus bewusst, dass man das Rad beim Thema Selbstfürsorge nicht neu erfinden kann (und auch nicht muss), aber ein bisschen differenzierter hätte es für meinen Geschmack sein dürfen, denn ich denke, diese generischen Ratschläge sind allseits bekannt und helfen im konkreten Fall nicht unbedingt weiter - gerade wenn man unter einer Depression leidet.

Das Buch ist auch immer wieder mit Kritzeleien und Illustrationen geschmückt, die wohl als Arbeitsblätter für eine Selbstreflexion dienen sollen. Meistens handelt es sich um Felder zum Ausfüllen zu Fragen wie "was gibt mir Kraft?" oder "was hindert mich daran, sich um mich selbst zu kümmern" oder ähnlich. Im Grunde wären diese Arbeitsblätter eine gute Idee und bringen Abwechslung in das textlastige Buch rein, nur leider werden sie ohne jegliche Instruktion willkürlich in die Kapitel hineingeworfen, ohne dass sie direkt Bezug auf das nehmen, was zuvor behandelt wurde. Das hat einmal mehr etwas konzeptlos und unstrukturiert auf mich gewirkt.Grundsätzlich begrüsse ich Bücher zum Thema Selbstfürsorge, aber hier wurde für meinen Geschmack viel geschrieben, ohne wirklich etwas Neues zu sagen und über generische 0815 Ratschläge hinauszugehen. Man merkt, dass die Autorin keine Fachperson ist - das ist zwar nicht immer ein Qualitätsmerkmal, aber da ich erst vor kurzem ein Buch einer Psychotherapeutin zu dem Thema gelesen habe, kann ich im direkten Vergleich sagen, dass mir das andere Buch deutlich besser gefallen hat, weil es nicht nur mit Quellenangaben zu wissenschaftlichen Grundlagen untermalt war, sondern auch einer klaren Struktur gefolgt ist. Hier hatte ich eher den Eindruck, als würde ich einem typisch amerikanischen Selbsthilfe-Guru zuhören, der viel sagt, ohne dass man Ende wirklich mehr weiss.

Fazit:

Selbsthilfebücher sind Geschmackssache und ich bin sicher, dass es auch Menschen gibt, die sich von Hardy und ihrem Buch angesprochen und gut begleitet fühlen. Nur ich gehöre nicht dazu und werde das Buch auch nicht in die Liste meine Literaturempfehlungen aufnehmen, weil mir zu wenig Handfestes dabei war. Von mir gibt es 2.5 Sterne.
2 Kommentare
 
Auch in diesem Jahr werde ich wieder an der SuB-Senioren-Challenge von Nicole von Zeit für neue Genres teilnehmen. Es geht darum, die ältesten Bücher auf dem SuB zu lesen. Da ich im letzten Jahr rigoros aussortiert habe, bin ich gespannt, wie meine Erfahrungen mit der Challenge in diesem Jahr sein werden.

Die Regeln

  • Diese Challenge ist kein Wettbewerb.
  • Bücher, die ungelesen aussortiert werden, und abgebrochenen Bücher zählen nicht als gelesen. In dem Fall rückt das nächste Buch vom SuB nach. Für einen vollständigen Kurerfolg müssen die 10 ältesten SuB-Titel gelesen sein.
  • Einsteigen ist jederzeit möglich.
  • Es gelten Hörbücher, eBooks und Printbücher. Die Hauptsache ist, dass die Geschichte vom SuB befreit wird und der nette Stapel ungelesener Bücher insgesamt ein bisschen jünger geworden ist. 
  • Challengezeitraum: 01. Januar 2024 bis 31. Dezember 2024

Meine Leseliste

Gelesene Bücher: 10/10
Challenge beendet am 06.10.2024

  1. Kleine Stadt der grossen Träume - Fredrik Backman (seit dem 26.11.2017 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 30.01.2024 » Kurzmeinung

  2. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (Wayfarers, #1) - Becky Chambers (seit dem 16.12.2017 auf dem SuB) ✘ ★☆☆☆☆
    abgebrochen am 18.02.2024 » Kurzmeinung

  3. Die Verzauberung der Schatten (Weltenwanderer #2) - V.E. Schwab (seit dem 24.01.2018 auf dem SuB) ✘
    abgebrochen am 19.01.2024 » Kurzmeinung

  4. Am Ende der Welt (Angelfall, #3) - Susan Ee (seit dem 03.02.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 26.02.2024 » Kurzmeinung

  5. Mein Herz in allen Einzelteilen - Julie Buxbaum (seit dem 18.02.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★★☆
    beendet am 09.02.2024 » Kurzmeinung

  6. Goldener Zorn (Children of Blood and Bone, #1) - Tomi Adeyemi (seit dem 12.03.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★★☆
    beendet am 25.05.2024 » Kurzmeinung

  7. Die fünf Gaben (Valenias Töchter, #1) - Rebecca Ross (seit dem 29.04.2018 auf dem SuB) ✔ ★☆☆☆☆
    beendet am 25.06.2024 » Kurzmeinung

  8. Liebe und der erste Blick - Josh Sundquist (seit dem 10.06.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 22.02.2024 » Kurzmeinung

  9. Too Late - Colleen Hoover (seit dem 17.11.2018 auf dem SuB) ✘ ★☆☆☆☆
    abgebrochen am 06.08.2024 » Kurzmeinung

  10. Outlander - Feuer und Stein (Outlander #1) - Diana Gabaldon (seit dem 11.01.2019 auf dem SuB) ✘ ★☆☆☆☆
    abgebrochen am 20.04.2024 » Kurzmeinung

  11. Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz - Mira Jacob (seit dem 18.01.2019 auf dem SuB) ★★☆☆☆
    beendet am 06.10.2024 » Rezension

  12. Der Tod der Mrs Westaway - Ruth Ware (seit dem 22.07.2019 auf dem SuB) ✔ ★★☆☆☆
    beendet am 29.06.2024 » Kurzmeinung

  13. Animant Crumbs Staubchronik - Lin Rina (seit dem 08.02.2020 auf dem SuB) ✔ ★★☆☆☆
    beendet am 13.08.2024 » Kurzmeinung

  14. Wie du mich siehst - Tahereh Mafi (seit dem 06.03.2020 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 09.08.2024 » Kurzmeinung
4 Kommentare
(© Argon Verlag)

Book Lovers - Die Liebe steckt zwischen den Zeilen*
von Emily Henry
Gelesen von Christiane Marx

Bewertung: ★★★☆☆

Contemporary Romance, Audiobook
Spieldauer: 13 Stunden und 19 Minuten
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2023
Verlag: Argon


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Argon Verlag.

Inhaltsangabe:
Die New Yorker Literaturagentin Nora Stephens ist das Gegenteil jeder romantischen Romanheldin. Sie ist tough, scharfzüngig und nicht auf der Suche nach der großen Liebe. Einzig für ihre Schwester Libby würde sie alles tun – sogar einen Sommer in der idyllischen Kleinstadt Sunshine Falls verbringen, dem Schauplatz von Libbys Lieblingsromanen. Von Picknicks auf Blumenwiesen und Dates mit attraktiven Landärzten jedoch keine Spur! Ausgerechnet dem arroganten und unnahbaren New Yorker Lektor Charlie Lastra begegnet Nora in Sunshine Falls wieder. Nach und nach muss sie jedoch erkennen, dass nicht nur in Büchern, sondern auch im wahren Leben manches anders ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Meine Meinung:

Vorweg muss ich zugeben, dass ich fast gar keine Contemporary Romance bzw. Chick-Lit mehr lese und ich deshalb so überhaupt nicht zur Zielgruppe des Buches gehöre. Aber, Emily Henrys Bücher erhalten auf meiner meistgenutzten Lesecommunity jedes Mal so überdurchschnittliche gute Bewertungen, dass ich der Autorin noch einmal eine Chance geben musste, weil mich der Hype um ihre Bücher so neugierig gemacht hatte. Eine zweite Chance deshalb, weil ich schon einmal ein Hörbuch der Autorin gehört habe, das hochgelobt wurde und mich dann sehr enttäuscht zurückgelassen hat, weil es nichts anderes, als eine seichte, vorhersehbare Chick-Lit war. Ich wollte jedoch herausfinden, ob es sich bloss um einen Fehlgriff gehandelt hatte, oder ich den Hype tatsächlich nicht teilen/nachvollziehen kann.

Doch beginnen wir von vorne: Book Lovers erzählt die Geschichte von Nora Stephens, die auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Schwester, gemeinsam mit ihr nach Sunshine Falls reist - einem abgeschiedenen Örtchen, das so gar nicht mit New York City vergleichbar ist, wo Nora eigentlich lebt.
Dort angekommen, trifft Nora einige der Kleinstadtbewohner, die sich näher kennenlernt. Darunter befindet sich auch ein junger, gutaussehender Mann, der Nora nicht ganz unbekannt ist und es schafft, ihr Interesse zu wecken...

Die Inhaltsbeschreibung klingt sehr unspektakulär, und das ist so, weil auch die Handlung im Buch sehr überschaubar bleibt und nicht sehr viel mehr Spannung hergibt. Es gibt im Buch keinen grossen Aufhänger, der mich beim Lesen regelrecht gefesselt hätte und es hat auch etwas gedauert, bis ich mit Nora und der Story warmgeworden bin, die vor allem durch ihre Charaktere lebt.
So richtig wollte der Funke nicht überspringen, aber gerade Charlie Lastra, Noras Love Interest, hat mich irgendwann dann doch neugierig gemacht, sodass ich bis zum Schluss doch noch ein wenig mit den beiden Turteltäubchen mitgefiebert habe und gehofft habe, dass sie ihr Happy End bekommen - was bei einer Chick-Lit ja ohnehin zu erwarten ist.
Abgesehen davon, versucht die Autorin noch das Interesse ihrer Leser:innen zu wecken, indem Noras Schwester irgendetwas verheimlicht, das erst am Ende enthüllt wird. Doch so richtig vom Hocker gehauen, hat mich diese Enthüllung nicht.

Der Schreibstil, sowie auch die Charaktere sind eher einfach gehalten, sodass man das Hörbuch gut nebenbei hören kann. Die Sprecherin Christiane Marx hat eine sehr angenehme Erzählstimme, die für mich sehr gut zum Inhalt des Buches gepasst hat, und das Zuhören sehr kurzweilig gestaltet hat.

Fazit:

Alles in allem war das Buch nicht schlecht, aber den Hype um Henrys Bücher kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen, denn bei ihren Büchern bekommt man genau das, was versprochen wird: Eine kitschige, vorhersehbare, romantische Chick-Lit.
Wer dieses Genre mag, der wird an den Büchern der Autorin Freude finden, aber für mich sind solche Bücher einfach zu seicht und konstruiert, als dass ich mehr als 3 Sterne vergeben könnte.
Ein nettes Buch für zwischendurch, aber für mich wird es wohl das letzte Buch der Autorin bleiben, da ich die überaus hohen Bewertungen nicht gerechtfertigt finde. "Book Lovers" liest sich wie fast jedes andere Buch aus dem Chick-Lit Genre und sticht für mich nicht mit einem besonderen Merkmal heraus, das erklären würde, weshalb gerade die Bücher dieser Autorin sich solcher Beliebtheit erfreuen.
2 Kommentare
(© Lübbe Audio)

Zarifa – Afghanistan. Meine Heimat. Meine Geschichte*
von Zarifa Ghafari & Hannah Lucinda Smith
Gelesen von Kordula Leisse

Bewertung: ★★★★☆

Memoir, Audiobook
Spieldauer: 9 Stunden und 7 Minuten
Erscheinungsdatum: 17. Oktober 2022
Verlag: Lübbe Audio


* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. (2 Wochen kostenloses Probeabo möglich)

Inhaltsangabe:
Zarifa Ghafari ist die weibliche Stimme Afghanistans. Mit 24 Jahren zur jüngsten Bürgermeisterin des Landes ernannt, versuchen Taliban, sie gewaltsam von der Ausübung ihres Amtes abzuhalten. Trotz der Anschläge setzt sie sich unermüdlich gegen Korruption, für Frieden und Frauenrechte ein. Als Vergeltung wird ihr Vater ermordet. Nach dem Einmarsch der Taliban 2021 muss Ghafari fliehen. Doch ihr Kampf geht weiter. Eindringlich schreibt sie über ihr Leben und ihr Engagement. Sie erzählt über das Schicksal afghanischer Frauen und ihre gemeinsame Vision, das Leben in einem Land voll religiösem Fanatismus zu verändern. Ihr Bericht ist Zeugnis und Appell zugleich, Afghanistan nicht zu vergessen.

Meine Meinung:

Dieses Hörbuch habe im Zuge einer Lesechallenge gelesen, an der ich neu teilnehme. Dabei geht es darum, zu jedem Land auf dieser Welt ein Buch einer weiblichen Autorin zu lesen. Und angefangen habe ich mit A wie Afghanistan.

Vor diesem Hörbuch habe ich den Namen Zarifa Ghafari noch nie gehört - und nach Beendigung des Hörbuchs, werde ich ihn bestimmt nicht so schnell wieder vergessen. Denn das, was diese junge Frau bereits alles in ihrem Leben geleistet hat, ist wirklich beeindruckend und lässt sich nur schwer in Worte fassen.

Doch fangen wir ganz von vorne an: Ghafari ist in Kabul geboren und aufgewachsen und sie beschreibt, wie es für sie war, als junges Mädchen in einem muslimischen Land aufzuwachsen, das immer wieder von Taliban regiert wurde. Ihr könnt euch allein an dieser kurzen Beschreibung wahrscheinlich vorstellen, dass so ein Leben von vielen Herausforderungen geprägt war. Und doch hat sich Ghafari niemals unterkriegen lassen, sondern versucht, sich in einem Land als Frau zu behaupten, das gerade erst vor kurzem wieder einen grossen Rückschritt in Sachen Frauenrechte gemacht hat, als die Taliban  2021 einmal mehr die Macht des Landes an sich gerissen haben.

Doch trotz all der Angst und dem Schrecken, das diese Terrororganisation im eigenen Land verstreut, hat Ghafari sich nicht unterkriegen lassen und ist ihren eigenen Weg gegangen: Sie hat in Indien studiert, sie trägt keine Burka und sie hat mit gerade 24 Jahren als Bürgermeisterin einer afghanischen Stadt eine Position bezogen, mit der sie nicht nur ein Dorn im Augen vieler Männer war, sondern sich auch viele Feinde gemacht hat.
Immer wieder wurde Ghafari bedroht, und hat sich dennoch unermüdlich für die Rechte von Frauen und eine Gerechtigkeit in ihrem Land eingesetzt, wohl wissend, dass sie damit ihr eigenes Leben auf Spiel setzt. Mehr als einmal ist Ghafari dadurch Opfer von Tötungsversuchen geworden, die nicht nur körperliche Narben, sondern vermutlich auch seelische Wunden hinterlassen hat.
Selbst nachdem sie mit verbrannten Körpergliedern im Krankenhaus gelegen hatte und tagelang Höllenqualen gelitten hatte, hat sie nicht aufgegeben dafür zu kämpfen, woran sie glaubt. Und genau das hat die Terroristen in ihrem Land dazu gebracht, es auf anderem Wege zu versuchen, ihr zu schaden, indem sie ihr etwas genommen haben, das ihr alles bedeutet hat: Ihren Vater.
Ein Ereignis, das mir noch jetzt Gänsehaut hinterlässt. Jeder hätte es verstanden, wenn Ghafari spätestens zu diesem Zeitpunkt aufgegeben und zum Schutze von sich selbst, ihrem Mann und ihrer Familie geflüchtet wäre. Doch selbst dadurch konnten die Terroristen Ghafari nicht brechen - im Gegenteil, noch immer kämpft sie für Frauenrechte in Afghanistan.

Wie wir alles aus den Medien mitbekommen haben, ist es den Taliban vor rund zwei Jahren bedauerlicherweise erneut gelungen, die Macht in Afghanistan an sich zu reissen. Die Bilder von flüchtenden Afghan:innen gingen damals um die Welt. Darunter war auch Ghafari und ihre Familie, denen auch nichts anderes übrig blieb, um aus ihrem Land zu flüchten.

Die Geschichte von Zarifa Ghafari und ihrer Familie geht definitiv unter die Haut. Es gab viele Stellen, die mich emotional sehr mitgenommen haben - allen voran, der Tod ihres Vaters, der einfach erschütternd war. Doch obwohl die Autorin so viel Schreckliches mitmachen und mitansehen musste, beinhaltet die Erzählung ein Gefühl von Hoffnung, Stärke, Mut und Kampfeswille. Ich weiss nicht, woher Ghafari ihre Kraft hernimmt, doch es ist einfach bemerkenswert, dass sie selbst ihr eigenes Leben für ihre Überzeugung in Kauf nimmt und sich nicht von einer solchen schrecklichen Terrororganisation wie den Taliban einschüchtern lässt.

Trotz all des Lobes konnte ich aber letztendlich nicht ganze fünf Sterne vergeben. Und das lag daran, dass ich es schade fand, dass die Erzählung manchmal sehr sprunghaft ist und ich an der einen oder anderen Stelle gerne mehr Einblicke in Ghafaris Gefühlswelt gehabt hätte. Manchmal erwähnt sie einige geschichtliche Ereignisse nur beiläufig, sodass es hier sicher hilfreich wäre, sich vorgängig mit der Geschichte Afghanistans der letzten 20 - 30 Jahre zu beschäftigen, damit man auch ein Bild davon aus, worauf sich die Autorin in ihrem Buch bezieht.

Abschliessend noch ein Wort zur Sprecherin des Hörbuches: Sie hat eine wirklich angenehme Erzählweise und das Zuhören, trotz ernster Themen angenehm gestaltet.

Fazit:

Zarifa Ghafari ist zweifellos eine beeindruckende, mutige und kämpferische Frau, vor der ich mich nur verneigen kann. Sie hat es geschafft, sich in einem männlich dominierten Land als Frau zu behaupten und ist dafür mehr als einmal knapp dem Tod entkommen - und trotzdem kämpft sie unermüdlich weiter für die Rechte von Frauen in ihrem Heimatland Afghanistan. Eine wirklich beeindruckende Erzählung, die unter die Haut geht. Schade fand ich nur, dass die Ereignisse manchmal etwas sprunghaft erzählt werden.
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(© Heyne)
Tor der Ewigkeit (Unsterblich #3)
von Julie Kagawa

Bewertung: ★★★☆☆

YA Paranormal, 467 Seiten
Erscheinungsdatum: 09. Januar 2017
Verlag: Heyne


Inhaltsangabe:
Dunkelheit ist über die Welt gekommen, die Städte liegen in Trümmern, und selbst die Vampire sind nicht mehr in Sicherheit. Niemand weiß das besser als die toughe Allison Sekemoto, denn ihr wurde von dem gefährlichen Vampirmeister Sarren das genommen, was ihr am Teuersten war. Begleitet von ihrem geheimnisvollen Schöpfer Kanin und ihrem Blutsbruder Jackal nimmt Allie die Verfolgung Sarrens auf, um sich an ihm zu rächen. Doch Sarren lockt Allie in eine Falle, und plötzlich steht viel mehr auf dem Spiel als nur die Erfüllung von Allies Racheplänen …

Meine Meinung:

Nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich es endlich geschafft, den letzten Band der Unsterblich Reihe zu lesen - natürlich nicht ohne, dass ich mir vorgängig nochmal die Zusammenfassungen der beiden Vorgänger durchgelesen habe, weil leider nichts vom Inhalt in meiner Erinnerung hängen geblieben ist. Eigentlich habe ich zu diesem finalen Band gar nicht so viel zu sagen, dass es sich für eine Rezension lohnen würde, aber da ich die beiden Vorgänger auch rezensiert habe, wollte ich den letzten Band nicht auslassen.

Die Handlung in diesem Buch geht da weiter, wo sie im Vorgänger aufgehört hat: Allie, ihr Vampir"vater" Kanin und ihrem Vampir"bruder" Jackal, machen sich auf die Jagd nach dem grossen, bösen Antagonisten Sarren, um ihn davon abzuhalten nach Eden zu reisen, weil er dort alle Menschen umbringen will. Allie wird dabei vor allem von Hass getrieben, da Sarren im letzten Band ihren Love Interest Zeke scheinbar getötet hat und sie seinen Tod nun rächen will...

Und das war's. Mehr passiert in diesem Buch nicht. Das Trio jagt Sarren, erreicht irgendwann Eden und dort kommt es zum grossen Showdown. The End.

Nachdem die Reihe stark angefangen hat, hat sie bereits im zweiten Teil nachgelassen und auch in diesem finalen Band nicht zur anfänglichen Stärke zurückgefunden. Die Handlung ist sehr unspektakulär und gerade die Reise nach Eden zieht sich unglaublich in die Länge, ohne dass wirklich ein Gefühl der Spannung aufgekommen ist.

Positiv bleibt der Schreibstil zu erwähnen, der sehr flüssig daher kommt und sich angenehm lesen lässt. Ich habe das Buch aber ehrlich gesagt nur überflogen und konnte der Story trotzdem problemlos folgen, was für mich ein Zeichen dafür ist, dass nebenbei nicht viel Nennenswertes passiert. Das "Nebenbei" hat nämlich ohnehin hauptsächlich aus dem Rumgejammere von Allie bestanden, die mir in diesem Band auf den Keks gegangen ist. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich inzwischen schlichtweg zu alt für das Young Adult Genre bin und ich mich nicht (mehr) mit ihrem Gejammer identifizieren konnte.
Am sympathischen war mir noch Jackal, Allies Vampirbruder, der kein Blatt vor den Mund nimmt und dementsprechend auch Allie ordentlich die Meinung sagt, nachdem sie ihm auch auf die Nerven gegangen ist.
Sarren dagegen bleibt wie auch schon im letzten Band ein sehr eindimensionaler Antagonist, der schlicht und ergreifend böse ist, was ihn ein bisschen wie eine Karikatur aus einem Cartoon wirken lässt. Hier hätte ich mir eine differenzierte Ausarbeitung seiner Motive gewünscht. Ich konnte ihn als Bösewicht gar nicht so richtig ernst nehmen.

Das Buch bzw. die Story ist an und für sich nicht schlecht, aber sie hält einfach keine Überraschungen bereit und verlief mir insgesamt zu vorhersehbar und gradlinig. Da hätte ich mir nach dem starken ersten Teil mehr Mut von der Autorin gewünscht. Das hier war ein generischer 0815 Vampirroman, wie es inzwischen Sand am Meer gibt.
Die Autorin versucht zwar, mit dem Schicksal eines Charakters einen "Plot Twist" einzubauen, aber ironischerweise habe ich bereits in meiner letzten Rezension vorausgesagt, dass genau dieser Plot Twist passieren wird. Das bestätigt also nur, dass das Buch vorhersehbar ist.

Fazit:

Tor der Ewigkeit ist ein durchschnittlicher YA Vampirroman, der kurzweilig ist, aber keinerlei Überraschungen bereithält. Die Story in diesem letzten Band war mir zu simpel und gradlinig und insgesamt auch zu vorhersehbar. Das Buch bzw. die Reihe kann man mal lesen, sie ist nicht schlecht, sie schafft es aber gerade mit Band 2 und 3 nicht aus der Menge an ähnlichen Büchern aus dem Genre herauszustechen. Von mir gibt es deshalb 3 durchschnittliche Sterne.

2 Kommentare
(© Saga Egmont)

Hope's End*
von Riley Sager
Gelesen von Lisa Rauen & Astrid Schulz

Bewertung: ★★★☆☆

Mystery Thriller, Audiobook
Spieldauer: 14 Stunden und 41 Minuten
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2023
Verlag: Saga Egmont


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Saga Egmont Verlag.

Inhaltsangabe:
1929 erschüttert eine schreckliche Bluttat ganz Maine. Die 17-jährige Lenora Hope wird verdächtigt, ihre Eltern und ihre Schwester grausam ermordet zu haben. Sie streitet die Tat jedoch vehement ab und spricht nie wieder darüber.

Erst als fast fünfzig Jahre später die junge Pflegerin Kit nach Hope’s End, dem Familiensitz und Schauplatz des Massakers, kommt, scheint sich das Geheimnis um die grausamen Morde lüften zu lassen. Denn Lenora Hope, die nach einem Schlaganfall nur noch mithilfe einer Schreibmaschine kommunizieren kann, will Kit die ganze Geschichte erzählen. Doch Kit begreift schnell, dass sie niemandem trauen kann. Und schon bald ist sie selbst in tödlicher Gefahr …

Meine Meinung:

Ich habe schon lange keinen Mystery-Thriller mehr gelesen und hatte rund um Halloween mal wieder Lust darauf bekommen eine gruselige Geschichte zu lesen und da bin ich auf "Hope's End" gestossen.

Im Buch geht es um Protagonistin Kit, die eine neue Stelle als Pflegerin annimmt, und dafür in ein abgeschiedenes Haus zieht, in dem sie sich um eine pflegebedürftige, ältere Frau Lenora kümmern soll, die vor vielen Jahrzehnten ihre Familienmitglieder umgebracht haben soll. Einen definitiven Beweis dafür gab es nie, doch die Gerüchte halten sich bis heute hartnäckig, sodass Kit sich an ihrem neuen Arbeitsort nicht so richtig wohlfühlen kann - und das, obwohl Lenora heute im Rollstuhl sitzt und weder sprachen, sich noch selbstständig bewegen kann. Doch Kit traut ihr trotzdem nicht und sie wird das Gefühl nicht los, dass Lenora möglicherweise gar nicht so pflegebedürftig ist, wie sie den Anschein macht...

Dem Autor gelingt es sehr gut, eine düstere, unheimliche und geheimnisvolle Atmosphäre zu schaffen. Die Erzählung wird auf zwei Zeitebenen erzählt: Die Gegenwart der 1980er Jahren, in der Kit zu Lenora stösst und die Vergangenheit 1929, in der die erschütternde Tat geschehen ist, die Lenora vorgeworfen wird. Als Leser:innen ergeht es uns am Anfang wie Kit: Wir wissen nichts über die tatsächlichen Umstände von damals und finden erst gemeinsam mit der Protagonistin Stück für Stück heraus, was sich wirklich zugetragen hat. Dabei ist es ausgerechnet Lenora selbst, die das notwendige Hintergrundwissen liefern will. Sie kann zwar nicht mehr sprechen, aber dafür mithilfe von Kit eine Schreibmaschine bedienen. Und so will sie endlich Licht ins Dunkel bringen und erzählen, ob sie tatsächlich ihre Familie umgebracht hat.
Doch neben dieser allmählichen Enthüllung spielen sich noch andere seltsame Ereignisse im Haus der Hopes ab und es erscheint so, als würde es immer gefährlich werden, je näher Kit der Wahrheit kommt. Eines Tages wird schliesslich tatsächlich die Leiche von Kits Vorgängerin gefunden und es wird klar: Es befindet sich ein Mörder unter den Menschen, die in Hope's End Verweilen.

Ich fand den Erzählstil des Buches sehr einfach gehalten, was es leicht macht, dem Plot zu folgen. Der Autor bemüht sich wirklich sehr, ein gewisses "Horrorfeeling" zu erzeugen, wobei vieles davon durch die Protagonistin Kit erzeugt wird, die ständig von Angst getrieben irgendwelchen Hypothesen nachgeht, die angeblich seltsame Vorgänge im Anwesen der Hopes erklären konnte. Auf mich hat Kit dadurch stellenweise schon sehr naiv gewirkt, und ihre anfängliche Angst vor Lenora war für mich nicht ganz nachvollziehbar, weil die alte Frau sich ohne fremde Hilfe nicht mal fortbewegen konnte. Aber die Geschichte hätte wahrscheinlich auch nicht funktioniert, wenn sich Kit cleverer und durchdachter angestellt hätte.
Das Geheimnis rund um die Hopes macht neugierig und bei mir ist auch ein Gefühl von Spannung aufgekommen, aber insgesamt wurde mir das Ganze letztendlich dann doch etwas zu sehr in die Länge gezogen.
Am Ende überschlagen sich dann die Ereignisse und es kommen neue "Player" ins Spiel, die bei der Auflösung des ganzen Falles beitragen. Für mich wirkte der Schluss schon sehr weit hergeholt und konstruiert und obwohl es einige überraschende Wendungen gab, die ich nicht habe kommen sehen, fand ich die Erklärung am Ende nicht ganz zufriedenstellend und durchdacht.

Die beiden Sprecherinnen machen ihre Sache aber sehr gut und ich habe ihnen sehr gern zugehört, wie sie durch die Handlung in Hope's End führen.

Fazit:

Hope's End ist ein Buch, dass durch eine düstere, unheimliche Atmosphäre besticht und einen Fall aus den 1920ern neu aufrollt. Die Protagonistin verhält sich aber stellenweise sehr naiv, sodass sie mir nicht richtig sympathisch geworden ist und die Auflösung am Ende war mir dann zu weit hergeholt, als dass sie mich mit einem grossen "Aha"-Effekt hätte zufriedenstellen können. Wer einen kurzweiligen Myster-Thriller sucht, ist hier richtig. Aber so richtig vom Hocker gehauen, hat mich die Erzählung schlussendlich nicht.
4 Kommentare
(© Der Hörverlag)

The Woman in Me *
von Britney Spears
Gelesen von Jodie Ahlborn

Bewertung: ★★★☆☆

Memoir, Audiobook
Spieldauer: 6 Stunden und 26 Minuten
Erscheinungsdatum: 24. Oktober 2023
Verlag: Der Hörverlag


* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. (2 Wochen kostenloses Probeabo möglich)

Inhaltsangabe:
Endlich bricht Britney Spears ihr Schweigen: Die bewegende Autobiografie über ein Schicksal, das Millionen berührt
»The Woman in Me« ist eine mutige und tief berührende Geschichte von Freiheit, Ruhm, Mutterschaft, Überleben, Glaube und Hoffnung.
Als Britney Spears im Juni 2021 vor Gericht aussagte, hielt die Welt den Atem an. Der Moment, in dem sie ihre Stimme erhob und die Wahrheit sprach, sollte ihr Leben verändern – und das unzähliger anderer. »The Woman in Me« enthüllt erstmals ihre ganze, unglaubliche Geschichte und offenbart die innere Kraft einer der größten Künstlerinnen der Popmusikgeschichte.
Mit bemerkenswerter Offenheit und Humor beweisen Britney Spears' bewegende Memoiren, welche Macht der Musik und der Liebe innewohnt. Und sie zeigen, wie wichtig es ist, dass eine Frau endlich in ihren eigenen Worten und zu ihren eigenen Bedingungen ihre Geschichte erzählen kann.

Meine Meinung:

Ich muss vorab zugeben, dass ich mich selbst nicht als wirklichen Fan von Britney Spears bezeichnen würde. Ich habe ihre Musik als Kind und Teenagerin zwar gern gehört und kenne fast alle ihre bekanntesten Lieder, aber als Person war sie mir eigentlich immer relativ egal. Mir sind aber natürlich die vielen Skandale um die Sängerin aus den letzten beiden Jahrzehnten - angefangen von ihrer Glatzen-Aktion, bis hin zur Vormundschaft durch ihren Vater - nicht entgangen.
Erst im letzten Jahr bin ich dann erneut auf Spears aufmerksam geworden, als die "Free Britney" Bewegung publik wurde und in der Folge mehrere Dokumentationen über sie erschienen sind. Eine davon habe ich mir auch angesehen und war wirklich erschüttert, wie das Ausmass der Paparazzi Verfolgungen in den 2000er Jahren wirklich war.

Nach der "Befreiung" von Britney Spears hatte ich mir von diesem (Hör-)Buch erhofft, tiefere Einblicke in ihre Gefühlswelt zu erhalten und vor allem zu erfahren, wie sie all die Skandale und auch ihre Vormundschaft erlebt hat, die immer wieder in der Presse breit getreten wurden.
Doch bedauerlicherweise muss ich sagen, dass die Erzählungen im Buch sehr oberflächlich bleiben - was man bei der Kürze des Buches vermutlich hätte vorausahnen können.
Das Hörbuch beginnt zwar in der Kindheit der Sängerin, doch das Erzähltempo ist so schnell, dass man regelrecht durch die einzelnen Lebensabschnitte rast, ohne dass man sich wirklich ein Bild davon machen kann, wie Spears wirklich aufgewachsen ist oder sich die komplizierten Beziehungen zu ihren Eltern und ihrer Schwester entwickelt haben. Man erfährt nur in einem Nebensatz, dass Spears' Vater scheinbar ein gewalttätiger Alkoholiker war, aber wie die Sängerin das Leben unter einem Dach mit ihm erlebt hat und inwiefern sie das geprägt hat, darauf geht sie überhaupt nicht ein. Stattdessen schildert sie lieber, wie sie bereits früh sexuell aktiv wurde und ihren ersten Freund hatte. Etwas, das ganz im Gegenzug dazu stand, wie ihr Management sie damals in der Öffentlichkeit verkaufen wollte, denn dort musste sie mehr als einmal vor laufender Kamera bestätigen, dass sie Jungfrau ist und keinen Sex vor der Ehe haben möchte. Typisch Amis halt...

Ein wichtiger Teil des Buches nimmt ihre öffentliche Beziehung zu Timberlake ein, auf die Spears aber auch nur bruchstückhaft eingeht, sodass man sich als Aussenstehende kein richtiges Bild davon machen kann, wie die Sängerin die Beziehung wirklich erlebt hatte. Sie schreibt zwar, dass Timberlake bei der Trennung in der Öffentlichkeit besser weggekommen ist, aber wie es wirklich zur Trennung gekommen ist, erfährt man wiederum nicht.

Später geht es dann um ihre Ehe mit Kevin Federline, aus der ihre zwei Söhne entstanden sind, die für die Sängerin alles bedeuten - sogar so viel, dass sie scheinbar der einzige Grund waren, dass Spears sich später nicht gegen ihre Vormundschaft und die vielen Vorschriften gewehrt hat.
Und obwohl ich mitfühlen kann, dass es wahnsinnig belastend und schwierig für Spears gewesen sein muss, dass sie ihre Söhne phasenweise nicht sehen durfte, und sie sehr darunter gelitten hat, fand ich schon, dass die Sängerin viele wichtige "Details" ausgelassen hat, die dazu geführt haben. Sie gibt zwar indirekt zu, dass sie vielleicht an der einen oder anderen Stelle falsch reagiert hat (zum Beispiel, als sie sich mit ihren Söhnen Zuhause eingesperrt hat, statt sie wie vereinbart an ihren Ex-Partner Federline zu übergeben, was viele negative Konsequenzen für sie und ihre Söhne nach sich gezogen hat), aber gleichzeitig fand ich auch, dass viele ihrer Rechtfertigungen bagatellisierend und externalisierend formuliert waren. Ich finde es gut und wichtig, über psychische Erkrankungen zu reden, aber als Fachperson für psychische Erkrankungen, fand ich es schwer nachvollziehbar, wie ihre postnatale Depression schuld an einiger ihrer Fehler sein sollen, die sie in der Obhut und Erziehung ihrer Söhne verursacht hat.
Kein Mensch ist perfekt und auch keine Mutter. Aber dieses Buch wäre eine Chance gewesen, auch das eigene Verhalten rückblickend kritisch zu reflektieren und Verantwortung dafür zu übernehmen. Stattdessen hatte ich den Eindruck, dass Spears sich etwas zu sehr als Opfer ihrer Umstände darstellt (und damit beziehe ich mich nicht auf die unfreiwillige Vormundschaft, bei der Spears tatsächlich das Opfer war!). Das rührt auch daher, dass ich in ihrer Dokumentation Videobeweise dafür gesehen habe, wie fahrlässig sie teilweise mit ihren Kindern umgegangen ist. Ich denke da an eine Szene, in der sie damals einen ihrer Söhne im Kleinkindalter nicht angeschnallt auf ihren Schoss gesetzt hat und so Autogefahren ist. Und es gab vor vielen Jahren auch private Videos, in denen Spears völlig wirres Zeug spricht und so wirkt, als wäre sie unter dem Einfluss von irgendwelchen Substanzen.
Damit will ich sagen, dass ich nicht denke, dass der damaligen Gründe, dass Federline die Obhut für die Söhne bekommen hatten, ganz unbegründet waren und mehr dahinter gesteckt hat, als es Spears in diesem Buch zugibt. Aber diese Ereignisse lässt die Sängerin in ihrem Buch komplett weg, was dazu führt, dass sich die Erzählung so angefühlt hat, als würden wir nur die halbe Wahrheit erfahren.

Insgesamt glaube ich, dass Spears definitiv an einer oder mehreren psychischen Erkrankungen leidet und ich denke auch, dass irgendeine Art von Substanzkonsum auch eine Rolle spielt. Und was ich von dem Buch vor allem mitnehme, ist meine Erschütterung und auch Wut darüber, wie wenig konstruktive Unterstützung und Verständnis Spears von ihrer Familie und ihrem Umfeld bekommen hat. Was sie gebraucht hätte, wären Menschen gewesen, die sie beschützen. Stattdessen wurde sie entmündigt, was von ihrer Familie noch dazu missbraucht wurde, um sich finanziell am Leben der Sängerin zu bereichern.
Spears geht sehr lange auf diesen Zeitraum in diesem Leben ein und wie sehr sie darunter gelitten hat. Aber das war mir ehrlich gesagt auch vorher schon klar und dafür hätte ich dieses Hörbuch nicht hören müssen.

Alles in allem denke ich, dass Spears wirklich viel zu erzählen hätte, doch ihre Memoiren lesen sich eher wie das Tagebuch einer 13-jährigen Teenagerin, in der sie über verflossene Liebschaften schreibt oder unqualifizierte Aussagen tätigt, wie etwa, dass sich ihre Schwester Jamie Lynn Spears in der Pubertät zu "einer richtigen Bitch entwickelt hätte". Die Erzählung bleibt dadurch sehr oberflächlich und viele dieser Aussagen haben dazu geführt, dass ich Spears nicht ganz ernst nehmen konnte. Sie wirkte auf mich auch teilweise sehr naiv und ich kann auch noch bis jetzt nicht ganz nachvollziehen, wieso sie sich nicht früher gegen ihre Vormundschaft gewehrt hat und das alles mit sich hat machen lassen.

Positiv bleibt jedoch zu erwähnen, dass das Hörbuch durch seine Kürze sehr kurzweilig ist und auch die Sprecherin eine sehr angenehme Erzählweise hat, sodass sich das Buch sehr gut dazu eignet, um es zum Beispiel nebenher beim Putzen zu hören, ohne dass man völlig konzentriert zuhören muss.

Fazit:

Das Hörbuch bringt leider überraschend wenig Neues zutage, das man sich nicht schon hätte denken können. Der Schreibstil ist sehr einfach gehalten und das Erzähltempo ist so schnell, dass die ganze Erzählung sehr oberflächlich bleibt. Ich habe nicht den Eindruck, dass ich viel Neues erfahren habe und ich glaube, die vielen positiven Bewertungen rühren eher daher, dass man seine Solidarität mit der Sängerin ausdrücken möchte und sprechen nicht unbedingt für die Qualität des Hörbuches. Ich hätte mir definitiv mehr Einblick in Britney Spears Gefühlswelt erhofft, als nur Aussagen, dass die Vormundschaft für sie sehr schwierig war und sie oft traurig war - das war mir auch vorher klar. Ich bin froh, dass sie nun frei ist, aber ihre Instagram-Videos wirken nach wie vor besorgniserregend und ich hoffe, dass die Sängerin irgendwann die professionelle Hilfe bekommt, die sie verdient. Von mir gibt es 3 durchschnittliche Sterne für diese kurzweilige Erzählung. Kann man sich mal anhören, aber man verpasst nicht viel, wenn man es sein lässt.
9 Kommentare
(© dtv)

Iron Flame (Flammengeküsst #2)
von Rebecca Yarros

Bewertung: ★★★★☆

NA Fantasy, 960 Seiten
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2023
Verlag: dtv


Inhaltsangabe:
Violet muss entscheiden, ob sie ans tödliche Basgiath War College zurückkehren will ... und inwieweit sie Xaden vertrauen kann. Alle hatten erwartet, dass Violet Sorrengail während ihres ersten Jahres am Basgiath War College sterben würde - Violet eingeschlossen. Doch sie hat überlebt.
Das richtige Training beginnt erst jetzt und Violet fragt sich, wie sie das überstehen soll. Die Herausforderungen sind zermürbend, extrem brutal und dafür gedacht, die Schmerzgrenze der Reiter ins Unermessliche zu treiben, aber das grösste Problem ist der neue Vizekommandeur, der Violet brechen will - es sei denn, sie hintergeht den Mann, den sie liebt.
Auch wenn Violets Körper schwächer und fragiler ist, hat sie immer noch ihren Verstand - und ihren eisernen Willen. Und die wichtigste Lektion, die sie bisher gelernt hat, scheinen alle anderen zu vergessen: Drachenreiter machen ihre eigenen Regeln ...

Meine Meinung:

"Iron Flame" ist das Buch, das ich in diesem Jahr am sehnsüchtigsten erwartet habe, nachdem ich "Fourth Wing", den Vorgänger, in diesem Sommer regelrecht verschlungen hatte. Obwohl auch der erste Band nicht perfekt war und seine Schwächen hatte, war es eines meiner Jahreshighlights und nach dem spannenden Cliffhanger, waren meine Erwartungen an die Fortsetzung natürlich dementsprechend hoch - vielleicht sogar zu hoch? 

Dieser Band setzt nahtlos an die Ereignisse aus vorherigen Buch an, nachdem wir erfahren haben, dass Violets Bruder Brennan gar nicht tot ist und er seit Monaten mit Xaden und weiteren Rebellen im Geheimen zusammenarbeitet. Doch die Wiedersehensfreude währt nicht lange, denn nach dem blutigen Kampf sind Violet und ihre Schulkamerad:innen an Informationen gelangt, die ihnen das Leben kosten könnten. Und deshalb entscheiden sie sich für den einzig sicheren Weg aus dieser Misere: Sie kehren ans Basgiath College zurück und tun so, als wüssten sie von nichts. Insgeheim forscht Violet jedoch weiter, was es mit ihrer Welt voller Drachen auf sich hat, und bringt sich dabei immer mehr in Gefahr...

Die Autorin hat das Buch in zwei Teile unterteilt, wobei die erste Hälfte hauptsächlich am Basgiath College spielt. Da alle nun ein weiteres Schuljahr absolviert haben, haben sich dadurch auch ihre Position innerhalb der Schule verändert. Xaden ist inzwischen nicht mehr Wingleader, sondern Lieutenant, sodass er fortan an einem Aussenposten stationiert ist, der mehrere Flugstunden Basgiath und Violet entfernt ist.
Natürlich stellt das für das frisch verliebte Pärchen eine grosse Herausforderung dar. Doch da auch ihre beiden Drachen miteinander verbunden sind und diese nicht länger als einen bestimmten Zeitraum voneinander getrennt sein können, gibt es wieder mal eine Sonderregel für die beiden Turteltäubchen, die besagt, dass sich Xaden und Violet alle zwei Wochen für einen kurzen Zeitraum sehen dürfen.
Einerseits hat sich mein Xaden-Fanherz darüber gefreut, dass wir nicht gänzlich auf Szenen mit ihm verzichten müssen, andererseits fand ich die ganze Situation aber schon sehr konstruiert, nur damit wir nicht auf gemeinsame Szenen der beiden verzichten müssen.
Im letzten Band habe ich mich noch ganz begeistert über die Beziehung von Xaden und Violet geäussert und positiv hervorgehoben, dass ich erleichtert bin, dass die Autorin dieses Will-They-Won't-They nicht ewig lang herausgezögert hat und Konflikte zwischen den beiden auf eine erwachsene Weise durch Kommunikation geklärt wurde. Dieses Kompliment muss ich für den zweiten Band bedauerlicherweise zurücknehmen, denn ich fand es sehr anstrengend, was aus Violet und Xaden als Paar geworden ist und wie die Autorin die Dynamik zwischen den beiden in diesem zweiten Band dargestellt hat.
Violet ist zu Beginn des Buches sauer auf Xaden, weil sie im letzten Band erfahren hat, dass er so viel von ihr verheimlicht hatte. Das führt dazu, dass jedes Treffen der beiden in diesem Buch genau gleich abläuft: Violet ist sauer, macht Xaden Vorwürfe, die beiden streiten sich und haben dann leidenschaftlichen, lebensverändernden Sex - und das JEDES MAL. Das war mit der Zeit irgendwie anstrengend und ermüdend zu lesen. Vor allem, weil abgesehen davon in der ersten Hälfte des Buches eigentlich gar nicht viel mehr passiert und die Story damit auf der Stelle tritt. Und ich glaube, wäre es dabei geblieben, hätte ich dem Buch eine noch niedrigere Bewertung vergeben.

In der Mitte des Buches wurde meine Geduld aber dann zum Glück belohnt, denn endlich gab es ein wenig Action, die nicht nur Spannung erzeugt hat, sondern auch endlich den Plot voranbrachte.
Die Ereignisse führen einerseits zu neuen Erkenntnissen, aber auch zu einem Schauplatzwechsel weg von der Schule, der aus meiner Sicht dringend notwendig war.
Der zweite Teil spielt dann in Xadens Elternhaus, in dem man sich auf den grossen Showdown vorbereitet, für den unsere Protagonist:innen einige Hürden zu bewältigen haben, das etwas Abwechslung reingebracht hat.

Obwohl mir der zweite Teil des Buches deutlich besser gefallen hat, hat sich die Beziehungsdynamik zwischen Xaden und Violet und auch die Charakterentwicklung der beiden noch einmal verschlimmert. Ich weiss nicht, was passiert ist, aber von der starken, selbstbewussten und eigenwilligen Protagonistin aus dem ersten Band, die durch ihren Mut so viele gefährliche Situationen überstanden hat, ist leider nicht mehr viel übriggeblieben. Stattdessen bekommen wir hier eine fast schon Bella-Swan-artige Protagonistin präsentiert, die nur durch Unsicherheit, Eifersucht und Selbstzweifel getrieben wird - und das meiste davon bezieht sich auf ihre Beziehung zu Xaden. Verschlimmert wird das Ganze auch dadurch, dass plötzlich Xadens Exfreundin auftaucht, die Violet scheinbar noch das restliche Häufchen Selbstbewusstsein genommen hat. Ich kann es nicht anders sagen: Aber Violet hat mich in diesem Band mit ihrer kindischen, eifersüchtigen und unsicheren Art einfach nur noch genervt.
Und so schwer es mir fällt, das zuzugeben, das gilt leider auch für Xaden. Xaden mutiert in diesem Buch ein bisschen zu einem überfürsorglichen Typen, der an Edward Cullen und/oder Christian Grey erinnert. Plötzlich ist ihm jede Situation zu gefährlich und er würde Violet am liebsten Zuhause einsperren, statt auf ihre Fähigkeiten zu vertrauen und sie - wie im ersten Band - darin zu bestärken, dass sie schwierige Situationen alleine bewältigen kann. Aber dadurch, dass die beiden es nicht hinbekommen, ein vernünftiges Gespräch miteinander führen und jeder Streit mit Sex aufgelöst wird, drehen sich die Diskussionen immer wieder im Kreis.
Während die Spicy Szenen im letzten Band genau die richtige Menge und "Würze" hatten, gab es für meinen Geschmack in diesem Buch zu viele erotische Szenen. Xaden und Violet konnten nie die Finger voneinander lassen und die Autorin hat die beiden so dargestellt, als wären sie Tiere, die ihren Trieben nicht widerstehen können. Das hat manchmal auch zu Szenen mit Fremdschampotenzial geführt, sodass Violet und Xaden mehr als einmal vor ihren Freund:innen oder Familienmitglieder übereinander hergefallen sind. Es ist ja schön und gut, dass ein frisch verliebtes Pärchen heiss aufeinander ist, aber dass man sich so wenig unter Kontrolle hat und in den unpassendsten Momenten so angeturnt ist, fand ich einfach lächerlich. Draussen herrscht Krieg, Menschen sterben und die beiden denken nur daran, Sex miteinander zu haben? Ernsthaft?

Was ich auch schade fand, war der Umstand, dass die ganzen Nebencharaktere sehr stiefmütterlich behandelt werden und nur auftauchen, wenn sie dem Plot zweckdienlich sind. Dabei gäbe es so viele Charaktere, die es verdient hätten, mehr Raum zu bekommen, was vielleicht auch zu mehr Abwechslung geführt hätte, zwischen den immer gleichen Szenen zwischen Xaden und Violet.

Was mir trotz dieser Kritikpunkte aber gut gefallen hat, ist Yarros Schreibstil und das Worldbuilding, auch wenn ich den Eindruck hatte, dass die Drachen in diesem Buch etwas zu kurz gekommen sind. Gerade die Dialoge mit Tairn haben mich immer wieder zum Schmunzeln gebracht, wenn er durch seine nüchterne Art die Eigenheiten der Menschen festhält.
Ein besonders grosser Pluspunkt in diesem Buch war für mich Andarna. Sie befindet sich in diesem zweiten Band in der Pubertät und sorgt mit ihren frechen Aussagen für einige humorvolle Szenen. Gegen Ende des Buches erfahren wir dann auch ein bisschen mehr über sie und ihre Entwicklung, was für den weiteren Verlauf noch von grosser Bedeutung ist.

Der langersehnte Showdown am Ende bringt dann erneut jede Menge Action, aber auch emotionale Szenen mit sich und natürlich kann es die Autorin auch in diesem Buch nicht lassen, und enthüllt im letzten Kapitel etwas über Xadens, das sehr neugierig auf Fortsetzung macht.

Fazit:

Alles in allem bin ich nach wie vor ein grosser Fan der Welt voller Drachen, die Yarros hier geschaffen hat. Ich muss aber zugeben, dass der zweite Band nicht annähernd an seinen Vorgänger rankommt und sich Violet und Xaden eher zurückentwickelt, statt vorwärts bewegt haben.
Der zweite Band leidet insgesamt ein bisschen am "Middle Book Syndrom" und hätte deutlich kürzer ausfallen können, wenn man bedenkt, wie wenig gerade in der ersten Hälfte des Buches passiert.
Ich hoffe aber, dass Yarros die Schwächen dieses Buches im nächsten Band ausbügeln kann, und wieder zur Qualität des ersten Bandes zurückfindet. Potenzial wäre auf alle Fälle da!
Und da ich Fourth Wing so geliebt habe und ich auch die Fortsetzung, trotz aller Kritikpunkte gern gelesen habe, vergebe ich mit zwei zugedrückten Augen wohlwollend 4 Sterne.
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(© Droemer)

Die Einladung
von Sebastian Fitzek

Bewertung: ★☆☆☆☆

Thriller, 382 Seiten
Erscheinungsdatum: 25. Oktober 2023
Verlag: Droemer Knaur


Inhaltsangabe:
Marla Lindbergs Erinnerungen sind An die seltsame Nachricht, die sie in eine stillgelegte Geburtsklinik lockte. An die Gestalt, die versuchte, sie zu töten. Das seltsam pfeifende Husten des Psychopathen beim Kampf auf Leben und Tod.

Nach Jahren der Psychotherapie hat die hochintelligente junge Frau Das alles sind falsche Erinnerungen. Marla leidet unter Gesichtsblindheit. Ihr Gehirn spielt ihr in Extremsituationen Streiche, wenn es vergeblich versucht, Menschen an ihrem Gesicht zu erkennen.

Als Marla die Einladung zum Klassentreffen in den Alpen bekommt, hofft sie darauf, mit ihren ehemaligen Mitschülern in schönen und echten Erinnerungen schwelgen zu können. Bei ihrer Ankunft in dem verschneiten Berghotel sind alle Zimmer bereits bezogen. Benutztes Geschirr steht auf dem Esstisch, der Kamin flackert, doch es ist niemand da. Marla beginnt die anderen zu suchen. Und dann hört sie es wieder. Wie jemand pfeifend hustet, draußen, in der eisigen Dunkelheit …

Meine Meinung:

Fitzeks Bücher stand ich immer schon ambivalent gegenüber: Sie sind alle keine literarischen Meisterwerke und die Auflösungen am Ende waren jedes Mal zu viel des Guten. Aber, seine Bücher sind meistens richtige Pageturner, die sich, ohne viel nachzudenken, schnell weglesen lassen.

Bei "Die Einladung" habe ich sich aber zum ersten Mal anders erlebt: Hier kam einfach keine Spannung beim Lesen auf. Die Gründe dafür waren vielfältig: Zum einen hat mir dieses Mal ein Plot gefehlt, der sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Die Geschichte beginnt zwar mit einem schrecklichen Erlebnis, das neugierig macht, aber danach verliert sich die Story in unterschiedliche Szenen, die teilweise wie willkürlich zusammengewürfelt wirkten. Es hat dabei auch nicht geholfen, dass die Erzählung etliche Zeitsprünge macht. Das kann bei einem Thriller zwar für mehr Spannung sorgen, indem sich Vergangenheit und Gegenwart einander annähern und man als Leser:in die einzelnen Puzzlestücke zu einem grossen Ganzen zusammenfügen kann, aber Fitzek ist es gänzlich misslungen, diese Erzählmethode richtig einzusetzen. Statt zunehmender Spannung hat sich durch die Zeitsprünge bei mir eher zunehmende Verwirrung eingestellt. Es war fast so, als wüsste Fitzek selbst nicht, wohin er mit seiner Erzählung eigentlich will.

Aber der Mitte des Buches wird dem Ganzen dann die Krone aufgesetzt, nachdem der Schauplatz des Buches in eine abgeschiedene, verschneite Berghütte verlagert wird. Grund dafür ist ein Klassentreffen, bei dem die Protagonistin teilnimmt, obwohl absolut nicht nachvollziehbar ist, was ihre Beweggründe sind, überhaupt dorthin zu gehen, denn diese Einladung kam aus dem Nichts und hatte absolut keinen Zusammenhang mit den Themen, die in der ersten Buchhälfte präsentiert wurde. Und das war dann auch der Zeitpunkt, an dem mich Fitzek komplett verloren hat. Es hat mich nicht nur gestört, dass die Handlung plötzlich eine komplett neue und willkürlich wirkende Richtung einnimmt, der Schauplatz und die Idee mit der von der Zivilisation abgeschnittenen Berghütte hätte auch nicht ausgelutschter sein können. Einfach alles hat mich an einen 0815-Horrorfilm erinnert, der sich jedem Klischee bedient, dass das Genre zu bieten hat.
Wie man sich denken kann, handelt es sich natürlich nicht um ein einfaches Klassentreffen, denn die ehemaligen Mitschüler:innen und die Protagonistin wurden unter falschen Tatsachen an diesen abgeschiedenen Ort hergelockt und es wird ein Spielchen gespielt, das an "Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast", erinnert. Doch Fitzek wäre nicht Fitzek, wenn er nicht mit jedem Kapitel eine Schippe drauflegen würde, und die Handlung nimmt so absurde Züge an, dass ich den letzten Drittel nur noch genervt quergelesen habe. Die Auflösung war dabei aber einfach nur haarsträubend und absurd. Fitzek versucht zwar einen Bogen zu den Ereignissen aus der ersten Hälfte zu schlagen, aber das wirkt so weit hergeholt und konstruiert, dass sich alles wie ein schlechter Film angefühlt hat, statt einem "Aha"-Erlebnis, wie es eigentlich bei einem guten Thriller sein sollte.

Abgesehen von der aberwitzigen Handlung, fand ich aber auch, dass das Buch viel zu viele verschiedene Charaktere einführt, die in dieser Menge für die eigentliche Story nicht wirklich von Relevanz waren. Sie haben die Story nur unnötig verwirrender gemacht, als ohnehin schon.

Fazit:

Dieses Buch war von vorne bis hinten einfach eine Nullnummer. Es gibt keinen erkennbaren roten Faden und die Ideen wirken wie willkürlich zusammengewürfelte und geklaute Szenen aus bekannten Horrofilmen wie der Saw-Reihe oder "Ich weiss, was du letzten Sommer getan" hast. Die Story ergibt auch nach der Auflösung keinen Sinn und ich frage mich, ob dieses Buch überhaupt lektoriert wurde? Für mich eine Enttäuschung auf ganzer Linie und ich werde vermutlich auch keine weiteren Bücher des Autors mehr lesen.
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About me

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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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