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between the lines.

(© Argon Verlag)

Demon Copperhead*
von Barbara Kingsolver
Gelesen von Fabian Busch

Bewertung: ★★★★☆

Fiction, Audiobook
Spieldauer: 18 Stunden und 33 Minuten
Erscheinungsdatum: 28. Februar 2024
Verlag: Argon


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Argon Verlag.

Inhaltsangabe:
Ein Trailer in den Wäldern Virginias. Das Land der Tabakfarmer und Schwarzbrenner, der »Hillbilly-Cadillac«-Stoßstangenaufkleber an rostigen Pickups, aufgegeben von sämtlichen Superhelden und dem Rest der Nation. Hier kommt Demon Copperhead zur Welt – die Mutter ist noch ein Teenie und frisch auf Entzug, der Vater tot. Ein Junge mit kupferroten Haaren, großer Klappe und einem zähen Überlebenswillen, trotz allem, was das Leben für ihn bereithält: Armut, Pflegefamilien, Drogensucht, erste Liebe und unermesslicher Verlust. Es ist seine Geschichte, erzählt in seinen Worten, unbekümmert, vorwitzig, von übersprudelnder Lebenskraft.

Meine Meinung:

Auf die Gefahr hin, mich fast jedes Mal zu wiederholen: Aber auf dieses Buch hier habe ich mich völlig unvoreingenommen und ohne jegliche Vorinformationen eingelassen. Der Titel wurde mir in meinen Buchempfehlungen auf Goodreads angezeigt und deshalb habe ich mich spontan für ein Hör-Exemplar beworben. Ich habe erst jetzt im Nachhinein gesehen, dass das Buch etliche Preise (darunter auch den Pulitzer-Preis) erhalten hat und dass es sich um eine moderne Nacherzählung von "David Copperfield" von Charles Dickens handelt. Vermutlich war es gut, dass mir beide Informationen unbekannt waren. Einerseits neige ich dazu, skeptisch an preisgekrönte Bücher heranzugehen, und andererseits habe ich Dickens Werk nie gelesen, sodass ich mich völlig frei von jeglichen Erwartungen an dieses Buch heranwagen konnte.

Im (Hör-)Buch wird eine Coming-of-Age Geschichte des titelgebenden Protagonisten, Demon Copperhead erzählt.
Demon wächst unter schwierigen Bedingungen auf: Seine Mutter ist nach dem Tod eines Vaters alleinerziehend und drogenabhängig. Und als wäre das nicht schon herausfordernd genug, gerät sie schliesslich an einen neuen Lebenspartner, der gewalttätig ist und für noch mehr Probleme im Familienalltag führt.
Eines Tages holt die Familie dann einen weiteren Schicksalsschlag ein, der dazu führt, dass Demon bei Pflegefamilien unterkommt und dabei eine richtige Odysee beginnt. Demon kämpft sich von Familie zu Familie durch und muss sich auf dem Weg zum Erwachsenwerden immer wieder durchkämpfen und schwierige Erlebnisse bewältigen, um nicht selbst so zu enden, wie seine Mutter...

Demons Geschichte ist sehr lang, das Hörbuch umfasst mehr als 18 Hörstunden und die Buchvorlage hat mehr als 800 Seiten und dennoch hat mich die Erzählung relativ schnell in einen Sog gezogen, der mich nicht wieder losgelassen hat. Gerade zu Beginn des Buches passieren so viele Schicksalsschläge, die mich emotional mitgenommen haben und früh mein Mitgefühl für den damals so jungen Demon geweckt haben.
Immer wieder habe ich gehofft, dass der Junge doch endlich mal ein bisschen Glück in seinem Leben verdient hat, und immer wieder wird er von der Realität eingeholt. Gewalt und Drogensucht sind dabei nur zwei Themen, die sich wie einen roten Faden durch Demons Leben und vor allem sein Umfeld zieht, mit dem er aufwächst.
Doch Demon bleibt in all den schrecklichen Erlebnissen überraschend stark, manchmal hatte ich sogar das Gefühl ein wenig naiv. Aber vielleicht hat ihm genau diese Naivität stark gemacht, nicht aufzugeben und auf ein besseres Leben zu hoffen.
Immer wieder rappelt er sich auf, obwohl ihm das Leben Steine in den Weg legt. Und das hat mich wirklich beeindruckt.

Das Buch enthält neben Demon als Protagonisten zahlreiche Nebencharaktere, die wiederkehrende Rollen übernehmen. Dabei sind zum Glück nicht alle böse gesinnt, es gibt darunter auch durchaus Leute, die Demon Gutes wollen und ihn unterstützen wollen und mir ans Herz gewachsen sind. Es würde jedoch den Rahmen sprengen, auf die einzelnen Nebencharaktere auch noch einzugehen.

Im Mittelteil gab es ein paar Stellen, die mir etwas langgezogen vorkamen, aber insgesamt ist mir das Zuhören trotzdem sehr kurzweilig vorgekommen, denn ich konnte gar nicht anders, als mit Demon mitzufiebern. Manchmal war es auch fast so wie bei einem Unfall: Man will gar nicht hinsehen, weil es so schrecklich ist, aber kann nicht anders. Und so hat sich Demons Geschichte zum Erwachsenwerden manchmal angefühlt. Freude herrsche jeweils nur kurz, und nach einiger Zeit wusste man, dass nach jedem positiven Erlebnis, mindestens eine schreckliche Erfahrung folgen würde. Doch die Ausmasse halten sich immer in einem gewissen Rahmen. Es ist nicht so, dass es Szene expliziter Gewalt oder sexuellen Übergriffen o.ä. gibt.

Der Sprecher macht seine Sache gut und hat das Zuhören sehr angenehm gemacht, und das, obwohl ich normalerweise eigentlich weibliche Sprecherinnen bevorzuge.

Für die vollen fünf Sterne hat es letztendlich aber nicht gereicht. Der Grund war, dass mir am Ende dann doch noch das gewisse "Etwas" gefehlt hat. Der Schlussteil des Buches war mir viel zu weichgespült und auf "Happy End" getrimmt, was man sich zwar insgeheim für Demon wünscht, aber sich einfach nicht so richtig glaubhaft angefühlt hat, dass sich plötzlich so vieles zum Guten wendet. Hier hätte ich mir irgendwie ein mutigeres und ehrlich gesagt weniger kitschigeres Ende gewünscht.

Zum Vergleich zu Dickens Originalwerk kann ich leider nichts sagen, aber hier fände ich sehr spannend, zu erfahren, wie andere Leser:innen die Adaption erlebt haben, die den Klassiker zuvor gekannt haben.

Fazit:

Demons Copperheads Coming-of-Age Geschichte ist eine, die unter die Haut geht. Der Junge wächst unter schwersten Bedingungen auf und bekommt immer wieder Steine in den Weg gelegt, die ihn aber nicht davon abhalten weiterzumachen. Es gibt viele Erlebnisse im Buch, die mir emotional nahe gegangen sind und mit dem Protagonisten haben mitfühlen lassen. Trotz der Länge des Buches, hat die Autorin eine unglaublich fesselnde und kurzweilige Erzählung geschaffen, die ich definitiv weiterempfehlen kann. Wäre das typisch amerikanische weichgespülte Ende nicht gewesen, hätte es vielleicht sogar für 5 Sterne gereicht. So kann ich aber immerhin 4 Sterne und eine Leseempfehlung aussprechen.
4 Kommentare
(© dtv)

Das Mondscheincafé*
von Mai Mochizuki

Bewertung: ★★★☆☆

Magical Realism, 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 18. April 2024
Verlag: dtv


*Digitales Rezensionsexemplar von Netgalley. Danke an den dtv Verlag.

Inhaltsangabe:
Das Mondscheincafé hat keinen festen Standort, taucht unvorhersehbar in Vollmondnächten in Kyoto auf – und wird von Katzen betrieben. Eine erfolgreiche Drehbuchautorin in der Krise, ein Fernsehregisseur mit gebrochenem Herzen und zwei Unternehmer mit beruflichen Schwierigkeiten finden sich in der Nacht plötzlich in einem halbträumenden Zustand dort wieder. Im Café erhalten sie neben süßen Köstlichkeiten lebensverändernde Ratschläge zu Liebe, Arbeit und Beziehungen von den charismatischen Katzen, die das astrologische Horoskop ihrer Gäste interpretieren. (© dtv)

Meine Meinung:

Auf dieses Buch bin ich aufmerksam geworden, weil es von einer japanischen Autorin geschrieben wurde und ich derzeit eine Weltreise-Challenge mache, bei der ich für jedes Land auf der Welt ein Buch einer (weiblichen) Autorin lesen möchte.
Die Inhaltsangabe klang in Zusammenhang mit dem sehr ansprechenden und niedlichen Cover vielversprechend und ich war neugierig zu erfahren, was es mit diesem magischen Mondscheincafé auf sich hat.

Das Buch ist sehr kurz gehalten und erzählt die Geschichten unterschiedlicher Charaktere, die sich an einem schwierigen Punkt in ihrem Leben befinden und ihnen dadurch das Mondscheincafé erscheint. Im Café arbeiten Katzen, die nicht nur köstliche Drinks und Desserts anbieten, sondern auch sprechen können und einige Lebensweisheiten zum Besten geben, um ihre Besucher wieder auf den richtigen Weg in ihrem Leben zu weisen.
Ihr Wissen beziehen sie dabei ausschliesslich aus der (westlichen) Astrologie, sodass sie Weisheiten zum Besten geben, die auf Sternzeichen und Planetenkonstellationen beruhen, die scheinbar vor allem zum Zeitpunkt der Geburt eine Rolle spielen sollen.

Mir war anfangs leider nicht bewusst, dass das Thema Astrologie das zentrale Element in diesem Buch sein wird, denn ich kann persönlich damit relativ wenig anfangen. Das war aber nicht mal mein Hauptkritikpunkt, sondern eher, dass das Astrologiewissen durch die Katzen sehr theoretisch und erklärend vermittelt wird und ich mir mehr "show" und weniger "tell" gewünscht hätte, weil dadurch alles eher trocken gewirkt hat.

Leider ist es mir auch nicht gelungen, eine tiefere Verbindung zu den einzelnen Charakteren und ihren Schicksalen aufzubauen, denn dafür ist das Buch und die einzelnen Kapitel einfach zu kurz. Das Leben der einzelnen Personen wird nur leicht an der Oberfläche gestreift und dann durch den erleuchtenden Besuch im Mondscheincafé sehr schnell aufgelöst. Dadurch wirkt alles sehr konstruiert und zu rasch abgehandelt, ohne dass mich die einzelnen Lebensgeschichten emotional erreichen konnten.

Fazit:

Das Buch ist zauberhaft, mit seinem von Katzen geführten magischen Café, die Menschen in schwierigen Lebenssituationen durch Weisheiten eine neue Richtung vermitteln. Aber die Umsetzung hat mich durch das sehr Astrologie-lastige Thema weniger überzeugt und war mir am Ende zu theoretisch und erklärend. Von mir gibt es deshalb durchschnittliche 3 Sterne. Wenn man sich für Astrologie interessiert, könnte man durchaus Freude am Inhalt finden.
4 Kommentare
(© SAGA Egmont)

Das unsichtbare Band*
von Haneen Al-Sayegh
Gelesen von Alexandra Sagurna

Bewertung: ★★★☆☆

Fiction, Audiobook
Spieldauer: 9 Stunden und 53 Minuten
Erscheinungsdatum: 14. März 2024
Verlag: SAGA Egmont


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den SAGA Egmont Verlag.

Inhaltsangabe:
In den Bergen des Libanon wächst die junge Amal in der strengen, patriarchalischen Religionsgemeinschaft der Drusen auf. Sie will nur eines: die Schule besuchen und studieren, doch Mädchen haben dort keine Rechte. Der Großvater lässt zwischen sich und seiner Frau eine Mauer errichten, aber die Mutter darf immerhin Brot backen, und damit bezahlt sie das Schulgeld ihrer Töchter. Als Amal, die jüngste, mit fünfzehn verheiratet wird und das Elternhaus verlässt, schweigt die Mutter. Unbeirrt, wenn auch gegen viele Widerstände, geht die junge Frau ihren Weg und beginnt zu begreifen, was es heißt, selbstbestimmt zu leben und wahrhaftig zu lieben.

Meine Meinung:

Auch dieses Buch fällt genretechnisch mal wieder bei mir aus der Reihe, denn ohne meine "Weltreise"-Challenge, hätte ich vermutlich nie zu diesem Buch gegriffen.

Die Autorin des Buches stammt aus dem Libanon und auch die Geschichte rund um die Protagonistin Amal spielt sich in diesem Land ab. Wir begleiten Amal auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben und lernen dabei die Kultur der Drusen genauer kennen.

Ich kannte die Glaubensgemeinschaft der Drusen bis zu diesem Buch nicht und fand es interessant, mehr über die Regeln zu erfahren, nach denen sie leben. Wie bei vielen anderen Religionen, ist aber auch diese Glaubensrichtung patriarchalisch strukturiert, sodass man als Frau weniger Rechte und Entscheidungsfreiheiten geniesst, als Männer. In diesem Sinne gibt es viele Überschneidungen zu Erzählungen, die ich aus muslimisch-geprägten Ländern des Nahen Ostens gelesen habe. Es gibt jedoch auch Unterschiede zum Islam, wie ich durch das Buch lernen durfte, denn die Drusen glauben zum Beispiel an die Reinkarnation.

Die Werte und Regeln der Drusen lernen wir durch die Augen der Protagonistin Amal kennen, die bereits mit 16 Jahren mit einem älteren Mann verheiratet wird. Trotz der Hochzeit, wird ihr aber dennoch die Freiheit gewährt, dass sie zur Schule und später zur Universität gehen darf, sodass ich den Eindruck hatte, dass die Regeln für Frauen etwas weniger streng und einengend sind, als es von anderen Religionen im Nahen Osten kennengelernt habe, in denen Frauen teilweise nicht mal zur Grundschule gehen dürfen.

Trotzdem ist es nachvollziehbar, dass Amal in ihrem Leben nicht glücklich ist, denn ihr Ehemann behandelt sie zwar nicht schlecht, verlangt jedoch regelmässig von ihr, dass sie ihren "ehelichen Pflichten" nachkommt und ihr ein Kind schenkt. Und so muss Amal bereits im Teenageralter regelmässig unfreiwillig Geschlechtsverkehr über sich ergehen lassen, der jedoch nicht wie von ihrem Mann erhofft zur Schwangerschaft führt. Es folgen deshalb Jahre mit Fruchtbarkeitsbehandlungen, die Amal psychisch und physisch schwer zusetzen. Sie wird immer unglücklicher und depressiver, sieht jedoch kaum einen Weg, ihrem Schicksal zu entfliehen...

Mich hat die Geschichte sehr an "Unorthodox" erinnert, in der die Protagonistin ganz ähnliche Erlebnisse im Rahmen der ultrakonservativen jüdisch-orthodoxen Religion berichtet. Allerdings sind die dort berichteten Erfahrungen noch einmal strenger und schockierender und sie gingen mir aufgrund der schonungslosen Offenheit der Autorin sehr unter die Haut. Bei "Das unsichtbare Band" bin ich mir nicht sicher, wie viele autobiografische Züge die Erzählung enthält, da man bedauerlicherweise nichts Offizielles darüber im Hörbuch erfährt. Auch bei Google habe ich nur vage Andeutungen gelesen, dass es einige Überschneidungen mit dem Leben der Autorin geben soll, aber wie viel im Buch wahr ist, und wie viel Fiktion, weiss man nicht - und das fand ich etwas schade. Falls die Erzählung rein fiktiv ist, dann fand ich sie ehrlich gesagt zu unspektakulär und oberflächlich. Es hat mir zwar leid getan, was Amal aus feministischer Perspektive alles durchmachen muss, aber für mich wurde ihr Leidensdruck emotional nicht spürbar. Ich hätte mir more show and less tell gewünscht. Es steht zwar immer wieder, das Amal eine Depression entwickelt hätte, aber für mich wurde das zu distanziert und zu wenig erlebbar beschrieben. Für mich hat insgesamt die emotionale Tiefe gefehlt.
Mir wurde auch nicht ganz klar, was die Botschaft dieser Erzählung letztendlich sein soll.
Wenn jedoch klar wäre, ob die Erzählung autobiografisch ist, dann hätte ich sie mit anderen Augen gelesen bzw. gehört. Aber für ein fiktives Buch hat mir das gewisse Etwas gefehlt und "Unorthodox" fand ich im direkten Vergleich deutlich besser, weil es mich emotional mehr mitgenommen hat.

Die Sprecherin des Buches fand ich wiederum sehr angenehm und ich habe ihr gern zugehört, wie sie Amals Leben erzählt hat.

Fazit:

Das unsichtbare Band erzählt eine Coming-of-Age Geschichte einer jungen Protagonistin, die im Libanon als Druse aufwächst. Es hat mir gefallen, mehr über die Glaubensrichtung zu erfahren, aber ansonsten blieb mir die Erzählung etwas zu oberflächlich und ich hätte mir mehr emotionale Tiefe gewünscht. Ich fand es auch schade, dass man nicht weiss, ob die Story rein fiktiv ist, oder ob sie autobiografisch ist. Bei reiner Fiktion hat mir das gewisse Etwas gefehlt, wenn es jedoch autobiografisch ist, hätte mir das Wissen darüber ermöglicht, die Story mit anderen Augen zu erleben. So kann ich jedoch nur durchschnittliche 3 Sterne vergeben.
2 Kommentare
(© Lübbe Audio)

Friends, Lovers and the Big Terrible Thing*
von Matthew Perry
Gelesen von Peter Lontzek & Kordula Leiße

Bewertung: ★★★★☆

Memoir, Audiobook
Spieldauer: 9 Stunden und 33 Minuten
Erscheinungsdatum: 02. Februar 2023
Verlag: Lübbe Audio

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. (2 Wochen kostenloses Probeabo möglich)

Inhaltsangabe:
Durch sein Mitwirken in der US-Kultserie FRIENDS erreichte der Schauspieler Matthew Perry Weltruhm. Erstmals erzählt er nun seine eigene Geschichte und berichtet ungeschönt von seinem Aufwachsen als Scheidungskind, einem unsteten Leben zwischen Kanada und Kalifornien, Humor als Coping-Mechanismus, dem steilen Aufstieg als Schauspieler - und seinem schwindelerregenden Fall, bedingt durch Alkohol und Drogen. Ein Hörbuch, das die Magie von FRIENDS heraufbeschwört, zu Tränen rührt und ungeahnte Einblicke in ein bewegtes Leben erlaubt.

Meine Meinung:

Dieses Hörbuch stand eigentlich schon seit dem Erscheinungstermin Anfang 2023 auf meiner "interesting"-Liste, ich hatte jedoch viele kritische Rezensionen zum Inhalt gelesen, sodass ich zunächst hin- und hergerissen war, ob ich es wirklich lesen bzw. hören sollte.
Nachdem Matthew Perry Ende 2023 schliesslich überraschend infolge einer Überdosis Ketamin in seinem Hauspool ertrunken war, konnte ich dann nicht mehr anders, als in seine Lebensgeschichte reinzuhören.

Das Buch liest sich definitiv anders, nachdem Perry inzwischen tot ist. Das fängt schon mit der Einleitung seiner Schauspielkollegin Lisa Kudrow an, die schreibt "Entgegen aller Wahrscheinlichkeit hat er überlebt. Aber mir war nicht klar, wie oft er es fast nicht geschafft hätte."
Diese Worte machen bereits bei der Einleitung klar: Matthew Perrys Buch über sein Leben ist keine Geschichte, die Hoffnung vermittelt. Denn geschafft hat er es am Ende doch nicht.

Perry beginnt seine Erzählung mit seiner Kindheit in Kanada. Wie es für ihn war, nachdem sich seine Eltern getrennt hatten. Wie er zum ersten Mal Drogen und Alkohol konsumiert hat und wie schnell die Sucht ihn überkommen hatte. Wie er schliesslich zu seinem Vater nach Los Angeles gezogen ist, seine Anfänge in Hollywood gemacht und natürlich auch, wie er zu seiner bekanntesten und erfolgreichsten Rolle des Chandler Bing in der Serie FRIENDS gekommen ist. Und wie es nach seinem Serienerfolg für ihn weitergegangen ist.

Die Geschichten im Buch sind insgesamt sehr redundant, denn Perry verfällt relativ rasch den Drogen, macht einen Entzug, wird wieder rückfällig und das ganze Spielchen geht von vorne los. Und das zieht sich von 1996 bis zu seinem Tod 2023 und somit durch das ganze Buch hinweg so durch. Durch den jahrelangen Konsum verschiedener Medikamente und auch Alkohol leidet seine Gesundheit sehr und der Schauspieler gerät immer wieder durch seinen Konsum in lebensbedrohliche Situationen, in denen er nur knapp dem Tod entrinnt. Leider konnten ihn aber selbst diese Nahtoderfahrungen nicht vom Konsum abhalten. Sie waren zwar meistens erschreckend, hatten aber dann lange Behandlungen und viele Operationen zur Folge, die mit Schmerzen verbunden waren, die dann wiederum mit Schmerzmitteln und anderen Medikamenten behandelt wurden, sodass Perry diesem Teufelskreis seiner Medikamentensucht nicht entkommen konnte.
Trotz zahlreicher Entzüge, Rehas und Therapien und AA-Sitzungen hat er es nie wirklich geschafft, über längere Zeit abstinent zu bleiben. Fraglich ist auch, ob er das überhaupt wollte, denn oftmals war der Schauspieler nicht mal während den Entzügen wirklich clean, sondern hat heimlich weiterkonsumiert. Dabei hat sein Reichtum und seine Bekanntheit wohl nicht gerade geholfen, denn vermutlich war Perry sein ganzes Leben lang von "Enablern" umgeben, sodass auch Fachpersonen in Krankenhäusern oder Kliniken oftmals den Wunsch nach mehr Medikamenten einem Hollywoodstar nicht ausschlagen konnten.

Was im Buch besonders heraussticht, sind die Gründe für Perrys beginnenden und später auch anhaltenden Konsum. Obwohl er eigentlich keine schwierige Kindheit im Buch beschreibt, litt Perry trotzdem seit seiner Kindheit an einem unveränderlichen Drang nach Anerkennung. Und dieses Bedürfnis konnte selbst dann nicht gestillt werden, als er auf dem Höhepunkt seiner Karriere war und (laut eigenen Worten) sich die Frauen scharenweise zu seinen Füssen legten. Egal wie viel er erreicht hatte, sein niedriges Selbstwertgefühl schien sich nie zu verändern und das einzige, dass ihm dieses Gefühl, nicht zu genügen nahm, waren die Drogen.
Ich fand es erstaunlich, dass er es trotz jahrelanger Therapie nicht geschafft hat, an diesem Thema zu arbeiten. Aber vermutlich war er dazu auch einfach nie lange genug clean, um sich wirklich mit seinem Innersten beschäftigen zu können. Und dadurch empfinde ich wirklich ein starkes Mitleid für ihn.

Was mich etwas überrascht, war, dass Perry in all den Jahren nie wirklich eine negative Presse erhalten hat. Obwohl er ständig gelogen hat, fremdgegangen ist und auch bei der Arbeit nicht immer zuverlässig war, hatte er ein Bild in der Öffentlichkeit, als wäre er in ganz Hollywood als ein liebenswerter, warmherziger, loyaler und humorvoller guter Freund bekannt. Selbst vor seinem Tod haben alle immer höchsten Tönen von ihm gesprochen und ich habe nie einen Skandal um ihn mitbekommen, wie es bei anderen Süchtigen aus der Branche wie etwas Charlie Sheen oder Amy Winehouse der Fall war. Ich verstehe auch nicht, wie er es trotz ständigem Konsum geschafft hat, seine Rolle als Chandler während 10(!) Jahren zuverlässig nachzukommen, denn das Bild, dass Perry in seinem Buch von sich zeichnet, ist ein ganz anderes. Dadurch hatte ich wirklich Mühe, ihn mir als diesen lügenden, betrügenden Süchtigen vorzustellen, den er selbst im Buch beschreibt. Denn für mich hatte der Schauspieler immer ein Saubermann-Image in der Öffentlichkeit, das sich so gar nicht mit den Erzählungen aus dem Buch vereinbaren lässt.

Perrys Buch ist bei vielen Leser:innen sauer aufgestossen, nachdem es erschienen ist. Er wird als narzisstisch und misogyn kritisiert - und beides zurecht. Er macht viele Äusserungen in seinem Buch, die hochproblematisch sind. An einer Stelle schreibt er zum Beispiel, wieso so schöne Menschen wie River Phoenix sterben mussten, während jemand wie Keanu Reeves noch lebt - ohne genauer darauf einzugehen, was er damit meint oder wieso er sowas denkt. Und das ist nur ein Beispiel von vielen.
Ich habe jedoch selbst im Suchtbereich gearbeitet und fand es aus dieser Perspektive hoch faszinierend, seiner Erzählung zu lauschen, denn es werden zwischen den Zeilen viele Aspekte deutlich, die ich auch bei anderen Süchtigen gesehen habe - und ja, das sind leider die Aspekte, die Personen mit Suchterkrankungen nicht unbedingt sympathisch machen. Ein Aspekt ist zum Beispiel, dass sich Perry immer wieder in die Opferrolle begibt und äussere Umstände für seinen Zustand verantwortlich macht. Es scheint immer wieder durch, dass er seine Eltern für seinen Konsum die Schuld gibt und das selbst noch nach mehreren Jahrzehnten.
Er hat zudem viele seiner Ex-Partnerinnen auf sehr unschöne Art und Weise verlassen, sogar Doppelbeziehungen geführt oder seinen Promistatus ausgenutzt, um schnellen Sex mit Frauen zu haben. Und doch fand er es unverschämt, als eine seiner Ex-Partnerinnen ihm lange nach der Trennung mitgeteilt hat, dass sie heiraten werde und keine Freundschaft mehr mit ihm führen möchte, weil er sowas ja nie tun würde. Das zeigt, wie realitätsfremd Perry eigentlich war, was seine eigenen Handlungen und Verfehlungen angeht, besonders im Umgang mit den Frauen in seinem Leben. Er versucht sich immer wieder, als tragischen Helden darzustellen, was seine Beziehungen angeht. Aber ehrlich gesagt war es manchmal einfach nur ein egozentrisches Arschloch.

Perrys ganze Lebensgeschichte ist von Rückfällen geprägt und ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass er das Buch positiv enden lassen würde. Und doch beschreibt er wie aus dem Nichts, dass er 2022 wie geläutert war, nachdem er zum x-ten Mal am Bauch operiert und dazu angehalten wurde, dass er sterben wird, wenn er weiterkonsumiert. Durch Hypnose hat er es geschafft, das Rauchen zu stoppen und auch sonst hat er sich von allen Substanzen verabschiedet und lebt clean. Das fühlt sich fast wie ein Happy End aus einem Hollywoodfilm an, das man nicht glauben kann. 

Und genau so war es auch. Denn weniger als ein Jahr nach dem Erscheinen seines Buches ist er an den Folgen seines Konsums gestorben. Und das erhärtet den Verdacht, dass dieses ausgemalte Happy End wohl eher Perrys Wunschdenken war, und er nicht nur sich selbst, sondern die ganze Welt angelogen hat. Und so ist die Sucht eben. Das weiss ich aus beruflichen und privaten Kontexten. Manchmal gibt es kein Happy End. Und manchmal will man auch nicht aufhören und nimmt sogar den Tod in Kauf.

RIP Matthew Perry. Es tut mir im Herzen leid, dass du es bis zu deinem Tod nicht geschafft hast, deinen unersättlichen Wunsch nach Anerkennung zu überwinden.

Fazit:

Matthew Perrys Lebensgeschichte endete leider mit keinem Happy End. Ursprünglich war das Buch gedacht, Menschen mit einer Sucht zu helfen und Hoffnung zu vermitteln. Aber ich denke, das Buch ist nichts, das Hoffnung macht. Es zeigt eher auf realistische Art auf, welches tragische Ende eine Sucht manchmal nehmen kann.
Ein äusserst tragisches Buch, das den Schauspieler nicht unbedingt in einem positiven Licht erscheinen lässt und dennoch unglaublich unter die Haut geht, weil wir nun alle wissen, wie Perrys Geschichte ausgeht - selbst ohne das Buch gelesen zu haben.
7 Kommentare
(© Aufbau Audio)

Bergleuchten*
von Karin Seemayer
Gelesen von Sophie Hutter

Bewertung: ★★★☆☆

Historical Fiction, Audiobook
Spieldauer: 12 Stunden und 36 Minuten
Erscheinungsdatum: 19. Juni 2023
Verlag: Aufbau Audio


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Aufbau Audio Verlag.

Inhaltsangabe:
Im Jahr 1872 beginnt der Bau des Gotthardtunnels. Fuhrhalter Franz Herger aus Göschenen erklärt sich bereit, Baumaterialien zu transportieren, obwohl der Tunnelbau die Existenz der Fuhrleute gefährdet. Zu den Bergarbeitern aus Italien, denen man nicht freundlich gesinnt ist, gehört der Mineur Piero. Er mietet sich auf dem Hof der Hergers ein und verliebt sich in Tochter Helene. Doch die Beziehung wird von Helenes Eltern und den Dorfbewohnern nicht gebilligt und nimmt einen tragischen Verlauf.

Meine Meinung:

Ich muss vorab zugeben, dass ich vermutlich nie zu diesem Hörbuch gegriffen hätte, wenn ich nicht selbst aus der Schweiz kommen würde und die Handlung an einem Ort spielt, der mir bekannt ist. Ohne diesen Umstand, hätte mich die Inhaltsangabe vermutlich nicht genügend angesprochen, dass mich für die Geschichte interessiert hätte - auch deshalb, weil ich sonst andere Genres lese.

Das Buch spielt im 19. Jahrhundert in dem kleinen Bergdorf Göschenen, in dem der Bau des heute sehr bekannten Gotthardtunnels angekündigt und durchgeführt wird. Dies jedoch sehr zum Ärger der Dorfbewohner:innen, die gegen eine so grosse Veränderung ihres angestammten Heimatdorfes sind. Ein Grund dafür ist unter anderem, dass einige der Bewohner als sogenannte Fuhrmänner tätig sind und Lieferungen über den Gotthardpass machen. Dieses Angebot wird jedoch nicht mehr benötigt, wenn der Tunnel fertiggestellt ist, sodass sie um ihren Job fürchten.
Der Widerstand der traditionellen Schweizer führt schliesslich dazu, dass sie auch den neuen Mineuren, die zum grossen Teil aus Italien stammen, eher feindselig gegenüber gestellt sind. Man will weder den Tunnel, noch die Leute, die diesen Tunnel bauen. Doch der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten und so müssen sich die Göschener wohl oder übel mit der neuen Situation arrangieren...

Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Tunnelbau und dem Unmut, der dies vor allem bei Fuhrhalter Franz auslöst und wie er damit umgeht. Abgesehen davon, bleibt die erste Buchhälfte eher ohne grosse Ereignisse.
Ab der Mitte des Buches wandelt sich die Handlung dann in eine Liebesgeschichte zwischen Franz' Tochter Helene und dem italienischstämmigen Mineur Piero. Aufgrund der Feindseligkeit, der die Göschener gegenüber den Italienern haben, halten Helene und Piero ihre aufkeimende Liebe geheim, bis es zu einer verhängnisvollen Liebesnacht zwischen den beiden kommt, deren Konsequenzen sich nicht länger geheim halten lässt: Helene ist schwanger.
Die Ereignisse überschlagen sich daraufhin und während Piero vorübergehend aus dem Land flüchten muss, muss sich Helene überlegen, wie sie ihre Ehre als nicht verheiratete, schwangere Frau retten kann, damit ihr nicht das Kind weggenommen wird, wie es einer anderen Dorfbewohnerin passiert ist...

Ich war anfangs etwas erstaunt darüber, dass die Story eine Wendung in eine ziemlich klischeehafte Liebesgeschichte durchmacht, denn dadurch ist das Thema rund um den Gotthardtunnel fast gänzlich in den Hintergrund gerückt worden, was ich nicht erwartet hätte. Obwohl diese verbotene Liebe schon sehr kitschig war, war ich doch etwas neugierig, wie das Schicksal der beiden Turteltäubchen ausgehen würde - und das geschieht auf sehr auf konstruierte Art und Weise.
Etwas schade fand ich, dass der Tunnelbau eigentlich gar keine wesentliche Rolle eingenommen hat, nachdem einige Göschener anfangs sehr dagegen waren. Aber eigentlich diente dieser Hintergrund wohl nur dazu, dass sich Helene und Piero kennenlernen konnten - mehr nicht.

Die Erzählerin, Sandra Hutter hat mir ganz gut gefallen, da sie die Dialoge der Schweizer Charaktere in einem Schweizer Hochdeutsch spricht, das dem Ganzen mehr Authentizität verliehen hat.
Die Charaktere dagegen waren mir fast alle eher unsympathisch, denn sie haben sich irgendwie alle gleich angefühlt: Distanziert und griesgrämig. Ich weiss allerdings nicht genau, ob das an der Buchvorlage lag und die einzelnen Personen einfach zu wenig ausgearbeitet worden sind, oder ob es an der Sprecherin lag, die alle Charaktere beim Vorlesen ähnlich miesepetrig hat wirken lassen. Aber so richtig ans Herz gewachsen ist mir bis zum Schluss bedauerlicherweise keine der Personen aus dem Buch.

Fazit:

Bergleuchten war eine interessante Lese- bzw. Hörerfahrung für mich, da ich selten Bücher aus diesem Genre lese. Etwas schade fand ich, dass der Bau des Gotthardtunnels letztendlich nur eine ungeordnete Rolle spielt und viel eher die Geschichte einer verbotenen Liebe erzählt wird, die ziemlich konstruiert und klischeehaft verläuft. Da hat die Inhaltsangabe bei mir zu etwas falschen Erwartungen gefühlt. Alles in allem war es aber eine kurzweilige Erzählung, die man sich nebenbei her mal anhören kann. Drei durchschnittliche Sterne gibt es deshalb von mir.
4 Kommentare
(© Argon Verlag)

Das Glück hat acht Arme*
von Shelby van Pelt
Gelesen von Tanja Fornaro & Oliver Kube

Bewertung: ★★★☆☆

Contemporary Fiction, Audiobook
Spieldauer: 11 Stunden und 34 Minuten
Erscheinungsdatum: 28. September 2022
Verlag: Argon

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. (2 Wochen kostenloses Probeabo möglich)

Inhaltsangabe:
Seit Tova Sullivan Witwe ist, putzt sie im Sowell Bay Aquarium. Ihr fällt auf, wie Marcellus, ein neugieriger, frecher Riesenoktopus, sie aus seinem Aquarium anschaut. Marcellus ist enorm klug, aber für Menschen würde er keinen Tentakel rühren - bis er sich mit Tova anfreundet. Ihm erzählt sie von ihrem Sohn, der vor Jahrzehnten verschwand. Schlau, wie er ist, erkennt Marcellus ein Geheimnis, von dem Tova nichts ahnt. Jetzt hat er alle acht Arme voll zu tun, um die Wahrheit für Tova ans Licht zu bringen - bevor es zu spät ist.

Meine Meinung:

Auf dieses Buch war ich wirklich sehr gespannt, nachdem es mir ständig auf Bestseller-Listen begegnet ist und mit überschwänglich positiven Meinungen überhäuft wurde. Der Klappentext klang sehr vielversprechend, denn es wird eine Geschichte über eine aussergewöhnliche Freundschaft zwischen einem Menschen und einem Oktopus versprochen, von der ich jede Menge ulkige Momente erwartet hatte.
Nur leider ist diese offizielle Inhaltsangabe sowohl im Deutschen, als auch im Englischen ein absoluter Etikettenschwindel. Das hat dazu geführt, dass meine Begeisterung beim Zuhören relativ rasch abgeflaut ist, nachdem mir sehr bald klar geworden ist, dass man nicht die Story zu hören bekommt, die einem versprochen wurde.

Das Buch beginnt zwar tatsächlich damit, dass Tova, eine verwitwete ältere Frau, durch ihre Arbeit in einem Aquarium dem Oktopus Marcellus begegnet, als dieser versucht, die Flucht zu ergreifen. Aber das war es dann auch schon.
Vielmehr dreht sich die Handlung stattdessen um einen weiteren Protagonisten, aus dessen Sicht wir die Erzählung erleben. Cameron ist ein junger Mann, der bei seiner Tante aufgewachsen, weil seine Mutter ihn weggegeben hat. Diese Tatsache hat ihn zu einem ziemlich verbitterten Menschen werden lassen.
Camerons Weg führt ebenfalls nach Sowell Bay, weil er sich dort auf die Suche nach seinem Vater machen will. Und auf seiner Reise beginnt er einen Job im Aquarium, durch den er Tova und Marcellus kennenlernt, sodass sich die Wege dieser Drei kreuzen...

Ich würde behaupten, dass sich der Grossteil des Buches um Cameron und seine Identitätssuche dreht. Und das ist irgendwie ironisch, wenn man bedenkt, dass er mit keiner Silbe in der offiziellen Inhaltsangabe erwähnt wird. Tova und Marcellus spielen eigentlich nur eine sehr untergeordnete Nebenrolle und finden kaum Erwähnung, und das, obwohl die beiden und ihre Freundschaft als Hauptmerkmal des Buches beworben wird. Und das hat letztendlich dazu geführt, dass ich mit völlig falschen Vorstellungen an das Buch herangegangen bin.
Die Autorin schliesst zwar am Ende den Kreis, um die Handlungsstränge mit Tova und Cameron zusammenzubringen, aber die "Enthüllung" fand ich schon sehr konstruiert und vorhersehbar.

Camerons Suche nach seinem Vater bringt einige Hürden mit sich, und ich konnte ihm am Anfang echt nicht ausstehen. Durch seine Begegnungen mit verschiedenen Menschen in Sowell Bay, entwickelt er sich jedoch weiter und es gab dann doch noch einige Momente, die mich emotional berühren konnte und "wholesome" waren.

Die beiden Sprecher:innen machen ihre Sache sehr gut, und es war angenehm den beiden zuzuhören.

Fazit:

Ich kann bedauerlicherweise nicht nachvollziehen, woher diese überdurchschnittlich guten Bewertungen für dieses Buch kommen. Zum einen wird einem eine völlig andere Geschichte im Klappentext versprochen, die man nicht erhält. Und zum anderen fand ich den Plot, denn man dann tatsächlich erhält, nichts Besonderes und am Ende auch etwas konstruiert. Es gab zwar einige schöne Momente, die mich emotional mitnehmen konnten, aber alles in allem hätte ich hier deutlich mehr erwartet. Von mir gibt es deshalb durchschnittliche 3,5 Sterne, da das Hörbuch zumindest als Berieselung nebenbei sehr kurzweilig zum Anhören war.
6 Kommentare
(© Argon Verlag) 

Mein Name ist Estela*
von Alia Trabucco Zerán
Gelesen von Heike Warmuth

Bewertung: ★★★☆☆

Fiction, Audiobook
Spieldauer: 6 Stunden und 32 Minuten
Erscheinungsdatum: 19. Februar 2024
Verlag: Argon


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Argon Verlag.

Inhaltsangabe:
Szene um Szene offenbart sich ein schwindelerregendes Kammerspiel unüberbrückbarer Klassenunterschiede. Sieben Jahre hat Estela im Haus der fremden Familie gelebt, hat tagein, tagaus für sie gesorgt. Die weiße Schürze ist zu einer zweiten Haut geworden, die dünnen Wände ihres Zimmers rücken immer näher. Doch sie ist nicht die einzige Gefangene des Hauses: Im leeren Blick des Mädchens sieht Estela ihre eigene Einsamkeit gespiegelt. Jeder Versuch von Intimität zwischen Angestellter und Kind zerschellt an der ehrgeizigen Mutter und dem autoritären Vater, an der Brutalität der Verhältnisse. Auf engstem Raum ringen vier Menschen ums Überleben und rasen doch unausweichlich auf eine Katastrophe zu.

Meine Meinung:

Dieses Hörbuch habe ich für eine persönliche Lesechallenge ausgewählt, bei der ich möglichst viele Bücher internationaler Autorinnen lesen möchte - andernfalls wäre "Mein Name ist Estela" wohl nie auf meiner Lese- bzw. Hörliste gelandet, denn die Buchauswahl ist definitiv ausserhalb meiner üblichen Comfort Zone.
Im Buch wird die Geschichte einer chilenischen Familie erzählt, die sich wohl am besten als Drama beschreiben lässt. Protagonistin ist dabei die titelgebende Estela, die aus einfachen Verhältnissen stammt und eines Tages das Kindermädchen einer gehoberen Familie wird, um sich um deren Tochter zu kümmern. Das Kind wird im Buch nie namentlich erwähnt, sondern immer bloss "das Mädchen" genannt.

Die Handlung wird die ganze Zeit über von Estela selbst in der Ich-Perspektive erzählt, und beginnt direkt mit einem schrecklichen Aufhänger: Wir erfahren, dass das besagte Mädchen stirbt. Und wie es dazu gekommen ist, will uns Estela nun in aller Ausführlichkeit erzählen.

Was folgt, ist eine eher leise, manchmal unscheinbare Erzählung, die weniger durch grosse Momente, als durch Botschaften zwischen den Zeilen zum Nachdenken anregen soll. Besonders deutlich will die Autorin dabei die Klassenunterschiede machen, die in Chile herrschen und was das für einzelne Personen wie Estela bedeuten kann, die mit vielen Nachteilen aufgrund ihrer Herkunft zu kämpfen hat. Immer wieder stösst sie mit den Eltern des Mädchens aneinander, verhält sich aber in einigen Situationen selbst so, dass es bei mir immer wieder Fragezeichen aufgeworfen hat.

Die Beschreibung des Buches als "Kammerspiel" in der Inhaltsangabe finde ich sehr zutreffend, denn genauso liest sich die Geschichte: Es spielen sich immer wieder einzelne Szenen zwischen den Familienmitgliedern und Estela ab, die an ein Theaterstück erinnern, und nicht immer direkt zusammenhängend aufeinander folgen.

Wie das Buch ausgeht, ist dabei nicht von Relevanz, denn das wissen wir ja bereits von Anfang an. Viel interessanter ist es, wie es dazu gekommen ist. Wobei ich nach Abschluss des Buches sagen muss, dass mich die Auflösung doch etwas enttäuscht hat, weil sie dann doch so anders war, als man es aufgrund der vorherigen Ereignisse vermuten würde - aber nicht auf eine gute Weise, sondern eher auf willkürliche Art. Aber vielleicht habe ich das Ende auch einfach nicht richtig verstanden.

Ich hatte grundsätzlich Mühe den tieferen Sinn des Buches zu verstehen, da die Inhaltsangabe doch interessanter klingt, als es das Buch letztendlich war. Es gab Szenen, die sind mir sehr nahe gegangen, andere wiederum haben sich eher nichtssagend angefühlt und am Ende hat mir dann doch ein wenig, das grosse Ganze gefehlt.
Vielleicht bin ich zu ungebildet, aber ich weiss nicht, was die Botschaft dieses Buches sein soll.
Dabei hat auch nicht unbedingt geholfen, dass die Erzählerin Estela immer wieder abschweift und dies auch selbst zugibt. Sie spricht im Buch direkt zu uns als Zuhörer und kommentiert ihre Abschweifungen sogar selbst, indem sie verspricht, dass alles am Ende einen Sinn ergeben wird und somit alles von Relevanz ist, das sie erzählt. Aber diesen Eindruck kann ich nach Abschluss des Buches nicht teilen.

Fazit:

"Mein Name ist Estela" hebt sich definitiv von den 0815 Werken vieler amerikanischen Autor:innen ab, und der Schreibstil der chilenischen Autorin ist ganz anders, als ich es gewohnt bin, was mir gut gefallen hat. Die aussergewöhnliche Erzählweise und die Idee des Familiendramas waren vielversprechend, aber letztendlich fehlte mir am Ende ein "Aha-"Erlebnis oder der tiefere Sinn dieses Buches, sodass es sicher nicht lange bei mir in Erinnerung bleiben wird. Aus diesem Grund gibt es von mir 3 durchschnittliche Sterne für dieses kurze Hörbuch.
2 Kommentare
(© Argon Verlag)

Vier Farben der Magie* (Shades of Magic #1)
von V.E. Schwab
Gelesen von Peter Lontzek

Bewertung: ★★☆☆☆

YA Fantasy Audiobook
Spieldauer: 12 Stunden und 53 Minuten
Erscheinungsdatum: 27. April 2017
Verlag: Argon

* Gehört auf audioteka.com/de [Werbung]. (2 Wochen kostenloses Probeabo möglich)

Inhaltsangabe:
Es gibt vier Farben der Magie: Im Roten London befindet sie sich im Gleichgewicht mit dem Leben. Im Weißen wird die Magie versklavt, kontrolliert, unterdrückt. Dem Grauen London ist sie fast abhandengekommen. Und im Schwarzen London hat sie das Leben selbst vertilgt. Als einer der wenigen Antari springt Kell zwischen den verschiedenen Welten hin und her. Doch er führt ein Doppelleben: Er ist Botschafter der Könige, aber auch ein Schmuggler. Eines Tages wird ihm ein schwarzer Stein zugesteckt, den er vom Weißen London ins Graue transportieren soll. Dass es sich um ein mächtiges magisches Artefakt handelt, merkt er erst, als er sich von einem gefährlichen Feind verfolgt sieht, der ihm das gute Stück abjagen möchte und dabei vor keinem Mittel zurückschreckt. Auf der Flucht trifft der Magier die gewitzte Diebin Delilah Bard, die Kell zunächst ausraubt, ihm dann aber hilft. Allerdings erwartet sie eine Gegenleistung von ihm ...

Meine Meinung:

Diese Rezension auf meinem Blog zu veröffentlichen ist ein Novum für mich, denn ich habe noch nie eine ausführliche Meinung zu einem Reread geschrieben. Das erste Mal habe ich das Buch 2018 gelesen und meine Rezension dazu findet ihr unter diesem Link.
Wenn ich meine damalige Rezension mit dem heutigen Reread vergleiche, dann gibt es doch massive Unterschiede, wie ich die Geschichte, die Charaktere und der Reihenauftakt ganz allgemein wahrgenommen habe.

Ich muss jedoch erwähnen, dass ich 2018 auf einem ziemlichen "V.E. Schwab-Hype-Trip" war und nahezu alle ihre Bücher verschlungen habe und als grosser Fan der Autorin über viele Schwächen hinweggesehen habe, was meine damalige sehr grosszügige Bewertung zum Teil erklären würde.
Ironischerweise hatte ich im Anschluss nie Lust, die Fortsetzung zu lesen und ich konnte mich auch relativ bald an überhaupt nichts mehr vom Inhalt oder den Charakteren erinnern. Und beides spricht für mich im Nachhinein nicht gerade dafür, dass meine damalige Wertung wirklich echt war - denn ein Buch, das mich angeblich so begeistert, hätte ich nicht so schnell vergessen und auch unbedingt wissen wollen, wie sich die Handlung in den Folgebänden weiterentwickelt.

Lange Rede kurzer Sinn: "Vier Farben der Magie" hat mir insgesamt leider nicht gefallen. Und das fängt direkt schon bei der Story an, die sich in wenigen Sätzen zusammenfassen lässt: Protagonist Kell ist ein Antari, der auf magische Weise zwischen verschiedenen Welten hindurchwandern kann. Die verschiedenen Welten sind dabei vier verschiedene Versionen Londons, die aber bis auf den Namen wenig gemeinsam haben. Kell verbringt seinen Alltag damit, verschiedene Botengänge zwischen den Welten zu erledigen, bis er eines Tages einen ominösen Stein irgendwo hinbringen muss. Der Stein scheint sehr begehrt zu sein und ruft einige Feinde auf den Plan, die Kell das magische Artefakt abnehmen wollen. Doch er bekommt unerwartet Hilfe von einer jungen Diebin, die ihm auf seinem Abenteuer begegnet und ihm hilft, den Auftrag zu erfüllen...

Zusammengefasst klingt die Handlung noch vielversprechend, in der Ausführung hat sich aber gezeigt, dass der Plot eigentlich sehr dünn ist und wenig hergibt. Die ganze Einleitung in Kells Arbeit als Botenjunge zieht sich ziemlich lange hin und selbst nachdem das Abenteuer mit dem Stein losgeht und einige actiongeladene Szenen passieren, ist bei mir trotz allem keine Spannung aufgekommen.
Es gab weder fesselnde Momente, noch irgendwelche Überraschungen, die mein Interesse wecken konnten und das Zuhören hat sich ehrlicherweise zäh wie Kaugummi angefühlt, sodass ich immer wieder mit meinen Gedanken abgeschweift bin.

Lustigerweise habe ich 2018 die angeblich vielschichtigen Charaktere positiv hervorgehoben und dieses Mal dachte ich die ganze Zeit über, dass mir bisher selten so blasse und nichtssagende Hauptcharaktere begegnet sind, wie Kell und Lilah. Man erfährt eigentlich nichts über die beiden, bis darauf, dass der eine ein Botenjunge ist und die andere eine Diebin. Ansonsten scheinen beide keinerlei Charaktereigenschaften zu besitzen, die sie irgendwie erinnerungswürdig machen würde und ich fand, dass es Schwab dieses Mal nicht gelungen ist, ihre Charaktere gut auszuarbeiten (auch nicht die Nebencharaktere oder die Antagonist:innen). Und das hat dazu geführt, dass mir deren Schicksale eigentlich relativ egal waren.

Das einzig Positive, das ich auch nach dem Reread erwähnen kann, ist die Idee zum Worldbuilding. Ich finde es nach wie vor schön, dass sich die Autorin bei jeder neuen Buchreihe oder jedem neuen Einzelband aus ihrer Comfort Zone herausbewegt und neue Ideen ins Zentrum stellt. Da ihre Bücher aber so unterschiedlich sind, führt das natürlich auch zwangsläufig dazu, dass einem nicht jedes ihrer Bücher gefallen kann.

Zuletzt möchte ich auch noch ein paar Worte zur Hörbuchfassung verlieren: Das Hörbuch wird von Peter Lontzek gesprochen und obwohl er sich sehr bemüht, war seine Erzählstimme überhaupt nicht mein persönlicher Geschmack. Er hat eine Stimme, die mich an Sprecher einer stinklangweiligen Tierdoku erinnern und diese Assoziation hat deshalb nicht unbedingt geholfen, dass ich die Handlung als noch langweiliger erlebt habe, als sie es ohnehin schon war. Aber das ist ein absolut subjektiver Kritikpunkt und selbstverständlich nicht in meine Bewertung miteingeflossen, da Lontzek seine Sache an und für sich gut macht und er nichts dafür kann, wenn mich seine Stimme zum Einschlafen bringt. ;D

Fazit:

Leider konnte mich der Reread des Weltenwanderer-Auftakts nicht mehr überzeugen. Das Worldbuilding würde Potenzial bieten, aber der Plot ist sehr dünn und die Charaktere so blass, dass beide in Kombination die Hörerfahrung ziemlich anstrengend und uninteressant gemacht haben.
Ich werde der Fortsetzung dennoch eine Chance geben, aber falls sich im zweiten Band nicht mehr Spannung oder Charaktertiefe einstellt, dann werde ich die Reihe vermutlich relativ rasch abbrechen. 2.5 Sterne gibt es dieses Mal von mir für das Buch.
8 Kommentare
(© Beltz)

Therapie-Tools: Selbstfürsorge*
von Malzer-Gertz, Gloger, Martin & Luger-Schreiner

Bewertung: ★★☆☆☆

Nonfiction, Psychology, 233 Seiten
Erscheinungsdatum: 08. Februar 2023
Verlag: Beltz


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Beltz Verlag.

Inhaltsangabe:
Eine gelingende Selbstfürsorge geht über einen ausgiebigen Spaziergang oder die »schöne Tasse Tee« hinaus: Vor allem durch das Erfahren von Mitgefühl, Akzeptanz und Selbstmitgefühl kann ein persönliches Gleichgewicht erreicht werden, das beim Bewältigen von psychischen Erkrankungen und Problemen bedeutsam ist.
Störungs- und therapieschulenübergreifend: Der Therapie-Tools-Band stellt zahlreiche Übungen und Hilfestellungen für Klient:innen und Therapeut:innen zusammen, die zu einer verbesserten Selbstfürsorge beitragen. Einzusetzen sind die Meditationen, Kreativ- und Körperübungen primär bei Depressivität, Angst, Scham, Schmerz, Trauma und Selbstabwertung.

Meine Meinung:

Wer öfter auf meinem Blog unterwegs ist, weiss, dass ich als Psychologin inzwischen ein grosser Fan der Therapie-Tools Reihe des Beltz Verlags bin. Vorweg sei gesagt, dass es sich hierbei in erster Linie nicht um Selbsthilfebücher für Betroffene handelt, sondern sich eher an Fachpersonen richtet, die im Bereich der Therapie oder Beratung tätig sind. Die Bücher sind im Grunde eine Sammlung von Arbeitsblättern und Übungen, die man praxisnah anwenden kann.

Jedes Buch wird von anderen Autor:innen geschrieben, sodass der Aufbau optisch sehr ähnlich ist, aber der Inhalt und die Vorgehensweise können sich unterscheiden.

Das Thema Selbstfürsorge ist etwas, das ich sehr wichtig finde und mir bei meiner Arbeit durch alle Altersklassen und Symptome hinweg früher oder später begegnet, deshalb hatte ich grosse Erwartungen an das Buch, durch das ich mir neue Inputs und Ideen zum Thema Selbstfürsorge erhofft habe.

Leider war es aber zum ersten Mal so, dass ich irgendwie keinen richtigen Zugang zu den einzelnen Übungen finden konnte. Obwohl die offizielle Inhaltsangabe verspricht, das es sich um therapieschulenübergreifende Tools handelt, hatte ich den Eindruck, dass hier doch sehr stark bestimmte Richtungen eingeflochten sind, die ich nicht unbedingt der Wissenschaft der Psychologie zuordnen würde, sondern eher aus einem esoterischen oder spirituellen Bereich stammen, der mir persönlich einfach völlig fremd ist. Und da das nicht meiner Arbeitsweise entspricht, die ihren Ursprung doch sehr in der Verhaltenstherapie hat, hatte ich wirklich Mühe mich auf das Buch einzulassen.
Viele der vorgestellten Konzepte sind nicht ganz neu, aber werden durch eigene Begrifflichkeiten ersetzt oder zum Beispiel durch Konzepte aus fernöstliche Glaubensrichtungen ergänzt, sodass sich alles doch irgendwie befremdlich für mich gelesen hat, weil ich mir niemals anmassen würde, in einer Therapie das Konzept Ying oder Yang einfliessen zu lassen, ohne jemals Berührungspunkte damit gehabt zu haben.

Obwohl die Inhaltsangabe vielversprechend klingt und viele wichtige Themen wie Scham- oder Schuldgefühle, oder auch die Arbeit mit dem inneren Kritiker abgedeckt sind, lesen sich die einzelnen Übungen irgendwie alle sehr ähnlich. In allen Übungen soll man in sich gehen und körperliche Signale wahrnehmen und sich dann verschiedene Fragen stellen, die sich je nach Themenfokus unterscheiden können. Die Übungen setzen meiner Meinung nach eine gute Introspektions- und Imaginationsfähigkeiten voraus, also man muss sich und die eigenen inneren Vorgänge sehr gut wahrnehmen, verstehen und benennen können, sowie auch eine gute Vorstellungskraft haben, damit die Übungen funktionieren. Und das ist etwas, das man nicht grundsätzlich bei allen Klient:innen voraussetzen kann.

Ein grosser Schwerpunkt des Buches stellt auch die Meditation dar, von der ich eigentlich viel halte. Aber hier wird eine eher dialogbasierte Unterform der Meditation vorgestellt, die mich persönlich wenig angesprochen hat - zumal sich die einzelnen Anleitungen für mich einfach zu esoterisch lesen, als dass ich sie ernstgemeint mit meinen Klient:innen rüberbringen könnte.

Fazit:

Dieses Buch hat mich leider aufgrund seiner doch sehr esoterisch-spirituell orientierten Grundhaltung nicht angesprochen. Es wird im Buch viel geschrieben, aber ich konnte weder theoretisch noch praktisch sonderlich viel Hilfreiches aus den Übungen ziehen, weil sich die Arbeitsweise der Autor:innen einfach zu sehr von meiner eigenen unterscheidet. Ich kann mir vorstellen, dass die Übungen und auch das Buch bei anderen Personen mehr Anklang finden, aber für mich war der Inhalt sehr enttäuschend, da ich nicht den Eindruck hatte, dass es wirklich um Selbstfürsorge geht, sondern eher ein bestimmter Therapieansatz, der sich an fernöstlichen Philosophien orientiert. Die wenigen Übungen, die mich angesprochen haben, wie zum Beispiel das Positiv-Tagebuch, waren mir bereits bekannt.
Dieses Mal kann ich deshalb keine persönliche Empfehlung zu diesem Buch aus der Therapie-Tools Reihe abgeben. Das Buch eignet sich aus meiner Sicht eher für Fachpersonen und Klient:innen, die eine spirituelle Grundhaltung haben, und weniger für Fachpersonen wie mich, die verhaltenstherapeutisch vorgehen.
2 Kommentare
(© Heyne)

Tu dir gut - denn der wichtigste Mensch in deinem Leben bist du*
von Jayne Hardy

Bewertung: ★★☆☆☆

Self Help, 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 14. Januar 2019
Verlag: Heyne


*Rezensionsexemplar. Vielen Dank an den Heyne Verlag.

Inhaltsangabe:
Selbstfürsorge ist nicht nur unverzichtbar für unser körperliches und seelisches Wohlergehen, sie ist auch alles andere als egoistisch! Denn wer sich mit sich selbst wirklich wohlfühlt, kann auch positive Energien in die Welt bringen. Jayne Hardy schenkt wertvolle Impulse, die ganz einfach in das tägliche Leben integriert werden können: Um seine ureigensten Bedürfnisse besser kennenzulernen, das Selbstwertgefühl zu stärken und eine wundervolle Freundschaft mit sich selbst zu schließen.

Meine Meinung:

Ich glaube ein Blick auf das Cover und den Titel verrät bereits sehr eindeutig, worum es in diesem Buch geht: Selbstfürsorge. Ein Konzept, das in meiner täglichen Arbeit als Psychotherapeutin eine grosse Wichtigkeit hat, weshalb ich immer auf der Suche nach empfehlenswerter Literatur in diesem Bereich bin.

"Tu dir gut" wurde von keiner Fachperson geschrieben, sondern von einer Bloggerin, die selbst unter Depressionen gelitten hat und dadurch in Berührung mit dem Thema Selbstfürsorge gekommen ist. Und in diesem Buch will sie ihre Erfahrungen an andere Menschen weitergeben, was grundsätzlich sehr lobenswert ist.

Was mir beim Lesen direkt aufgefallen ist, ist der Umstand, dass es ziemlich lange dauert, bis man an die praxisbezogenen Tipps zur Umsetzung von Selbstfürsorge im Alltag kommt. Ich hatte den Eindruck, dass die ersten 80 Seiten viel Vorgeplänkel waren, in denen die Autorin viel schreibt, ohne wirklich etwas Relevantes zu sagen, denn eigentlich will sie zunächst nur deutlich machen, was Selbstfürsorge eigentlich ist und weshalb sie so wichtig ist. Das macht sie aber für meinen Geschmack etwas zu ausufernd, sodass ich mich immer wieder beim Querlesen ertappt habe.

Die langersehnten Praxistipps zur Umsetzung erscheinen dann irgendwann auch tatsächlich und sie sind durchaus alltagsnah, wirken aber entgegen dem Versprechen auf dem Cover eines "Selbstfürsorge-Projekts" etwas planlos und willkürlich zusammengewürfelt. Viele der Tipps waren mir zu allgemeingültig und lasen sich - passend zum Jahreswechsel - wie die typischen Neujahresvorsätze: Du solltest mehr Wasser trinken. Du solltest mehr auf deine Gesundheit achten. Du solltest weniger Zeit am Handy verbringen. Du solltest auch mal Nein sagen. Und so weiter, und so fort...
Mir ist durchaus bewusst, dass man das Rad beim Thema Selbstfürsorge nicht neu erfinden kann (und auch nicht muss), aber ein bisschen differenzierter hätte es für meinen Geschmack sein dürfen, denn ich denke, diese generischen Ratschläge sind allseits bekannt und helfen im konkreten Fall nicht unbedingt weiter - gerade wenn man unter einer Depression leidet.

Das Buch ist auch immer wieder mit Kritzeleien und Illustrationen geschmückt, die wohl als Arbeitsblätter für eine Selbstreflexion dienen sollen. Meistens handelt es sich um Felder zum Ausfüllen zu Fragen wie "was gibt mir Kraft?" oder "was hindert mich daran, sich um mich selbst zu kümmern" oder ähnlich. Im Grunde wären diese Arbeitsblätter eine gute Idee und bringen Abwechslung in das textlastige Buch rein, nur leider werden sie ohne jegliche Instruktion willkürlich in die Kapitel hineingeworfen, ohne dass sie direkt Bezug auf das nehmen, was zuvor behandelt wurde. Das hat einmal mehr etwas konzeptlos und unstrukturiert auf mich gewirkt.Grundsätzlich begrüsse ich Bücher zum Thema Selbstfürsorge, aber hier wurde für meinen Geschmack viel geschrieben, ohne wirklich etwas Neues zu sagen und über generische 0815 Ratschläge hinauszugehen. Man merkt, dass die Autorin keine Fachperson ist - das ist zwar nicht immer ein Qualitätsmerkmal, aber da ich erst vor kurzem ein Buch einer Psychotherapeutin zu dem Thema gelesen habe, kann ich im direkten Vergleich sagen, dass mir das andere Buch deutlich besser gefallen hat, weil es nicht nur mit Quellenangaben zu wissenschaftlichen Grundlagen untermalt war, sondern auch einer klaren Struktur gefolgt ist. Hier hatte ich eher den Eindruck, als würde ich einem typisch amerikanischen Selbsthilfe-Guru zuhören, der viel sagt, ohne dass man Ende wirklich mehr weiss.

Fazit:

Selbsthilfebücher sind Geschmackssache und ich bin sicher, dass es auch Menschen gibt, die sich von Hardy und ihrem Buch angesprochen und gut begleitet fühlen. Nur ich gehöre nicht dazu und werde das Buch auch nicht in die Liste meine Literaturempfehlungen aufnehmen, weil mir zu wenig Handfestes dabei war. Von mir gibt es 2.5 Sterne.
2 Kommentare
 
Auch in diesem Jahr werde ich wieder an der SuB-Senioren-Challenge von Nicole von Zeit für neue Genres teilnehmen. Es geht darum, die ältesten Bücher auf dem SuB zu lesen. Da ich im letzten Jahr rigoros aussortiert habe, bin ich gespannt, wie meine Erfahrungen mit der Challenge in diesem Jahr sein werden.

Die Regeln

  • Diese Challenge ist kein Wettbewerb.
  • Bücher, die ungelesen aussortiert werden, und abgebrochenen Bücher zählen nicht als gelesen. In dem Fall rückt das nächste Buch vom SuB nach. Für einen vollständigen Kurerfolg müssen die 10 ältesten SuB-Titel gelesen sein.
  • Einsteigen ist jederzeit möglich.
  • Es gelten Hörbücher, eBooks und Printbücher. Die Hauptsache ist, dass die Geschichte vom SuB befreit wird und der nette Stapel ungelesener Bücher insgesamt ein bisschen jünger geworden ist. 
  • Challengezeitraum: 01. Januar 2024 bis 31. Dezember 2024

Meine Leseliste

Gelesene Bücher: 10/10
Challenge beendet am 06.10.2024

  1. Kleine Stadt der grossen Träume - Fredrik Backman (seit dem 26.11.2017 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 30.01.2024 » Kurzmeinung

  2. Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (Wayfarers, #1) - Becky Chambers (seit dem 16.12.2017 auf dem SuB) ✘ ★☆☆☆☆
    abgebrochen am 18.02.2024 » Kurzmeinung

  3. Die Verzauberung der Schatten (Weltenwanderer #2) - V.E. Schwab (seit dem 24.01.2018 auf dem SuB) ✘
    abgebrochen am 19.01.2024 » Kurzmeinung

  4. Am Ende der Welt (Angelfall, #3) - Susan Ee (seit dem 03.02.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 26.02.2024 » Kurzmeinung

  5. Mein Herz in allen Einzelteilen - Julie Buxbaum (seit dem 18.02.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★★☆
    beendet am 09.02.2024 » Kurzmeinung

  6. Goldener Zorn (Children of Blood and Bone, #1) - Tomi Adeyemi (seit dem 12.03.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★★☆
    beendet am 25.05.2024 » Kurzmeinung

  7. Die fünf Gaben (Valenias Töchter, #1) - Rebecca Ross (seit dem 29.04.2018 auf dem SuB) ✔ ★☆☆☆☆
    beendet am 25.06.2024 » Kurzmeinung

  8. Liebe und der erste Blick - Josh Sundquist (seit dem 10.06.2018 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 22.02.2024 » Kurzmeinung

  9. Too Late - Colleen Hoover (seit dem 17.11.2018 auf dem SuB) ✘ ★☆☆☆☆
    abgebrochen am 06.08.2024 » Kurzmeinung

  10. Outlander - Feuer und Stein (Outlander #1) - Diana Gabaldon (seit dem 11.01.2019 auf dem SuB) ✘ ★☆☆☆☆
    abgebrochen am 20.04.2024 » Kurzmeinung

  11. Die Aufforderung des Schlafwandlers zum Tanz - Mira Jacob (seit dem 18.01.2019 auf dem SuB) ★★☆☆☆
    beendet am 06.10.2024 » Rezension

  12. Der Tod der Mrs Westaway - Ruth Ware (seit dem 22.07.2019 auf dem SuB) ✔ ★★☆☆☆
    beendet am 29.06.2024 » Kurzmeinung

  13. Animant Crumbs Staubchronik - Lin Rina (seit dem 08.02.2020 auf dem SuB) ✔ ★★☆☆☆
    beendet am 13.08.2024 » Kurzmeinung

  14. Wie du mich siehst - Tahereh Mafi (seit dem 06.03.2020 auf dem SuB) ✔ ★★★☆☆
    beendet am 09.08.2024 » Kurzmeinung
4 Kommentare
(© Argon Verlag)

Book Lovers - Die Liebe steckt zwischen den Zeilen*
von Emily Henry
Gelesen von Christiane Marx

Bewertung: ★★★☆☆

Contemporary Romance, Audiobook
Spieldauer: 13 Stunden und 19 Minuten
Erscheinungsdatum: 01. Dezember 2023
Verlag: Argon


*Rezensionsexemplar von Netgalley. Vielen Dank an den Argon Verlag.

Inhaltsangabe:
Die New Yorker Literaturagentin Nora Stephens ist das Gegenteil jeder romantischen Romanheldin. Sie ist tough, scharfzüngig und nicht auf der Suche nach der großen Liebe. Einzig für ihre Schwester Libby würde sie alles tun – sogar einen Sommer in der idyllischen Kleinstadt Sunshine Falls verbringen, dem Schauplatz von Libbys Lieblingsromanen. Von Picknicks auf Blumenwiesen und Dates mit attraktiven Landärzten jedoch keine Spur! Ausgerechnet dem arroganten und unnahbaren New Yorker Lektor Charlie Lastra begegnet Nora in Sunshine Falls wieder. Nach und nach muss sie jedoch erkennen, dass nicht nur in Büchern, sondern auch im wahren Leben manches anders ist, als es auf den ersten Blick scheint.

Meine Meinung:

Vorweg muss ich zugeben, dass ich fast gar keine Contemporary Romance bzw. Chick-Lit mehr lese und ich deshalb so überhaupt nicht zur Zielgruppe des Buches gehöre. Aber, Emily Henrys Bücher erhalten auf meiner meistgenutzten Lesecommunity jedes Mal so überdurchschnittliche gute Bewertungen, dass ich der Autorin noch einmal eine Chance geben musste, weil mich der Hype um ihre Bücher so neugierig gemacht hatte. Eine zweite Chance deshalb, weil ich schon einmal ein Hörbuch der Autorin gehört habe, das hochgelobt wurde und mich dann sehr enttäuscht zurückgelassen hat, weil es nichts anderes, als eine seichte, vorhersehbare Chick-Lit war. Ich wollte jedoch herausfinden, ob es sich bloss um einen Fehlgriff gehandelt hatte, oder ich den Hype tatsächlich nicht teilen/nachvollziehen kann.

Doch beginnen wir von vorne: Book Lovers erzählt die Geschichte von Nora Stephens, die auf ausdrücklichen Wunsch ihrer Schwester, gemeinsam mit ihr nach Sunshine Falls reist - einem abgeschiedenen Örtchen, das so gar nicht mit New York City vergleichbar ist, wo Nora eigentlich lebt.
Dort angekommen, trifft Nora einige der Kleinstadtbewohner, die sich näher kennenlernt. Darunter befindet sich auch ein junger, gutaussehender Mann, der Nora nicht ganz unbekannt ist und es schafft, ihr Interesse zu wecken...

Die Inhaltsbeschreibung klingt sehr unspektakulär, und das ist so, weil auch die Handlung im Buch sehr überschaubar bleibt und nicht sehr viel mehr Spannung hergibt. Es gibt im Buch keinen grossen Aufhänger, der mich beim Lesen regelrecht gefesselt hätte und es hat auch etwas gedauert, bis ich mit Nora und der Story warmgeworden bin, die vor allem durch ihre Charaktere lebt.
So richtig wollte der Funke nicht überspringen, aber gerade Charlie Lastra, Noras Love Interest, hat mich irgendwann dann doch neugierig gemacht, sodass ich bis zum Schluss doch noch ein wenig mit den beiden Turteltäubchen mitgefiebert habe und gehofft habe, dass sie ihr Happy End bekommen - was bei einer Chick-Lit ja ohnehin zu erwarten ist.
Abgesehen davon, versucht die Autorin noch das Interesse ihrer Leser:innen zu wecken, indem Noras Schwester irgendetwas verheimlicht, das erst am Ende enthüllt wird. Doch so richtig vom Hocker gehauen, hat mich diese Enthüllung nicht.

Der Schreibstil, sowie auch die Charaktere sind eher einfach gehalten, sodass man das Hörbuch gut nebenbei hören kann. Die Sprecherin Christiane Marx hat eine sehr angenehme Erzählstimme, die für mich sehr gut zum Inhalt des Buches gepasst hat, und das Zuhören sehr kurzweilig gestaltet hat.

Fazit:

Alles in allem war das Buch nicht schlecht, aber den Hype um Henrys Bücher kann ich nach wie vor nicht nachvollziehen, denn bei ihren Büchern bekommt man genau das, was versprochen wird: Eine kitschige, vorhersehbare, romantische Chick-Lit.
Wer dieses Genre mag, der wird an den Büchern der Autorin Freude finden, aber für mich sind solche Bücher einfach zu seicht und konstruiert, als dass ich mehr als 3 Sterne vergeben könnte.
Ein nettes Buch für zwischendurch, aber für mich wird es wohl das letzte Buch der Autorin bleiben, da ich die überaus hohen Bewertungen nicht gerechtfertigt finde. "Book Lovers" liest sich wie fast jedes andere Buch aus dem Chick-Lit Genre und sticht für mich nicht mit einem besonderen Merkmal heraus, das erklären würde, weshalb gerade die Bücher dieser Autorin sich solcher Beliebtheit erfreuen.
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Schweizerin. Liebt Bücher. Bevorzugte Genres: Young Adult, (Urban) Fantasy, Dystopia, Thriller, (Historical) Fiction.

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